Zillertal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zillertal
Zillertaler Berglandschaft

Zillertaler Berglandschaft

Lage Tirol, Österreich
Gebirge Tuxer Alpen, Kitzbüheler Alpen, Zillertaler Alpen
Geographische Lage 47° 18′ 28″ N, 11° 52′ 27″ O47.30777777777811.874166666667650Koordinaten: 47° 18′ 28″ N, 11° 52′ 27″ O
Zillertal (Tirol)
Zillertal
Typ Trogtal
Gestein Quarzphyllit, Gneis
Höhe 500 m bis 650 m ü. A.
Länge 40 km
Gewässer Ziller
Klima inneralpines Talklima
Blick vom Hainzenberg in das Zillertal bei Zell am Ziller

Das Zillertal ist ein südliches Seitental des Inntals im österreichischen Bundesland Tirol.

Geografie[Bearbeiten]

Lage und Landschaft[Bearbeiten]

Das Zillertal zweigt etwa 40 km östlich von Innsbruck, nahe Jenbach, vom Inntal ab. Es ist das breiteste der südlichen Seitentäler des Inn. Es hat seinen Namen von dem Fluss Ziller, der es von Süd nach Nord durchläuft und bei Strass im Zillertal in den Inn mündet. Im engeren Sinn reicht das Tal von Strass bis Mayrhofen. Dort teilt es sich in das Tuxertal, das Zemmtal, das Stilluptal und den Zillergrund. Vom nördlichen Tal zweigen bereits der unbesiedelte Märzengrund und der Finsinggrund mit der Tourismussiedlung Hochfügen-Hochzillertal, bei Zell am Ziller das Gerlostal ab.

Das Tal trennt die Tuxer Alpen im Westen von den Kitzbüheler Alpen im Osten. Im Süden, an der Grenze zu Südtirol, liegen die Zillertaler Alpen mit dem Zillertaler Hauptkamm. Es überwiegen die weichen Gesteine der Quarzphyllit- und Grauwackenzone.

Die Quelltäler südlich von Mayrhofen

Im Gegensatz zu anderen Tiroler Seitentälern überwindet das Zillertal keine Talstufe und steigt von Strass im Zillertal (522 m) bis Mayrhofen (628 m) nur wenig an. Zwischen Aschau im Zillertal und Zell am Ziller verengt sich das Tal auf etwa die halbe Breite (vorderes und hinteres Zillertal). Der Hochgebirgsnaturpark Zillertaler Alpen nimmt 35 % des Zillertals ein. Etwa 10 % der Gesamtfläche sind Dauersiedlungsraum.

Siedlungen[Bearbeiten]

Die alten Ortskerne liegen zumeist auf den Schwemmkegeln der Seitenbäche. Mittlerweile wird auch der Talboden für Siedlungen und insbesondere Industrie und Gewerbe genutzt. Streusiedlungen und Einzelhöfe ziehen sich weit die Hänge hinauf und gehen in die Almregion über.

Im Zillertal und seinen Seitentälern liegen 25 Gemeinden, die zum Bezirk Schwaz gehören und zusammen den Planungsverband Zillertal mit 35.449 Einwohnern (Stand 2012) und einer Fläche von 1097,2 km² bilden. Bis auf Strass und Schlitters am Talausgang gehören alle Gemeinden des Tals zum Gerichtsbezirk Zell am Ziller. Die größten Gemeinden sind Fügen (3954 Einwohner) und Mayrhofen (3858 Einwohner). Wirtschafts-, Verwaltungs- und Schulzentrum des Tals ist Zell am Ziller mit dem Sitz des Bezirksgerichtes und zahlreichen öffentlichen Einrichtungen.

Klima[Bearbeiten]

Das Zillertal weist ein inneralpines Talklima auf und liegt im Übergangsbereich vom trockenen Klima der Ötztaler und Stubaier Alpen zum feuchteren der Zillertaler Alpen und Hohen Tauern. Typisch sind eine starke Temperaturamplitude, viel Sonne im Winter, schwache Winde und kaum Nebel. Der mittlere Jahresniederschlag in Zell am Ziller beträgt 1070 mm, in Mayrhofen 1044 mm.[1]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Zell am Ziller (585 m ü. A.)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1,8 4,5 10,3 14,3 19,6 21,8 24,2 23,7 20,2 14,9 7,0 2,0 Ø 13,7
Min. Temperatur (°C) -6,4 -5,0 -1,1 2,2 6,4 9,5 11,5 11,2 8,2 3,7 -1,5 -5,4 Ø 2,8
Temperatur (°C) -2,8 -1,1 3,6 7,3 12,2 14,8 17,0 16,4 13,0 7,9 1,9 -2,2 Ø 7,4
Niederschlag (mm) 58,0 44,4 56,6 72,1 94,8 135,1 159,5 143,1 98,1 63,3 73,5 71,6 Σ 1.070,1
Sonnenstunden (h/d) 1,4 2,8 3,8 4,2 5,2 5,0 5,6 5,3 4,8 3,8 2,0 1,3 Ø 3,8
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
1,8
-6,4
4,5
-5,0
10,3
-1,1
14,3
2,2
19,6
6,4
21,8
9,5
24,2
11,5
23,7
11,2
20,2
8,2
14,9
3,7
7,0
-1,5
2,0
-5,4
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
58,0
44,4
56,6
72,1
94,8
135,1
159,5
143,1
98,1
63,3
73,5
71,6
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: [1]

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Funde aus der Mittleren Steinzeit am Tuxer Joch zeigen die frühe Bedeutung dieses Übergangs zwischen dem Wipptal und dem Zillertal. Die erste dünne Besiedlung erfolgte vermutlich in der ausgehenden Bronzezeit (1200 bis 800 v. Chr.). Auch Siedlungsreste der jüngeren Eisenzeit (500 v. Chr.) wurden gefunden. Viele Ortsnamen weisen auf vorrömische und vorgermanische Sprachwurzeln hin. Um 15 v. Chr. eroberten die Römer den Alpenraum bis zur Donau. Tirol gehörte dabei zu den Provinzen Rätien im Westen und Noricum im Osten. Vermutlich bildete damals der Ziller die Grenze der beiden Provinzen. Die einheimische Bevölkerung wurde allmählich romanisiert. Von Norden her wanderten um 560 die Bajuwaren ein. Viele Siedlungsnamen haben eine bajuwarische Sprachwurzel.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Tal 889 in einer Urkunde als „Cilarestale“.[2] Eine Reihe von Schenkungen begründete den reichen Grundbesitz der Salzburger Erzbischöfe. Die Höfe und Güter wurden von den Meierämtern in Zell, Schwendau und Fügen verwaltet. Die Christianisierung erfolgte im 8. Jahrhundert. Im Jahr 739 wurden den römischen Provinzgrenzen folgend die Bistumsgrenzen zwischen der Diözese Säben-Brixen und Salzburg festgelegt, wie sie heute noch gültig sind, der Ziller bildet dabei den Grenzfluss.[3] Zu sehen ist das auch heute noch, auf der westlichen Brixner Seite (heute Diözese Innsbruck) sind die Kirchtürme vorwiegend rot, auf der östlichen Salzburger Seite grün eingedeckt. Die grüne Farbe entsteht durch die Verwendung von Kupfer für die Dächer, das die (reichere) Diözese Salzburg für ihre Kirchen verwenden konnte, während das Bistum Brixen sparsamer sein musste und mit Ziegeldächern arbeitete.

Mathias Schmid:
Die Vertreibung der Zillertaler Protestanten

Mit der Säkularisierung bildete der Ziller dann die Grenze zwischen Tirol (1803) und Bayern (1810). Im Jahr 1816 kam es zur Vereinigung des salzburgerischen Anteils des Zillertals mit dem Kronland Tirol und damit zu Österreich. Die Bergknappen brachten die lutherische Lehre ins Zillertal, die vor allem im inneren Tal weit verbreitet war. Die Zillertaler Inklinanten, wie die Zillertaler Protestanten genannt wurden, wurden schließlich verfolgt und 1837 zum Auswandern gezwungen.[4] Sie fanden im preußischen Schlesien eine neue Heimat, wo sie den Ort Zillerthal-Erdmannsdorf gründeten. Als sowjetische Truppen am Ende des Zweiten Weltkriegs in ihr Siedlungsgebiet vorrückten, waren die Nachfahren der Zillertaler Inklinanten gezwungen, auch diese zweite Heimat zu verlassen und wurden danach in alle Welt zerstreut.

Im 19. Jahrhundert wurde das Zillertal von mehreren Reiseschriftstellern beschrieben. Bekannt waren die Zillertaler Wanderhändler, „Bauerndoktoren“ und Sängerfamilien. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann mit der Errichtung von Schutzhütten und Wegen das Bergsteigen als Breitensport. Die wintertouristische Erschließung begann 1953/1954 mit dem Bau des Skigebietes Gerlosstein, heute Zillertal Arena, der bald andere Liftanlagen folgten und der Eröffnung der Mayrhofner Penkenbahn im Jahre 1954. Die Nutzung der Wasserkraft erfolgte im großen Stil ab den 1970er Jahren.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Holzlager in Fügen mit auf Rollwagen der Zillertalbahn bereitgestellten normalspurigen Rungenwagen

Wirtschaftlich bedeutend ist vor allem der Tourismus mit rund 7,2 Mio. Übernachtungen im Jahr, davon mit Schwerpunkt (4,5 Mio.) im Wintertourismus (Stand 2013).[5] Für die Touristen stehen mehr als 50.000 Gästebetten und 670 Kilometer an Skipisten zur Verfügung.

Landwirtschaftlich ist die Grünlandwirtschaft mit Milchproduktion und Viehzucht, Schafzucht, Anbau von Grünmais und Almwirtschaft zu nennen. Außerdem hat die Holzwirtschaft seit jeher einen hohen Stellenwert im Zillertal, und noch heute finden sich dort zahlreiche große Sägewerke. Das Holz wird meist mittels der Zillertalbahn weitertransportiert, der Holztransport war auch einer der Hauptgründe für den Bau der Zillertalbahn. Insbesondere im vorderen und mittleren Teil des Tals sind bedeutende Gewerbe- und Industriebetriebe zu finden. Im Gerlostal und in den hinteren Gründen ist die Elektrizitätswirtschaft vorherrschend.

Das Zillertal hat mehrere große Stauseen, die zur Energieerzeugung dienen. Dazu gehören:

  • Speicher Zillergründl
  • Schlegeisspeicher
  • Speicher Stillup
  • Speicher Durlaßboden
  • Speicher Gmünd.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Dampflokomotive Nr. 5 der Zillertalbahn

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Zillertal über die Zillertalbahn zu erreichen, die vom Bahnhof Jenbach (an der Unterinntalbahn gelegen) bis nach Mayrhofen führt und seit 2009 einen dichten Taktverkehr anbietet. Auch Güterverkehr wird auf dieser Schmalspurstrecke, die derzeit selektiv zweigleisig ausgebaut wird, abgewickelt. In die Seitentäler und als Ergänzung zum Bahnverkehr wird ein Linienbusverkehr angeboten.

Das Zillertal ist über die Zillertalstraße, die Anschluss an die Inntalautobahn bietet, erschlossen. Von Zell am Ziller zweigt die Gerlosstraße (B 165) ab. Die Zillertaler Höhenstraße ist eine kurvenreiche, mautpflichtige Aussichtsstraße; weitere Mautstraßen führen im Sommer ins Zillergründl und zum Schlegeisspeicher.

Tourismus[Bearbeiten]

Bergstation und 8er-Alm im Schigebiet Hochfügen-Hochzillertal

Mit dem Aufkommen des Alpinismus Mitte des 19. Jahrhunderts nahm der Fremdenverkehr ständig zu. So wurde das Zillertal zu einer der Geburtsstätten des alpinen Bergsteigens – zunächst noch mit einheimischen Bergführern, bald aber entdeckten englische und deutsche Alpinisten das Zillertal für sich. Die wintertouristische Erschließung des Zillertals begann 1949 mit der Errichtung eines Schleppliftes in Hintertux und Lanersbach sowie in weiterer Folge 1953/54 mit dem Bau der Penkenbahn in Mayrhofen.

Heute gliedert sich das Zillertal in vier Ferienregionen:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Volkskultur[Bearbeiten]

Im Zillertal gibt es eine lange Tradition der Volksmusik. Von Anfang Mai bis Ende Oktober werden diverse Volksfeste und Kirchtagsfeste gefeiert, etwa das „Zillertaler Gauder Fest“, das zu Österreichs ältestem und größtem Frühlings- und Trachtenfest zählt. Im September finden traditionelle Almabtriebe, die „Schaflschoade“ statt.

Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen[Bearbeiten]

Die Berliner Hütte, im Hintergrund Hornkees und Waxeggkees

Der Naturpark Zillertaler Alpen liegt im hinteren Zillertal. Er beginnt bei Mayrhofen und teilt sich dann auf die zehn verschiedenen Seitentäler auf. Er erstreckt sich über eine Fläche von 379 km². Der niedrigste Punkt liegt bei Ginzling, auf ca. 1.000 Meter Seehöhe, der höchste Punkt ist die Spitze des Hochfeiler mit 3.509 Metern. In der Naturpark-Region befinden sich ca. 80 Gletscher. Diese bedecken eine Fläche von ca. 40 km². Weiter Besonderheiten des Naturparks sind:

  • Denkmalgeschützte Berliner Hütte als Symbol der Anfänge des Alpinismus
  • Zemmgrund und Berliner Hütte sind seit 1891 Standort der Gletscherforschung
  • Zahlreiche Kristallvorkommen (wie Zillertaler Granat, Amethyst, Bergkristall)
  • Zusammen mit dem Nationalpark Hohe Tauern und dem Naturpark Rieserferner-Ahrn größter Schutzgebietsverbund der Alpen mit 2.500 km²
  • Bergsteigerdorf Ginzling – Wiege des Alpintourismus im Zillertal
  • Orchideenpracht in der Naturparkgemeinde Brandberg (bis zu zwölf verschiedene Orchideenarten)
  • Geschützte Landschaftsteile „Glocke“ – wegen botanischer Vielfalt
  • Schwarzensteinermoor (Zemmgrund): Eine von eiszeitlichen Gletschern gebildete Hohlform auf 2.150 m

Regionale Produkte[Bearbeiten]

Das Zillertal ist Ursprung und Heimat von bekannten Tiroler Naturprodukten wie z.B. vom Zillertaler Heumilchkäse und vom Zillertaler Graukäse, die von den im Zillertal ansässigen Sennereien produziert werden. Trotz des extremen Mehraufwandes der Heubewirtschaftung haben sich 380 Bauern und die Sennereien dazu entschlossen, diese Form der naturnahen Bewirtschaftung beizubehalten und gänzlich auf gärende Futtermittel zu verzichten. Die verarbeitete Milch stammt von Kühen, die sich ausschließlich von frischem Almgras, Kräutern und Blumen ernähren. Weitere regionale Spezialitäten sind Zillertaler-Krapfen oder Schliachta-Nudln.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zillertal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik: Klimadaten von Österreich 1971 - 2000
  2. Martin Bitschnau/Hannes Obermair (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch, II. Abt.: Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack und Pustertals, Bd. 1. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner, 2009. ISBN 978-3-7030-0469-8, S. 80 Nr. 111.
  3. Tiroler Urkundenbuch II/1, wie zuvor, S. 23 Nr. 40.
  4. Zillertaler Auswanderer 1837
  5. Land Tirol: Regionsprofil Zillertal - Statistik 2014 (PDF; 734 kB)