Diemarden

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51.4883333333339.9816666666667172Koordinaten: 51° 29′ 18″ N, 9° 58′ 54″ O

Diemarden
Gemeinde Gleichen
Höhe: 172 m ü. NN
Einwohner: 1356 (31. Dez. 2012)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 37130
Vorwahl: 0551
Karte

Lage Diemardens innerhalb von Gleichen

Wappen der Gemeinde Gleichen

Diemarden ist nach Reinhausen der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde Gleichen im Landkreis Göttingen. Der Ort liegt an der Garte, die kurz vor Göttingen in die Leine mündet. Auf dem Diemardener Berg ist die im Jahre 1409 errichtete Diemardener Warte zu finden. Dieser Warteturm ist der letzte voll erhaltene Turm von ehemals 11 Warten, die ein mittelalterliches Frühwarnsystem für die Stadt Göttingen bildeten. Zur selben Zeit wurde der Diemardener Kirchturm aus rotem Sandstein erbaut. Trotz der Nähe zu Göttingen haben sich in dem Ort einige öffentliche Einrichtungen, wie Grundschule und Kindergarten gehalten. Diemarden war bis in die 60er Jahre Haltepunkt der Gartetalbahn.

Geschichte[Bearbeiten]

Diemarden wurde erstmals im Jahr 1022 urkundlich erwähnt - in der Stiftungsurkunde des Klosters St. Michaelis in Hildesheim, in der Gut und Kirche in Diemarden als Klostereigentum bezeichnet wurde.[2] Zu jener Zeit besaß das Michaeliskloster 80 Hufen und einen Hof in Diemarden, wobei um 1200 noch weitere 6 Hufen von Abt Dietrich hinzugekauft wurden.[3] 1234 ging beides durch Kauf in den Besitz des Klosters Hilwartshausen über, jedoch zahlte das Kloster Hilwartshausen zunächst nur 71 von den insgesamt 165 Mark an Hildesheim. Es ist anzunehmen, dass dadurch das Michaeliskloster zu Hildesheim vorerst weiterhin im Besitz der Diemardener Güter verblieb, wann der Restpreis bezahlt wurde, ist unbekannt, in den Urkundenbüchern und Archivbeständen des Michaelisklosters tritt allerdings Diemarden von diesem Zeitpunkt an nicht mehr auf. Am 8. April 1255 verpfändeten die Herren von Plesse Hilwartshausen die halbe Vogtei in Diemarden.[4] Von dieser Zeit an wird das Kloster Hilwartshausen in den endgültigen Besitz Diemardens gekommen sein, da es am 20. Mai 1305 noch weitere 6 1/2 Hufen im Ort dazuerwarb.[5] Dem Kloster gehörten auch die beiden damals in Diemarden existierenden Mühlen: die auf dem Klosterhof gelegene Obermühle sowie die Untermühle. Das Krugrecht stand in dieser Zeit der Klosterkammer zu. Schon früh war Diemarden Pfarrort - bereits 1272 wird der erste Pfarrer erwähnt. Als Gerichtsbarkeit diente das Vogtding, aus dem sich später das Klostergericht entwickelte. Im 16. Jahrhundert gab es außerdem ein Gericht der Landleute, das auch Meierding genannt wurde. Bis ins 19. Jahrhundert hatte der Klosterhof die völlige Untergerichtsbarkeit. Neben Hilwartshausen trat ein weiterer Grundherr in Diemarden mit Besitz auf, das unweit des Ortes gelegene Kloster Reinhausen, sowie das Adelsgeschlecht derer von Uslar, welche am Ende des 14. Jahrhunderts ein, von den Edelherren zu Plesse verpfändetes Gut besaßen.[6] Bereits um 1400 kamen sie zudem in den Besitz einer Hufe Landes aus dem Plessischen Pfandeigentum. Das Kloster Reinhausen besaß um die Mitte des 12. Jahrhunderts 6 Hufen, ein Vorwerk mit 3 Hufen, die Mühle und den Wald Kaldinlied. In den folgenden Jahrhunderten kam es durch das Kloster auch zu Güterabtretungen, so erhielt der Göttinger Rat 1457 von den Reinhäuser Gütern zu Diemarden ein Vorwerk von 4 Hufen, das 17 Malter Roggen, 4 Malter Weizen, 4 Malter Gerste und 15 Malter Hafer gab, ferner 2 Vorwerke von 6 Hufen und 3 einhalb Hufen weiteren Landes. Neben dem Kloster waren auch die Herren von Bodenhausen in Diemarden vertreten. 1318 war Bruno von Bodenhausen mit der Vogtei über einen Teil des Dorfes, von welfischer Seite aus, belehnt worden, was sich noch bis in das späte 16. Jahrhundert nachweisen lässt. 1410 verpfändete Ordomar von Bodenhausen Vogteidienste über zwei kleine Güter in Diemarden und 3 Hufen des Landes. In den Vogteilehnsbriefen derer von Bodenhausen wird erwähnt, dass sie 1414 8 Hufen Landes in der Diemardener Gemarkung besitzen.[7]

Diemarden

Spätestens ab Mitte des 16. Jahrhunderts findet sich, mit dem Göttinger Pastor Johann Gödeke, der erste evangelische Geistliche in Diemarden wieder. Sein Amt übte er von 1556 bis 1566 aus. zur Reformationszeit wurde Diemarden mit Reinhausen vereinigt. Die erste große nachreformatorische Kirchenvisitation fand vom 23. Februar bis zum 6. Juni 1588 statt und wurde nötig, da der katholische Herzog von Calenberg-Göttingen Erich II. 1584 verstarb. Sein Nachfolger Julius von Wolfenbüttel galt als Anhänger der evangelischen Konfession.

Über den Dienst der Einwohner beim Klostervorwerk berichtet der Vertrag von 1612: "Jeder der sechs Ackerleute fuhr jährlich fünf Tage Mist, holte mit den anderen sechs Klafter Holz aus dem Reinhäuser Wald, pflügte und säte in jedem der drei Felder der Gemarkung von jeder von ihm beackerten Hufe Landes drei Vorlinge (=3750 m²), fuhren die Frucht davon in die Scheune des Klostervorwerkes Diemarden. Die Kötner rauften, rotteten, wuschen, brachen und schwangen den Flachs, mähten und banden das Getreide jährlich fünf Tage im Winterfeld, harkten und banden einen Tag im Sommerfeld, hielten die Gebäude des Klostervorwerks in Bau und Besserung, misteten den Kuhstall und hackten 6 Klafter Holz im Reinhäuser Wald."[2] Im Jahr 1671 betrug der an Diemardener Einwohner vom Kloster Hilwartshausen vergebene Grund und Boden 27 Hufen (=202 Hektar.[2]) Die Schäferei in der Feldmark Diemarden stand dem Klostervorwerk mit 400 Schafen zu. Die Bauern durften zur Hutung nur 200 Schafe austreiben. Das Klostervorwerk hatte Bullen und Eber für die Gemeinde zu halten.

Am 1. Januar 1973 wurde Diemarden in die neue Gemeinde Gleichen eingegliedert.[8]

Politik[Bearbeiten]

Ortsratswahl 2011[9]
Wahlbeteiligung: 64,5 %
 %
40
30
20
10
0
34,55 %
33,01 %
32,44 %

Ortsrat[Bearbeiten]

Der Ortsrat setzt sich aus sieben Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Kreistagswahlen 2006[Bearbeiten]

Bei den Kreistagswahlen 2006 gab es folgende Ergebnisse:

Kreistagswahlen 2006
Anzahl Stimmen bzw. %
Wahlberechtigte 1078
Wahlbeteiligung 65,5 %
SPD 37,7 %
CDU 28,5 %
Grüne 27,6 %
Die Linke 3,2 %
FDP 2,6 %
Wählergemeinschaft 0,4 %

Gemarkung[Bearbeiten]

Die Diemardener Gemarkung ist überwiegend durch Ackerbau geprägt, im Norden und im Südwesten stockt jedoch auch artenreicher Buchenwald, im Gartetal gibt es extensiv bewirtschaftetes Grünland, das sehr artenreich sein kann. An steileren Hängen auf Muschelkalk und auf Röt gibt es Reste von Kalkmagerrasen, mit etlichen gefährdeten Pflanzenarten, wie etwa "Am Sentenberge" (s. Flora).

Flora[Bearbeiten]

In der Diemardener Gemarkung kommen zahlreiche gefährdete Pflanzenarten vor - insbesondere auf Muschelkalk. Eine kleine Auswahl findet sich hier:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ev-luth. Kirche St. Michaelis[Bearbeiten]

Kirche St. Michaelis

Nachdem ein Brand die frühere St. Michaeliskirche zerstörte, wurde 1733 mit dem Bau eines neues Gotteshauses begonnen, von dem der Rohbau bereits im selben Jahr abgeschlossen werden konnte. Ohne auf die Vollendung des Innenraums zu warten, hielt man Anfang November 1733 schon den ersten Gottesdienst ab. Der endgültige Ausbau wurde, in Folge von Zahlungsschwierigkeiten, erst 1774 beendet. Während der obere Teil des Kirchturms mit dem Holzdach 1747 abgebrochen wurde, blieb das untere Gemäuer erhalten. Das Alter wird auf etwa 600 Jahre geschätzt, vermutlich bildete es einst im Mittelalter die Zufluchtsstätte der Einwohner Diemardens und unterstreicht zudem den früheren Charakter des Hauses als Wehrkirche. Die Bauten am neuen Turm konnten erst 1775 beendet werden, er erhielt ein Zwiebeldach, welches in seiner architektonischen Form auch als welsche Haube bezeichnet wird. Am Südeingang der Kirche findet sich die Inschrift DIESES GOTTESHAUS IST ERBAUET ANNO 1733 ALS JOHANN DANIEL SCHRAMM PASTOR ZU DIEMARDEN UND REINHAUSEN WAR. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1833, Altar und Kanzel aus den Jahren 1839 bis 1841. Die älteren Glocken wurden im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Die kleinere von den beiden Kirchenglocken wurde 1632 angeschafft, nachdem sie 1735 barst, goss man sie 1736 in Nordhausen um und setzte sie schließlich in den Neubau der Kirche ein.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohner der Gemeinde Gleichen (Stand 31. Dezember 2012), abgerufen am 22. Juni 2014
  2. a b c Heinrich Lücke (1969): Burgen, Amtssitze und Gutshöfe rings um Göttingen. Clausthal-Zellerfeld
  3.  Horst-Detlef Illemann: Bäuerliche Besitzrechte im Bistum Hildesheim. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart 1969, S. 15.
  4.  Gustav Schmidt (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Göttingen. Band 1. Bis zum Jahre 1400. Nr. 7, Hahn, Hannover 1863.
  5.  Gustav Schmidt (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Göttingen. Band 1. Bis zum Jahre 1400. Nr. 61, Hahn, Hannover 1863.
  6.  Heinrich Lücke: An den Ufern der Garte. Historisches und Literarisches aus der Südostecke des Göttinger Landes. Mecke, Duderstadt 1927, S. 178.
  7.  Heinrich Lücke: An den Ufern der Garte. Historisches und Literarisches aus der Südostecke des Göttinger Landes. Mecke, Duderstadt 1927, S. 177.
  8.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 208.
  9. http://wahlen.kds.de/2011kw/Daten/152011_000054/index.html