Ehemalige Bulgarische Westgebiete

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Karte der Bulgarischen Westgebiete – Strumica ( Republik Makedonien), Bosilegrad (Serbien), Zaribrod (heute: Dimitrovgrad (Serbien)), Timoshko (am Fluss Timok, Region: Timočka Krajina)

Die sog. Westlichen Gebiete (bulgarisch Западни български покрайнини) sind vier geographisch voneinander getrennte Gebiete im Südosten Serbiens, entlang der Grenze zu Bulgarien, mit einer Gesamtfläche von 1545 km². Sie waren bis 1919 Bestandteil Bulgariens und wurden mit dem Vertrag von Neuilly-sur-Seine vom Bulgarien an Jugoslawien abgetreten. Noch heute lebt eine bulgarische Minderheit in diesen Gebieten.

Vertrag von Neuilly-sur-Seine[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Bulgarien ein – aus bulgarischer Sicht – nur schwer zu akzeptierender Friedensvertrag, der Vertrag von Neuilly-sur-Seine aufgebürdet, der von der bulgarischen Regierung und vom bulgarischen Volk als ungerecht empfunden wurde.

Haltung der Westmächte[Bearbeiten]

Die entscheidende Rolle bei der Vorbereitung des Friedensvertrages spielten Frankreich und das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland.

Die Vereinigten Staaten nahm in den Diskussionen zur Vorbereitung des Friedensvertrages eine andere Position ein. Präsident Woodrow Wilson betonte die Notwendigkeit, einen gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen. Dem würde eine Befriedigung von ungerechten Forderungen nach Aneignung von fremden Territorien – als Form der Bestrafung – entgegenstehen. „Kein Frieden kann dauerhaft sein, wenn wir zulassen, dass Völker wie Sachen von Hand zu Hand gereicht werden.“ (W. Wilson) Auf diesen Sitzungen hatten die Vereinigten Staaten gegenüber den anderen unterzeichnenden Siegermächten des Friedensvertrages entschieden die gerechte Behandlung der besiegten Länder – zu denen Bulgarien zählte – unterstützt. Der Kongress der Vereinigten Staaten versagte später die Ratifizierung des Friedensvertrages von Neuilly-sur-Seine und der übrigen Pariser Vorortverträge, zu denen auch der Versailler Vertrag gehört.

Gebietsansprüche des SHS-Staates[Bearbeiten]

Das am 1. Dezember 1918 gegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen übernahm die Nachfolge des Königreiches Serbien (SHS) mit seinen Ansprüchen auf große Teile des westlichen bulgarischen Territoriums.

Die Westgebiete nach 1919[Bearbeiten]

Gemäß dem Vertrag von Neuilly-sur-Seine wurden die Westgebiete aus dem bulgarischen Territorium ausgegliedert und in das serbische Territorium integriert. Sie umfaßten 2.463 km²[1] mit einer Bevölkerung von 64.509 Personen. Davon waren 54.758 Bulgaren, 8.637 Walachen (Aromunen im Süden und Dakorumänen im Norden), 549 Zigeuner und nur 127 Serben. Diese Bevölkerung lebte in zwei Städten, drei Marktflecken und 118 Dörfern.

(Anmerkung: Diese Zahlen basieren auf bulgarischen Angaben und werden von serbischer Seite genau andersherum angegeben: 758 Bulgaren gegenüber 65.756 Serben. Die Vorfahren der heutigen Mazedonier wurden jeweils der eigenen Ethnie zugerechnet. Die Zahlenangaben von beiden Seiten sind daher mit Vorsicht zu bewerten.)

In den abgetretenen Westgebieten gab es 115 Schulen, 6 Progymnasien und ein Gymnasium mit insgesamt 269 Lehrern und 7892 Schülern sowie 45 bulgarische Kirchen mit 42 Geistlichen.

Über 30.000 Bulgaren flüchteten aus den Westgebieten nach Bulgarien. Von ihnen emigrierten später etwa 5.000 nach Westeuropa und Amerika.

Grenzziehung zwischen den Westgebieten und Bulgarien[Bearbeiten]

Gemäß § 29 des Vertrages von Neuilly-sur-Seine wurde eine internationale Kommission zur serbisch-bulgarischen Grenzziehung berufen, um die Grenzlinie vor Ort zu bestimmen. Sie bestand aus französischen, britischen, japanischen, serbischen und bulgarischen Vertretern.

Die Erfüllung dieser Aufgabe erwies sich als außerordentlich schwierig.

Diese neugezogene Grenze sperrte in den nunmehr zu Serbien gehörenden Gebieten eine alteingesessene Bevölkerung in einem Labyrinth von Tälern ein, das nach Westen durch unwegsame Gebirge von Serbien abgeschnitten war und sie im Osten von ihrern ursprünglichen, leicht erreichbaren bulgarischen Nachbarn – wegen der neuen Grenzlinie – absperrte.

Die Westgebiete während des Zweiten Weltkrieges[Bearbeiten]

In der Zeit von 1941–1945 wurden die „Westlichen Gebiete“ entsprechend einer Abmachung zwischen Bulgarien und Deutschland an Bulgarien angegliedert – zwecks administrativer Verwaltung bis zum Ende des Krieges.

Der größte Teil der nach Bulgarien geflohenen Flüchtlinge kehrte in seine Heimatorte zurück. Unter der bulgarischen Verwaltung wurden die von den Serben geschlossenen bulgarischen Schulen wieder geöffnet. Es wurden auch weitere neue Schulen eröffnet. Die bulgarischen Namen der Bevölkerung wurden wiederhergestellt. Der Gottesdienst wurde wieder in allen Kirchen auf Bulgarisch abgehalten.

Die Westgebiete nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Gemäß dem Pariser Friedensvertrag von 1947 musste Bulgarien die Gebiete wieder an Jugoslawien zurückgeben. Aus jugoslawischer (bzw. später serbischer) Sicht wird die Zeit von 1941 bis 1945 in diesen Gebieten als die der „faschistisch-bulgarischen Okkupation“ bezeichnet.

Alle Maßnahmen der bulgarischen Administration wurden von der jugoslawischen (serbischen) Verwaltung rückgängig gemacht.

Gemäß der Verfassung der SFR Jugoslawien wurden den Bulgaren nach 1944 die Menschenrechte und nationale Rechte garantiert. In den Schulen unterrichteten bulgarische Lehrer. Aber das hielt nur bis 1948 an. Danach verschlechterte sich das bulgarisch-jugoslawische Verhältnis wegen des Zerwürfnisses zwischen Tito und der UdSSR stark.

Aufteilung der Westgebiete ins serbische Gemeindensystem[Bearbeiten]

  • an die Gemeinde Surdulica (Сурдулица) sind die Dörfer Boschiza (Божица), Klisura (Клисура), Topli Dol (Топли дол), Palja (Паля), Kostroschewzi (Кострошевци), Drainizi (Драинци) und Stresimirowzi (Стрезимировци) angegliedert worden.
  • an die Gemeinde Babušnica (Бабушница) sind die Dörfer Swoniza (Звонци), Naschuschkowiza (Нашушковица), Berin Iswor (Берин Извор), Rakita (Ракита), Wutschi Del (Вучи дел) und Jasenow Del (Ясенов дел) angegliedert worden.
  • an die Gemeinde Pirot (Пирот) sind die Dörfer Slawjanin (Славиня), Wlasi (Власи) und Darschina (Държина) angegliedert worden.

Die Westgebiete nach 1989[Bearbeiten]

Nach 1989 begann ein Demokratisierungsprozess in Bulgarien. Zum ersten Mal in der neueren bulgarischen Geschichte nach 1919 schenkte die bulgarische Regierung den Westgebieten ihre Aufmerksamkeit. Die Westgebiete stellen immer noch ein schmerzhaftes Problem für die bulgarische Nation dar. Nach 80 Jahren Gleichgültigkeit hat ein offizieller Vertreter des bulgarischen Außenministeriums die Westgebiete besucht.

Ethnische Karte Serbiens nach dem 2002 Zensus

Die bulgarische Regierung (1992–1994) hat die Lage in den Westgebieten und die grobe Verletzung der Bürgerrechte und Menschenrechte der Bulgaren in den Westgebieten vor der UNO aufgeworfen – während der Erörterung der Berichtes über Jugoslawien seitens des UNO-Komitees für die Beseitigung von Rassendiskriminierung.

Zu dieser Frage gab es zwischen den Delegationen einen scharfen Austausch von offiziellen Dokumenten. Von serbischer Seite wird jegliche Verletzung der Menschenrechte der bulgarischen Minderheit bestritten.

So fand das Problem der Bulgaren in den Westgebieten auch erstmals Erwähnung im Bericht der UNO-Kommission für Menschenrechte und in der Resolution der UN-Vollversammlung.

1992 wurde der Demokratische Bund der Bulgaren in Jugoslawien (bulgarisch Демократичен съюз на българите в Югославия [ДСБЮ]) gegründet. Diese Partei zerfiel wieder.

Die Agentur der Bulgaren im Ausland (Агенция за българите в чужбина [АБЧ]) hat nach 1993 eine Reihe von Schritten unternommen, um die Rechte der Bulgaren in diesem Teil Serbiens zu verteidigen. Dazu haben zwei führende Vertreter des oben erwähnten Demokratischen Bundes der Bulgaren in Jugoslawien die Probleme in den Westgebieten auf der Sitzung der UNO-Menschenrechtskommission in Genf vorgestellt.

Das Helsinki-Komitee für die Menschenrechte der Bulgaren in Jugoslawien schickte eine Reihe von Berichten an internationale Organisationen, in denen die Verletzung einer Reihe von Bürgerrechten, Menschenrechten und nationalen Rechten in den Westgebieten aufgeführt wird.

Die Agentur der Bulgaren im Ausland half 1997 bei der Eröffnung und Ausstattung von zwei Kultur- und Informationszentren in Zaribrod (heute Dimitrovgrad (Serbien)) und Bosilegrad mit. Das Kultur- und Informationszentrum gibt Informationsschriften heraus. Die Agentur der Bulgaren im Ausland hilft vielen Jugendlichen, einen Studienplatz an bulgarischen Universitäten zu bekommen.

In den letzten Jahren wurde die materielle und moralische Unterstützung der Bulgaren in den Westgebieten durch die bulgarische Regierung stark reduziert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Martin Mayer: Elementarbildung in Jugoslawien (1918–1941). Ein Beitrag zur gesellschaftlichen Modernisierung? Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1995, ISBN 3-486-56169-3, S. 218.