Der Widerspenstigen Zähmung
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Der Widerspenstigen Zähmung (engl. The Taming of the Shrew) ist eine Komödie von William Shakespeare, die die Liebe und wie man sie sich „verdient“ zum Thema hat.
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[Bearbeiten] Handlung
Prolog der Rahmenhandlung: Schlau, ein stets betrunkener Kesselflicker, wird, nachdem er randaliert hat, unsanft aus der Gastwirtschaft entfernt. Er bleibt auf der Straße liegen und schläft ein. Ein Lord, der mit seinem Gefolge von der Jagd nach Hause zurück kehrt, sieht ihn liegen und nimmt ihn mit auf sein Schloss. Er will sich einen Spaß mit dem Mann erlauben. Als Schlau zu sich kommt, liegt er sauber gewaschen und parfümiert in einem reinen Bett, mit Dienerschaft um sich herum. Man redet ihm ein, er wäre ein Lord, der fünfzehn Jahre an einer Geisteskrankheit gelitten hätte und nun zum Glück seiner Familie und der Dienerschaft wieder zu sich gekommen sei. Vor allem seine Frau - ein hübscher junger Diener, der flugs in Frauenkleider gesteckt wurde - sei nun glücklich, ihren Liebsten wieder bei sich zu wissen. Man redet Schlau ein, dass sein bisher gelebtes Leben nichts als ein Traum gewesen wäre, bis er die Geschichte schließlich selbst glaubt. Als eine fahrende Theatertruppe auf das Schloss kommt, spielen die Schauspieler auf Weisung des Lords ihm diese Komödie vor:
Ort der Handlung ist Padua. Lucentio verliebt sich in Bianca, die Jüngere der beiden Töchter Baptistas. Doch hat Baptista bestimmt, dass er eine Heirat seiner jüngeren Tochter nicht erlauben werde, bevor seine ältere Tochter Katharina geheiratet hat. Um Bianca zu gewinnen, muss Lucentio deshalb nicht nur die Mitbewerber Hortensio und Gremio „aus dem Weg räumen“, sondern auch einen Ehemann für Katharina finden. Der Haken dabei: Katharina ist die Widerspenstige, für die sich kein Mann interessiert. Da trifft es sich, dass Petruchio, ein alter Bekannter Hortensios auftaucht, der auf der Suche nach einer reichen Partie ist. Petruchio erweist sich in einem Wortgefecht als ebenbürtiger Gegner für Katharina und erklärt ihr, er werde sie heiraten, ob sie wolle oder nicht ("will you, nill you, I will marry you" II.i.263). Schließlich widerspricht Katharina nicht mehr, als Petruchio sagt: "kiss me Kate; we will be married o´Sunday" (II.1.320). Zur Hochzeit kommt Petruchio demonstrativ zu spät und auffallend schlecht gekleidet. Anschließend nimmt er seine neue Ehefrau mit in sein Haus, wo er ihr alle Annehmlichkeiten des Wohlstands vorenthält, und zwar aus vorgeblicher Fürsorge für seine frisch Angetraute. Nach wenigen Tagen muss sich Katharina geschlagen geben, woraufhin Petruchio einwilligt, sie anlässlich der Hochzeit Biancas nach Padua zu begleiten. Auf der Fahrt sagt Petruchio zur Mittagszeit, wie hell der Mond scheine; als Kate erwidert, die Sonne scheine, weigert er sich, die Fahrt fortzusetzen, bis Kate zugebe, dass es der Mond sei. Schließlich gibt Kate nach, worauf Petruchio behauptet, es sei die Sonne.
Lucentio ist es derweil mit einigen Tricks gelungen, Biancas Herz und das Einverständnis ihres Vaters zu gewinnen. Nach dieser Hochzeit wetten die Männer auf einem Bankett, wessen Frau wohl am ehesten dem Ruf ihres Mannes gehorcht. Alle Gäste sind erstaunt, als sich Katharina als die Gehorsamste erweist. Das Stück endet mit einem Monolog der vormals Widerspenstigen, in dem sie ein Loblied auf die Unterwürfigkeit der Frauen singt.
Epilog der Rahmenhandlung (Originalversion): Als die Aufführung beendet ist, ist Schlau wieder tief und fest eingeschlafen. Der Lord ordnet nun an, den Mann wieder auf die Straße vor das Lokal zu legen, wo er schließlich erwacht, um nach Hause zu seiner Frau zu torkeln, die ihm „die Leviten lesen“ wird.
[Bearbeiten] Kritik
Im Original mit der gesamten Rahmenhandlung wird das Stück zur emanzipatorischen Farce. Die Komik liegt im Wunschtraum eines armen betrunkenen Mannes, der ansonsten nicht viel zu vermelden hat. Bedauerlicherweise wird bei den Aufführungen im Normalfall oft auf den Prolog verzichtet - vom Epilog, der bereits in Shakespeares Truppe weg gelassen wurde, einmal ganz abgesehen. Was übrig bleibt, das Stück, das die Schauspieltruppe auf dem Schloss zum Besten gibt, ist gesellschaftspolitisch irrelevant und de facto antifeministisch.
Der frauenfeindliche Charakter des Schlusses macht die reduzierte Version Der Widerspenstigen Zähmung - ähnlich wie übrigens Der Kaufmann von Venedig aufgrund des latenten Antisemitismus - zu einem heutzutage nur noch schwer spielbaren Stück ... Dennoch gehört „Der Widerspenstigen Zähmung“ weiterhin zu einem der meistgespielten Stücke Shakespeares. Durch ironische und dadurch überzogen wirkende Darstellung der frauenfeindlichen Elemente wird versucht, diese Version weiterhin 'aufführbar' zu erhalten.
Allerdings gibt es Kritiker, die die Frauenfeindlichkeit in diesem Stück als weniger gravierend betrachten. Denn Petruchio musste genau wie Katharina leiden. Er musste sich wie ein verrückter Choleriker benehmen, um ihr klar zu machen, wie es anderen mit ihr ging. Er musste die ganze Nacht schlaflos verbringen und ständig seine Diener quasi aus dem Stegreif heraus beschimpfen.
Des Weiteren wird nicht klar, ob Katharina wirklich der Meinung ist, Frauen müssten gehorchen. Was, wenn sie auf hinterlistige Art und Weise versucht, sich als Hausherrin zu etablieren und die „Fäden in der Hand zu halten“? Dabei handelt es sich jedoch um eine sehr umstrittene These.
[Bearbeiten] Datierung der Textentstehung und Aufführungen
Bereits Ende des 19.Jahrhundert wurde über die Urheberschaft des Dramas intensiv diskutiert, weil eine inhaltlich z.T. erheblich abweichende Frühfassung „The Taming of a Shrew“ (TAS) von der bekannten Spätfassung, 30 Jahre später 1623 in der ersten Gesamtausgabe Shakespeares (First Folio) „The Taming of the shrew (TTS) abgegrenzt wurde.(Albert H. Tolman). TAS erschien anonym 1594, 1596 und 1607 in drei Druckauflagen. Dem Tagebuch Philip Henslowes ist zu entnehmen, dass die früheste Aufführung am 13. Juni 1594, als "the Tamynge of A Shrowe" erfolgte. Bei der eingehenden textvergleichenden Analyse beider Versionen (TAS und TTS) gelangte Tolman wegen der ausserordentlich zahlreichen ähnlichen oder identischen Zeilen und Passagen zwischen TAS einerseits und „Tamburlaine“ bzw. „Dr.Faustus“ andererseits zu der Überzeugung , dass TAS nur von Christopher Marlowe konzipiert worden sein könne. Wenn der Autor der Kommödie TTS 1623 Shakespeare war, muss er in einem hohen Masse grosse Passagen und Zeilen z.T. wörtlich dem Dichter Marlowe "entlehnt" haben.(Problematik des "plagiarism"). Diese Tatsache hat zur William-Shakespeare-Urheberschaft bzw. zur Marlowe-Theorie beigetragen.
[Bearbeiten] Vertonungen
- Thomas Arne: Catherine and Petruchio, Bühnenmusik zu Garricks Schauspiel nach Shakespeare, Dublin 1756
- Hermann Goetz: Der Widerspenstigen Zähmung, Oper, Mannheim 1874
- Richard Addinsell: The Taming of the Shrew, Oper, London 1937
- Cole Porter: Kiss Me, Kate, Musical, New York 1948
- Vittorio Giannini: The Taming of the Shrew, Oper, Cincinnati 1953
[Bearbeiten] Wichtige Verfilmungen
- Der Widerspenstigen Zähmung, 1929, Regie: Sam Taylor (mit Mary Pickford und Douglas Fairbanks senior)
- Kiss Me, Kate, 1953, Regie: George Sidney (Musicalverfilmung mit Kathryn Grayson und Howard Keel)
- Der Widerspenstigen Zähmung, 1967, Regie: Franco Zeffirelli (mit Elizabeth Taylor und Richard Burton)
- The Taming of the Shrew, 1980, Regie: Jonathan Miller (Fernsehfilm)
- 10 Dinge, die ich an Dir hasse, 1999 (mit Julia Stiles und Heath Ledger)
- Der gezähmte Widerspenstige, 1980, Regie: Franco Castellano, Giuseppe Moccia, (Komödie mit Adriano Celentano und Ornella Muti)
[Bearbeiten] Literatur
- Albert H. Tolman, Shakespeare's Part in the "Taming of the Shrew", PMLA, (1890), pp. 201-278)
- William Shakespeare: "The Taming of the Shrew". Englisch-Deutsche Studienausgabe. Deutsche Prosafassung, Anmerkungen, Einleitung und Kommentar von Thomas Rüetschi. Stauffenburg, Tübingen 1988, ISBN 978-3-86057-550-5.
[Bearbeiten] Ballett
Choreografie: John Cranko, Musik: Kurt-Heinz Stolze, Württembergisches Staatstheater Stuttgart (1969), zur Zeit am Opernhaus Leipzig
[Bearbeiten] Übersetzungen
In der klassischen deutschen Shakespeare-Ausgabe, der so genannten „Schlegel-Tieck“-Übersetzung, erschien „Der Widerspenstigen Zähmung“ 1831 in der Übersetzung von Wolf Heinrich Graf von Baudissin. Neuere zeitgemäße Übersetzungen gibt es u.a. von Erich Fried, Frank Günther und Anna Cron. Günther und Cron berücksichtigten die Originalfassung, die ursprünglich Robert Greene zugesprochen wird. In ihr erscheint die Rahmenhandlung mit dem betrunkenen Schlau nicht nur als Prolog sondern auch als Epilog. Der Trinker erwacht vor dem Pub, aus dem man ihn zuvor hinaus geworfen hatte. Damit relativiert sich die „Zähmung“. Sie könnte ein Traum des betrunkenen Mannes sein.
[Bearbeiten] Weblinks
- Original im Volltext beim Projekt en.wikisource
- Digitalisierter Volltext von Der Widerspenstigen Zähmung bei Zeno.org (deutsch)
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