Dieter Vieweger

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Dieter Vieweger

Dieter Vieweger (* 8. Mai 1958 in Karl-Marx-Stadt) ist ein deutscher Theologe (Alttestamentler) und Biblischer Archäologe, der an Universitäten in Wuppertal und Witten-Herdecke lehrt. Er ist Direktor von wissenschaftlichen Instituten in Jerusalem und Amman sowie an der Bergischen Universität Wuppertal.

Leben[Bearbeiten]

Schule und Studium[Bearbeiten]

Vieweger wurde 1974 aus politischen Gründen der Schule (EOS Theodor Neubauer, Karl-Marx-Stadt) verwiesen. Er besuchte dann eine staatlich nicht anerkannte Bildungseinrichtung der Evangelischen Kirche in Sachsen (Proseminar Moritzburg). Dort legte er 1976 seine Reifeprüfung am Kirchlichen Proseminar Moritzburg bei Dresden ab. Da er nicht berechtigt war, eine Universität zu besuchen, studierte er von 1976 bis 1981 am Theologischen Seminar Leipzig.

Nach dem ersten Theologischen Examen 1981 absolvierte er von 1981 bis 1982 das Vikariat und das Katechetikum bei der Sächsischen Landeskirche. Von 1982 bis 1986 arbeitete er als Assistent am Theologischen Seminar Leipzig und wurde 1986 bei Siegfried Wagner und Wolfram Herrmann an der damaligen Karl-Marx-Universität Leipzig mit der Schrift Die Spezifik der Berufungsberichte Jeremias und Ezechiels im Umfeld ähnlicher Einheiten des Alten Testaments promoviert.

Pfarramt und theologische Lehre[Bearbeiten]

1986 bis 1989 war Dieter Vieweger Pfarrer des Thomanerchores Leipzig. 1987 wurde er an der St. Thomaskirche zu Leipzig ordiniert. 1989 habilitierte er sich an der Karl-Marx-Universität Leipzig mit der Schrift Die literarischen Beziehungen zwischen den Büchern Jeremia und Ezechiel. 1989 bis 1991 war er Professor für die Alttestamentliche Wissenschaft am Sprachenkonvikt Berlin (an der mittlerweile nicht mehr bestehenden Kirchlichen Hochschule Berlin) und 1991 bis 1993 Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 1993 hat er die Professur für Altes Testament an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Das Amt des Rektors übernahm er dort in den Jahren 1997–98 und 2005–06.

Archäologische Ausbildung und akademischer Weg[Bearbeiten]

Neben der Lehrtätigkeit in Wuppertal absolvierte er 1994–1998 ein Studium der Vor- und Frühgeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, das er bei Jens Lüning mit einer Promotion zum Thema Zur Chronologie der Nekropole von Tamassos-Lambertis abschloss.

Seit 1991 ist er Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes zunächst an der Humboldt-Universität zu Berlin, dann an der Bergischen Universität Wuppertal. Er führt regelmäßig Seminare an Sommerakademien der Studienstiftung durch.

Seit 1999 lehrt Vieweger im Rahmen des Studium fundamentale an der Universität Witten/Herdecke und erhielt dort 2002 die Forschungsprofessur Archäologie und Ältere Geschichte, die 2009 in eine Gastprofessur umgewandelt wurde.[1]

Der Fachbereich Geistes- und Kulturwissenschaften der Bergischen Universität Wuppertal hat Dieter Vieweger im Juli 2009 die Ehrendoktorwürde verliehen.[2]

Mitgliedschaft in Fachgesellschaften[Bearbeiten]

  • Ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts.
  • Mitglied im wissenschaftlichen Beirat für die Herausgabe der Zeitschrift für Orientarchäologie (zuvor Baghdader Mitteilungen und Damaszener Mitteilungen) beim Deutschen Archäologischen Institut Berlin, Orientabteilung.
  • Seit 2012 Beirat im Bibelhaus-Erlebnismuseum, Frankfurt/Main
  • Seit 2006 Senior Fellow des Albright Institutes, Jerusalem.
  • Von 1992 bis 2005 Mitglied des Verwaltungsrates und später auch im Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes, bevor er im Dezember 2005 dessen Direktor wurde.
  • Von 1994 bis 2008 Mitherausgeber der Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins (ZDPV) und der Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins (ADPV) sowie Mitglied im Vorstand des Deutschen Palästina-Vereins.

Direktor archäologischer Institute[Bearbeiten]

Dieter Vieweger (vorne links) mit Studenten im Garten des DEIAHL

Seit 1999 ist Vieweger Direktor des Biblisch-Archäologischen Instituts Wuppertal. Das BAI Wuppertal fördert insbesondere die geophysikalische Prospektion in der Archäologie, die terrestrische Photogrammetrie, die Archäometrie (Schwerpunkt: technikgeschichtliche Erforschung des antiken Handwerks) und die Experimentelle Archäologie. Das bedeutendste archäologische Forschungsprojekt ('Gadara Region Project') begann 2001 und umfasst die Erforschung des Wadi el-Arab und die Ausgrabung auf dem 5000 Jahre besiedelten Siedlungshügel Tall Zira'a im Dreiländereck Jordanien, Syrien, Israel.

Dem Deutschen Evangelischen Institut für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes (DEI) war Vieweger schon seit 1992 eng verbunden. Seit 2005 ist er Leitender Direktor des Deutschen Evangelischen Instituts für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes in Jerusalem und Amman. Das 1900 gegründete Institut wurde in seiner langen Geschichte von so berühmten Wissenschaftlern wie Gustaf Dalman, Albrecht Alt und Martin Noth geleitet. Im März 2007 wurde eine besonders enge Kooperation zwischen dem Deutschen Archäologischen Institut und dem DEI mit einem Festakt im Auswärtigen Amt Berlin eingeleitet. Damit wurde das DEI auch Forschungsstelle des Deutschen Archäologischen Instituts.

Beauftragt von der Evangelischen Kirche in Deutschland[Bearbeiten]

Vieweger ist Stellvertreter des Propstes der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache zu Jerusalem und koordiniert die Bildungsarbeit im Auftrag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Israel. Während des Wechsels zwischen zwei Amtsträgern übernahm er 2012 für einige Monate das Amt des Propstes in Jerusalem.

Ausgrabungsprojekte im Orient[Bearbeiten]

Dieter Vieweger ist/war Leiter verschiedener archäologischer Forschungsprojekte in Jordanien, Israel und Italien. Diese Arbeit erfolgte zum großen Teil im Auftrag des Biblisch-Archäologischen Instituts Wuppertal, u.a.:

  • Esch-Schallaf (Jordanien) 1998–1999 Co-Direktor
  • Ba’ja I bei Petra (Jordanien) 1999 Direktor
  • Sal (Jordanien) 1999–2000 Co-Direktor
  • Gadara Region Project mit der Ausgrabung des Tall Zira'a (Jordanien) - seit 2001 (geplant bis 2020)
  • Archäologiepark "Durch die Zeiten" - Touristische und museale Erschließung der Ausgrabung unter der Erlöserkirche in der Altstadt von Jerusalem (2009-2012)[3]

Werke in Auswahl[Bearbeiten]

  • Die Spezifik der Berufungsberichte Jeremias und Ezechiels im Umfeld ähnlicher Einheiten des Alten Testaments. Lang: Frankfurt a. M., Bern, New York 1986, ISBN 3-8204-8948-7 (Beiträge zur Erforschung des Alten Testaments und des Antiken Judentums Bd.6).
  • Die literarischen Beziehungen zwischen den Büchern Jeremia und Ezechiel. Lang: Frankfurt a. M., Bern, New York 1993, ISBN 3-631-40725-4 (Beiträge zur Erforschung des Alten Testaments und des Antiken Judentums Bd.26)
  • Proseminar Altes Testament. Ein Arbeitsbuch. (mit Siegfried Kreuzer) 2. Aufl. Stuttgart 2005, ISBN 3-17-019063-6
  • Zur Chronologie der Nekropole von Tamassos-Lambertis, Zypern. Dissertationsschrift Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt a. M. 1998.
  • Wenn Steine reden. Archäologie in Palästina. Göttingen 2004. ISBN 3-525-53623-2
  • Das Geheimnis des Tells. Eine archäologische Reise in den Orient. (Archäologie für Kinder von 10–12 Jahren; mit Friederike Rave und Claudia Voigt) Zabern: Mainz 2005, ISBN 3-8053-3519-9
  • Streit um das Heilige Land. Was jeder vom israelisch-palästinensischen Konflikt wissen sollte. 4. Aufl. Gütersloh 2013, ISBN 978-3-579-06757-5 Rezension zur 1. Auflage von Annette Großbongardt in Spiegel online Kultur vom 6.September 2010
  • Abenteuer Jerusalem. Die aufregende Geschichte einer Stadt dreier Weltreligionen. Gütersloh 2011, ISBN 978-3-579-06736-0
  • Archäologie der Biblischen Welt. (1. Aufl. Göttingen 2004, ISBN 3-8252-2394-9) 1. erweiterte Ausgabe, Gütersloh 2012, ISBN 9783579081311
  • Der archäologische Park unter der Erlöserkirche von Jerusalem. (mit Gabriele Förder-Hoff), Berlin 2012, ISBN 9783889813510

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dieter Vieweger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Universität Witten-Herdecke
  2. Pressestelle Uni Wuppertal
  3. Homepage des Archäologiepark „Durch die Zeiten“