Dialekte in Tirol

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Die Dialekte in Tirol gehören zu den oberdeutschen Dialektgruppen Bairisch und Alemannisch. Einen großen Teil davon nimmt das Südbairische ein, das in Tirol den westlichen und mittleren Teil Nordtirols sowie Süd- und Osttirol umfasst.

Die Ötztaler Mundart, die den Übergangsbereich zwischen dem bairischen und dem alemannischen Kontinuum darstellt und auch Entlehnungen aus dem ehemals in der Region und heute noch in Teilen des benachbarten Graubündens gesprochenen Rätoromanisch aufweist, wurde aufgrund ihrer Besonderheit, und weil sie eine lebendige Sprachlandschaft darstellt, mit Oktober 2010 von der Österreichischen UNESCO-Kommission zum immateriellen Kulturerbe in Österreich ernannt.

Allgemeine Merkmale[Bearbeiten]

Kennzeichnend für die Tiroler Dialekte ist die Aussprache fescht, du bisch(t). Gemeinsame Merkmale des Südbairischen, in Abgrenzung zum Mittelbairischen sind außerdem:

  • Unterscheidung von Schwach- und Starklauten, wie in Dåch neben Tåg, altes k ist lautverschoben zu kch, wie in kchlea (Klee)
  • Fehlende r- und l-Vokalisierung, wie in Håls und i will (also nicht Håis und i wui)
  • Erhalt der Vorsilbe ge-, wie in getrunkchn
  • Erhalt des Selbstlautes in Artikeln
  • st wird zu scht (Bsp. Gestern → Geschtern, lustig → luschtig)

Diese Merkmale treten jedoch nicht in allen Fällen auf bzw. sind zum Teil im Schwinden begriffen.

Lexik[Bearbeiten]

Das Tirolerische zeigt teilweise lexikalische Gemeinsamkeiten mit dem Alemannischen; so sagt man dort z. B. nicht halten, sondern heben. Statt des hochdeutschen Wortes heben wird das Wort lupfen verwendet.

Unterschiede zum restlichen Österreich zeigen sich auch im Wortschatz, wie in:

  • ållm, ålli – immer
  • aniadr, aniedr / aniade – jeder / jede
  • auchi, aufi, auchn – hinauf
  • aweck – weg, fort (vgl. englisch away)
  • Fleischkas – Leberkäse
  • gegga – pfui, schlecht (Kindersprache)
  • gleim (auch in Kärnten) – eng (beieinander)
  • Gluuf, Gluufe, Glufa – Sicherheitsnadel, Stecknadel (vgl. Gufe im Schweizerdeutschen und Glufa im Schwäbischen)
  • lei (auch in Kärnten) – nur
  • losna, horchn – hören (vgl. schweizerdeutsches Verb lose)
  • lipfa, lupfn – hochheben
  • Marenda – Jause (Zwischenmahlzeit)
  • Halbmittag – vormittägliche Jause (südtirolspezifisch)
  • marenda bzw. untern – jausnen
  • Mosbeer – Heidelbeeren
  • oi, oui, euchi, öachn, ouchn – hinunter
  • d – dies
  • semm, zem – dort

Weit verbreitet sind folgende Begriffe; ihre Bedeutung kann von Ort zu Ort etwas verschieden sein. Nicht alle Aussprachevarianten sind in der Liste berücksichtigt.

  • bekirnan, pekiengin – verschlucken
  • decht – dennoch, doch
  • drlada, drloadn – langweilen, verdrießen
  • endern – jenseits des
  • felli, fellig, föllig – fast, nahezu
  • floka lossa, flacken – liegen
  • Formas, Foarmos – Frühstück
  • gahl, lobelat – schwach gesalzen
  • ghilb, gehilbe – bewölkt, nebelig
  • glangla losa glenggang – baumeln, (lose) hängen
  • gliandi, gleanig, gluenig – glühend
  • Grantl, Gront, Grant – Trog
  • graschglan, graschplen – knistern, knirschen, rascheln
  • Griffl – Finger
  • huppm, happm – (ein Kind) in den Arm nehmen
  • Huudr, Hüdr, Hudo – Lappen, Tuchfetzen
  • inrua lossa, unkeit lossn – unbehelligt lassen, in Ruhe lassen
  • Kallar – Kelle
  • kraaln, gralln – kratzen
  • Kondla, Kondl – Kanne
  • Lulle, Lüllar, Luller – Schnuller
  • nacht – gestern
  • nikarli mocha, nåpsln, nuagerle – Mittagsschläfchen
  • Neunerlen – vormittägliche Jause
  • Ora, Losar – Ohren
  • plindara, plintern – umziehen, Wohnung wechseln
  • Pundl, Pundal – Kanne, Behälter
  • Purzigogla, Puchzigoglar – Purzelbaum
  • Riibl, Riiblar – eine Art Schmarren
  • roogl, rougl, rougla – locker, nicht verfestigt
  • Schiifara, Schiifer – Holzsplitter (in der Haut)
  • schittla, naggln – wackeln, schütteln
  • schmargala/stinka, schmargelen – übel riechen
  • schwenza – spülen
  • springea – laufen
  • Suur Gilla – Jauche, Gülle
  • Taatl, Tootn – Schublade, Behälter
  • Tiisl – Grippe, Krankheit
  • Troppl – Falle
  • Tschippl, Schiipl – eine (kleine) Menge
  • Tschottn, Tschouttn, Schotta – Quark, geronnene Milch
  • wiach, wiache – (sehr) fett
  • zfleiß, zefleiße – absichtlich, zum Trotz
  • Zeggr – Handkorb, Einkaufstasche
  • Zogglar – schlecht Gekleideter, Landstreicher, Nichtsnutz
  • Notsch – Schwein
  • Ő – Zeitung

Der Wortschatz der Tiroler Dialekte wird erfasst und beschrieben im Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich.

Einfluss anderer Sprachen[Bearbeiten]

Der Tiroler Dialekt wurde durch andere Sprachen zuvor ansässiger und im Laufe der Völkerwanderung sesshaft gewordener Völker beeinflusst. Dies gilt vor allem für das Rätoromanische, das in den meisten Gebieten im Laufe der Jahrhunderte verdrängt wurde. Dies macht sich vor allem in romanisierten Bezeichnungen wie z. B. Balla für Ballen (Tiroler Oberland) bemerkbar. Im Pustertal und in Osttirol, wie auch in Kärnten, kommt ein slawischer Einfluss hinzu, der sich vor allem in einer wesentlich weicheren Aussprache niederschlägt. In Südtirol haben sich durch die Zugehörigkeit zu Italien einige italienische Lehnwörter entwickelt.

Regionale Ausprägungen[Bearbeiten]

In Tirol verlaufen Mundartgrenzen im Westen zum Alemannischen Vorarlbergs, das eine scharfe Grenze bildet, und etwa östlich von Schwaz (ohne Zillertal) zum mittelbairischen Übergangsgebiet.

Nordtirol[Bearbeiten]

Oberland[Bearbeiten]

Während es im Süden und Osten sowie im Zentralraum von Nordtirol ålm/åjm (Alpe, Bergweide) oder wīsn (Wiese) heißt, zeigt sich im Westen mit ålwe und wīse ein Übergangsgebiet zum Alemannischen (etwa Vorarlbergs), wo weiter westlich auch das -e schwindet (alp, wīs). Weitere Kennzeichen des Tiroler Oberlandes sind gsejt statt gsågt (gesagt) und it statt nit (nicht). Es wird auch eine typisch alemannische Redensart verwendet. So heißt es im restlichen Tirol z. B. I gea iatz schwimmen (Ich gehe jetzt schwimmen), im Oberland hingegen I gea iatz ga schwimma. Dies ähnelt sehr dem alemannischen Etzt gang i ga schwimma.

Im Oberinntal lauten Verkleinerungsformen auf -le, -ele und -eli, während im übrigen Inntal ein -l angehängt wird. Die Lautgruppen des kurzen und el werden im Oberland zu al (Welt – Walt oder Geld – Gald).

Zentralraum[Bearbeiten]

Der Begriff „Tiroler Zentralraum“ bezeichnet hauptsächlich den Großraum Innsbruck (Bezirke Innsbruck Stadt und Innsbruck Land). Der Großraum Innsbruck zeichnet sich durch seinen für Auswärtige relativ leicht verständlichen Dialekt aus. Er weist alle für das Tirolerische typischen Merkmale auf, steht jedoch unter einem wesentlich stärkeren Einfluss des Hochdeutschen, wobei es sich um einen Ausgleichsdialekt handelt, wie man ihn auch etwa in Vorarlberg im Raum Bregenz findet (sog. Bödeledütsch). Ein typisches Kennzeichen des Dialektes dieser Region ist das sehr hart ausgesprochene k. Aufgrund der hohen Sprecherzahl (allein in der Agglomeration Innsbruck leben 183.000 Einwohner) wird dieser Dialekt als „Standardtirolerisch“ bezeichnet bzw. angesehen und daher auch in Film und Fernsehen verwendet, wenn Textszenen im Tiroler Dialekt vorkommen oder wenn Tiroler imitiert werden.

Das Innsbruckerische dehnt sich aufgrund der sich bemerkbar machenden Stadtflucht immer weiter aus und bedrängt die in den Dörfern ansässigen Dialekte. Bemerkbar macht sich dies vor allem im Wipptal mit seinen Seitentälern, dem westlichen Mittelgebirge und dem Gebiet zwischen Telfs und Innsbruck.

Unterland[Bearbeiten]

Teile des Nordtiroler Unterlands, besonders die Bezirke Kufstein und Kitzbühel sowie das Achenseegebiet, weisen mit der Aussprache fest und du bist Übergangsmerkmale zum Mittelbairischen auf. Im Unterland ist es ebenfalls geläufig aus dem Buchstaben L ein Vokal zu bilden. Bsp: Alm wird zur Oim. Der Schaufelstiel wird zum Schaufestü und der Ball wird zum Boi. Das K wird im Unterland sehr hart gesprochen. Im Vergleich zum Zillertaler Dialekt werden "ch" oft in "sch" verwandelten. ZB "fechtig" auf Zillertalerisch ist im Unterland als "feschtig" bekannt. Im Hochdeutschen bedeutet das "fertig". Ein weiters Beispiel hierfür wäre das Zillertaler Dialektwort "hochte", dass im Unterland "hoscht" ausgesprochen wird. Im Hochdeutsch würde das soviel wie schwerfällig, mühsehlig.

Das Zillertal kennt einige Spracheigenheiten. Z. B. wird – wie auch im Ötztal – an Stelle von dann das Wort oft (ausgesprochen aft) oder oftang benutzt. Zudem wird im Zillertal im Gegensatz zum umliegenden Inntal anstatt senn (was sind bedeutet) henn verwendet. Bsp.: „Oftang henn mia hoam gongen“ bedeutet „Dann sind wir nach Hause gegangen“.

Außerfern[Bearbeiten]

Die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum schwäbischen Bistum Augsburg prägte Teile des Außerfern (im Bezirk Reutte), die der schwäbisch-alemannischen Dialektgruppe angehören, die Ähnlichkeiten mit den Dialekten des angrenzenden Allgäus aufweisen (vor allem um Vils, Reutte und im Tannheimer Tal). Hier verläuft auch die schwäbisch-bairische Hauptgrenze, die sich von Daag, Wasser gegen Doog, Wåssa und däät gegen daat (= täte) abgrenzt.

Das obere Lechtal sowie das Lermooser Becken sind stärker durch den Oberinntaler Dialekt beeinflusst. Im oberen Lechtal bestand und besteht eine Nahebeziehung zum Vorarlbergischen, insbesondere zum Walserischen und Wälderischen (Walser, Vorarlbergerisch, Wälderisch, Holzgau).

Südtirol[Bearbeiten]

In Südtirol sind etwa sieben Zehntel der Bevölkerung deutscher Muttersprache. Ein Großteil davon benutzt die lokale Mundart häufig. Die Hochsprache beschränkt sich im mündlichen Gebrauch hauptsächlich auf die Schule und die Medien. Im Schriftlichen ist die Mundart selten; sie wird von Mundartdichtern benützt und oft von Jugendlichen beim Schreiben von SMS und vor allem in den sozialen Netzwerken. Der Südtiroler Dialekt stellt keinen eigenen Zweig des Tiroler Dialektes dar, zumal die Mundart mancher Gebiete Südtirols jener von benachbarten Orten jenseits der Staatsgrenze ähnlicher ist als jener von anderen Südtiroler Gebieten. Die Reibelaute f und s werden in Südtirol schwächer ausgesprochen als in Nordtirol, z. B. kafn bzw. kaffn (kaufen) und hoaßn bzw. hoassn (heißen). Laut J. Schatz kommt der gg-Laut zwar in ganz Tirol vor, aber nur in Südtirol auch als Anlaut; er hört sich an wie c im französischen „cognac“.

Nach dem Ersten Weltkrieg war die deutschsprachige Minderheit in Italien einer von Rom betriebenen Italianisierungspolitik ausgesetzt, die auch das Verbot der deutschen Schulen beinhaltete. Trotzdem konnte die Muttersprache mündlich weitergegeben werden. Nach dem 2. Weltkrieg gab es wieder Schulen mit deutscher Unterrichtssprache. Ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts nahmen die kulturellen Kontakte zum übrigen deutschsprachigen Raum – bedingt zu einem guten Teil durch den Tourismus und die Medien – wieder zu und führten zu einer Bereicherung des dialektalen Wortschatzes, aber auch zu einer besseren Beherrschung der Hochsprache.

Rezente Beeinflussungen durch die italienische Sprache machen sich besonders im Wortschatz bemerkbar, und zwar meist nur im mündlichen Sprachgebrauch. Als typisches Beispiel kann die Bezeichnung Targa gelten, die für das Nummernschild eines Fahrzeuges verwendet wird. In diesem besonderen Fall stammt die italienische Wurzel aus dem altfränkischen „targa“ (Schild), also aus dem germanischen Sprachbereich. Sehr oft ist das Wort magari („womöglich, vielleicht“) zu hören. Die Bezeichnung Hydrauliker für den Installateur wird teilweise auch schriftlich verwendet. Andere typische Beispiele sind tipo (Typ) oder die Übersetzung des italienischen Begriffs casino (Bordell), der im Italienischen für Unordnung auch im Südtirolerischen in derselben Bedeutung als „Puff“ verwendet wird. Eigentümliche romanische Einflüsse hat es schon vor dem 20. Jahrhundert gegeben, und das nicht nur südlich des Brenners. So ist in Grantn (Preiselbeeren) die Ähnlichkeit mit dem ladinischen „granëta“ (Preiselbeere) und mit dessen Wurzel, dem lateinischen „granum“ (Korn), zu erkennen. Auch bei der Aussprache hört man gelegentlich Tendenzen zum Italienischen; beispielsweise sprechen manche Personen ignorieren als iniorieren aus.

Auch das Englische zeigt, ähnlich wie in Deutschland oder Österreich, seine Wirkung.

Bei der Südtiroler Mundart sind viele lokale Varianten unterscheidbar. Diese sind Teil von größeren Dialektgruppen, die nach den Tälern oder Abschnitten von Tälern benannt werden (z. B. Pustrerisch, Vinschgerisch, Sarnerisch, Unterlandlerisch, Pseirerisch …). Eine Einteilung in drei Dialektgruppen (östliche, zentrale und westliche) hat eine gewisse Berechtigung, genaue Grenzen lassen sich jedoch nicht ziehen.

Die östliche Gruppe ist am deutlichsten vom übrigen Südtirol abgegrenzt und umfasst das Pustertal mit seinen Seitentälern. Dort ist das mittelhochdeutsche uo (z. B. muoter, also Mutter) zu ui (Muito) geworden, in anderen Teilen Südtirols zu ue oder ua (Muetr, Muatr). An diesem letzten Beispiel fällt auch die typische Vokalisierung der Endung -er auf. Das mittelhochdeutsche ei (Stein) erscheint im Osten als langes a (Staan), andernorts als ue oder oa (Stuen, Stoan). Im Pustertal, teils auch im Eisacktal, wird die Endung -en beim Verb in gewissen Fällen weggelassen, z. B. nemm (nehmen). Weibliche Hauptwörter, die im Osten des Landes auf e auslauten, haben dieses im Süden und Westen nicht, z. B. Fraide bzw. Fraid (Freude), Suppe bzw. Supp oder Suppm, auch in der Mehrzahl lauten manche Hauptwörter auf -e aus: Pame (Bäume) im Unterschied zu Pam. Das mittelhochdeutsche iu wird im Süden und Westen als ui, im Osten als oi ausgesprochen: Fuier/Foia.

Eine weitere, weniger ausgeprägte Grenze trennt den Vinschgau, in mancherlei Hinsicht auch das Ulten- und Passeiertal als westlichen Teil ab. Typisch für den Westen ist die Verwendung von sui für „sie“ (Plural) und „ihnen“, dia als Demonstrativpronomen für „die“ oder „diese“, weiters a Readl (eine Weile). Auf den Westen beschränkt ist auch onni (hinüber), das einem östlichen und südlichen ummi, umi oder umme gegenübersteht. Außer diesen und anderen Besonderheiten im Wortschatz fällt im Westen eine deutlichere Verschiebung von „k“ zu „kch“ auf. Eine grammatikalische Eigenart des Vinschger Dialekts ist die ungewöhnliche Verwendung des Dativpronomens: Du hosch miar drleast „Du hast mich erlöst“.

Im Südtiroler Unterland fällt die Dehnung der Vokale besonders auf; bei kejmen (kommen) beispielsweise ist die Vokallänge gleich wie bei nejmen (nehmen).

Noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten viele Orte Südtirols einen typischen Dialekt, der sich geografisch zuordnen ließ; mancherorts gibt es das auch noch zu Beginn des folgenden Jahrhunderts. Die zunehmenden ortsfremden sprachlichen Einflüsse und die zunehmende Mobilität wirkten und wirken in Richtung Nivellierung der lokalen Varianten.

Osttirol[Bearbeiten]

Mit vielen anderen Tirolern teilen die Einwohner Ausdrücke wie z. B. Unterdåch (Dachboden), Langes / Langis (Frühjahr), Tschurtsch (Zapfen der Nadelbäume), Pei (Biene), Patschn (Hausschuhe). Wie in Südtirol wird die Heidelbeere nach ihrer Farbe als Schwarzbeere bezeichnet. Gitsch(e) (Mädchen) (zum Salzburgischen hin eher Diandle genannt), sem / selm / zem (dort) und (Hai)schupf(e) (Almstadel) sind ebenfalls in beiden Ländern in Gebrauch.

Das Pustertal ist Südtirol und Osttirol gemeinsam; daher gilt für dieses Tal zum Teil das, was schon im Abschnitt „Südtirol“ gesagt wurde. Allerdings ist weiter im Osten sowie im Einzugsgebiet der Isel manches anders. Dort heißt es nicht Pui (Bub) wie im Pustertal, sondern Püe (langes ü) oder Pue; an Stelle von fogun und scham (vergönnen und schämen) sagt man fogunen und schomen; Staan (Stein) wird zu einem nasalen Stoan. Die Adverbien hinauf, hinein und hinab lauten in den genannten Gebieten Osttirols aufn, aini, öhin, und nicht augn, inne, ogn wie bei den westlichen Nachbarn. Von den meisten übrigen Tirolern unterscheidet viele Osttiroler die Vokalisierung des „r“: Joa, wean, toia (Jahr, werden, teuer), wie es für das benachbarte Kärntnerische typisch ist.

Kleinräumige Unterschiede[Bearbeiten]

Manche Kleinregionen zeigen die Bildung der Vokale ö und ü, wie etwa geköfet, höech, güet im Ötztal oder Cöca Cöla im Zillertal.

Ein besonderer Dialekt ist der Nauderer Dialekt. Er ähnelt sehr dem Dialekt des oberen Vinschgaus und entstand durch die Eindeutschung der Sprache der dort ansässigen Rätoromanen im 17. Jahrhundert. Dieser Dialekt orientiert sich einerseits am Dialekt des Raumes Innsbruck, behielt aber einen rätoromanischen Akzent. Er unterscheidet sich somit stark von den Dialekten in den angrenzenden Nachbargemeinden des Oberlandes. So heißt es z. B. im Innsbrucker Dialekt I bin no nit hoam gongen, weil i die Schoof no nit gschehrt hob, im Oberland I bin nou it huam gonga, weil i 'd Schoof nou it gschoara honn, in Nauders I bin no nuicht hoam gongen, weil i die Schouf nou nit gschourn hob (auf Hochdeutsch: „Ich bin noch nicht nach hause gegangen, weil ich die Schafe noch nicht geschoren habe“). Darüber hinaus gibt es in Nauders und im oberen Vinschgau keinen Akkusativ: man sagt z. B. statt I honn di gern (Ich hab dich gern) in Nauders I hob dir gern (Ich hab dir gern).


Stubaier Dialekt

Die Stubaier Mundart[1] ist ähnlich wie im Ötztal.

Beispiele:

  • Stubaierisch: „Ner bin Meuidlas Treasla Strossa derho gebloaft und hunn mer a Broatiga gekaft.
    Hochdeutsch: Dann bin ich die Maria-Theresien-Straße hinunter gegangen und habe mir eine Zeitung gekauft.
  • Stubaierisch: „Jo sella , hun i dei Kuisa gekaft.
    Hochdeutsch: Ja natürlich, hab ich diese Kuh gekauft.

Im Gebiet Fulpmes weist er jedoch eine Besonderheit hauf. Das „r“ wird wie im amerikanischen Englisch ausgesprochen, was zum „Markenzeichen“ für das Stubaierische geworden ist.[2] Jedoch gibt es innerhalb der eigenen Gemeinden Fulpmes und Neustift im St. Variationen bzw. einen Übergang vom „Flupmerischen“ zum „Neustifterischen“.

Eins der bekanntesten Mundartgedichte, Stubacher Jogga, kommt aus dem Stubaital.

Grenznahe Regionen[Bearbeiten]

Die Tiroler Dialekte beeinflussen auch grenznahe Regionen, wie:

Weitere Einflüsse[Bearbeiten]

Urtümliche Formen des Tirolerischen finden sich in den Sprachinseln Welschtirols (Fersental, Sieben Gemeinden) sowie bei den Hutterern in Nordamerika. Des Weiteren noch in Pozuzo (Peru).

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Kurt Klein, L. E. Schmitt (Hrsg.): Tirolischer Sprachatlas, bearb. von Egon Kühebacher, Tyrolia Verlag, Innsbruck.
  • Johann Baptist Schöpf, Anton J. Hofer: Tirolisches Idiotikon. Innsbruck: Wagner 1866, (Vollständige Ansicht in der Google-Buchsuche)
  • Heidemaria Abfalterer: Der Südtiroler Sonderwortschatz aus plurizentrischer Sicht. Innsbruck University Press, Innsbruck 2007, ISBN 3-901064-35-4 (= Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Germanistische Reihe, Band 72).
  • Josef Schatz: Wörterbuch der Tiroler Mundarten, Schlern-Schriften Nr. 119–120, 1955/56.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Lanthaler: Stubaier Mundart (PDF; 97 kB)
  2. Stubaierisch. In: Stubai Magazin (Winter 2011/12), S. 28–30, (PDF; 8,5 MB)