Der rasende Roland

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Dieser Artikel behandelt das Epos. Für die Eisenbahn auf Rügen siehe Rasender Roland; für den gleichnamigen Film des DFF siehe Der rasende Roland (Film); für die Oper von Vivaldi siehe Orlando furioso.
Der rasende Roland (Illustration von Gustave Doré)
Titelbild einer Ausgabe von 1536

Der rasende Roland (italienisch Orlando furioso) ist ein Epos von Ludovico Ariosto.

Ariost arbeitete an seinem Hauptwerk ab 1505 und gab es in einer ersten Fassung 1516 heraus. Zwei weitere, jeweils überarbeitete Fassungen folgten 1521 und 1532. Das Epos bestand zunächst aus 40 Gesängen, in der letzten Fassung aus 46, mit durchschnittlich etwa 125 Strophen pro Gesang (also insgesamt rund 46.000 Versen). Die Strophenform ist die Stanze.

Beim Rasenden Roland handelt es sich eigentlich um eine Fortsetzung des unvollendet gebliebenen Verliebten Roland (ital. Orlando innamorato) von Matteo Maria Boiardo aus dem Jahr 1494. Die Handlung der beiden Epen ist ziemlich komplex: Hintergrund sind die Kriege Karls des Großen gegen die sog. Sarazenen, wie sie ihren Niederschlag im altfranzösischen Rolandslied und verwandten Sagen gefunden haben. Es treten verschiedene christliche und heidnische Könige und Ritter auf, schöne, teilweise auch kämpfende Damen, Zauberer und Zauberinnen und Fabeltiere. Zahlreiche Handlungsstränge durchziehen den Verliebten und den Rasenden Roland.

Die Hauptfigur Roland – Vorbild ist der fränkische Markgraf Hruotland – wird als Neffe Karls des Großen ausgegeben. Als die ebenso schöne wie zauberkräftige Angelika, eine chinesische Prinzessin, an den Hof Kaiser Karls kommt, verlieben sich die meisten Ritter auf der Stelle in sie. Roland verliert wegen seiner Liebe sogar den Verstand. Der britische Prinz Astolfo unternimmt auf seinem Hippogryphen eine Reise zum Mond, wo sich alle Gegenstände befinden, die auf der Erde verlorengegangen sind. Dort findet er Rolands Verstand in einer Flasche und bringt ihn zu seinem Besitzer zurück.

Dies ist nur einer von drei Haupt-Handlungssträngen. Daneben und zwischendurch geht es immer wieder um den Krieg zwischen Karl dem Großen und dem Sarazenen Agramante sowie um die Genealogie der Adelsfamilie Este. Ariost, der in Diensten der Este stand (er widmete das Werk dem Kardinal Ippolito I. d’Este), dichtete ihnen einen Stammbaum an, der auf wichtigen Figuren des Epos basiert und bis auf den mythischen Hektor von Troja zurückgeht.

Ariosts Dichtung hatte großen Einfluss auf die italienische Literatur, auf das französische Theater und auf William Shakespeare, etwa in Der Widerspenstigen Zähmung. Das in Mexico abgefasste und in Madrid 1624 gedruckte Epos El Bernardo des Bernardo de Balbuena, das als das Meisterwerk der hispanischen Barockepik gilt, ist von Ariosto beeinflusst.

Das Versepos lieferte auch die Vorlage für mehrere musikdramatische Werke, darunter Roland (1685) von Jean-Baptiste Lully, Orlando finto pazzo (1714) und Orlando furioso (1727) von Antonio Vivaldi, Orlando (1732), Ariodante und Alcina (beide 1735) von Georg Friedrich Händel sowie "Orlando Palladino" (1782) von Joseph Haydn.

Im deutschen Sprachraum wurde das Werk weniger rezipiert. Zwar äußerten viele Personen ihre Bewunderung für den Orlando furioso, darunter Wieland, Goethe, Friedrich Schlegel, Schelling, Hegel, Jacob Burckhardt, Gottfried Keller, Ernst Jünger und Karl May, Übersetzungen blieben aber zunächst Mangelware. Eine erste (Teil-)Übersetzung von Diederich von dem Werder erschien genau ein Jahrhundert nach dem Original (1632–36). Sie ist 2004 die einzige im Buchhandel erhältliche Vers-Übersetzung (und sehr teuer). Die letzte stammt von Alfons Kissner aus dem Jahr 1908, rev. 1922. Als beste gilt die gereimte Nachdichtung von Johann Diederich Gries (1808, rev. 1827/28, Neuausgabe bei Winkler, München 1980, und dtv, 1987, beide vergriffen). Seit 2002 ist eine romanförmige freie Nacherzählung des Rasenden Rolands von Thomas R. P. Mielke erhältlich, seit 2004 eine von Italo Calvino ursprünglich für den italienischen Rundfunk verfasste knappe Nacherzählung mit Auswahl längerer Passagen des Originals in der Übersetzung von Gries.

Hörspieladaption[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ariost: Der rasende Roland. Band I: Gesänge 1–25; Band II: 26–46. Winkler Verlag, Mit Illustrationen von Gustave Doré, Winkler Dünndruck Ausgabe, München 1980, ISBN 3-538-05314-6
  • Thomas R. P. Mielke: Orlando furioso als Roman nacherzählt (Rütten & Loening, 2002; Aufbau Taschenbuch, 2004).
  • Italo Calvino: Ludovico Ariosts rasender Roland, nacherzählt von Italo Calvino. Mit ausgewählten Passagen des Originals in der Verdeutschung von Johann Diederich Gries. Übersetzt, eingerichtet und kommentiert von Burkhart Kroeber. Mit 63 Zeichnungen von Johannes Grützke (Die Andere Bibliothek, Band 232, Eichborn, 2004).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Der rasende Roland – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Orlando furioso – Quellen und Volltexte (italienisch)