Nordhausen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Nordhausen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Nordhausen
Nordhausen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Nordhausen hervorgehoben
51.50027777777810.791388888889185Koordinaten: 51° 30′ N, 10° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Nordhausen
Höhe: 185 m ü. NHN
Fläche: 105,27 km²
Einwohner: 41.926 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 398 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 99734, 99762 (Rodishain, Stempeda)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 03631, 034653 (Rodishain, Stempeda)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: NDH
Gemeindeschlüssel: 16 0 62 041
Stadtgliederung: 12 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
99734, 99762 (Rodishain, Stempeda)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text Nordhausen
Webpräsenz: www.nordhausen.de
Oberbürgermeister: Klaus Zeh (CDU)
Lage der Kreisstadt Nordhausen
im gleichnamigen Landkreis
Thüringen Bleicherode Buchholz Ellrich Etzelsrode Friedrichsthal Görsbach Großlohra Hainrode (Hainleite) Harztor Harzungen Heringen/Helme Herrmannsacker Hohenstein Kehmstedt Kleinbodungen Kleinfurra Kraja Lipprechterode Neustadt/Harz Niedergebra Nohra Nordhausen Sollstedt Urbach Werther Wipperdorf WolkramshausenKarte
Über dieses Bild

Die Stadt Nordhausen liegt im Norden von Thüringen an der Zorge, am Südrand des Harzes und im Nordwesten der fruchtbaren Goldenen Aue. Nordhausen ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises und hat den Status einer Großen kreisangehörigen Stadt. In der Landesplanung nimmt die Stadt den Status eines Mittelzentrums mit Teilfunktionen eines Oberzentrums ein.

Nordhausen ist nach Erfurt, Jena, Gera, Weimar und Gotha die sechstgrößte Stadt in Thüringen. Die nächstgelegenen Großstädte sind Göttingen (etwa 60 km westlich), Erfurt (etwa 61 km südlich), Halle/Saale (etwa 81 km östlich), Braunschweig (etwa 87 km nördlich) und Magdeburg (etwa 91 km nordöstlich).

Nordhausen war bis 1802 neben Mühlhausen eine von zwei freien Reichsstädten in Thüringen. Ab August 1943 wurde das nordwestlich der Stadt liegende Konzentrationslager Mittelbau errichtet, in dem 60.000 Zwangsarbeiter unterirdisch die V2-Waffe produzierten. Anfang April 1945 zerstörten zwei Luftangriffe der Royal Air Force drei Viertel des Stadtgebiets; ca. 8.800 Menschen kamen ums Leben.

Das bedeutendste Bauwerk Nordhausens ist der Dom Zum Heiligen Kreuz aus der romanisch-gotischen Zeit. Bekannt ist die Stadt auch für ihre Spirituosenherstellung (zum Beispiel Nordhäuser Doppelkorn). Wegen seiner Kautabakfabrik G. A. Hanewacker (gegründet 1817) galt Nordhausen als Zentrum der Kautabakproduktion in Deutschland.

In der Stadt beginnt eine Linie der Harzer Schmalspurbahnen, die dort mit der Straßenbahn Nordhausen verknüpft ist. Die höchste Bildungseinrichtung in der Stadt ist die Fachhochschule Nordhausen.

Anfang 2004 wurde die Stadt anlässlich der zweiten Thüringer Landesgartenschau umgestaltet. Das Land Thüringen stellte dafür 60 Millionen Euro zur Verfügung.

Geographie[Bearbeiten]

Bielen Herreden Hesserode Hochstedt Hörningen Krimderode Leimbach Petersdorf Rodishain Rüdigsdorf Kernstadt Nordhausen Salza Steigerthal Steinbrücken Stempeda Sundhausen
Stadtteile
Die Zorge in Nordhausen

Geographische Lage[Bearbeiten]

Nordhausen liegt eingebettet zwischen dem Harz im Norden, der fruchtbaren Goldenen Aue im Südosten, der Rüdigsdorfer Schweiz im Nordosten und südlich des ehemaligen KZ Mittelbau-Dora. Durch die Stadt fließen die Zorge, über welche insgesamt 14 Brücken führen und die Helme, einem Zufluss der Unstrut. Das ursprüngliche Stadtgebiet (die heutige Altstadt) liegt auf einer westlich und südlich abfallenden Anhöhe.

Stadtteile[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Raum Nordhausen war keltisches, dann germanisches Siedlungsgebiet. Er gehörte zum Thüringer Reich und wurde nach dessen Untergang fränkisch. Im heutigen Ortsteil Bielen fanden sich Siedlungsspuren aus der Zeit um 650 bis 700, als eine wendisch-sorbische Gruppe dort lebte.

Mittelalter[Bearbeiten]

Bereits um das Jahr 780 wurde auf dem Frauenberg im Süden der Altstadt eine karolingische Königspfalz gegründet. Der Ort Nordhausen selbst wurde am 13. Mai 927 in einer Schenkungsurkunde Heinrichs I. an seine Frau Mathilde erstmals urkundlich erwähnt. Eine frühere Siedlung lässt sich jedoch schon bis ins Jahr 785 nachweisen, als die fränkische Siedlung „Nordhausen“ am Frauenberg entstand. In etwa zwischen 908 und 912 erbaute Heinrich I. die Burg Nordhausen. Der Überlieferung nach wurde hier um 920 der Sohn von Heinrich I. und Mathilde, Heinrich, geboren. Mathilde gründete 961 neben der von Heinrich I. erbauten Burg ein Stift, was Handwerk und Gewerbe einen Anreiz gab, sich hier niederzulassen. Aus dem Stift entwickelte sich der Nordhäuser Dom. 1158 schenkte Kaiser Friedrich Barbarossa alle Reichsbesitzungen in Nordhausen dem Domstift, das dadurch erheblich an Einfluss gewann. 1180 wurde die Stadt durch die Truppen Heinrichs des Löwen wegen eines Zerwürfnisses zwischen Heinrich und dem Kaiser zerstört. Beim folgenden Wiederaufbau wurde die Stadtbefestigung um 1206 verstärkt, um den im Gebiet aktiven Grafen von Schwarzburg, Stolberg, Hohnstein und den Rittern von Klettenberg Paroli bieten zu können. Diese fühlten sich in ihren Rechten durch die Stadt eingeschränkt und befehdeten sie mehrfach. In dieser Zeit gab es einige Überfälle auf die Stadt unter der Führung der Hohnsteiner und Klettenberger, die alle von den Bürgern erfolgreich abgewiesen wurden. Prominentestes Opfer dieses Konfliktes war der Nordhäuser Bürgermeister Hellwig von Harzungen, der im Kampf um die Stadt 1329 bei der Verteidigung des Altentors zusammen mit drei anderen Bürgern der Stadt fiel. Am 22. Juli 1212 heiratete der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Otto IV., Sohn Heinrichs des Löwen, in Nordhausen Beatrix von Schwaben aus dem Hause der Staufer, wodurch beide Herrscherlinien eine Versöhnung erfuhren. Bereits 1234 vernichtete ein Großbrand weite Teile der Stadt.

Am 27. Juli 1220 wurde Nordhausen von König und späterem Kaiser Friedrich II. zur Freien Reichsstadt erhoben, was es bis zur Mediatisierung 1802 blieb. 1225 erhielt die Stadt ihr erstes Siegel, um 1260 wurde erstmals ein Rat gebildet und um 1280 ein erstes Rathaus am heutigen Standort errichtet. 1277 gab es einen Aufstand der Handwerker und Kleinbürger gegen die Reichsritter. Dabei wurde die Reichsburg zerstört. 1290 bestätigte der römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg die Reichsfreiheit Nordhausens und stellte die Stadt unter seinen Schutz, um sich mit den Bürgern zu versöhnen. Bei einem weiteren Aufstand am 14. Februar 1375 wurde der Rat gestürzt und seine Mitglieder verbannt. Die Stadt erhielt eine neue Verfassung und die Handwerker übernahmen die Macht. In dieser Zeit ließen sich einige Orden in Nordhausen nieder, beispielsweise Augustiner, Dominikaner und Franziskaner. Auch die benachbarten Klöster in Walkenried und Ilfeld gründeten in der Stadt Klosterhöfe. 1430 trat Nordhausen der Hanse bei. 1500 wurde Nordhausen Teil des Niedersächsischen Reichskreises.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Kupferstich von Nordhausen um 1611

1507 wurde die Produktion von Branntwein in der Stadt erstmals urkundlich erwähnt; der so genannte Nordhäuser Korn brachte die Stadt im Mittelalter zu Reichtum. In Spitzenzeiten gab es über 100 Brennereien in der Stadt. Auch Kautabak wurde in Nordhausen produziert.

In der Altstadt von Nordhausen

1523 setzte sich in Nordhausen die Reformation durch und die Kirchengüter wurden säkularisiert. Treibende Kraft war hierbei der Bürgermeister Michael Meyenburg. In diesem Jahr hielt sich Thomas Müntzer in der Stadt auf. Obwohl zwei Stadtbrände (1540 und 1612), der Ausbruch der Pest (1626) und der Dreißigjährige Krieg die Entwicklung der Stadt erschwerten, wuchs sie weiter an. Nordhausen war 1559 bis 1644 von Hexenverfolgung betroffen. 27 Personen gerieten in Hexenprozesse, acht wurden hingerichtet, fünf zu Landesverweis verurteilt, vier starben in der Folter oder im Kerker.[2] Zu weiteren Stadtbränden kam es in den Jahren 1710 und 1712, sodass nur wenig mittelalterliche Bausubstanz erhalten blieb. Von den zwölf Kirchen im Mittelalter blieben ebenfalls nur noch der Dom, die Blasiikirche, die Frauenbergkirche und die Altendorfer Kirche erhalten. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt zeitweilig von den Schweden besetzt, dabei wurden hohe Kontributionen erpresst und sämtliche Kanonen der Stadt sowie einige der Kirchenglocken gestohlen. In der Folge unterstützte die Stadt die Harzschützen heimlich mit Geld, Unterkunft und Verpflegung.

Vom 19. Jahrhundert bis zur Weimarer Republik[Bearbeiten]

Ansichtskarte aus dem Jahr 1902
Aufnahme des Lutherplatzes aus dem frühen 20. Jahrhundert

1802 erhielt Preußen als Entschädigung für an Frankreich verlorene linksrheinische Territorien auch thüringische Gebiete. So wurde die Stadt Nordhausen am 2. August 1802 von preußischen Truppen besetzt, dem Königreich Preußen eingegliedert und verlor damit ihre Reichsfreiheit. 1807 bis 1813 gehörte Nordhausen zu dem von Napoleon für seinen Bruder Jérôme Bonaparte konstruierten Königreich Westphalen, danach wieder zu Preußen, was 1815 durch den Wiener Kongress bestätigt wurde.

Im dritten Buch (zweites Kapitel) seines Romans Der Glöckner von Notre-Dame von 1831 rühmt Victor Hugo Nordhausen neben Nürnberg, Vitré in Frankreich und Vitoria in Spanien als gotische Musterstadt, die sich im Gegensatz zum Paris des frühen 19. Jahrhunderts ihre Ursprünglichkeit bewahren konnte.[3]

In der Zeit bis 1866 blühte in Nordhausen ein bis dato in Thüringen nicht gekanntes Schmugglerwesen. Geschmuggelt wurden vor allem Kaffee, Tee und Tabak, weil diese Genussmittel im benachbarten Königreich Hannover wesentlich geringer besteuert wurden als in Preußen. Auch strengste Strafandrohungen konnten nichts an dem Zustand ändern. Die Grenze verlief entlang der heutigen Straße am Gehege. Zeitweise wurden das Rauchen von Tabak und der Genuss von Branntwein in der Öffentlichkeit verboten.

1867 begründete Eduard Baltzer die deutsche Vegetarier-Bewegung in Nordhausen. Es folgt 1869 der erste Kongress der deutschen Vegetarier in der Stadt.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch in Nordhausen die Industrialisierung ein, wodurch die Stadt stark anwuchs. Zunächst war vor allem die Lebensmittelindustrie ansässig, später kam auch die Maschinenbauindustrie hinzu. 1866 erhielt Nordhausen Anschluss an die Eisenbahn aus Halle (Saale), die Fortsetzung nach Heiligenstadt und Kassel wurde ein Jahr später eröffnet. Es folgten in den nächsten Jahren Bahnstrecken nach Northeim und Erfurt.

Von 1815 bis 1945 gehörte Nordhausen zur preußischen Provinz Sachsen, in der es seit 1882 ein eigener Stadtkreis im Regierungsbezirk Erfurt war. Zusätzlich befand sich hier das Landratsamt des Landkreises Grafschaft Hohenstein.

Unter Mitwirkung des Städtischen Vereins und der 1871 ins Leben gerufenen Gesellschaft zur Förderung der Volksbildung wurde 1877 die Volksbibliothek gegründet. Die Stadtbibliothek Nordhausen trägt seit 1992 den Namen Rudolf Hagelstange.

1927 feierte die Stadt ihr tausendjähriges Bestehen, zu dessen Anlass eine 3-Mark-Gedenkmünze der Reichsbank geprägt wurde.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Das Neue Rathaus, erbaut 1936

Mit Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden Bürger, die der nationalsozialistischen Ideologie widersprachen, in dem Schutzhaftlager Siechenhof interniert, bevor sie in Zuchthäuser und Konzentrationslager eingeliefert wurden. Dazu zählte der im September 1933 verhaftete und zu drei Jahren Zuchthaus verurteilte Sozialdemokrat Johannes Kleinspehn (preußischer Landtagsabgeordneter, Redakteur der „Volkszeitung“). Die etwa 400 Nordhäuser Juden emigrierten oder wurden später in die Konzentrationslager deportiert. Die Synagoge wurde in der Pogromnacht geschändet und niedergebrannt. Sinti-Familien, die auf den Schinderrasen und in Baracken An der Bleiche und am Holungsbügel bei Salza zwangsumgesiedelt wurden, mussten später Zwangsarbeit leisten. Im Städtischen Krankenhaus wurden zwischen 1935 und 1943 392 als „erbkrank“ eingestufte Personen zwangssterilisiert.

Von 1937 bis 1945 befand sich bei Nordhausen das Rüstungszentrum und ab August 1943 das Konzentrationslager Dora-Mittelbau mit 60.000 Häftlingen (von denen 20.000 bis 1945 ums Leben kamen), in welchem nach dem Angriff auf Peenemünde die Produktion der sogenannten Vergeltungswaffen, vor allem der neuen V2, aber auch der älteren V1, stattfand. Außerdem mussten 10.000 deutsche Strafgefangene und ausländische Zwangsarbeiter, die in 38 Lagern untergebracht waren, in diversen Unternehmen zwangsarbeiten. Das größte Zwangsarbeiterlager mit max. 6.000 Insassen, die teilweise für den Junkers-Konzern arbeiten mussten, befand sich in der Boelcke-Kaserne. Diese wurde ab Ende Januar 1945 ein „Kranken- und Sterbelager des Mittelbau-Komplexes“[4] und lag im südöstlichen Nordhausen. Es wurde bei den britischen Bombenangriffen am 3. und 4. April schwer getroffen. Die US-Armee zwang die Einwohner Nordhausens zu Bergung, Transport und Bestattung der Toten. Auf dem Ehrenfriedhof am Stresemann-Ring wurden die 1.200 Todesopfer bestattet. An sie erinnert ein 1999 errichtetes Denkmal. Daneben befindet sich ein 1946 angelegter Ehrenfriedhof für 215 sowjetische Todesopfer.[5]

Am 4. Juli 1944 wurde Nordhausen erstmals Ziel alliierter Bombenangriffe.[6]

Am 29. Oktober 1944 wurden die Jahrgänge 1884 bis 1928 für den Volkssturm erfasst und in 29 Bataillone unterteilt. Die ersten 200 Volkssturmmänner wurden am 21. Februar 1945 zur Front gerufen.

Etwa 1200[7] bis 1300[8] Opfer forderte die Bombardierung unter den Häftlingen des Kranken-Außenlagers Boelcke-Kaserne. Die Bomben detonierten auf den Lagerstraßen und in den Unterkunftsblocks.[9] Die Aufnahme zeigt das Kasernengelände mit den geborgenen Leichen.

Noch eine Woche vor Einmarsch der Amerikaner wurde die Stadt am 3. und 4. April 1945 durch zwei britische Luftangriffe zu 74 % zerstört, wobei etwa 8.800 Menschen ums Leben kamen und weitere 20.000 obdachlos wurden. Der erste Großangriff am 3. April um 16 Uhr bestand aus 247 Lancaster-Bombern und 8 Mosquitos der 1. und 8. Bombergruppe, die in 20 Minuten 1.170 Tonnen Sprengbomben abwarfen. Dabei starben auch etwa 1.200 Häftlinge.[7][9] Der zweite Großangriff am 4. April um 9 Uhr mit 243 Lancaster-Bombern der No. 5 Bomber Group und 1.220 Tonnen Bomben gilt als der schwerste Angriff und zielte als Flächenbombardement auf das Stadtgebiet.[10] Es wurden hauptsächlich Wohngebiete (10.000 Wohnungen), das Krankenhaus und zahlreiche Denkmäler von hervorragender Bedeutung zerstört.

Das Krankenhaus zog am 8. April in die Kohnstein-Stollen um. Bis auf die Boelcke-Kaserne wurden keine als militärisch oder kriegswichtig identifizierbaren Ziele getroffen, so blieben der Bahnhof, der Flugplatz, die Gleisanlagen, die Industriebetriebe und das Konzentrationslager Dora in dem auch die „Vergeltungswaffe 2” produziert wurde, unzerstört. Schwer beschädigt wurden die St.-Blasii-Kirche, der Dom und die Frauenbergkirche. Zerstört wurden Frauenbergkloster, Neustädtische Pfarrkirche St. Jakobi, Marktkirche St. Nikolai, St.-Petri-Kirche (Turm teilweise erhalten). Die Reste dieser Gebäude wurden nach dem Krieg abgetragen. Die Stadtmauer einschließlich der teilweise genutzten Türme und Wiechhäuser wurde schwer getroffen, das Rathaus bis auf die Umfassungsmauern zerstört. In großer Zahl wurden die für Nordhausen charakteristischen bürgerlichen Fachwerkbauten aus Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko und Frühklassizismus vernichtet.[11] In der Innenstadt wüteten tagelang noch zahlreiche Brände, Bomben mit Zeitzündern explodierten und das Stadtgebiet lag unter Beschuss durch Tiefflieger. Zunächst nur wenige Einwohner versuchten daher, Tote zu bestatten oder Hab und Gut zu bergen.

Verluste der ständigen Bevölkerung 6.000
Verluste der nicht ständigen Bevölkerung 1.500
Verluste der Häftlinge der Boelcke-Kaserne 1.300
zusammen 8.800

Anfang April wurden vom Volkssturm noch Vorbereitungen zur Verteidigung der Stadt getroffen. So wurden in der Gumpe, auf dem Holungsbügel, an der Promenade, im Gehege und an den Stadteingängen Gräben ausgehoben.

Am Morgen des 11. April 1945 besetzte die über Werther anrückende 104. US-Infanterie-Division (1. US-Armee) kampflos Nordhausen und das nordwestlich gelegene Konzentrationslager Dora-Mittelbau. Die wenigen auf dem Flugplatz stationierten deutschen Soldaten zogen bereits in Richtung Harzfestung ab. Militärgouverneur der Stadt wurde Captain William A. McElroy. Das Military Governement gab Nordhausen am 12. April acht Tage lang den ehemaligen Häftlingen und ausländischen Zwangsarbeitern zur Plünderung frei. Aktivitäten der Organisation Werwolf wurden Ende April bekannt und einige Waffen und Munitionsvorräte beschlagnahmt. Am 8. Mai 1945 musste der von den Amerikanern eingesetzte Bürgermeister, der sozialdemokratische Arbeiterführer Otto Flagmeyer, in einem Aufruf allen Plünderern die Todesstrafe androhen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Am 16. Juni 1945 wurde der bis dahin preußische Regierungsbezirk Erfurt und damit auch Nordhausen in das Land Thüringen eingegliedert. Die Rote Armee löste die US-Armee als Besatzungsmacht am 2. Juli 1945 ab.

„April, Mai, Juni: plündernde Horden, 21 Uhr Ausgangssperre, bei allen Häusern verrammelte Türen und Fenster. Jeder fragt sich, ob er heute das Opfer sein wird. Turbulente Szenen vor den Geschäften, stundenlanges Schlangestehen und am Ende doch leer nach Hause gehen, weil die frechen Kerle einfach 3-4 Brote mit Gewalt abholten.“

Thüringer Volkszeitung: Nr. 78 vom 12. November 1945
Neubebauung nach den Kriegsschäden aus den 1950er Jahren in der Innenstadt
Blick auf die Rautenstraße im Jahr 1962
Das Nordhäuser Kino war das erste nach dem Zweiten Weltkrieg in der DDR erbaute Lichtspielhaus.

Die kriegszerstörte Innenstadt von Nordhausen wurde in den 1950er und 1960er Jahren wieder aufgebaut. Dabei wurde die historische Siedlungsstruktur vollkommen missachtet. Stattdessen entstanden dem Zeitgeschmack entsprechende, breite Magistralen wie die Rautenstraße und die Töpferstraße. Nur im Nordwesten der Altstadt in der Umgebung des Doms blieb altstädtische Bausubstanz erhalten, die sowohl die Luftangriffe als auch die DDR-Zeit überstand. Das Bismarckdenkmal in der Promenade und das Wehrfreiheitsdenkmal auf dem Theaterplatz wurden 1945 abgetragen.

Nach Auflösung der Länder in der 1949 gegründeten DDR, gehörte die Stadt von 1952 bis zur Neukonstituierung Thüringens als Bundesland 1990 zum Bezirk Erfurt. Dort war sie Kreisstadt des Kreises Nordhausen, der 1994 in den heutigen Landkreis Nordhausen umgewandelt wurde.

Nordhausen war am und um den 17. Juni 1953 ein Zentrum der Unruhen im Bezirk Erfurt. Schon in den ersten Junitagen 1953 erfolgten Streikaktionen gegen die verfügten Arbeitsnormerhöhungen.[12] Am 17. Juni gab es dann einen mächtigen Streik im VEB IFA-Schlepperwerk. Die Arbeiter konnten jedoch nicht zu Demonstrationen in die Stadt, da das Werk durch Volkspolizei und Kasernierte Volkspolizei umstellt worden war. Einen Streik gab es auch im Schachtbau- und Bohrbetrieb. Bald wurden die Losungen der Streikenden politisch: Hinweg mit der Regierung, freie Wahlen und Aufhebung des von der Sowjetarmee verhängten Ausnahmezustands. Streiks und Unruhen hielten auch noch am 18. Juni an, dann besetzten unter dem Schutz der Roten Armee Volkspolizei-Einheiten die Betriebe.[13][14]

Der in Nordhausen ansässige VEB Nordbrand galt als der „größte und modernste Spirituosenproduzent der DDR“, der VEB Tabak als der „größte Zigarettenhersteller der Republik“.

Am 31. Oktober 1989 fanden auf dem August-Bebel-Platz Demonstrationen gegen das DDR-Regime mit 25.000 Teilnehmern statt.

Im Rahmen der Landesgartenschau Nordhausen 2004 wurden weite Teile der Innenstadt wie der Petersberg erneuert. Am 1. Dezember 2007 wurden Petersdorf, Rodishain und Stempeda eingemeindet.[15]

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Seit 2010 ist Nordhausen eine der offiziellen Lutherstädte.[16]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Bielen 1. Juli 1994
Herreden 1. Juli 1994
Hesserode 1. Januar 1997
Hochstedt 1. Juli 1950  Eingemeindung nach Herreden
Hörningen 1. Juli 1950
1. Januar 1963
1. Juli 1994
 Eingemeindung nach Herreden,
 Ausgliederung aus Herreden,
 Eingemeindung nach Nordhausen
Krimderode 1. Juli 1950
Leimbach 1. Juli 1994
Petersdorf 1. Dezember 2007
Rodishain 1. Dezember 2007
Rüdigsdorf 23. März 1993
Salza 1. Juli 1950
Steigerthal 1. April 1999
Steinbrücken 1. Juli 1994
Stempeda 1. Dezember 2007
Sundhausen 1. Juli 1994

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

1802 bis 1945

  • 1802: 8.355
  • 1821: 9.900
  • 1824: 9.700
  • 1840: 12.000
  • 1880: 26.198
  • 1890: 26.847
  • 1900: 28.497
  • 1910: 32.564
  • 1925: 35.056
  • 1933: 37.635
  • 1937: 40.000
  • 1939: 42.316
  • 1945: 31.743[EE 1]

1946 bis 1996

  • 1946: 32.848[EE 2]
  • 1950: 39.452[EE 3][EE 4]
  • 1960: 39.768
  • 1966: 42.279
  • 1970: 42.018
  • 1977: 45.400[EE 5]
  • 1980: 47.000
  • 1981: 47.121
  • 1984: 47.176
  • 1985: 47.000[EE 6]
  • 1986: 47.681
  • 1994: 48.028[EE 4]
  • 1995: 47.324
  • 1996: 46.750

seit 1997

  • 1997: 46.650[EE 4]
  • 1998: 46.192
  • 1999: 46.057[EE 4]
  • 2000: 45.633
  • 2001: 45.196
  • 2002: 44.701
  • 2003: 44.311
  • 2004: 43.894
  • 2005: 43.594
  • 2006: 43.344
  • 2007: 44.057[EE 4]
  • 2008: 44.189
  • 2009: 44.127
  • 2010: 44.296
  • 2011: 42.191 (nach Zensus 2011)[EE 7]
  • 2012: 41.926
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
  1. 1. Dezember; 25.681 „ortsansässige“ Einwohner, 3.582 „Umsiedler, die bereits ihren festen Wohnsitz in der Gemeinde haben“, 2.480 „Umsiedler ohne festen Wohnsitz“
  2. 29. Oktober
  3. 31. August
  4. a b c d e mit Eingemeindungen
  5. 1. Oktober
  6. November
  7. Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht zum 31.12.2011 vor und nach dem Zensus 2011 im Vergleich in Thüringen bei tls.thueringen.de (abgerufen am 2. Juni 2013)

Geschichte der Branntwein-Herstellung[Bearbeiten]

Heute prägen zwei riesige Kornflaschen einen Teil des Stadtbildes von Nordhausen.

Die Branntwein-Herstellung hat in Nordhausen eine lange Tradition. 1507 wurde sie erstmals urkundlich erwähnt, als die Stadt begann, die Branntweinproduktion zu besteuern und somit die erste Branntweinsteuer Deutschlands einführte. 1545 wurde die Kornbrennerei in Nordhausen wegen Fehlernten und drohender Hungersnot verboten; 1570 erlaubte die Stadt das Kornbrennen wieder. Ähnliches geschah in den nächsten Jahrhunderten (unter anderem auch während der Weltkriege) noch einige Male.

1726 wurden jährlich 1,3 Millionen Liter Branntwein in 69 Brennereien erzeugt. Wenig später, in der Mitte des 18. Jahrhunderts, erreichte die Zahl der Branntweinbrennereien mit 100 ihr Maximum.

1789 wurde ein Reinheitsgebot für die Zutaten des Nordhäuser Korns festgelegt: mindestens zwei Drittel Roggen und maximal ein Drittel Gerstenmalz. Als jedoch 1819 der preußische Staat die Branntweinherstellung aus Kartoffeln zu fördern begann, mischten viele Nordhäuser Brennereien dem Korn Kartoffelsprit bei.

Im April 1945 wurden bei der Bombardierung der Stadt alle Brennereien zerstört oder beschädigt. Bereits 1948 wurden wieder 200.000 Liter Branntwein produziert. 1949 wurden mit Gründung der DDR landesweit Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VEB) gebildet. Der VEB Nordbrand verdrängte in den folgenden Jahren die verbleibenden Brennereien. Ab 1961 wurde der Nordhäuser Korn auch nach Westdeutschland exportiert. Ende der 1960er Jahre wurden in dem Betrieb über 10 Millionen Liter Spirituosen jährlich hergestellt. Dies entsprach 15 % der DDR-Spirituosenproduktion. 1986 erreichte die Kornproduktion in Nordhausen ihren Höhepunkt, als jährlich 60 Millionen Liter Branntwein hergestellt wurden. Nach der politischen Wende 1989/90 halbierte sich die Korn-Produktion. 1991 wurde der Betrieb von der Eckes AG übernommen, woraufhin das Produkt deutschlandweit besser vermarktet werden konnte. Im Februar 1994 wurde begonnen, das ehemalige Museum der Nordhäuser Brennereigeschichte in ein arbeitendes technisches Denkmal mit eigenem Brennrecht von 103.500 Litern reinem Alkohol umzuwandeln. Die dort erzeugten Spirituosen sind so rar, dass sie nicht flächendeckend im Supermarkt verkauft werden können, sondern nur in wenigen Spirituosenläden zu erhalten sind.

Für mehr Informationen siehe Hauptartikel: Nordhäuser Korn.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009[17][18]
Wahlbeteiligung: 48,6 % (2004: 40,8 %)
 %
40
30
20
10
0
35,3 %
25,9 %
22,0 %
7,3 %
6,3 %
3,1 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+6,6 %p
-10,1 %p
-3,4 %p
+2,3 %p
+1,5 %p
+3,1 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2004: PDS
Rathaus

Stadtrat[Bearbeiten]

Die 36 Mitglieder des Stadtrates verteilen sich seit der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien:

  • SPD: 13 Mitglieder (+2)
  • CDU: 9 Mitglieder (–5)
  • LINKE: 8 Mitglieder (–1)
  • FDP: 3 Mitglieder (+1)
  • GRÜNE: 2 Mitglieder (+2)
  • NPD: 1 Mitglied (+1)

Der Oberbürgermeister ist kraft Amtes stimmberechtigtes Mitglied des Stadtrates.

Oberbürgermeister[Bearbeiten]

  • 1899–1924: Carl Contag
  • 1924–1933: Curt Baller
  • 1933–1935: Heinz Sting (NSDAP)
  • 1935–1942: Johannes Meister (NSDAP)
  • 1943–1945: Herbert Meyer (NSDAP)
  • 1945: Otto Flagmeyer
  • 1945: Richard Senger
  • 1945–1946: Karl Schultes (Jurist) (KPD/SED)
  • 1946–1952: Hans Himmler (SED)
  • 1952–1953: Alfred Meyer (SED)
  • 1953–1957: Heinz Andree (SED)
  • 1957–1963: Friedrich Giessner (SED)
  • 1963–1973: Kurt Juch (SED)
  • 1973–1981: Fritz Lande (SED)
  • 1981–1985: Herbert Otto (SED)
  • 1985–1990: Peter Heiter (SED)
  • 1990: Olaf Dittmann
  • 1990–1994: Manfred Schröter (CDU)
  • 1994–2012: Barbara Rinke (SPD)
  • seit 2012: Klaus Zeh (CDU)

Seit Juli 2012 ist der langjährige Thüringer Minister Klaus Zeh (CDU) Oberbürgermeister der Stadt Nordhausen. Er setzte sich bei der Wahl zum Oberbürgermeister der Stadt in der Stichwahl am 6. Mai 2012 mit 51,1 Prozent gegen Matthias Jendricke (SPD) durch.[19]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Nordhausen unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

Seit dem 21. Januar 2004 besteht ein Städtebund mit dem benachbarten Sondershausen (Kyffhäuserkreis) sowie seit dem 11. Dezember 2008 eine Städtekooperation mit dem benachbarten Sangerhausen (Landkreis Mansfeld-Südharz).[20]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Nordhausen Dom.jpg
Der Roland von Nordhausen, das Wahrzeichen der Stadt
Lutherbrunnen von Karl Schuler vor dem Riesenhaus, enthüllt 1888
Theater Nordhausen

Die Rolandsfigur am Rathaus erinnert an den Sturz des Rates von 1375. Sie ist das Wahrzeichen der Stadt. Das Rathaus selbst erhielt sein heutiges Aussehen um 1610. Um den Stadtkern herum finden sich Teile der alten Stadtmauer. Der am Rathaus stehende Roland ist eine Kopie aus Gips, das hölzerne Original ist im Neuen Rathaus, direkt gegenüber zu sehen.

Theater[Bearbeiten]

Seit 1917 besitzt Nordhausen ein eigenes Stadttheater. Die Fusion im Jahre 1991 mit dem Loh-Orchester Sondershausen zur Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH leitete die Bildung eines Drei-Sparten-Theaters ein (Musiktheater, Schauspiel und Ballett). 2004 musste aus Kostengründen die eigene Schauspielsparte abgewickelt werden. Seitdem tauschen die Theater Nordhausen (Musiktheater, Ballett) und Rudolstadt (Schauspiel) gegenseitig ihre Produktionen aus. 2006 kämpfte das Theater erneut ums Überleben. Orchester, Musiktheater und Ballett bleiben trotz notwendiger Personalreduzierungen zunächst bis 2016 weiterhin erhalten.

Kirchen und Klöster[Bearbeiten]

  • Altendorfer Kirche St. Maria im Tale
  • Nordhäuser Dom (Dom zum Heiligen Kreuz Nordhausen, röm.-kath.)
  • Frauenbergkirche St. Maria auf dem Berg - schwere Zerstörung durch Bomben am 4. April 1945. 1953 bis 1955 Enttrümmerung. Nachfolgend Sicherung des noch erhaltenen Mauerwerks, Aufbringen der Dächer und Einziehen der Gewölbe. 1968 mit dem Innenausbau begonnen. Restaurierung und Neugestaltung des Außenbereichs im Vorfeld der Landesgartenschau 2004
  • St. Petri: Die Kirche wurde bei dem Bombenangriff am 3. April 1945 vollständig zerstört. Erhalten blieb der Turm, er erhielt 1954 ein Notdach und wurde als Petri-Turm zur Landesgartenschau 2004 restauriert
  • Pfarrhaus und Kirche St. Blasii
  • Torhaus des Spendekirchhofes
  • St. Jacob: Nur noch wieder freigelegte Grundmauern vorhanden. Die Kirche wurde am 3. April 1945 durch Bomben zerstört. Die Reste des Kirchenschiffs wurden abgetragen, später die Turmruine beseitigt
  • Cyriaci-Kapelle, von der Kreismusikschule genutzt

Museen und Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Flohburg
  • Gedenkstätte KZ Mittelbau-Dora
  • Kunsthaus Meyenburg
  • Museum Tabakspeicher
  • Südharzer Fachwerkzentrum Nordhausen e.V. (Sanierungsaobjekt Altendorf 48)
  • Traditionsbrennerei
  • Todesmarsch-Stele Stolberger Straße
  • Gedenkstein am ehemaligen Standort der Synagoge am Pferdemarkt

Brauchtum[Bearbeiten]

Zum Brauchtum der Stadt Nordhausen entwickelte sich die von Brautpaaren begangene Tradition, am nördlichen Stadtrand Im Gehege - dem Stadtwald von Nordhausen - einen Gedenkbaum zu pflanzen. Der so in den letzten zwei Jahrhunderten entstandene Waldpark bietet besonders im Sommer und Herbst Gelegenheit zu Spaziergängen. An der höchsten Stelle des Geheges befindet sich der Ort der sagenhaften Merwigslinde, der heutige Baum wurde 1972 nachgepflanzt. Die wohl schon in vorreformatorischer Zeit stattliche Merwigslinde wurde von der Nordhäuser Bevölkerung als Hutebaum betrachtet und war der verehrungswürdige Mittelpunkt des oft ausschweifend begangenen Nordhäuser Lindenfestes. Die Merwigslinde erinnert an einen thüringischen Stammesfürsten oder -könig mit Namen Merwig, der sich vor seiner Königswahl auch als kunstfertiger Schuhmacher einen Namen gemacht hatte. Ihm zu Ehren pilgerten die Nordhäuser Schuhmacher alle sieben Jahre zu der Linde, wo einst ein Bote Merwig über das Ergebnis der Königswahl unterrichtet haben soll.[21][22]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Alte Kautabakfabrik
  • Altes städtisches Wasserwerk
  • Eichamt
  • Harzquerbahnhof
  • Lindenhof
  • Nordhäuser Reptilienzoo[23]
  • Park Hohenrode
  • Rosengarten (seit 1927)
  • Der alte Roland von 1717 im Neuen Rathaus
  • Der neue Roland von 1993 (Replik des Rolands von 1717)
  • Der Riese am Lutherplatz (urkundlich erwähnt seit 1375)[24]
  • Altstadt mit Fachwerkbauten
  • Domstraße 12, erbaut 1327 (d) und 1555 (d)
  • Altendorfer Kirchgasse 3, erbaut um 1370
  • Finkenburg, erbaut 1445 (d)
  • Altendorf 55, Haus Bochum, erbaut um 1450
  • Flohburg, erbaut 1477 (d)
  • Gumpertstraße 1, erbaut ca. 1712 (älter Kernbau von 1643)
  • Torhäuschen, erbaut 1667
  • Altendorf 48, erbaut 1668 (d) (zwei Bohlenstuben, Bäckereibackofen von 1900 vorhanden, Hausbrunnen im Keller)
  • Altendorf 49, erbaut um 1680
  • Waisenhaus, erbaut 1715 bis 1717 (u)
  • Pfaffengasse 2, erbaut 1719
  • Altendorf 50, Rokokofachwerk um 1770
  • Altendorf 24, Brennereigebäude, Historismus, erbaut 1842 (i) und 1849 (u)
  • Altendorf 27, Brennereigebäude, Historismus, erbaut 1873 (u)

Sport[Bearbeiten]

Der erfolgreichste Fußballverein der Stadt ist der FSV Wacker 90 Nordhausen, der aktuell in der Fußball-Regionalliga Nordost spielt. Überregional trat der Verein durch mehrere DFB-Pokalteilnahmen in Erscheinung. Seine Heimspiele trägt der Verein im Albert-Kuntz-Sportpark aus, der Platz für 8.000 Zuschauer bietet. Weiterhin gibt es den in der Kreisliga spielenden Fußballverein FSG '99 Salza-Nordhausen.

In der Volleyball-Thüringenliga ist die Männermannschaft des SVC Nordhausen vertreten.

Seit 1971 findet in und um Nordhausen die Roland Rallye statt. Sie zählt heute zu den Rallye 200 und ist Bestandteil des Schotter Cup. Ausgetragen wird die Veranstaltung durch den Nordhäuser MSC e.V. im ADAC Hessen-Thüringen.

Nordhausen besitzt eine ebenfalls langjährige Triathlon-Tradition. Seit 2013 wird mit Ziel am Nordhäuser Theater der internationale ICAN Nordhausen Germany ausgetragen. Die vorherigen zehn Jahre sorgte bereits der Scheunenhof-Triathlon für Bekanntheit über die Landesgrenzen hinaus. Organisiert wird das Event durch den Nordhäuser Triathlon-Verein.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Am Nordhäuser Bahnhof treffen die Halle-Kasseler Eisenbahn, die Südharzstrecke von Northeim und die Nordhausen-Erfurter Eisenbahn von Sondershausen bzw. Erfurt aufeinander. In direkter Nachbarschaft befindet sich mit dem Bahnhof Nordhausen Nord seit 1898 zudem der südliche Endpunkt der meterspurigen Harzquerbahn (HSB) von Wernigerode.

Für den ÖPNV in Nordhausen ist die Stadtwerke-Tochter „Verkehrsbetriebe Nordhausen“ verantwortlich. Diese betreibt drei Straßenbahn- und acht Stadtbuslinien. Seit 2004 sind die Gleise von Nordhäuser Straßenbahn und Harzquerbahn am Bahnhof Nordhausen Nord verbunden. Straßenbahnen mit Hybridantrieb verkehren seitdem als Linie 10 durchgehend vom Krankenhaus in der Nordhäuser Innenstadt bis in den Nachbarort Ilfeld.

Fernstraßen

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Südharzgalerie, Zentrum des Einzelhandels in der Stadt

Von der „Montania AG vormals Gerlach & König“ werden seit 1907 Lokomotiven mit Verbrennungsmotor gebaut. Im Jahr 1912 wird die Montania von der Maschinenbau-Firma Orenstein & Koppel übernommen und in „Orenstein & Koppel AG – Nordhausen“ umbenannt. Bis 1935 wurden 5.299 Lokomotiven hergestellt, bis zur letzten Lieferung 1942 insgesamt 9.371 Stück, darunter vermutlich auch die Baureihe 50 der Deutschen Reichsbahn und die Kriegslokomotive BR 52. Im Januar 1942 wird der Lokomotivbau einschließlich 421 bereits begonnener Lokomotiven nach Prag verlagert. Nach Kriegsende wird der Lokomotivbau in Nordhausen nicht wieder aufgenommen.

Zu Zeiten der DDR wurden im „VEB Schwermaschinenbau NOBAS Nordhausen“ unter anderem Bagger hergestellt. Der Betrieb wurde in den 1990er Jahren von der GP Günter Papenburg AG übernommen und firmiert als deren Betriebsteil Nordhausen. Es werden hauptsächlich Motorgrader, Komponenten für Baumaschinen sowie Seilbagger hergestellt. Ebenfalls wurden zu DDR-Zeiten im VEB IFA Motorenwerke Nordhausen LKW-Motoren für die LKW W 50 und L 60 gebaut. Nach der Privatisierung konnte sich der Betrieb bis 1996 halten und ist seitdem insolvent. Das Firmengelände wurde durch die LEG-Thüringen saniert und beherbergt heute die Firma BBM Laseranwendungstechnik GmbH. Das seinerzeit größte Bohrunternehmen Deutschlands, die Firma H. Anger’s Söhne, siedelte 1952 nach Hessisch Lichtenau um. Auf dem Betriebsgelände entstand der VEB Hydrogeologie.

International tätig ist die Schachtbau Nordhausen GmbH, in großem Maße im Brückenbau. 1898 als Gebhardt & Koenig gegründet, durchlebte sie etliche Umbenennungen und Umfirmungen, teilweise auf Grund der historischen Begebenheiten, bis sie 1992 in die Bauer Gruppe eingegliedert wurde.

Bekannt ist die Nordbrand Nordhausen GmbH, die sich aus dem ehemaligen DDR-Betrieb VEB Nordbrand Nordhausen entwickelt hat und seit 2007 zu den Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien gehört.

Die Stadt Nordhausen ist nicht nur ein Zentrum für die Industrie, sondern auch des Einzelhandels, und die vielen kleinen Handwerks- und Gewerbebetriebe spielen in der Stadt eine große Rolle. Zurzeit entsteht neben der Bahnhofstraße und der Südharzgalerie ein weiteres Einkaufszentrum in der Oberstadt. Das Spektrum im Einzelhandel reicht dabei von den großen Warenhäusern und Discountketten bis zu kleinen Fachhändlern. In Nordhausen ist unter anderem auch der Sitz der Nordthüringer Volksbank eG und der Kreissparkasse Nordhausen und mit dem Offenen Kanal Nordhausen ist auch ein Hörfunksender ansässig.

Bildung[Bearbeiten]

Humboldtgymnasium

Nordhausen hat derzeit als große kreisangehörige Stadt eine eigene Schulträgerschaft für die Grund- und Regelschulen. Die auf dem Gebiet der Stadt gelegenen Gymnasien (Humboldt- und Herdergymnasium sowie das zum berufsbildenden Zentrum gehörende berufliche Gymnasium) befinden sich in der Trägerschaft des Landkreises Nordhausen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • 1920: Richard Wiese (1850–1936), Kaufmann, Gesellschafter der Eisengroßhandlung F.W.Wolffram
  • 1924: Carl Contag (1863–1934), Oberbürgermeister von 1899 bis 1924
  • 1969: Helmut Zinke (* 1930), Munitionsentschärfer
  • 1999: Jean Mialet (1920–2006), Häftlingskomitee Mittelbau-Dora
  • 2002: Ilsetraut Glock (1915–2013), Künstlerin und Initiatorin der Ilsetraut-Glock-Grabe-Stiftung
  • 2004: Andreas Lesser (* 1952), Stifter und Stiftungsvorstand der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung
  • 2009: Joachim Jaeger (* 1935), Propst (i. R.)
  • 2010: Lothar de Maizière (* 1940), Politiker, letzter Ministerpräsident der DDR (CDU)
  • 2013: Erika Schirmer (* 1926), Schriftstellerin

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Christoph Sieckel: Die nach zweyen unglückl. Feuers-Bränden sich wieder erhohlte Käyserl. fr. Reichsstadt Nordhausen: nach ihrem Nahmen, Alterthum und Beschreibung derer Strassen so wohl, als denen neu aufgeführten Publiquen- und Privat-Gebäuden, wie auch alten und neuen Begebenheiten, mit denen itzo darinnen lebenden Personis publicis, samt demjenigen, was sich iezu weilen in der Nachbarschaft ereignet, denen einheimisch- und auswärtigen Liebhabern derer Alterthümer zu einiger Betrachtung vorgebildet. Cöler, 1753
  •  Peter Kuhlbrodt: Chronik der Stadt Nordhausen. 1802 bis 1989. In: Stadtarchiv Nordhausen (Hrsg.): Heimatgeschichtliche Forschungen des Stadtarchivs Nordhausen, Harz. Geiger, Horb am Neckar 2003, ISBN 3-89570-883-6, S. 603.
  • Das tausendjährige Nordhausen. Verlag des Magistrats der Stadt Nordhausen, Nordhausen 1927
  • Hans Silberborth: Geschichte der freien Reichsstadt Nordhausen Herausgegeben vom Stadtarchiv Nordhausen, Geiger-Verlag, 1997, ISBN 3-89570-288-9
  •  Arno Wand: Der Dom zum Heiligen Kreuz Nordhausen. Aus der Geschichte einer Kirche und ihrer Gemeinde. Nordhausen 1986, S. 80.
  • Walter Geiger: Nordhausen im Bombervisier – Zum Luftkriegsschicksal einer mitteldeutschen Stadt 1940–1945. Verlag Neukirchner, 2000, ISBN 3-929767-43-0
  • Müller, R.H. Walther: Merwigslinde, Pomei Bog und Königshof. Verlag Neukirchner, 2002, ISBN 3-929767-53-8
  • Manfred Schröter: Ein Blick zurück – 45 Jahre unter kommunistischer Herrschaft in Nordhausen. Verlag E. Jungfer, 1991
  • Uwe Gerig: Nordhausen. Historie – Heimat – Humor. Ruth Gerig Verlag, Königstein im Taunus, ISBN 3-928275-09-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 252f.
  3. http://www.gutenberg.org/files/19657/19657-h/19657-h.htm#IIb
  4. Jens Christian Wagner: Nordhausen (Boelcke-Kaserne), in: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors – Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 7, München 2008, S. 320f
  5. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 192ff., ISBN 3-88864-343-0
  6. Bombing of Nordhausen in World War II
  7. a b http://www.heinz-ruehmann-gedenkseite.de/, Bilanz des Schreckens
  8. Jens-Christian Wagner (Hg.): Konzentrationslager Mittelbau-Dora 1943–1945, Göttingen 2007, S. 185f.
  9. a b Kuhlbrodt, Peter: Schicksalsjahr 1945 – Inferno Nordhausen, 1995, ISBN 3-929767-09-0
  10. http://www.raf.mod.uk/bombercommand/apr45.html
  11. Nordhausen von Rudolf Zießler. In: Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg, Hrsg. Götz Eckardt, Henschel-Verlag Berlin, 1978
  12. Hubertus Knabe: 17. Juni 1953. ein deutscher Aufstand. Ullstein-Verlag, Berlin 2004. ISBN 3-548-36664-3. Seite 91-92
  13. Geheimbericht der Bezirksbehörde der Volkspolizei über den 17. Juni 1953 (29. Juni 1953)
  14. Der Schrei nach Freiheit. 17. Juni 1953 in Thüringen. Katalog zur Ausstellung der Stiftung Ettersberg zum 50. Jahrestag des 17. Juni 1953. Zuletzt gezeigt im Juni 2012 im Thüringer Landtag
  15. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAufnahme – Nordhausen offiziell Lutherstadt. MDR, abgerufen am 16. Oktober 2010.
  17. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&wknr=062&gemnr=62041
  18. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2004&zeigeErg=GEM&wknr=062&gemnr=62041
  19. Homepage des Thüringer Landeswahlleiters
  20. [1] Nordhäuser Städtepartnerschaften
  21.  Rolf Wille: Sagenumwobene Merwigslinde. In: Das Volk. Erfurt 27. Juni 1969.
  22.  Heidelore Kneffel: Frisch, fromm, fröhlich, frei - Nordhausens Stadtwald Gehege. In: Parklandschaften und ihre Denkmale in Nordhausen. Nr. Heft 7, Verlag Neukirchner.
  23. http://zoo-nordhausen.de/
  24. http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/500-Nordhaeuser-verfolgten-die-Enthuellung-eines-der-Wahrzeichen-ihrer-Stadt-443209649

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nordhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Nordhausen – Reiseführer
 Wikisource: Nordhausen – Quellen und Volltexte
 Wiktionary: Nordhausen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Nordhäuser – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikinews: Nordhausen – in den Nachrichten