Gaspar Noé

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Gaspar Noé (* 27. Dezember 1963 in Buenos Aires) ist ein argentinischer Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Filmproduzent. Mit seinen umstrittenen Werken Menschenfeind und Irreversibel erwarb sich der Filmemacher in Europa einen Ruf als Skandal-Regisseur.

Biografie[Bearbeiten]

Kindheit und Ausbildung[Bearbeiten]

Der in Argentinien geborene Gaspar Noé verbrachte seine Kindheit in Buenos Aires und New York, bevor er im Alter von 12 Jahren mit seiner Familie nach Frankreich zog. Nach seinem Schulabschluss studierte er Philosophie und Filmwissenschaft am Ecole Louis Lumière in Paris. Nach Beendigung seines Studiums arbeitete Noé zunächst als Regieassistent. 1985 assistierte Gaspar Noé dem argentinischen Regisseur und Drehbuchautor Fernando E. Solanas bei dessen Werk Tangos, l'exil de Gardel, in dem mehrere in Paris lebende Exil-Argentinier beschließen, ein Tango-Ballett zu Ehren ihres berühmten Landsmannes Carlos Gardel zu kreieren. Der Film wurde bei den Filmfestspielen von Venedig prämiert und als offizieller argentinischer Beitrag für die Academy Awards ein Jahr später eingereicht, konnte sich dort aber nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Ebenfalls im Jahr 1985 feierte Gaspar Noé mit dem Kurzfilm Tintarella die Luna sein Regiedebüt. Der 18-minütige Film, abwechselnd in schwarz-weiß und in Farbe gedreht, spielt in einem Dorf, irgendwo am Ende der Welt, in dem eine Frau ihren Ehemann verlässt, um ihren Liebhaber auf der anderen Seite des Flusses wieder zu treffen. Zwei Jahre später folgt der 6-minütige Farbfilm Pulpe Almère, in dem eines Nachts in Buenos Aires ein Mann in das Zimmer seines Hausmädchen eindringt und versucht sie zu vergewaltigen, während ein Feuilleton im Radio die Gedanken eines Mannes beschreibt, der sich in eine leidenschaftliche Liebe steigert. 1988 sammelt Noé erneut Erfahrung als Regieassistent unter Fernando E. Solanas. In Sur erzählt Solanas die Geschichte von Floreal, einem Mann, der nach Ende der militärischen Diktatur in Argentinien 1983 aus dem Gefängnis entlassen wird. Doch statt zu seiner Ehefrau zurückzukehren, wandert Floreal durch die nächtlichen Straßen Buenos Aires, was zu einem Spaziergang in seine eigene Vergangenheit wird. Es kommt zu Treffen mit alten Bekannten, die meist auf Floreals Einbildung beruhen und er rekapituliert seine Verhaftung und das Leben im Gefängnis.

Durchbruch als Kurzfilm-Regisseur[Bearbeiten]

1991 sorgte Gaspar Noé mit seinem Kurzfilm Carne für internationales Aufsehen. Das 40-minütige Werk spielt in den Jahren 1965 bis 1979 und führt die Figur eines Pariser Pferdeschlachters (gespielt von Philippe Nahon) ein, der einen abgrundtiefen Hass gegen seine Umwelt entwickelt hat. Sein Hass bekommt ein Ventil, als ein Mann seine kleine Tochter angreift, die unter Autismus leidet. Der Schlachter will sich rächen, entstellt jedoch den falschen Mann und wird am Ende zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Der verstörende Film wurde international von der Kritik gefeiert und u. a. bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet. Es folgten die 27 minütige TV-Produktion Une expérience d'hypnose télévisuelle (1995), sowie mehrere Fernsehwerbespots für die französische Umweltorganisation Ligue ROC.

Mit finanzieller Unterstützung seitens der Designerin Agnès B. folgte 1998 Gaspar Noé erster abendfüllender Spielfilm. In Menschenfeind führte er die Geschichte des Schlachters fort, den er sieben Jahre zuvor in seinem Kurzfilm Carne eingeführt hatte, wobei er erneut auf den Schauspieler Philippe Nahon zurückgreifen konnte. Der Film beginnt mit der Entlassung des Schlachters aus dem Gefängnis. Dieser möchte ein neues Leben beginnen und lässt seine geistig zurückgebliebene Tochter in eine Anstalt einweisen. Mit seiner schwangeren Lebensgefährtin, die er nicht liebt, zieht er in einen Vorort von Lille und das Paar plant, eine Schlachterei zu eröffnen. Die Wünsche von Neuanfang zerschlagen sich jedoch und der Schlachter gerät aufgrund eines Missverständnisses in eine tätliche Auseinandersetzung mit seiner Freundin, wobei er diese so schwer verletzt, dass das ungeborene Kind getötet wird. Der Schlachter flüchtet daraufhin nach Paris und nimmt sich ein Hotelzimmer. Ein paar Franc und eine Pistole mit drei Kugeln sind alles, was ihm geblieben ist, und sein Hass auf eine Gesellschaft, die keine Gerechtigkeit kennt, beginnt, sich erneut zu entladen. Die intensiven Tötungs- und Sexszenen im Film spalteten Kritiker und Zuschauer, dennoch wird Noé erneut in Cannes ausgezeichnet und Menschenfeind gewinnt mehrere Festivalpreise. In den Jahren 1998 und 1999 führte Gaspar Noé bei zwei Musikvideos Regie, Insanely Cheerful der Gruppe Bone Fiction und Je suis si mince der französischen Künstlerin Arielle, außerdem entstand unter Mitwirken Philipp Nahons der Kurzfilm Sodomites und er arbeitete beratend als Camera Operator bei Lucile Hadzihalilovic Kurzfilm Good Boys Use Condoms mit.

Eklat um Irreversibel[Bearbeiten]

Nach vierjähriger Pause folgte 2002 Gaspar Noés zweiter Langfilm. In Irreversibel stehen drei Menschen im Zentrum: die schöne Alex, ihr Freund Marcus und Alex' Ex-Freund Pierre. Alle drei wollen auf einer Party ausgelassen feiern, doch nach einem Streit mit Marcus beschließt Alex, alleine nach Hause zu gehen. Ein Fehler, der der jungen Frau zum Verhängnis wird. Als Alex eine einsame Unterführung durchquert, wird sie von einem unbekannten Mann angegriffen, vergewaltigt und dabei so schwer verletzt, dass sie ins Koma fällt. Schockiert von dem Verbrechen, stellen Marcus und Pierre selbst Untersuchungen an, um den Täter zu finden.

Noés Skript hat nur drei Seiten, so dass die Darsteller ihre Dialoge improvisieren mussten. Darüber hinaus ist die Machart durch mehrere anspruchsvolle Kamerafahrten ohne Schnitt interessant. Besondere Authentizität erhielt Irreversibel durch den Umstand, dass Noé mit Vincent Cassel und Monica Bellucci ein Schauspieler-Ehepaar für die Hauptrollen gewinnen konnte. Der Film feierte am 23. Mai 2002 bei den Filmfestspielen von Cannes Premiere. Hatte schon Menschenfeind auf Zuschauer und Kritiker verstörend gewirkt, so polarisierte Noé mit diesem rückwärts erzählten Film noch mehr. Schon zu Anfang des Films, in dem eine brutale Tötungsszene gezeigt wird, verließen zweihundert der 2400 Premierengäste den Kinosaal, noch bevor sie die brutale 10-minütige Vergewaltigungsszene gegen Ende des zweiten Drittels des Films gesehen hatten.

Irreversibel wurde von den Medien als Skandalfilm propagiert und das US-amerikanische Magazin Newsweek verlieh Gaspar Noés zweitem Spielfilm den Titel "most walked-out-of movie of the year". Dennoch wurde der Film mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter die Trophäe für den besten Film beim Filmfestival von Stockholm und eine Nominierung für den dänischen Filmpreis Bodil, als bester nicht-amerikanischer Film.

Nach dem Skandal um Irreversibel hielt sich Gaspar Noé mit den Planungen für seinen dritten Langfilm zurück. Er führte 2004 Regie bei dem Musikvideo Protege Moi der international erfolgreichen Rockband Placebo und realisierte zwei AIDS-Werbespots, die vermehrt zum Gebrauch von Kondomen animierten. 2005 folgten drei Kurzfilme über das tschechische Fotomodell Eva Herzigová, die Noé im Auftrag des französischen TV-Senders Canal Plus drehte. Im gleichen Jahr ließ er offiziell verkünden, dass in Kürze die Dreharbeiten zu seinem dritten Spielfilm beginnen würden, der u. a. von den Produzenten des Films Lola rennt mitfinanziert wird. Die englischsprachige Produktion Enter the Void spielt in Japan und handelt von dortigen Jugendlichen, die durch Party- und Drogenexzesse dem ultimativen Kick auf der Spur sind. Die Arbeit an dem Film zogen sich bis 2009 hin. Im selben Jahr erhielt Noé für Enter the Void eine Einladung in den Wettbewerb der 62. Internationalen Filmfestspiele von Cannes. 2012 entstand gemeinsam mit Laurent Cantet, Benicio Del Toro, Julio Medem, Elia Suleiman, Juan Carlos Tabío und Pablo Trapero der Kompilationsfilm 7 días en La Habana über die kubanische Hauptstadt.

Privat ist Gaspar Noé, der sich für die Recherchen seiner Filme oft in die Underground-Szene begibt, mit der Regisseurin und Schauspielerin Lucile Hadzihalilovic liiert. Beide lernten sich 1987 bei den Dreharbeiten zu La première mort de Nono kennen. Noé gab seiner Lebensgefährtin 1991 eine Nebenrolle in Carne und produzierte 1996 ihren Film La bouche de Jean-Pierre.

Filmografie[Bearbeiten]

Regisseur[Bearbeiten]

  • 1985: Tintarella di Luna
  • 1987: Pulpe Almère
  • 1991: Carne
  • 1995: Une expérience d´hypnose télévisuelle (TV)
  • 1998: Intoxication
  • 1998: Sodomites
  • 1998: Menschenfeind (Seul contre tous)
  • 2002: Irreversibel (Irréversible)
  • 2006: Destricted (Omnibusfilm, Beitrag 'We Fuck Alone')
  • 2007: 8 (Omnibusfilm, Beitrag 'SIDA')
  • 2009: Enter the Void (Soudain le vide)
  • 2012: 7 días en La Habana (Kompilationsfilm)

Drehbuchautor[Bearbeiten]

Schauspieler[Bearbeiten]

Kameramann[Bearbeiten]

Produzent[Bearbeiten]

Regieassistent[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Filmfestspiele von Cannes[Bearbeiten]

  • 1991: Festivalpreis für den besten Kurzfilm für Carne
  • 1998: Mercedes-Benz-Preis für Menschenfeind
  • 2002: nominiert für die Goldene Palme für Irreversibel
  • 2009: nominiert für die Goldene Palme für Enter the Void

Weitere[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]