Dirk de Graeff van Polsbroek

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Dirk de Graeff van Polsbroek im Jahre 1863, Fotografie von Felix Beato

Jonkheer Dirk de Graeff van Polsbroek, auch Polsbroek genannt, (* 28. August 1833 in Amsterdam; † 27. Juni 1916[1] in Den Haag), war ein niederländischer Aristokrat, Diplomat und Politiker aus dem Geschlecht De Graeff. Zwischen den Jahren 1863 und 1870 war er niederländischer Generalkonsul und bevollmächtigter niederländischer Minister-Resident in Japan. De Graeff van Polsbroek war ein wichtiger Vertreter der niederländischen Regierung und spielte eine zentrale Rolle bei Verhandlungen zwischen dem sich dem Westen öffnenden Japan und diversen westlichen Staaten.[2]

Dirk de Graeff van Polsbroek war darüber hinaus zur Zeit der Meiji-Restauration ein eifriger Chronist und Fotograf des japanischen Gesellschaftswandels gewesen. Als Ratsmann ist er Kaiser Meiji bei Verhandlungen mit westlichen Staaten zur Seite gestanden. Zur Zeit seiner Tätigkeit in Japan war er Repräsendant, Gesandter und bevollmächtigter Minister diverser europäischer Staaten. Aufgrund seiner besonderen Beziehungen zu Kaiser Meiji und zur japanischen Regierung konnte er für diese Staaten zahlreiche gewinnbringende Handelsverträge abschließen.[3]

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Familie[Bearbeiten]

Dirk de Graeff van Polsbroeks Vorfahren fungierten als Stadtherren von Amsterdam. Seine Eltern waren Gerrit IV de Graeff (1797–1870), Vrijheer der Hohen Herrlichkeit van Zuid-Polsbroek[4] heer van Purmerland en Ilpendam, Amsterdamer Gemeinderat und Fabrikant, und Carolina Ursulina Stephania Engels (1799–1864). Nach des Vaters Tod im Jahre 1870 wurden die beiden Hohen Herrlichkeiten wegen Geldnot an Dirk de Jongh verkauft. Dirk de Graeff van Polsbroek war zweimal verheiratet. 1859 ehelichte er die Japanerin Koyama Otjo, Tochter eines Bauern und Teehändlers in Tokio, mit welcher er den Sohn Jhr. Pieter de Graeff (1861–1909) hatte. Der Sohn wurde 1881 legitimiert und mit dem Adelsprädikat Jonkheer bedacht.[3] Es wurde auch vermutet dass De Graeff van Polsbroek während seiner Zeit in Japan mit einer japanischen Prinzessin verheiratet war.[5]

1870 verheiratete er sich mit Bonne Elisabeth Royer. Jene war eine Enkeltochter von Adriana Petronella Reichsgräfin von Nassau-LaLecq und damit eine direkte Nachfahrin von Wilhelm des Schweigers (Wilhelm I. von Oranien) und Moritz von Oranien gewesen. Aus dieser Ehe entstammten fünf Kinder worunter der bedeutende Diplomat und Staatsmann Jhr. Andries Cornelis Dirk de Graeff, Jhr. Georg de Graeff (1873–1954), Inspektor der Volksgesundheit in Zeeland und Nord-Holland und Jhr. Cornelis de Graeff (1881–1956), verehelicht mit Jkvr. Susanna Ignatia Caroline Elisabeth Loudon. Cornelis war Kommissar des Departements für Außenpolitik. Einer der Enkel von Dirk de Graeff van Polsbroek war Jhr. Dirk Georg de Graeff, welcher als Manager und Banker sowie am niederländischen Königshof eine große Karriere machte.

Politische Karriere in Japan[Bearbeiten]

Dirk de Graeff van Polsbroek erhielt im Jahre 1857 seinen ersten Posten als einer der Sekretäre des niederländischen Kommissars Jan Hendrik Donker Curtius in Japan. 1858 war er nebst Donker Curtis bei der niederländisch-japanischen Vertragsunterzeichnung betreffend die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern zugegen. Im Folgejahr wurde er Vizekonsul in Japan. Er begründete mit Carl Julius Textor die Handelsfirma Textor & Co in Yokohama. Durch seine große Kenntnis der japanischen Kultur und Mentalität wurde seine Handelsunternehmungen von Erfolg gekrönt. 1861 wurde er zum niederländischen Konsul in Yokohama, zwei Jahre später zum niederländischen Generalkonsul ernannt. 1864 verfasste De Graeff van Polsbroek den Plan gemeinsam mit britischen, französischen und US-amerikanischen Schlachtschiffen die Blockade von Shimonoseki zu zerschlagen.[2] Im selben Jahr vertrat er auch die Schweiz als interimistischer Generalkonsul.[6]

De Graeff van Polsbroek mit japanischen Leibwächtern bei einer Besichtigung in Edo (Tokio)

1866 hatte De Graeff van Polsbroek die preußischen Interessen in Japan übernommen. Er meldete dem deutschen Kanzler Otto von Bismarck das Zustandekommen der Tarifkonvention und dass Japaner im Zuge ihres Studiums außer Land gehen dürfen.[7] 1867 organisierte er für Japan einen Handelsvertrag mit Dänemark. Im selben Jahr wurde aus einem Gemisch von Fremdenhass und religiösen Spannungen heraus ein Mordversuch gegen ihn verübt.[8] Zur gleichen Zeit erhandelte er auch Verträge für den norddeutschen Bund sowie die deutschen Hansestädte. Diese dankten es De Graeff van Polsbroek mit einer mit ihren Wappen verzierten goldenen Tabakdose.[9] Im selben Jahr wurde er durch die niederländische Regierung in die Heimat zurückbeordert, kehrte aber nach kurzer Zeit nach Japan zurück. 1868 wurde er zum bevollmächtigten niederländischer Minister in Japan ernannt.[2] Er war an Verhandlungen Japans mit den USA und zahlreichen europäischen Ländern beteiligt und erreichte im selben Jahr gemeinsam mit dem französischen Minister Léon Roches als erste europäische Gesandte eine persönliche Audienz bei Kaiser Meiji, die auch in den Film Der letzte Samurai Eingang gefunden hat.[10][11] De Graeff van Polsbroek vertrat die Staaten Dänemark, Schweden und Norwegen als bevollmächtigter Minister und Gesandter.[3] Aufgrund seiner guten Beziehungen zur japanischen Regierung konnte er einen Handelsvertrag, den sogenannten „Verdrag van Yokohama“ („Vänskaps-, handels- och sjöfartstraktat“) zwischen Schweden, Norwegen und Japan abschließen.[12] Für seine diesbezüglichen Verdienste wurde er vom dänischen König zum Kommandeur 1. Klasse des Dannebrog-Ordens ernannt.[13]

De Graeff van Polsbroeks Ansehen bei Kaiser Meiji war stark gestiegen, sodass er ihm am 4. Januar 1869 in seiner neuen Residenz in Tokio eigenhändig sein Beglaubigungsschreiben überreichte.[14] In weiterer Folge beauftragte Meiji De Graeff van Polsbroek regelmäßig für Japan als politischer und ökonomischer Vermittler in der Unterhandlung mit westlichen Großmächten tätig zu sein. Mit westlichen Technologien konnte sich Japan rasant zu einer Großmacht in Asien entwickeln.[15] In weiterer Folge konnte es De Graeff van Polsbroek aber nicht verhindern, dass die niederländische Regierung die herausgehobene Position die sie durch ihn erworben hatte[16] besonders gegen die Vereinigten Staaten, Frankreich, Deutschland und Großbritannien schnell wieder verspielte.[17]

Zwischen den Jahren 1850 und 1870, einer Zeit, in der sich Japan modernisierte und dem Westen annäherte, verfasste De Graeff van Polsbroek viele Tagebücher, welche unter dem Namen Journaal van Jonkheer Dirk de Graeff van Polsbroek 1857-1870; belevenissen van een Nederlands diplomaat in het negentiende eeuwse Japan herausgegeben wurden.[18] Ein Teil der darin enthaltenen Illustrationen wurden von ihm selbst gezeichnet.

De Graeff van Polsbroek hatte enge Beziehungen zu chinesischen Händlern in Japan. Er bereiste China und hatte Handelsbeziehungen zum Hong Konger Handelshaus Jardine. Aufgrund seiner Reputation und Kontakte zu China in Hong Kong offeriert ihm die niederländische Regierung den Posten des dortigen niederländischen Gesandten. Aufgrund von persönlichen Gründen entsagte er diesem Angebot.[3] 1870 beendigte De Graeff van Polsbroek seine politischen Aufgaben in Japan und ging in seine Heimat zurück.[19]

Dirk de Graeff van Polsbroek (vor 1870), Fotografie von Felix Beato

Sonstige politische Aktivitäten[Bearbeiten]

Nach seiner Rückkehr in die Niederlande war De Graeff van Polsbroek als niederländischer Gesandter in Preußen, Dänemark, Schweden und Norwegen tätig. 1878 trat er für den Bau einer Straßenbahn, Den Haag mit Scheveningen verbindend, auf.[20] Im Jahre 1882 gab er gemeinsam mit seinem Bruder Pieter de Graeff eine genealogische Arbeit über seine Geschlecht unter dem Namen Genealogie van de familie De Graeff van Polsbroek heraus. 1885 wurde De Graeff van Polsbroek mit dem Prädikat Jonkheer in den neuen niederländischen Adel aufgenommen[21] und erhielt den Orden vom Niederländischen Löwen.

1906 stellte er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Gijsbert Carel Rutger Reinier de Graeff und Frederik Lodewijk de Graeff ein Familienarchiv auf. Dieses war zeitweise auf Schloss Broekhuizen untergebracht, einem Besitztum der Familie Pauw (1906) in der Gemeinde Leersum, und befindet sich heutzutage im Amsterdamer Stadtarchiv. 1916 ist De Graeff van Polsbroek in Den Haag verstorben.

Werke[Bearbeiten]

  • Graeff van Polsbroek, Dirck de (1987), Journaal van Jonkheer Dirk de Graeff van Polsbroek, 1857-1870: Belevenissen van een Nederlands diplomaat in het negentiende eeuwse Japan. Assen, Van Gorcum, ISBN 90-232-2257-1
  • Dirck de Graeff van Polsbroek: Aanval in de Japanse wateren op de Nederlandsche stoomkorvet Medusa. In: Koloniale Jaarboeken, Jahrgang 3.
  • Graeff, P. DE (P. Gerritsz de Graeff und Dirk de Graeff van Polsbroek) Genealogie van de familie De Graeff van Polsbroek, Amsterdam 1882

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingemar Ottosson: Svensk frihandelsimperialism: Det ojämlika fördraget med Japan 1868-1896. In: Historisk Tidskrift 2 (1997), S. 199–223
  • Daniel Scherrer: The Last Samurai- japanische Geschichtsdarstellung im populären Kinofilm. Diplomica Verlag, Hamburg 2009, S. 90f., ISBN 978-3-8366-7199-6
  • Holmer Stahncke: Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan 1854-1868. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1987 (= Studien zur modernen Geschichte, 33), ISBN 3-515-04618-6
  • Herman J. Moeshart (Hrsg.): Journaal van Jonkheer Dirk de Graeff van Polsbroek, 1857-1870: Belevenissen van een Nederlands diplomaat in het negentiende eeuwse Japan. Ingeleid en geannoteerd. Van Gorcum, Assen 1987, ISBN 90-232-2257-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dirk de Graeff van Polsbroek – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Centraal Bureau voor Genealogie Wapenvoerder: Dirk de Graeff
  2. a b c Het geheugen van Nederland
  3. a b c d Bainbridge's Auctions Blog. Dirk de Graeff van Polsbroek
  4. Nederland's Patriciaat jaargang 2 (1911). Auf der Seite 113 wird Gerrit de Graeff als vrijheer van Zuid-Polsbroek vermeldet
  5. De Graeff van Polsbroek im bergmeester
  6. Google Buchsuche: Bundesblatt / Schweiz Von Schweiz, S. 24
  7. Google Buchsuche: Die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Japan 1854-1868, S. 208. Von Holmer Stahncke
  8. Google Buchsuche: Unsere Zeit: Deutsche Revue der Gegenwart, Band 4, Teil 2, S. 587; herausgegeben von August Kurtzel, Rudolf von Gottschall und Friedrich Bienemann
  9. Google Buchsuche: Zeitschrift des Vereins für hamburgische Geschichte, Band 35, S. 14/15
  10. Google Buchsuche: The Last Samurai- japanische Geschichtsdarstellung im populären Kinofilm, S. 90
  11. Google Buchsuche: Emperor of Japan: Meiji and his world, 1852-1912, S. 133. Von Donald Keene
  12. Google Buchsuche: Hōki bunrui taizen, Band 23
  13. Google Buchsuche: British and foreign state papers, S. 559
  14. Google Buchsuche: In een Japanse stroomversnelling. Louis van Gasteren
  15. „Maritieme kalender - Het ScheepvaartmuseumDe Graeff van Polsbroek unter "4 januari 1869"
  16. Google Buchsuche: Negotiating with imperialism: the unequal treaties and the culture of Japanese Diplomacy, S. 111. Von Michael R. Auslin
  17. Journaal van Jonkheer Dirk de Graeff van Polsbroek 1857-1870/Herinneringen aan Japan 1850-1870 (PDF; 44 kB)
  18. Antiqbook
  19. Google Buchsuche: Die Tagebücher, S. 161. Von Alexander Siebold (Freiherr von) und Vera Schmidt
  20. 1e stoomtram reed in Den Haag
  21. Nederland's Patriciaat, Jahrgang 2, 1911, S. 171; Dirk de Graeff van Polsbroek war der erste seines Geschlechts seit Andries de Graeff und dessen Sohn Cornelis im Jahre 1677, der einen adeligen Titel verliehen bekam und führen durfte