Der dünne Mann (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Der dünne Mann
Originaltitel The Thin Man
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1934
Länge 87 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie W. S. Van Dyke
Drehbuch Albert Hackett,
Frances Goodrich
Produktion Hunt Stromberg
Musik William Axt
Kamera James Wong Howe
Schnitt Robert Kern
Besetzung

Der dünne Mann (Originaltitel: The Thin Man, auch Der Unauffindbare, Mordsache „dünner Mann“) ist eine US-amerikanische Kriminalkomödie aus dem Jahr 1934 nach dem gleichnamigen Roman von Dashiell Hammett.

Handlung[Bearbeiten]

Nick Charles hat das sprichwörtliche große Los gezogen: Der erfolgreiche Detektiv ehelicht die elegante Millionenerbin Nora, um seine Zeit fortan primär dem Trinken, den ironischen Wortgefechten mit seiner Frau und dem gemeinsamen Hund Mr. Asta zu widmen. Seit vier Jahren hat er im entfernten San Francisco keinen einzigen Fall mehr gelöst, doch wird Noras Neugier bei einem Besuch in New York durch einen mysteriösen Fall geweckt.

Der Wissenschaftler Clyde Wynant wollte sich auf eine Reise begeben, hat jedoch niemandem das Ziel verraten. Auch sein Anwalt Herbert MacCauley fragt ihn umsonst nach dem Reiseziel. Zu Weihnachten wollte er wieder in der Stadt sein, um der Hochzeit seiner Tochter Dorothy beizuwohnen. Kurz vor seiner Abreise kommt es zum Streit mit seiner Sekretärin und Geliebten Julia Wolf, die Wertpapiere aus Clydes Safe entwendet, die er seiner Tochter zur Hochzeit schenken wollte, und „für ihn“ verkauft hat. Von den erhofften 50.000 Dollar könne sie ihm jedoch nur die Hälfte geben, da sie angeblich für die Papiere nicht mehr erhalten hat. Nur mit Julia bleibt Clyde während seiner Reise in Kontakt und fordert über sie benötigtes Geld an.

Kurze Zeit später will Wynants geschiedenen Frau Mimi, die inzwischen mit dem undurchsichtigen Chris Jorgenson verheiratet ist, Julia Wolf aufsuchen. Mimi jedoch findet Julia ermordet vor. In ihrer Hand hält sie eine Kette von Clyde, die Mimi an sich nimmt – sie will ihren Ex-Mann schützen. Während Nick vorgibt, am Fall kein Interesse zu haben, drängt ihn nicht nur Nora zur Übernahme des Falls, sondern bald auch die Familie Clydes und die Polizei. Als nach Julia auch noch der Polizeispitzel Nunheim ermordet wird, gibt Nick dem Drängen nach. Er glaubt nicht, dass Clyde die Morde begangen hat und begibt sich in die geschlossene Fabrik des Wissenschaftlers. Hier macht sein Hund Asta ihn auf frisch gegossenen Beton aufmerksam und kurze Zeit später findet die Polizei eine weitere Leiche. Während Kleidungsreste einen früheren Feind Clydes vermuten lassen, weiß Nick aufgrund eines Splitters im Bein, dass er die Leiche Clydes gefunden hat.

Er lädt alle Verdächtigen zu einem großen Abendessen ein: Es kommen der Gangster Morelli, die Tochter Clydes mit Verlobtem, der Sohn Clydes, Clydes Ex-Frau Mimi, der Polizeiinspektor, Nunheims Freundin, Mimis neuer Mann Chris, der mit seiner ihr unbekannten Ehefrau erscheint, und weitere Herren, darunter auch Clydes Anwalt MacCaulay. Als Nick erzählt, am Vortag Clyde gesehen zu haben, – wobei er verschweigt, dass es nur seine Leiche war – gibt Mimi an, ihren Ex-Mann ebenfalls getroffen zu haben. Die Falschaussage bringt Nick zu einer gewagten Herleitung der eigentlichen Umstände der Morde.

Am Ende zeigt sich, dass MacCaulay der Mörder Clydes ist: Er betrog Clyde zusammen mit Julia um Geld und Clyde begann mit der Suche nach dem Komplizen Julias. MacCaulay, der fürchtete, ins Gefängnis zu kommen, erschoss Clyde. Er versuchte nun selbst, über die unwissende Julia mit gefälschten Briefen Clydes für sich mehr Geld zu kassieren. Als Mimi ihren Besuch bei Julia ankündigte, um mit ihr über Clyde zu reden, erschoss MacCaulay aus Angst vor Verrat auch Julia. Nunheim wiederum befand sich zu dem Zeitpunkt vor der Hoteltür, sah MacCaulay fortgehen und erpresste ihn fortan mit seinem Wissen. Bei der zweiten Geldübergabe erschoss MacCaulay auch ihn. Da MacCaulay die Spur endgültig auf Clyde lenken wollte, wandte er sich schließlich an Mimi, die mit einer Falschaussage bezeugen sollte, Clyde gesehen zu haben, und dafür Geld erhielt. Als Nick nun von seinem „Treffen“ mit Clyde erzählte, hielt sich Mimi an die Instruktionen MacCaulays und überführte ihn damit. MacCaulay wiederum will am Tisch mit einer Waffe feuern, wird jedoch von Nick k.o. geschlagen.

Wenig später fahren Nick und Nora vom hektischen New York zurück nach San Francisco.

Bedeutung[Bearbeiten]

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Die konventionell strukturierte, wenn auch zum Teil recht elegant konstruierte Handlung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Film nicht nur für sein Genre, sondern auch für das Kino der 30er insgesamt von enormer Relevanz war. Die Bedeutung ergibt sich zu einem großen Teil aus der Rolle Myrna Loys, die den damaligen Zuschauer mit einem ganz neuen und unkonventionellen Frauentyp konfrontierte, der den Idealen der Zeit auf charmante Art zuwiderlief. Nora ist ihrem Mann intellektuell ebenbürtig und zeigt dies auf eine sarkastisch-unterkühlte Art, mit der sie über das exzentrische Verhalten ihres Mannes schlicht hinwegsieht. Symptomatisch für die Ausnahmestellung dieses Charakters sind Aspekte wie der beträchtliche Alkoholkonsum der jungen Frau, ihre scharfsinnigen Deduktionen sowie die Eleganz, die ihr Verhalten auszeichnet. Dies spiegelt sich im Verhältnis zu Nick wider: Die Beziehung ist stets ironisch und als absolut ebenbürtig zu charakterisieren, was den emotional-patriarchalischen Klischees des frühen Kinos klar zuwiderläuft. Insgesamt ist das Verhältnis der Eheleute der Kern des Films, die Handlung ist dagegen fast als irrelevant zu bezeichnen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Weiterführung des Hardboiled-Genres, dem seine literarische Vorlage entstammt. Nick entspricht zwar in vielerlei Hinsicht den alten Klischees aus diesem Genre, durch seine familiäre Situation und seinen Hang zur Exzentrik wird dies ironisch gebrochen. Dadurch wird (wie es in verminderter Form der Italo-Western für das Westerngenre tat) die Formelhaftigkeit der Hardboiled-Tradition deutlich, ohne dass die alten Leitbilder verschwinden. Die Typenhaftigkeit, die viele dieser Filme auszeichnete, weicht einer individuellen Charakterisierung, die einen wichtigen Aspekt modernen Kinos vorzeichnet.

The Thin Man war Hammetts fünfter und letzter Roman. Danach schrieb er nur noch Auftragsarbeiten, wie das Drehbuch zu „Dünner Mann Fall 2“.

Deutsche Fassung[Bearbeiten]

Die deutsche Synchronbearbeitung wurde erst 1969 im Auftrag des ZDF angefertigt. Für William Powell sprach Friedrich Schoenfelder, Rosemarie Fendel lieh Myrna Loy ihre Stimme, und für Porter Hall sprach Manfred Schott.[1]

Kritik[Bearbeiten]

Der film-dienst bezeichnete den Film als „eine intelligente Kombination aus erfrischend-frivoler Salon-Komödie und spannend-temporeichem Kriminalfilm, hervorragend gespielt, angereichert mit beschwingt-amüsanten Dialogen“.[2] Eine gute Meinung von dem Streifen hat auch der Evangelische Film-Beobachter: „Kriminalkomödie aus dem Jahr 1934, die vorzügliche, spannende Unterhaltung liefert.“[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film erhielt 1935 vier Oscar-Nominierungen in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller und Bestes adaptiertes Drehbuch, konnte jedoch keinen der Preise gewinnen.

1997 wurde er in die National Film Registry aufgenommen.

Fortsetzungen[Bearbeiten]

Von 1936 bis 1947 wurden insgesamt fünf Fortsetzungen mit derselben Besetzung der Hauptfiguren gedreht, welche die Klasse und den Charme des Originalfilms zumindest teilweise reproduzierten:

Mit dem „dünnen Mann“ war im ersten Film der Reihe ursprünglich der ermordete Wissenschaftler Clyde Wynant gemeint. Erst später wurde die Bezeichnung auf den Detektiv Nicholas Charles übertragen und so zum Erkennungsmerkmal der ganzen Filmreihe.

Als Hommage an Der dünne Mann ist das Auftauchen des Detektiv-Ehepaares Dick und Dora Charleston in der Krimi-Parodie Eine Leiche zum Dessert zu nennen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mordsache 'Duenner Mann' (1934) in der Synchrondatenbank von Arne Kaul; abgerufen am 18. Oktober 2008
  2. Der dünne Mann im Lexikon des Internationalen Films
  3. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 93/1969