Walser

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der alemannischen Volksgruppe der Walser. Weitere Bedeutungen siehe Walser (Begriffsklärung).
Walsersiedlung Juf, das höchstgelegene, dauernd besiedelte Dorf Europas

Die Walser sind eine alemannische Volksgruppe im Alpenraum. Sie sprechen vielerorts noch heute einen höchstalemannischen Dialekt, das Walserdeutsch. Im Mittelalter besiedelten sie aus dem heutigen Kanton Wallis heraus weitere Alpengebiete in der Schweiz, Norditalien, Liechtenstein, Österreich und Bayern.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor etwa 1000 Jahren erreichten die Alemannen auf ihrer Wanderung vom Berner Oberland her das Goms im Wallis und besiedelten nach und nach das obere Rhonetal.

Um das 13. Jahrhundert bis 14. Jahrhundert begannen einzelne Gruppen von Wallisern oder eben Walsern, das Rhonetal zu verlassen; sie zogen in alle Himmelsrichtungen, vor allem aber nach Osten:

Walsersiedlungen im Nordwesten Italiens
Impression aus Gurin, Kanton Tessin

Eine Ursache für die mittelalterlichen Walserwanderungen war der wachsende Bevölkerungsdruck und die Suche nach neuen landwirtschaftlichen Anbauflächen. Die Walserwanderungen stehen hier in einem ähnlichen Kontext wie die deutsche Ostsiedlung. Die Walser entwickelten Techniken, die auch das Bewirtschaften von hoch gelegenen Bergregionen ermöglichten. Die Herrscher der betreffenden Gebiete förderten diese Besiedlung durch Steuerbefreiung und Vergabe besonderer Kolonistenrechte. Somit bot die Neuerschließung von Land den Walsern die Möglichkeit zur Befreiung aus der feudalen Leibeigenschaft. Die Walser wurden wegen ihrer eigenen Rechtsverfassungen auch „Freie Walser“ genannt. Insbesondere aus dem Walserdorf Gressoney stammende Walser wurden seit dem 16. Jahrhundert auch als erfolgreiche Hausierer und Wanderhändler bekannt. Sie belieferten ihre Kundschaft in den tiefer gelegenen Regionen Mitteleuropas.

Eine Darstellung der Umbruchzeiten der Bergbauernregionen und der Walser wurde Anfang der 1980er Jahre in der 9-teiligen TV-Produktion „Die fünfte Jahreszeit“ mit Dietmar Schönherr verfilmt.

Eine weit verbreitete Meinung ist, dass es einen besonderen walserischen Bautyp gibt. Sie ist aber unhaltbar, da er vielmehr generell alpin ist.

Sprache[Bearbeiten]

Die Kultur und Sprache der Walser ist zum Teil noch heute lebendig geblieben; der höchstalemannische Dialekt hebt sich von den hochalemannischen Dialekten der Bündner und den mittelalemannischen Dialekten der Vorarlberger Umgebung stark ab. Typisches, das Walserdeutsche definierende Merkmal ist der sch-Laut in Wörtern wie schi 'sie' (Singular und Plural), böösch „böse“, ünsch/iisch „uns“, Müüsch/Miisch „Mäuse“, Hüüscher/Hiischer „Häuser“. Weitere Züge des Walserdeutschen sind allgemeinere west- oder südwestalemannische Dialektmerkmale, die sich aber in Graubünden und Vorarlberg deutlich von den Merkmalen der dortigen südostalemannischen Dialekte abheben, so dass dort auch diesen ein definierender Charakter zukommt. Dazu gehören etwa die Präsensformen er geit/gäit, schteit/schtäit „er geht, steht“ (so auch im Berndeutschen, in den benachbarten nicht-walserischen Dialekten jedoch er gaat/goot, schtaat/schtoot) oder der zweisilbige Plural der starken Maskulina wie Taga, Tage „Tage“ (in den benachbarten Dialekten jedoch apokopiert und auch oft umgelautet Taag oder Tääg). Dasselbe gilt für zu /ch/ verschobenes anlautendes /k/ wie in Chind „Kind“, das zwar ein weit verbreitetes Merkmal der hochalemannischen Dialekte ist, aber in den Dialekten des bündnerischen Rheintals, Liechtensteins und Vorarlbergs nicht vorkommt.

Die Bewohner der Walserdörfer im Kanton Graubünden heben sich sprachlich besonders dort hervor, wo in der Umgebung Rätoromanisch gesprochen wird. So wird etwa in der Gemeinde Obersaxen Deutsch gesprochen, während im gesamten restlichen Gebiet des Vorderrheins grossmehrheitlich die rätoromanischen Dialekte verbreitet sind.

Internationales Walsertreffen[Bearbeiten]

Walserhaus im touristischen Umfeld von Arosa, dem Austragungsort des Internationalen Walsertreffens 2016

Seit 1962 führt die Internationale Vereinigung für Walsertum (IVfW) alle drei Jahre ein internationales Walsertreffen durch. Hauptzweck der Zusammenkünfte ist die regelmässige Pflege des gemeinsamen Kulturerbes an verschiedenen Siedlungen mit walserischem Hintergrund. Die letzten 18 Treffen fanden an den folgenden Orten statt:[1]

  1. 1962 Saas Fee
  2. 1965 Triesenberg
  3. 1968 Gressoney
  4. 1971 Klosters
  5. 1974 Brand
  6. 1977 Brig
  7. 1980 Triesenberg
  8. 1983 Alagna
  9. 1986 Mittelberg
  10. 1989 Davos
  11. 1992 Saas Fee
  12. 1995 Lech
  13. 1998 Gressoney
  14. 2001 Brig
  15. 2004 Galtür
  16. 2007 Alagna
  17. 2010 Triesenberg
  18. 2013 Großes Walsertal

Das nächste internationale Walsertreffen findet vom 16. bis 18. September 2016 in Arosa statt.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internationales Walsertreffen Abgerufen am 28. September 2013.
  2. Aroser Zeitung vom 20. September 2012, S. 5.