Samnaun

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Samnaun in der Schweiz, zum gleichnamigen Ort in Tirol siehe Samnaun (Gemeinden Fiss, Serfaus); siehe auch Samnaungruppe.
Samnaun
Wappen von Samnaun
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden (GR)
Bezirk: Innw
Kreis: Ramosch
BFS-Nr.: 3752i1f3f4
Postleitzahl: 7563
Koordinaten: 822419 / 20334746.9439310.360641846Koordinaten: 46° 56′ 38″ N, 10° 21′ 38″ O; CH1903: 822419 / 203347
Höhe: 1'846 m ü. M.
Fläche: 56.18 km²
Einwohner: 793 (31. Dezember 2012)[1]
Einwohnerdichte: 14 Einw. pro km²
Website: www.gemeindesamnaun.ch
Samnaun

Samnaun

Karte
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Samnaun (rätoromanisch  Samagnun?/i oder Samignun?/i) ist eine politische Gemeinde im Kreis Ramosch, Bezirk Inn, am Ostrand des Kantons Graubünden in der Schweiz. Die Gemeinde besteht aus den fünf Fraktionen Compatsch, Laret, Plan, Ravaisch und Samnaun. Samnaun ist schweizerisches Zollausschlussgebiet.

Wappen[Bearbeiten]

Wappen: In Rot ein durchgehendes silbernes (weisses) Kreuz, oben begleitet von zwei silbernen Muscheln

Die Muscheln als Symbol des Heiligen Jakobus des Älteren, des Patrons der Pfarrkirche von Compatsch, sind verbunden mit dem Kreuz als Hinweis auf die Grenzgemeinde.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Samnaun
Samnauner Skigebiet

Bedingt durch die geographische Lage führte die einzige Zufahrtsstrasse bis 1912 über österreichischen Boden. Deshalb wurde Samnaun Schweizer Zollausschlussgebiet; am Grenzübergang steht nur der österreichische Zoll. Der abgabenfreie Einkauf in Samnaun lohnt sich vor allem für Benzin, Zigarren, hochwertige Spirituosen, Kosmetik, Schmuck, Butter, Zucker und Parfüm. Das Dorf ist nebst den Winterattraktionen auch deshalb zu einer Touristenattraktion geworden. Touristen aus der Schweiz müssen Waren, welche die Freigrenzen überschreiten, beim Grenzübertritt in Martina deklarieren und verzollen.

Die Lieferanten müssen die Ware bei der Einfuhr nach Samnaun nicht verzollen und können diese entsprechend günstiger an die einheimischen Wiederverkäufer weiterverkaufen. Zwar erhebt die Gemeinde eigene Abgaben, doch liegen diese wesentlich unter den schweizerischen Zollsätzen. Eine Klage gegen diese Abgaben wurde vom Schweizerischen Bundesgericht abgewiesen.

Bei der Einführung der schweizerischen Mehrwertsteuer zum 1. Januar 1995 wurde die Abschaffung des Zollfreistatus von Samnaun diskutiert. Aufgrund eines Gutachtens, das die Gemeinde bei der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in Auftrag gegeben hatte und das die negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Arbeitsplätze in dieser strukturschwachen Gegend aufzeigte, und weil der Zollfrei-Tourismus dann vermutlich nach Livigno abgewandert wäre, wurde der Zollfreistatus zwar beibehalten, aber die schweizerische Mehrwertsteuer mit einem Normalsatz von derzeit 8,0 % und den ermässigten Sätzen von 3,6 % für Hotels und 2,5 % für Lebensmittel, Bücher usw. auch in Samnaun eingeführt.

Um nicht Millionen von Franken in den Bau neuer Zollanlagen investieren zu müssen, werden die Erträge in Höhe einstelliger Millionenbeträge geschätzt und von der Gemeinde aus den Erträgen aus den Abgaben auf Zollfrei-Produkte pauschal an die Eidgenössische Steuerverwaltung in Bern abgeführt. Im Gegensatz dazu wird im nicht weit entfernten italienischen Zollfreigebiet Livigno keine Mehrwertsteuer erhoben.

Tourismus[Bearbeiten]

Seilbahn

Samnaun betreibt ein über den Berggrat und die Grenze zusammengeschlossenes Skigebiet mit der Gemeinde Ischgl im Bundesland Tirol, Österreich. Dies ist eines der grössten Skigebiete der Ostalpen. Samnaun setzte die erste doppelstöckige Seilbahn ein.

Verkehr[Bearbeiten]

Bis zum Ausbau der Verbindung ins benachbarte Tiroler Spiss zur fuhrwerktauglichen Strasse, der im Jahr 1830 erfolgte, verkehrte Samnaun fast ausschliesslich über die benachbarte Val Sampuoir und den Übergang Fuorcla Salèt mit der Aussenwelt. Spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts verlor diese Säumerverbindung jedoch ihre Bedeutung.[2]

Die 1912 ab Vinadi über schweizerischen Boden nach Samnaun führende Samnaunerstrasse ist nur mit Fahrzeugen bis zu einer maximalen Fahrzeugbreite von 2,3 m sowie einer maximalen Fahrzeughöhe von 3,0 m befahrbar. Die Samnaunerstrasse ist zudem steinschlaggefährdet und nicht wintersicher. Den Hauptzufahrtsweg bildet die besser ausgebaute Strasse auf Tiroler Boden über Spiss.

Vom westlichen Ortsende von Samnaun führt eine Strasse hinauf zum Zeblasjoch auf 2539 Metern Höhe, wo die Grenze zu Österreich überschritten wird.

Samnaun ist an das Postauto-Liniennetz angeschlossen. Der SamnaunBus verbindet sämtliche Ortschaften im Tal miteinander.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Katholische Pfarrkirche St. Jakob[3]
  • Kapelle Maria Hilf[4]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten]

Die besondere topographische Lage und Beziehung zum benachbarten Tirol führte im 18. und 19. Jahrhundert dazu, dass die Samnauner Bewohner ihre einstige angestammte bündnerromanische Muttersprache Vallader aufgaben. Als letzte Rätoromaninnen gelten die beiden Schwestern Prinz mit den Jahrgängen 1830 und 1837. Mit ihnen starb der rätoromanische Samnauner Dialekt zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus.[5][6]

An Stelle des Rätoromanischen trat der Oberinntaler Dialekt, eine Mundart Tirols. Der Wortschatz des 'Samnauner Dialektes' wird daher im Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich erfasst.

Die Anzahl der Bevölkerungsgruppen sind in der folgenden Tabelle von 1980 bis 2000 erfasst:

Sprachen in Samnaun
Sprachgruppe Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Deutsch 569 95,31 % 619 97,02 % 695 93,54 %
Rätoromanisch 4 0,67 % 10 1,57 % 6 0,81 %
Italienisch 1 0,17 % 3 0,47 % 6 0,81 %
Einwohner 597 100 % 638 100 % 743 100 %

In Samnaun sind inzwischen Portugiesen, Serben und Kroaten zugewandert. Ihr Bevölkerungsanteil in Samnaun betrug im Jahre 2000 etwa je 2 %.

Religionen und Konfessionen[Bearbeiten]

Seit 1530 gab es in Samnaun Anhänger der Reformation. Da sich ihr aber nur ein Teil der Bürger anschloss, war Samnaun mehrere Jahrhunderte lang eine paritätische Gemeinde (Reformierte und Katholiken im gleichen Ort). Um 1800 war die reformierte Minderheit durch den Einfluss der Kapuziner und Tirols abgewandert oder katholisch geworden.

Die Bruder-Klaus-Kapelle gehört noch heute jeweils zur Hälfte der römisch-katholischen Pfarrei und der reformierten Kirchgemeinde Tschlin-Strada-Martina. Letztere betreut die Diaspora in Samnaun und hat die Tourismusseelsorge inne.

Herkunft und Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2005 824 Bewohnern waren 675 (= 82 %) Schweizer Staatsangehörige.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Varia[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert trat infolge eines Gendefekts das Phänomen der Samnauner Zwerge auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Gröger: Der Lautstand der deutschen Mundart des Samnauns verglichen mit jenem der benachbarten Tiroler Mundarten. In: Festschrift Albert Bachmann zu seinem sechzigsten Geburtstage am 12. November 1923, gewidmet von Freunden und Schülern. Berlin 1924 (Zeitschrift für deutsche Mundarten 19, Heft 1/2), S. 103–144.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Samnaun – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. C. Täuber (1912) Zwei kürzlich erschlossene Bündner Täler (Avers und Samnaun).
  3. Katholische Pfarrkirche St. Jakob
  4. Kapelle Maria Hilf
  5. C. Täuber (1912) Zwei kürzlich erschlossene Bündner Täler (Avers und Samnaun)
  6. Die Sendung „Balcun Tort“ vom 13. November 1977 gibt als Todesjahr der letzten romanisch sprechenden Person 1935 an.