Einwanderung aus Deutschland in die Schweiz

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Die Einwanderung aus Deutschland in die Schweiz erfolgt vor allem in die Deutschschweiz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Migrantengruppen handelt es sich bei Einwanderern aus Deutschland vornehmlich um hochqualifizierte Fachkräfte.[1]

Geschichtliches[Bearbeiten]

Bereits in der frühmodernen Zeit fanden beträchtliche Bevölkerungsbewegungen in beide Richtungen statt, welche eng verbunden waren mit den besonderen Beziehungen der beiden Territorien: Zwar waren Gebiete der heutigen Schweiz lange Zeit Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, sie wurden allerdings aus der Jurisdiktion des Reichstags im Jahre 1499 als Ergebnis des Schwabenkrieges herausgenommen. Die formelle Anerkennung der Schweizer Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich durch den Westfälischen Frieden datiert auf das Jahr 1648. Bedeutendere Einwanderungswellen fanden nach der napoleonischen Ära statt, speziell nach der Gründung der restaurierten Schweizer Eidgenossenschaft und des Deutschen Bundes im Jahre 1815.

Im Jahre 2009 hatten 266'000 deutsche Staatsbürger einen permanenten Aufenthalt in der Schweiz, die meisten von ihnen in der Deutschschweiz, speziell im Mittelland, der Stadt Zürich, im Grossraum Zürich und im Kanton Zürich selbst. Eine ähnliche Zahl war zuletzt um das Jahr 1914 vor dem Ersten Weltkrieg erreicht worden.

Demografie[Bearbeiten]

Aufgrund der ungleichen Grösse der beiden Länder haben deutsche Einwanderer in der Schweiz eine weitaus sichtbarere Präsenz als umgekehrt: Im Jahre 2007 lebten über 37'000 Schweizer Staatsbürger, oder einer von 180 Schweizer Bürgern, in Deutschland, was lediglich 0,05 % der deutschen Bevölkerung ausmachte. Zusammen mit den Personen doppelter schweizerisch-deutscher Staatsbürgerschaft wurden im Jahre 2007 etwa 75'000 Schweizer Bürger in Deutschland gezählt. Zur gleichen Zeit lebten knapp 224'000 deutsche Staatsbürger, oder einer von 350 deutschen Bürgern, in der Schweiz, was 3 % der Schweizer Bevölkerung ausmachte. Dieser Vergleich ignoriert jedoch die doppelte Staatsbürgerschaft.

Die Anzahl deutscher Staatsbürger in der Schweiz verdoppelte sich in der Periode von 2002 bis 2009. Der Grund dafür liegt im 2002 in Kraft getretenen schweizerisch-europäischen Staatsvertrag, welcher die Arbeitnehmerfreizügigkeit gewährleistet.

Während das Freizügigkeitsabkommen für alle EU-Bürger gilt, waren deutsche und österreichische Staatsbürger die Hauptprofiteure, da ihre Kenntnisse in der deutschen Sprache es ihnen erlauben, ohne die zusätzlichen Schwierigkeiten einer Sprachbarriere qualifizierte Arbeitsplätze in der deutschsprachigen Schweiz zu erhalten.

Im Jahre 2009 waren die Migranten aus Deutschland mit einer Gesamtzahl von 266'000 (oder knapp 3,4 % der Schweizer Gesamtbevölkerung) die zweitgrösste Einwanderergruppe in der Schweiz, direkt hinter den Italoschweizern mit 294'000 (3,7 % der Schweizer Gesamtbevölkerung). 22'000 von ihnen waren in der Schweiz geboren. Von diesen waren 18'000 Minderjährige – Kinder, die von in der Schweiz ansässigen Eltern geboren wurden. 19'000 Bundesdeutsche mit Schweizer Wohnsitz waren mit Schweizern verheiratet.

Im Jahre 2007 überstieg die Zahl von Bundesdeutschen in der Schweiz das historische Maximum von 220'000 Deutschen vor dem Ersten Weltkrieg. Allerdings betrug durch die niedrigere Einwohnerzahl zu der Zeit der Anteil von Deutschen aus dem damaligen Deutschen Kaiserreich vor 1914 über 6 % der Schweizer Gesamtbevölkerung. Die Rate der Einbürgerungen hat sich seit 2007 ebenfalls stufenweise erhöht.[2] Der Grund dafür war eine Veränderung im deutschen Staatsbürgerschaftsrecht, welche es deutschen Staatsbürgern erlaubte, eine doppelte schweizerisch-deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten – dies vor allem vor dem Hintergrund der steigenden Zahl von qualifizierten Deutschen, die in der Schweiz seit über 12 Jahren leben, was vom Schweizer Staatsbürgerschaftsrecht gefordert wird. Vor 2007 mussten Deutsche, die in der Schweiz eingebürgert werden wollten, ihre deutsche Staatsbürgerschaft aufgeben.[3]

Historische Bevölkerungsstruktur
Jahr 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Deutsche Bevölkerung
(Tausend)
97 99 101 104 110 118 127 139 151 164 181 201 224 252 266
Anteil 1,3 % 1,6 % 2,4 % 2,9 % 3,4 %
Einbürgerungen 1.290 3.969

Deutsche Staatsbürger mit ständigem Aufenthalt in der Schweiz nach Kanton (2009): Zürich 72'000 (5,5 %); Aargau 25'000 (4,1 %); Bern 24'000 (2,5 %); Thurgau 15'000 (6,3 %); Basel-Stadt 13'000 (6,8 %); Luzern 11'000 (3,0 %); Basel-Landschaft 10'000 (3,7 %).

Deutsche haben sich vor allem in Zürich und der weiteren Metropolregion angesiedelt. Bereits beim historischen Maximum deutscher Präsenz in der Schweiz im Jahre 1910 betrug die deutsche Bevölkerung in Zürich über 41'000 oder 22 % der Gesamtbevölkerung in der Stadt. Im Jahre 2009 belief sich die deutsche Bevölkerung in Zürich auf etwa 30'000 oder nahezu 8 %.[4]

Aufnahme und Rezeption in der Schweiz[Bearbeiten]

Seit 2007 nimmt die Schweizer Xenophobie gegenüber der deutschen Immigration (Deutschfeindlichkeit) zu.[5]

Während sich der Schweizer Widerstand gegen Einwanderung aus Südeuropa und Afrika vor allem durch Bedenken über Kriminalität und den durch eine grosse Zahl von mittellosen Einwanderern aus der Unterschicht auf die soziale Wohlfahrt gelegten Bürden äussert, hat die Ablehnung der Einwanderung aus Deutschland gegenteilige Motive. Dazu gehört insbesondere die Angst vor Lohndumping in der «Hochpreis-Insel» Schweiz durch qualifizierte Einwanderer auf dem Arbeitsmarkt sowie vor steigenden Preisen auf dem Immobilienmarkt aufgrund der höheren Nachfrage durch besser verdienende deutsche Einwanderer. Dagegen ist die deutsche Gemeinschaft im Hinblick auf Kriminalität von allen Gruppen diejenige mit der geringsten Verbrechensrate; sie beträgt sogar 40 % weniger als die Kriminalitätsrate unter Schweizer Staatsbürgern.[6]

Dennoch sind in Zürich deutsche Staatsangehörige die am viertmeisten abgelehnte Immigrantengruppe und folgen nur knapp den Einwanderern aus dem ehemaligen Jugoslawien (welche als eine einzelne Gruppe betrachtet werden), der türkischstämmigen Einwanderern und den Migranten aus der arabischen Welt.[7] Eine Ausländerpolitik, die solche Ängste aufnimmt und zwischen Schweizern und Migranten polarisiert, spielt insbesondere im Wahlkampf der SVP eine wichtige Rolle.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Offizielle demografische Daten des Schweizer Bundesamts für Statistik
  • Marc Helbling (2011): Why Swiss-Germans dislike Germans. Opposition to culturally similar and highly skilled immigrants. In: European Societies 13 (1): 5–27. (PDF)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marc Helbling (2011): Why Swiss-Germans dislike Germans. Opposition to culturally similar and highly skilled immigrants. In: European Societies 13 (1)
  2. Pro Tag werden 10 Deutsche eingebürgert, >Tages-Anzeiger 30. Mai 2010.
  3. Swissinfo 31. August 2007
  4. Die Zeit, Wie die Schweiz tickt (2009)
  5. Der Spiegel, Januar 2007; Schweizer Fernsehen, Oktober 2009.
  6. Neue Statistik: Tamilen sind krimineller als Ex-Jugoslawen, Tages-Anzeiger 12. September 2010.
  7. Ausmass und Gründe der Schweizer Ablehnung deutscher Zuzüger wurden untersucht in Helbling (2011), gestützt auf eine Erhebung bei 1'300 Schweizern aus Zürich (dem Hauptort aktueller deutscher Zuwanderung).