Eilendorf

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Eilendorf (Begriffsklärung) aufgeführt.

50.7794444444446.1625194Koordinaten: 50° 46′ 46″ N, 6° 9′ 45″ O

Eilendorf
Stadt Aachen
Wappen von Eilendorf
Höhe: 170–220 m
Fläche: 6,84 km²
Einwohner: 15.376 (2013)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 52080
Vorwahl: 0241

Eilendorf ist ein Stadtteil und Verwaltungsbezirk der Stadt Aachen, Städteregion Aachen, hat ca. 15.000 Einwohner und grenzt mit seinen Ortsteilen Eilendorf und Nirm an die Stadtteile Brand, Rothe Erde und Verlautenheide sowie an Stolberg-Atsch.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Eilendorf im Jahre 1238 in einer Schenkungsurkunde des Abtes Florenz von Kornelimünster an das Aachener St.-Adalbert-Stift.[2] Es entwickelte sich vor allem der Bergbau nach Galmeierz, der heute allerdings nicht mehr betrieben wird, jedoch findet sich ein Symbol hierfür noch im Eilendorfer Ortswappen. Zudem gab es in Eilendorf Dolomit-Steinbrüche und es wurde Fett- und Wasserkalk hergestellt. Von 1577 bis 1583 musste Eilendorf Einquartierungen, Plünderungen und Brandschatzungen durch fremde Truppen im truchsessische Krieg erleiden. In den Jahren 1630-1640 zeigte der Dreißigjährige Krieg in Eilendorf seine Schrecken, diese wurden nur durch die rücksichtslose Brandschatzungen im Raubkrieg von Ludwig dem XIV im Jahr 1678 übertroffen. Die Abtei Kornelimünster fand 1794 durch die Französische Revolution ein jähes Ende. 1802 wurde sie aufgelöst,dabei wurden alle geistlichen Güter zum Nationaleigentum. Eilendorf bildete mit Forst, Weiern und Höfen bereits 1797 eine Agentine.

Das Eilendorfer Gebiet reichte in östlicher Richtung bis zum Propsteier Wald und bis Eschweiler-Aue. So wurde 1884 die Station Stolberg an der Eisenbahnstrecke in diesem Eilendorfer Gebietszipfel errichtet. Am 1. April 1886 schied Eilendorf aus dem Bürgermeisterverband Forst aus und wurde selbstständige Bürgermeisterei, die alten Gemeindegrenzen wurden jedoch beibehalten.Eilendorf bekam am 1. April 1897 eine eigene Eisenbahnhaltestelle für den Personen- und Güterverkehr. Eilendorf und Nirm bildeten ab 27. April 1900 eine Dorfgemeinschaft. 1908 eröffnete die erste Apotheke in Eilendorf.

Ehemaliges Rathaus Eilendorf – heute Sitz des Bezirksamtes

Bis zur Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen war Eilendorf eine eigenständige Gemeinde. Durch das Aachen-Gesetz (1971) erfolgte am 1. Januar 1972 die Eingemeindung.[3] Das heutige Bezirksamt hat seinen Sitz im ehemaligen Eilendorfer Rathaus.

Mit der erfolgten Eingliederung der Gemeinde Eilendorf zur Stadt Aachen sahen die Verantwortlichen die Möglichkeit, „anstehende kommunale Probleme in einem größeren Rahmen zu lösen und eine Basis für einen ausgeglichenen Lebensraum zu schaffen, wie er für ein gesundes Gemeinwesen in unserer Zeit zu fordern ist“.[4]

Namensgeschichte[Bearbeiten]

Ursprünglich gehörte Eilendorf nicht zum Stadtkreis Aachen. Der damalige Name (keine genauen Zeitangaben möglich), war Erlendorf. Aufgrund des feuchten Bodens bot er die biologische Voraussetzung für Erlen, was dem Ort damals auch diesen Namen gab. Durch das Sprechen und des Aachener Platts wurde aus Erlendorf der heutige Name Eilendorf, der als fester Name eingetragen wurde.

Politik[Bearbeiten]

Ortswappen[Bearbeiten]

Das Eilendorfer Ortswappen ist vertikal zweigeteilt und zeigt auf seiner linken (heraldisch rechten) Seite auf blauem Grund zwei gekreuzte Bergbauwerkzeuge und darunter ein stilisiertes Galmeiveilchen, während die rechte (heraldisch linke) Seite ein Korneliushorn auf rotem Grund zeigt. Das Korneliushorn weist auf die frühere Zugehörigkeit Eilendorfs zur Reichsabtei Kornelimünster hin.

Religion[Bearbeiten]

Eilendorf war bis zum 31. Dezember 2009 unterteilt in zwei katholische Pfarrgemeinden; St. Severin, die zu den ältesten Kirchengemeinden im Raum Aachen zählt und von der freien Reichsabtei Kornelimünster gegründet wurde, und St. Apollonia, die bis dato mit der Pfarrgemeinde St. Barbara im benachbarten Stadtteil Rothe Erde einen Pfarrzusammenschluss mit einem gemeinsamen Pfarrer bilden. Am 1. Januar 2010 wurden die drei bis dahin selbstständigen Pfarren St. Apollonia, St. Barbara und St. Severin zur neuen Pfarre St. Severin Aachen-Eilendorf und Rothe Erde fusioniert. Pfarrkirche ist St. Severin, St. Apollonia und St. Barbara sind nun Filialkirchen. Bedingt durch diese Fusion gibt es seitdem auch nur noch einen Kirchenvorstand und einen Pfarrgemeinderat für die neue Pfarre St. Severin, in den einzelnen Gemeinden existieren jedoch Gemeindeausschüsse.[5]

St. Severin[Bearbeiten]

Die Pfarre St. Severin geht auf eine Gründung der Reichsabtei Kornelimünster zurück: An Stelle einer ersten (wahrscheinlich romanischen) Kirche ließ Abt Hyazinth Alfons, Graf von Suys (1713–1745) ein neues stilloses Gotteshaus errichten. Pfarrpatron war der Hl. Sebastian. Dieses Gotteshaus wurde schon 1864 nach den Plänen des Kölner Baumeisters Heinrich Wiethase durch eine größere, dreischiffige Kirche im neo-romanischen Stil (die heutige Pfarrkirche) ersetzt. In den Jahren 1904 bis 1908 erhielt die Kirche einen größeren Glockenturm. In diesem Turm ist bis heute der Grundstein der von Abt Hyazinth errichteten Kirche zu sehen. Die Umwidmung an den neuen Pfarrpatron, den Hl. Severin von Köln, erfolgte im Zuge der späteren Eingliederung der Pfarre in das Erzbistum Köln.

St. Apollonia[Bearbeiten]

Die Kirche St. Apollonia liegt im Oberdorf an der Heckstraße auf Höhe des Apolloniawegs. Das vom Aachener Architekt Peter Salm entworfene Gebäude wurde in den Jahren 1959 bis 1961 errichtet. Die feierliche und seit Jahrzehnten angestrebte Grundsteinlegung war am 23. August 1959. Am 24. und 25. März 1961 wurde die Kirche durch Bischof Dr. Johannes Pohlschneider der Heiligen Apollonia geweiht. Dieses Patronat wurde aufgrund der in der Nähe befindlichen Apolloniakapelle gewählt. Ebenfalls am 25. März 1961 wurde durch den Bischof die Vikarie St. Apollonia innerhalb der Pfarre St. Severin errichtet, die bereits am 12. Dezember 1964 zur eigenständigen Pfarrvikarie, und am 21. Januar 1969 schließlich zur Pfarre erhoben wurde.[6]

Weiteres[Bearbeiten]

Die evangelische Versöhnungskirche mit integriertem Gemeindezentrum wurde 1979 gegründet. Sie bildet den Gemeindebezirk der Versöhnungskirche innerhalb des Evangelischen Kirchenkreises Aachen.[7]

Des Weiteren existiert ein jüdischer Friedhof an der Von-Coels-Straße kurz nach dem Ortsausgang in Richtung Stolberg.

Siedlungsgeografie und Architektur[Bearbeiten]

Ältestes erhaltenes Bauwerk des Ortes ist das Pannhaus, das ehemalige abteiliche Zwangs-Brauhaus. Als von außen sichtbarer Eckpfeiler eines wohl nachträglichen Anbaus an dieses Pannhaus (vgl. das Kinzweiler Pannhaus) dient der ehemalige Schandpfahl Eilendorfs.

Noch vor 50 Jahren lagen zwischen der Aachener Innenstadt und Eilendorf Gutshöfe und Felder, heute gibt es einen nahtlosen Übergang, herbeigeführt durch den Bau der Industriegebiete Rothe Erde und Eilendorf-Süd.

Landschaft[Bearbeiten]

Die höchste Erhebung Eilendorfs ist der – auf Öcher Platt (Aachener Platt) „Knopp“ genannte Wolfsberg oder Gottes Segen mit etwa 230 m über dem Meeresspiegel. Von dort aus hat man eine – bei schönem Wetter einige Kilometer weit reichende – Aussicht über Aachen, bis zum Aachener Stadtwald (höchste Erhebung ist der Klausberg) und der Eifel. Im Winter wird er zum Rodeln genutzt, im Sommer zum Sonnen.

Durch die Nähe zur Eifel gibt es zwischen dem Ortsteil Nirm und dem „Eilendorfer Oberdorf“ eine Höhendifferenz von etwa 50 m.

Eilendorf ist zu einem großen Teil mit Feldern und einem Naturschutzgebiet umgeben, abgesehen vom Westen, der mit dem Stadtteil Rothe Erde verbunden ist. Vereinzelt wird das freie Land bewirtschaftet, hauptsächlich mit Kühen, seltener mit Agraranbau. Die Anzahl der Bauern ist in den letzten 50 Jahren enorm zurückgegangen, nicht nur zurückzuführen auf die steigende Bebauung. Der größte Teil der Wiesen wird zur Herstellung von Heu genutzt. Der Haarbach (Wurm) mit einer ursprünglichen Länge von fast 9 km ist ein Nebengewässer der Wurm und fließt nordöstlich in Richtung Eilendorf, unterquert beim Ortsteil Nirm die Bahnlinie Aachen-Eschweiler.

Verkehr und öffentliche Verkehrsmittel[Bearbeiten]

Triebwagen der Euregiobahn im Haltepunkt Eilendorf

Eilendorf besitzt im Gegensatz zu den anderen Orten in und um Aachen recht viele, ineinander verzweigte Straßen. Zurückzuführen ist dies auf die damalige Zeit, wo entschlossen wurde, platzsparend zu bauen.

Wichtige, öffentliche Verkehrsmittel in Eilendorf sind Busse (ASEAG-Linien 2, 12, 22, 50, 57 und N8, sowie 34 und 43 im Gewerbegebiet) und die Eisenbahn. Mit dem Bus sind es bis zum Stadtzentrum Aachen zwischen 20 und 30 Minuten.

An der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen liegt der Haltepunkt Eilendorf. Er wird tagsüber im 30-Minuten-Takt von den Zügen der Euregiobahn bedient. Die Fahrzeit von Eilendorf nach Aachen-Rothe Erde beträgt etwa drei Minuten, die Fahrzeit nach Aachen Hbf etwa sieben Minuten. Werktags halten morgens und abends einzelne Züge von und nach Köln und Düsseldorf in Eilendorf.

Sport[Bearbeiten]

In Eilendorf gibt es drei Fußballvereine, den SV 1914 Eilendorf (Landesliga, Aufstieg in die Mittelrheinliga 2014), DJK 1919 Arminia Eilendorf (Landesliga) und den SC 1928 Nirm (Kreisliga C). Alle drei Fußballvereine verteilen sich auf drei verschiedene Sportplätze, wobei SV Eilendorf und Arminia Eilendorf jeweils über einen Rasenplatz und einen Kunstrasenplatz verfügen. Der SVE ist an der Halfenstraße aktiv, die Arminia spielt im Stadion an der Linde und der SC Nirm spielt auf dem Sportplatz Scheidmühle in der Wolfsbendenstraße.

Außerdem gibt es den Hockeyclub Eilendorfer HC e. V. 1976 (1.Verbandsliga), einen Volleyball-, Basketballverein, den Eilendorfer TV (Landesliga, Bezirksklasse), einen Handballverein, den SV Eilendorf (Landesliga),einen Badminton-, Tischtennis-, Schach-Verein (Mittelrhein Verbandsliga West), alle DJK Arminia Eilendorf, den Ringerclub RC Eilendorf (Landesliga), Pool-Billard-Freunde 94 Eilendorf, Pool-Billard-Club Blau-Weiß Eilendorf 1975 e. V., den Tennisclub TC-Eilendorf 1950 e. V., sowie den Radsportclub RSC Schwalbe 1908 Eilendorf e. V..

Darüber hinaus befindet sich in der Gemarkung Auf dem Förberich der Schießstand der Aachener Karlsschützengilde, der zugleich auch anerkannter Leistungsstützpunkt für die olympischen Disziplinen im Sportschießen ist.

Söhne und Töchter von Eilendorf[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harry Seipolt: NS-Zwangssterilisation – Der Fall Maria und Wilhelm Sistermann, in: Eilendorfer Heimatblätter, Jg. 1996: Bd. 14, S. 57–68.
  • Christian Quix: Geschichte des Karmeliten-Klosters, der Villa Harna, der Gelehrtenschulen in Aachen vor Einführung des Jesuiten-Gymnasiums der vormaligen Herrschaft Eilendorf'; J. A: Mayer (Hrsg.), (1835)
  • Unser Nirm: Bildband Von damals bis heute, "Nirmer Kreis" 2001 von Manfred Brand
  • Hubert Beckers, Aus der Geschichte der Pfarre St. Apollonia Aachen-Eilendorf – Ein geschichtlicher Rückblick anlässlich des Jubiläums "25 Jahre Pfarrkirche St. Apollonia" am 24. und 25. März 1986, Aachen-Eilendorf, 1986 im Eigenverlag

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eilendorf (Aachen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Eilendorf – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsstand. Abgerufen am 19. Februar 2014.
  2. Urkundliche Erwähnung Eilendorfs, Eilendorf.
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 305.
  4. Eingemeindung, Eingliederung der Gemeinde Eilendorf zur Stadt Aachen.
  5. GdG Aachen Ost/Eilendorf.
  6. Hubert Beckers, Aus der Geschichte der Pfarre St. Apollnia Aachen-Eilendorf – Ein geschichtlicher Rückblick anlässlich des Jubiläums "25 Jahre Pfarrkirche St. Apollonia" am 24. und 25. März 1986, Aachen-Eilendorf, 1986 im Eigenverlag.
  7. Seite des Kirchenkreises Aachen zur Versöhnungskirche.