Edgar Rice Burroughs

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Edgar Rice Burroughs

Edgar Rice Burroughs (* 1. September 1875 in Chicago, Illinois; † 19. März 1950 in Encino, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Burroughs schuf unter anderem die beiden Helden Tarzan und John Carter.

Leben[Bearbeiten]

Der Sohn des Fabrikanten und Bürgerkriegsveteranen Major George Tyler Burroughs (1833–1913) und der Lehrerin Mary Evaline Zieger (1840–1920) verlebte nach dem Besuch mehrerer Privatschulen den Großteil seiner Jugend auf der Ranch seiner Brüder in Idaho.

Nach seinem Abschluss auf der Michigan Military Academy im Jahr 1895 trat Burroughs in die 7. US-Kavallerie ein. Als ein Armeearzt bei ihm einen Herzfehler diagnostizierte und er deshalb nicht Offizier werden konnte, verließ Burroughs die Armee vorzeitig im Jahr 1897 und arbeitete bis 1899 wieder auf der Ranch seines Bruders. Danach ging er zurück nach Chicago und arbeitete in der Firma seines Vaters.

Am 1. Januar 1900 heiratete Burroughs seine Jugendliebe Emma Centennia Hulbert. Das Paar bekam drei Kinder: Joan Burroughs Pierce (1908–1972), Hulbert Burroughs (1909–1991) und John Coleman Burroughs (1913–1979). Da die tägliche Routine in der Fabrik seines Vaters nicht Burroughs Sache war, verließ das Ehepaar 1904 Chicago, um abermals in Idaho zu leben. Mit seinen Brüdern, die inzwischen ihre Ranch aufgegeben hatten, versuchte er sich erfolglos als Goldgräber. Kurze Zeit später arbeitete er als Eisenbahnpolizist in Salt Lake City. Auch diesen Job gab Burroughs auf und zog mit seiner Frau wieder zurück nach Chicago, wo er eine Reihe Jobs annahm, unter anderem als Vertreter. 1911 investierte er sein letztes Geld in einer Handelsagentur für Bleistiftanspitzer und scheiterte.

Burroughs, der zu dieser Zeit an Depressionen litt und, nach einigen seiner Biographen, an Selbstmord dachte, kam auf die Idee, eine Geschichte für ein Magazin zu schreiben, in dem er zuvor Anzeigen für seine Bleistiftanspitzer geschaltet hatte. Seine erste Erzählung Dejah Thoris, Princess of Mars, unter dem Pseudonym Normal Bean für das „All-Story“-Magazin von Thomas Metcalf geschrieben, wurde zwischen Februar und Juli 1912 als Fortsetzung veröffentlicht.

Burroughs erhielt für seine erste Kurzgeschichte 400 Dollar, war aber nach dem Erscheinen der Story unzufrieden mit dem Ergebnis. Metcalf hatte sein Pseudonym in Norman Bean geändert, und auch der Titel seiner Geschichte wurde zu Under the Moon of Mars abgewandelt. Auf Burroughs Beschwerde bezüglich der Änderungen, lenkte Metcalf ein und bot an, Burroughs nächste Geschichte unter seinem richtigen Namen zu drucken. Eine weitere Beschwerde Burroughs betraf den Zusatz For all Rights auf seinem Honorarscheck. Nach längerem Briefwechsel erreichte er, dass die 400 Dollar nur für den Erstabdruck galten.

Burroughs zweite Geschichte, The Outlaw of Torn, wurde jedoch von All-Story abgelehnt. Der große Erfolg kam mit Burroughs drittem Anlauf, Tarzan of the Apes.

Die Geschichte von Tarzan wurde ebenfalls 1912 von All-Story veröffentlicht. Burroughs schrieb in der Folgezeit immer wieder neue Tarzan-Geschichten und konnte sich, weniger als zehn Jahre nach der Veröffentlichung von Tarzan of the Apes, ein riesiges Stück Land in der Nähe von Los Angeles kaufen. Selbst nach Burroughs Tod im Jahr 1950 erschienen weitere Tarzan-Geschichten. Das Landstück bei Los Angeles ist heute die Gemeinde Tarzana.

In den frühen 1930er Jahren wurde sein schriftstellerischer Erfolg allerdings immer mehr von privaten Problemen überschattet. 1934 ließ er sich scheiden und heiratete ein Jahr später Florence Dearholt. Doch schon 1942 wurde auch diese Ehe geschieden. Nach der Bombardierung von Pearl Harbor begab sich Burroughs 1941 als Kriegsreporter nach Hawaii. Nach dem Krieg kehrte er nach Kalifornien zurück, wo er, nach vielen gesundheitlichen Problemen, 1950 einem Herzanfall erlag.

Burroughs verfasste etwa 70 Bücher, von denen zu Lebzeiten 59 erschienen.

Werk[Bearbeiten]

In Burroughs Werk vermischt sich die Science-Fiction mit Fantasy. Er etablierte Geschichten vor einem planetarischen Hintergrund in der Science-Fiction. Dabei war Burroughs bewusst, dass seine Literatur bei den Kritikern nicht ankam. Er machte auch nie ein Hehl daraus, dass er schrieb, um Geld zu verdienen.

Die Helden seiner Romane und Erzählungen haben keine Alltagsprobleme. Bei den Charakterzeichnungen schwach, sprudeln Burroughs Geschichten über vor Ideen und Action. Die Helden seiner Romane haben verschiedene Merkmale gemeinsam, beispielsweise das Geheimnis um ihre Herkunft. Entweder haben die Helden nie eine Kindheit erlebt, oder können sich nicht daran erinnern, oder aber sie sind wie Tarzan und The Cave Girl Waisen. Ein weiteres Merkmal von Burroughs Geschichten ist der, wie Brian W. Aldiss[1] es nennt, ausgeprägte sexuelle Dimorphismus. Das jeweils dominante Geschlecht ist hässlich.

Obwohl es in den Romanen und Geschichten Burroughs von schönen, nackten Frauen nur so wimmelt, werden sexuelle Beziehungen weder angedeutet, noch erwähnt. Burroughs Welt scheint eine präpubertäre zu sein. Doch ist die Jungfräulichkeit immer in Gefahr (vgl. Aldiss). Fast schon zwanghaft mutet an, dass es in den Geschichten Burroughs, die zwischen 1911 und 1915 geschrieben wurden, nicht weniger als 76 Mal zu Vergewaltigungsdrohungen kommt, die natürlich alle abgewendet werden können. Zu den Bedrohern der weiblichen Unschuld gehören verschiedene Marsianer, Sultane, Höhlenmenschen, japanische Kopfjäger und Affen.[2]

E. F. Bleiler schreibt über Burroughs, seine Texte seien „Fantasien von Erotik und Macht“.[3]

Barsoom[Bearbeiten]

Die erste Geschichte Burroughs’ erschien im Jahr 1917 als Buch unter dem Titel „A Princess from Mars“ (dt. Die Prinzessin vom Mars). Die Fortsetzungen The Gods of Mars (dt. Göttin des Mars) und The Warlord of Mars (dt. Der Kriegsherr des Mars) erschienen 1918 und 1919. Im Laufe der Jahre erschienen immer weitere Mars-Abenteuer, bis hin zu den Romanen, die postum veröffentlicht wurden.

Dabei hat Burroughs Mars wenig mit dem echten Mars zu tun. Auch die Beschreibung der Geographie des Planeten wird nur grob geführt. John Carter, der Held der Mars-Romane, gelangt per mystischer Übertragung auf den Mars, der von seinen Bewohnern Barsoom genannt wird. Ruinenstädte und austrocknende Meere beherrschen das Bild, Überreste alter Zivilisationen sind überall vorhanden. Dennoch ist der Planet voller Lebewesen. Es gibt verschiedene Rassen intelligenter Marsbewohner, die sich durch ihre Hautfarbe unterscheiden. Die einzelnen Stämme sind untereinander verfeindet. Es gibt grüne, weiße, gelbe und rote Marsianer, teils riesig groß und vierarmig. Die Frauen auf Barsoom legen Eier und sind meistens schön. John Carter verliebt sich in Dejah Thoris, eine rote Marsianerin.

Verfilmt 2009 als "Princess of Mars" von Regisseur Mark Atkins von The Asylum[4] und 2012 unter dem Titel "John Carter" von Regisseur Andrew Stanton von Walt Disneys Pixar Studios.

Tarzan[Bearbeiten]

Buchcover von Tarzan Of The Apes – Tarzan bei den Affen

Tarzan of the Apes (dt. Tarzan bei den Affen), Burroughs zweite Geschichte ist nicht der Science Fiction zuzurechnen, Tarzan ist ein reiner Abenteuerroman. Tarzan, eigentlich Lord Greystoke, ist der Herrscher des Dschungels, von Affen großgezogen und deren Sprache sprechend. Tarzan ist Vorbild für zahlreiche Nachahmer geworden und wurde unzählige Male verfilmt, zuerst im Jahr 1917. Darsteller des Tarzan waren unter anderem Buster Crabbe, Johnny Weissmüller und Lex Barker. Burroughs schrieb immer weitere Fortsetzungen, insgesamt mehr als zwanzig Romane über den Helden des Dschungels, die zum Teil postum erschienen.

Pellucidar[Bearbeiten]

Die Pellucidar-Romane sind Burroughs dritte erfolgreiche Serie. Im Jahr 1914 erschien in Fortsetzungen At the Earth's Core. Die Romane basieren auf der Idee, dass unter der Erdkruste ein Hohlraum existiert, der von verschiedenen Lebewesen bewohnt ist und von einer Miniatursonne erhellt wird. Held der Romane ist David Innes, der sich mit einem mechanischen Maulwurf Zutritt zu Pellucidar verschafft. Innes erlebt wie auch Tarzan und John Carter fantastische Abenteuer mit grausamen und wilden Stämmen. Der erste Roman der Serie At the Earth's Core erschien 1922, die Fortsetzung Pellucidar 1923. Insgesamt erschienen sechs Romane der Serie zu Burroughs Lebzeiten. Darunter einer, in dem Tarzan einen Auftritt in Pellucidar gibt (Tarzan at the Earth's Core, 1930). Der siebte Roman Savage Pellucidar erschien 1963. Die Geschichte wurde 1976 frei unter dem Titel Der sechste Kontinent verfilmt.

Venus[Bearbeiten]

Carson Napier ist der Held von Burroughs Serie von Romanen, die auf der Venus spielt. Zuerst in Argosy 1932 als Fortsetzung erschienen, konnte Burroughs der Versuchung nicht widerstehen und ließ auch zu dieser Serie drei weitere Romane folgen.

Weitere[Bearbeiten]

Eine weitere Serie spielt im Inneren des Mondes. Der erste Roman erschien 1923 in Fortsetzungen als The Moon Maid. The Land that Time Forgot, 1924 als Buch erschienen, besteht aus drei miteinander verbundenen Kurzgeschichten. Auf der fiktiven Insel Caprona verläuft die Evolution individuell. Caprona ist, wie alle Welten Burroughs', voller Geheimnisse, wilder Tiere und Stämme. Bezeichnend ist, dass auch hier die Frauen – wie auf Barsoom – Eier legen.

Neben Science Fiction und Fantasy-Geschichten, die auf verschiedenen Planeten, auf vergessenen Inseln und Kontinenten und sogar im Inneren der hohlen Erde spielen, schrieb Burroughs auch historische Romane, Western und sozialrealistische Werke. Einen Sonderplatz in seinem Schaffen nehmen die beiden Bücher um den Apachenhäuptling Shoz Dijiji ein, in denen er die Apachen erstmals in der amerikanischen Literatur realistisch zu zeigen versucht.

Burroughs’ Werke im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten]

Die Bücher von Burroughs hatten auch in Deutschland eine große Fangemeinde, wo in den 1920er und 1930er Jahren 8 Tarzanbände erschienen. Auf 16 Tarzan-Bände (davon 8 dt. Erstveröffentlichungen) brachte es in den 1950er Jahren der Pegasus Verlag. Anfang der 1970er Jahre wurden auch andere Bücher des Autors in Deutschland verlegt, darunter vier Bücher der Venus-Reihe und vier Mars-Romane. Der letzte ambitionierte Versuch in den 1990er Jahren scheiterte aus gesundheitlichen Gründen des Verlegers. Im Kranichbornverlag erschienen 15 Tarzan-Bände, davon vier als deutsche Erstveröffentlichungen, und zwei Mars-Romane. Lediglich im Jahre 2000 erschien mit dem Caprona-Zyklus ein weiteres Werk des Autors in deutscher Sprache.

Im angelsächsischen Sprachraum ist das Werk Burroughs ein absoluter Klassiker der Phantastik. Sein Vorbild wurde schon zu seinen Lebzeiten kopiert. Otis Kline schrieb Mars- und Venus-Abenteuer. Leigh Bracketts Serie um Eric John Stark, die auf dem Mars und episodenweise auch auf der Venus angesiedelt ist, trägt starke Züge von Burroughs Werk. In Deutschland blieb Burroughs eher unbekannt, was unter anderem auch daran liegen mag, dass seine Hauptschaffenszeit in die Zeit des Nationalsozialismus fiel.

Werke[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • 1912: The Outlaw of Torn
  • 1913: The Monster Men
  • 1913: Man without a Soul
  • 1914: The Eternal Lover
  • 1914: The Mad King
  • 1914: The Mucker
  • 1915: Beyond Thirty
  • 1915: The Man-Eater
  • 1916: The Girl From Farris's
  • 1916: The Lost Continent
  • 1917: The Lad and the Lion
  • 1918: The Oakdale Affair
  • 1918: H. R. H. the Rider
  • 1921: The Efficiency Expert
  • 1922: The Girl From Hollywood
  • 1924: The Bandit of Hell's Bend
  • 1925: The Cave Girl
  • 1931: Jungle Girl
  • 1931: The Land of Hidden Men
  • 1937: The Resurrection of Jimber Jaw
  • 1939: Beware! (The Scientists Revolt)
  • 1940: Beyond the Farthest Star
  • 1940: The Deputy Sheriff of Comanche County
  • 1967: I am a Barbarian
  • 1970: Pirate Blood
  • 1997: You Lucky Girl!
  • 1998: Minidoka 937th Earl of One Mile Series M
  • 1999: Marcia of the Doorstep

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Bräunlein: Ein weißer Mann in Afrika. Rassismus und Geschlechterverhältnisse in Tarzanfilmen in: iz3w Nr. 280, Oktober 2004, S. 41-43
  • Richard A. Lupoff: Barsoom. Edgar Rice Burroughs and the martian vision, Mirage Press, Baltimore, Md. 1976, ISBN 0-88358-116-7
  • Irwin Porges: Edgar Rice Burroughs. The Man Who Created Tarzan, Balantine books, New York 1976, ISBN 0-345-25131-8 (2 Bde.)
  • Joachim Schiele: Tarzan: der barfüßige Held, 1981
  • Norbert Bernhard: Tarzan und die Herrenrasse: Rassismus in der Literatur, 1986
  • John Taliaferro: Tarzan forever : the life of Edgar Rice Burroughs, creator of Tarzan, New York : Scribner, 1999, ISBN 0-684-83359-X
  • Robert W. Fenton: Edgar Rice Burroughs and Tarzan. A Biography, 2003
  • Reiner Boller/Julian Lesser: Tarzan und Hollywood: Von Johnny Weismuller bis Gordon Scott – Die klassischen Tarzan-Filme von Produzent Sol Lesser, 2004

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Edgar Rice Burroughs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Brian W. Aldiss, Der milliarden Jahre Traum, S. 275, 276.
  2. Richard D. Mullen d. Ä., Edgar Rice Burroughs and the Fate Worth Than Death, Riverside Quarterly Jg. 4 Nr. 5, enthält die komplette Liste
  3. E. F. Bleiler (Hg.), Science Fiction Writers op. cit.
  4. http://www.theasylum.cc/product.php?id=163