Dobermann (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Dobermann
Originaltitel Dobermann
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch, Englisch, Spanisch
Erscheinungsjahr 1997
Länge 103 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Jan Kounen
Drehbuch Joël Houssin
Produktion Frédérique Dumas-Zajdela
Éric Névé
Musik Brune
Jean-Jacques Hertz
Philippe Mallier
François Roy
Kamera Michel Amathieu
Schnitt Bénédicte Brunet
Eric Carlier
Besetzung

Dobermann ist ein französischer Film von Regisseur Jan Kounen aus dem Jahr 1997 mit Vincent Cassel und Tchéky Karyo. Nach seiner Veröffentlichung auf Video im Jahr 1998 wurde der Film am 31. Juli 1999 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.[1] Zum 10. Februar 2011 erfolgte die Listenstreichung und seit 15. April 2011 ist der Film im Handel als ungeschnittene Version erhältlich.[1]

Handlung[Bearbeiten]

Der skrupellose Verbrecher Dobermann ist Anführer einer Bande von Bankräubern. Zu diesen gehören u.a. die taubstumme Nathalie, der nervöse Moustique und der unberechenbare Pitbull. Durch gefälschte Alarme gelingt es der Bande, beinahe sämtliche Einsatzkräfte der Polizei in der Stadt zu beschäftigen, um somit bei einem tatsächlichen Banküberfall Zeit zu gewinnen. Somit stellen sich ihnen nur wenige Polizisten in den Weg, denen sie erfolgreich entkommen können. Jedoch gelingt es dem brutalen und skrupellosen Inspektor Christini, das Banden-Mitglied Olivier, welches als Transvestit Sonia auftritt, ausfindig zu machen. Er droht, dessen Sohn im Säuglingsalter umzubringen, wenn er ihm nicht dabei hilft, Dobermann ausfindig zu machen. Unter diesem Zwang besucht Olivier als Sonia eine Feier in einer Diskothek, auf der sich die anderen Banden-Mitglieder aufhalten. Als diese erscheinen, alarmiert er mit einem Sender Christini, der die Diskothek stürmen lässt. Christini lässt einige Bandenmitglieder verhaften, einige können sich jedoch wieder befreien. Dobermann gelingt die Flucht in einen abgeschirmten Keller unter der Diskothek. Als er jedoch über Überwachungsmonitore sieht, wie Christini kaltblütig den verhafteten Moustique erschießt und anschließend mit seiner Freundin Nathalie in einem Auto davon fährt, um diese zu vergewaltigen, verlässt er die Deckung und verfolgt den Inspektor mit einem gestohlenen Krankenwagen. Es gelingt ihm, zu diesem aufzuschließen und nach einem Kampf sein Auto zu entern, um Christinis Kopf bei hoher Geschwindigkeit auf den Asphalt zu drücken, als Rache für die getöteten Freunde. Im Anschluss wird Christini stark entstellt liegen gelassen, schwer verletzt oder tot. Anschließend beerdigen die überlebenden Mitglieder Sonia. Die letzte Einstellung des Films zeigt ein Fadenkreuz, zielend aus der Vogelperspektive auf das davonfahrende Cabrio der Bande, hinterlegt mit Hubschraubergeräuschen und einem Funkgespräch aus dem hervorgeht, dass nun "das Feuer freigegeben" wurde.

Hintergrund[Bearbeiten]

Jan Kounen suchte Mitte der 1990er Jahre eine Geschichte für seinen ersten Film, als er auf die Buchserie Le Dobermann von Joël Houssin stieß. Er nahm Kontakt zu Houssin auf und schlug ihm eine Verfilmung des Stoffes vor.[2]

Jan Kounen und der mit ihm befreundete Regisseur Gaspar Noé sind jeweils in kurzen Cameo-Auftritten zu sehen.

Kritiken[Bearbeiten]

Während der Film unter Fans als Kultfilm gilt, erhielt Dobermann bei Rezensionen in klassischen Medien durchschnittliche bis teils vernichtende Kritiken.

„Ein an amerikanischen Vorbildern ausgerichteter Gangsterfilm, der diese an Brutalität noch zu überbieten trachtet. Die digitalen Effekte, abenteuerlichen Kostüme und sich ohne Unterlaß überbietenden Gewalttaten können aber nicht seine Leere und Substanzlosigkeit aufwiegen.“

Lexikon des Internationalen Films[3]

„Der schießwütige Held stammt aus einer französischen Schundroman-Serie, die den belgischen Regisseur Jan Kounen zu düsterer Trash-Optik inspirierte: rasant, glatt und larger than life, mit unübersehbarem Talent inszeniert und auf jeden Fall ein Fall für die große Leinwand. Das ist schon mal schön. Weniger schön ist, daß der Film in seinen Ursprüngen gefangen bleibt: letztlich doch pubertäres und angeberisches Action-Kino, das keinen Genre-Standard ausläßt: vom Psycho-Bullen bis zur Fetisch-Party hat man alles schon besser gesehen.“

Cinema[4]

„Blutorgien wie in einem Horrorfilm, Werbeclip-Ästhetik und liebloser Umgang mit den Figuren entlassen den Zuschauer ärgerlich. Kounen verkauft seine Arbeitsweise als Verzicht auf "gelacktes Kunsthandwerk".“

Rhein-Zeitung[5]

„Nach der Veröffentlichung 1997 wurde „Dobermann" von allen Seiten als voyeuristische Gewaltorgie und Beleidigung für den guten Geschmack gescholten. Dieser Einschätzung kann man bis heute kaum widersprechen, trifft sie doch den Nagel auf den Kopf. Ebenso aber passen Attribute wie „moderner Klassiker" und „Meisterwerk des konfrontativen Hochglanz-Trash". „Dobermann" tut weh, strengt an und ist schlichtweg ein unvergleichlich intensives Erlebnis. Ein Film wie er im Buche steht – nämlich im Strafgesetzbuch!“

Filmstarts[6]

„Der Film strotzt nur so vor in MTV-Video-Clip-Ästhetik stilisierter Gewalt, die Figuren sind comichaft verzerrte Karikaturen, die Grenzen zwischen gut und böse sind nicht einmal mehr verschwommen wahrzunehmen. Der "Dobermann" ist eine aggressive, hektische Melange aus "Natural Born Killers", "Delikatessen" und Versatzstücken des Italowesterns, ein echter Junge-Leute-Film für die 90er also. ... In seinem krampfhaften Bemühen um hohes Tempo und schicken Style rauscht der Film belanglos und glatt dahin.“

Filmtext.com[7]

„Inhaltlich hat Jan Kounen mit seinem Erstling gewiß nicht das Rad erfunden, aber das erwartet von einem Genrefilm mit dem Exploitationquotienten von "Dobermann" ja auch keiner. Daß es nach "Love and a 45", "True Romance" und "Natural Born Killers" trotzdem soviel Spaß macht, nun auch noch diese Meditation zum strapazierten Thema amoklaufendes Gangsterpärchen anzusehen, liegt nicht nur an den engagierten Darstellern und der technischen Klasse, die für ein Debüt geradezu erschreckend gelackt wirkt. Vielmehr sind es die vielen kleinen Abweichungen von der amerikanischen Schablone, die "Dobermann" erst zu jenem Erfolgsgemisch veredeln, das ein eingeschworenes Genrepublikum alle Contenance vergessen und mitten im dunklen Saal lauthals losjubeln läßt (so geschehen zuletzt beim Fantasy Filmfest in München). Für jeden Geschmack ist das freilich nicht. Die FSK-Dame, die sich bei "Mann beißt Hund" übergeben mußte, darf die Papiertaschentücher schon einmal in Reichweite legen.“

kino.de[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Dobermann runter vom Index und demnächst auf Blu-ray bei dvd-palace.de, abgerufen am 17. April 2011
  2. Seiner Zeit voraus – Im Gespräch mit Jan Kounen zu Dobermann bei deadline-magazin.de, abgerufen am 17. April 2011
  3. Dobermann (Film) im Lexikon des Internationalen Films
  4. Filmkritik bei cinema.de
  5. Filmkritik bei rhein-zeitung.de
  6. Filmkritik bei filmstarts.de
  7. Filmkritik bei filmtext.com (Version vom 14. August 2007 im Internet Archive)
  8. Filmkritik bei kino.de