Gastarbeiter

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Dieser Artikel behandelt Gastarbeiter in Deutschland. Arbeitsmigration behandelt dieses Thema allgemein
Schulung italienischer Gastarbeiter, die im Bergbau eingesetzt werden sollen (Duisburg, 1962)

Der Begriff Gastarbeiter bezeichnet ursprünglich Mitglieder einer Personengruppe, denen aufgrund von Anwerbeabkommen zur Erzielung von Erwerbseinkommen ein zeitlich befristeter Aufenthalt in der Bundesrepublik oder der DDR gewährt wurde. Der Begriff wurde jedoch seit den 1960er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland auch nach faktischem Wegfall der zeitlichen Befristung ohne weitere Differenzierung als Bezeichnung für Arbeitsmigranten populär.

Begriff[Bearbeiten]

Begriffsdefinition[Bearbeiten]

Der Begriff Gastarbeiter bezeichnet Mitglieder einer Personengruppe, denen aufgrund von Anwerbeabkommen zur Erzielung von Erwerbseinkommen ein zeitlich befristeter Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland oder der DDR gewährt wurde.

Der Begriff Gastarbeiter umfasst im gewöhnlichen Sprachgebrauch nicht Arbeitnehmer, die aufgrund der Freizügigkeitsregelungen der EWG (Belgien, Frankreich, Niederlande) oder ohne besondere Vertragsgrundlage (Österreich, Schweiz, England, USA) in der BRD arbeiteten. Zahlenmäßig spielten diese Arbeitnehmer auch nur eine geringe Rolle gegenüber denen, die aufgrund von Anwerbeabkommen in die Bundesrepublik Deutschland eingereist sind. Populär wurde der Begriff Gastarbeiter Anfang der 1960 Jahre in der Bundesrepublik Deutschland für die in großer Zahl im Ausland angeworbenen Arbeitsmigranten.

Die folgenden Vereinbarungen wurden nach dem Muster des ersten deutsch-italienischen Anwerbeabkommens von 1955 getroffen:

Die wirtschaftliche Rezession der Jahre 1966/67 ließ die Anwerbung zurückgehen. Die Ölkrise 1973 und die damit verbundene Wirtschaftsflaute führten schließlich noch im selben Jahr zu einem völligen Anwerbestopp.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Auswärtiges Amt, Bonn 1960: Unterzeichnung eines Vertrages über Gastarbeiter zwischen der Bundesrepublik und Spanien
Gastarbeiter von Volkswagen in Wolfsburg, 1973

Der Begriff des Gastarbeiters tauchte bereits in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs als Bezeichnung für ausländische Zivilarbeiter auf, welche auf freiwilliger Basis gegen Entlohnung in der NS-Kriegswirtschaft tätig waren. Abzugrenzen ist dieser Begriff von dem Begriff der NS-Zwangsarbeiter (Kriegsgefangene und Häftlinge in Konzentrationslagern), welche ebenfalls in der NS-Kriegswirtschaft eingesetzt wurden.[1][2]

Trotz Kontinuitäten der Ausländerbeschäftigung[1] wurde der Begriff Gastarbeiter nach 1945 allgemein nicht mehr mit der Zeit des Nationalsozialismus in Verbindung gebracht. Nach Thomas Schiller sollte der Begriff des Gastarbeiters nach dem Zweiten Weltkrieg „den Arbeitsemigranten" vorbehalten bleiben, die ab dem Jahre 1955 freiwillig in die Bundesrepublik Deutschland kamen.[1]

Kritik am Begriff des Gastarbeiters[Bearbeiten]

Bereits Anfang der 1970er Jahre wurde der Begriff von einigen Soziologen als euphemistisch betrachtet.[3] Aufgrund ihrer Initiative veranstaltete der WDR 1972 ein Preisausschreiben zur Findung eines geeigneteren Wortes, zu dem 32.000 Vorschläge eingingen. Hiernach wurde zunächst der Begriff des „ausländischen Arbeitnehmers“ vermehrt benutzt. Später war in seriösen Publikationen von „Arbeitsmigranten“ die Rede. Die neuen Begriffe konnten sich aber nie richtig durchsetzen.[3] Der gewählte Begriff des Gastes im Wort Gastarbeiter sprach für sich, da man im Gastland Deutschland einen vorübergehenden Aufenthalt zur Leistung von Arbeit vorsah. Auf der anderen Seite verbietet es die Gastfreundschaft, seinen Gast arbeiten zu lassen. Die Widersprüchlichkeit und Ironie dieses Begriffs wurde auch im Bereich der modernen deutschsprachigen Gastarbeiterliteratur erkannt und instrumentalisiert. Anders als bei der Anwerbung von Arbeitern für Zechen während der Industrialisierung im Ruhrgebiet (Ruhrpolen) bestand weder die Absicht, den Menschen eine neue Heimat zu geben, noch hatten die Gastarbeiter die Absicht, sich dauerhaft eine neue Heimat in Deutschland zu suchen. Das von den Anwerbern erstrebte Rotationsprinzip stieß also in der Anfangsphase der Arbeitsmigration kaum auf Widerstand.

Entwicklung der Gastarbeiterimmigration[Bearbeiten]

Situation in der Bundesrepublik[Bearbeiten]

Im Jahr 1953 forderten südwestdeutsche Landwirte auf Grund eines Arbeitskräftemangels infolge der anhaltenden Landflucht die Hereinnahme von Ausländern zum Einsatz in der Landwirtschaft. Der Anstoß zu einer Vereinbarung, die Anwerbung von Italienern in die Bundesrepublik zu beginnen, kam jedoch noch im gleichen Herbst aus Italien.[4] Bernhard Ehmke, Bundesarbeitsministerium, umriss am 9. November 1954 in einer Besprechung die Lage mit den Worten: „Intensiver… Drang des Auslandes, in der deutschen Wirtschaft Arbeitskräfte unterzubringen. [Kein Ministerbesuch vergeht,] bei dem diese Frage nicht Punkt 1 ist.“ Er nannte besonders Italien und Spanien.[5] Nach einem Jahr italienischen Drängens, wobei die dortige hohe Arbeitslosigkeit die Hauptrolle spielte und innenpolitische Folgen bis hin zu kommunistischen Unruhen befürchtet wurden,[6] sowie hinhaltender Verhandlungsführung des Bundesarbeitsministeriums setzte ein Bündnis aus Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, Auswärtigem Amt und Bundesminister für besondere Aufgaben Franz Josef Strauß bei Adenauer durch, dass auf die italienischen Bitten einzugehen sei. Motive waren dabei für den Bundeswirtschaftsminister das Außenhandelsdefizit Italiens, das einen weiteren Absatz deutscher Güter in Italien bedrohte, für das Auswärtige Amt die Generallinie der Verbesserung der Beziehungen nach der zuletzt zwischen beiden Seiten konfliktreichen Kriegszeit und für Strauß die Furcht vor Forderungen nach Lohnerhöhungen seitens deutscher Gewerkschaften.[7] Der Bundesarbeitsminister Storch dagegen, so Heike Knortz, „hatte zwar in Anbetracht anhaltender Arbeitslosigkeit zunächst noch die öffentliche Meinung einschließlich der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaften hinter sich, unterlag aber schon bald dem vom Auswärtigen Amt bereits während der Verhandlungen mit Italien generierten Primat der Außenpolitik.“[8]

Am 22. Dezember 1955 wurde dann in Rom das erste Anwerbeabkommen geschlossen. Darin wurde vereinbart, dass die Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit in Italien gemeinsam mit der italienischen Arbeitsverwaltung Arbeitskräfte auswählen und anwerben solle.

In den folgenden Jahren wurden weitere Anwerbeabkommen zwischen der BRD und den Entsendeländern zum Ausgleich von deren Leistungsbilanzdefizit gegenüber der Bundesrepublik Deutschland geschlossen. Des Weiteren spielten auch außenpolitische Motive eine Rolle, so etwa beim Anwerbeabkommen mit der Türkei. Die Initiative ging hierbei von den Entsendeländern aus. Anton Sabel, Präsident der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung (Vorläufer der Bundesagentur für Arbeit), äußerte am 26. September 1960 gegenüber dem Arbeitsministerium, arbeitsmarktpolitisch sei eine Vereinbarung mit der Türkei in keiner Weise notwendig, allerdings könne er nicht beurteilen, „wie weit sich die Bundesrepublik einem etwaigen solchen Vorschlag der türkischen Regierung verschließen kann, da die Türkei ihre Aufnahme in die EWG beantragt hat und als NATO-Partner eine nicht unbedeutende politische Stellung einnimmt.“ [9]

In den 1960er Jahren erhielten die Gastarbeiter zumeist als un- oder angelernte Arbeiter einen Arbeitsplatz in der Industrie. Dabei arbeiteten sie vor allem in Bereichen, in denen schwere und schmutzige Arbeit verrichtet werden musste und wo das Schichtsystem, serielle Produktionsformen mit niedrigen Qualifikationsanforderungen (Fließbandarbeit) sowie der Akkordlohn den Arbeitsalltag bestimmten.[10] Für die Unternehmen als Nachfrager von Arbeitskräften hatte die Rekrutierung von Gastarbeitern finanzielle Vorteile, weil aus ihrer Perspektive deutsche Arbeiter dieselben Arbeitsplätze nur mit erheblichen Lohnzugeständnissen angenommen hätten. Im Umkehrschluss hatte die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften somit auch Einfluss auf das Lohnniveau von deutschen Anbietern von Arbeitskraft insbesondere im Niedriglohnbereich.[10] 1973, zur Zeit der Ölkrise, einigte sich der Deutsche Bundestag auf einen Anwerbestopp von Gastarbeitern. Mit dem umstrittenen Rückkehrhilfegesetz (RückHG) zur finanziellen Förderung der Rückkehrbereitschaft ausländischer Arbeitnehmer versuchte die Bundesregierung 1983/84 eine Entlastung des Arbeitsmarktes aufgrund zunehmender Arbeitslosigkeit zu erzielen.

Situation in der DDR[Bearbeiten]

Vietnamesische Gastarbeiterin im Berliner Stammbetrieb des Kombinates Automatisierungsanlagenbau (1989)

In der DDR nahmen die Vertragsarbeitnehmer eine ähnliche Rolle ein. 1989 waren 94.000 Vertragsarbeitnehmer in der DDR ansässig, zwei Drittel waren vietnamesischer Herkunft. Andere Herkunftsländer waren Kuba, Mosambik (siehe auch Madgermanes), Polen und Angola. Sie wurden zeitlich befristet bis zu fünf Jahren in DDR-Betrieben beschäftigt, teilweise auch ausgebildet. Die Arbeitnehmer wohnten in speziellen Wohnsiedlungen. Eine Integration dieser Arbeitskräfte in die DDR-Gesellschaft, welche häufig nur unzureichend Deutsch sprachen, war nicht angestrebt und fand nur in den seltensten Fällen statt.

Kontinuität des Anwerbestopps[Bearbeiten]

Im Jahre 1973 wurde ein Anwerbe-Stopp beschlossen. Dieser gilt seitdem formal weiter, wenn er auch durch verschiedene Sonderregeln wie Familiennachzug u. a. ergänzt und damit abgeschwächt wurde. Durch die Green-Card-Offensive der Jahre 2000 bis 2004 wurde der Anwerbe-Stopp vorübergehend auch formal außer Kraft gesetzt.

Situation in der Schweiz[Bearbeiten]

Gewisse Regionen der Schweiz beschäftigten schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts vorübergehend viele fremde Arbeitskräfte, insbesondere im Eisenbahnbau. Der Bau der vielen Bahntunnels der Schweiz – Gotthard, Lötschberg, auch kleinere wie der Rosenberg in St. Gallen – wären ohne die vielen vorwiegend italienischen Mineure und Bergarbeiter unmöglich gewesen. In der Zeit der Hochkonjunktur vor dem Beginn des Ersten Weltkriegs waren auch kaum einheimische Arbeitskräfte verfügbar und man konnte sie sich ja leisten. Mit dem Einbruch der Weltwirtschaftskrise änderte sich das rasch. Auch einheimische Arbeiter wurden arbeitslos und man suchte nach einer Möglichkeit, die Zuwanderung fremder Arbeiter und ihrer Familien zu begrenzen. Das sogenannte Saisonnierstatut von 1934 regelte, unter welchen Bedingungen ausländische Arbeitskräfte kurzfristig beschäftigt werden konnten. Dadurch, dass die Verträge nur für jeweils eine Saison abgeschlossen wurden, sollte sichergestellt werden, dass die Arbeiter danach wieder nach Hause fuhren. Dennoch zogen viele Arbeiter schließlich mitsamt ihren Familien in die Schweiz, was teilweise zu großen sozialen Problemen führte.

Wirkungsgeschichte[Bearbeiten]

Rezeption des Gastarbeiterbooms[Bearbeiten]

Bei der rückblickenden Bewertung des Gastarbeiterbooms in der noch jungen Bundesrepublik Deutschland wurden unterschiedliche Faktoren in den Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung genommen. Der Soziologe Friedrich Heckmann richtete beispielsweise den Blick auf Verschiebungen des sozialen Status sowie der Verbesserung der Qualifikation bei den deutschen Arbeitnehmern. Nach seiner Darstellung sei für deutsche Arbeitnehmer aufgrund der von Gastarbeitern besetzten Stellen, für die keine besonderen Qualifikationsanforderungen notwendig waren, der Aufstieg in qualifiziertere und beliebtere Positionen mit ermöglicht worden.[10] In letzter Zeit wurde kritisiert, dass nicht zuletzt die unkritische Zusammenarbeit von Sozialwissenschaftlern mit politischen Institutionen zu einem Opfer-Plot in der Geschichte der Arbeitsmigration geführt habe. In diesem Opfer-Plot würden die Migranten zu passiven Opfern stilisiert, ohne ihre Motive zu berücksichtigen. Das verhindere eine sachliche und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema.[11]

Nachkommen der Gastarbeiter[Bearbeiten]

In den 1970er Jahren führte der „Anwerbestopp“ (1973) sowie die Reduzierung von Kindergeld für nicht in Deutschland lebende Kinder (1975) zu einem verstärkten Nachzug von Familienangehörigen, wobei gleichzeitig weiterhin an der dem Rotationsmodell zugrunde liegenden Idee, nach der der Aufenthalt von Gastarbeitern nur für eine beschränkte Zeit erfolgen soll, festgehalten wurde. Da auf diesem Hintergrund das Thema einer Integrationspolitik von Seiten der Politik weitgehend ausgeklammert wurde, beschränkte sich die öffentliche Diskussion vornehmlich auf arbeitsmarktpolitische und verteilungspolitische Gesichtspunkte.[12] Ungeachtet dieser Situation transformierte sich die in den 1950er Jahren amtlich organisierte Arbeitswanderung gegen Ende der 1970er Jahre real zu einer „Einwanderungssituation“.[13][14] Um die Wende zum 21. Jahrhundert bildete die Gruppe der ehemaligen Gastarbeiter und ihrer Nachkommen den größten Teil der Bürger mit Migrationshintergrund in Deutschland.[15] Weil es sich bei dieser Gruppe angesichts der historischen Entwicklung in Deutschland faktisch nicht um „Gastarbeiter“, „Gastarbeiterkinder“ oder „Gastarbeiterfamilien“ handelt, werden diese Begriffe heute – insbesondere in der Fachliteratur – häufig in Anführungsstriche gesetzt.[16][17][18]

Das Rotationsmodell, das „offiziell und offen“ ohnehin zu keinem Zeitpunkt praktiziert wurde, spielte gegen Ende der 1970er Jahre zunächst keine Rolle mehr; stattdessen setzte eine kontrovers geführte Diskussion um die endgültige Rückkehr der ursprünglich Angeworbenen in ihre Heimatländer ein.[19] Einerseits blieb allgemein für die Gastarbeiterfamilien die Haltung zum Aufnahmestaat ambivalent;[20] andererseits führte der wahrgenommene Wandel in den ehemaligen Heimatländern zur Erfahrung von Fremdheit in diesen Familien.[21] Die Nachkommen der Gastarbeiter sind in Deutschland zudem einem erhöhten Druck zur „Anpassung“ ausgesetzt, der sich unter anderem in der Forderung niederschlägt, dass Kinder noch vor der Einschulung über gute Deutschkenntnisse verfügen sollen.[22] Derartige Forderungen und Diskussionen sind auf erkannte Probleme und Schwierigkeiten zurückzuführen, die mit den nachfolgenden Generationen verbunden sind. Eine Reihe dieser wahrgenommenen Probleme werden bis in die Gegenwart genauer analysiert und diskutiert. Ansätze zur Lösung sind insbesondere die Förderung bei der schulischen Ausbildung[23] sowie eine von allen in Deutschland lebenden Bürgern praktizierte distanzierte Reflexion von kulturellen Prägungen.[24][25]

Kritik an der Vorgehensweise der Politik[Bearbeiten]

Heike Knortz wies im Abschluss ihrer Archivstudie auf den Mangel an Diskussion und Transparenz während der politischen Anbahnung der Gastarbeiter-Anwerbung und auf deren politische Folgen hin:

"Auch wenn die frühe Bundesrepublik bis zum Regierungsantritt der sozial-liberalen Koalition, die ausdrücklich „mehr Demokratie wagen“ wollte, noch keine wirklich liberale Zivilgesellschaft hervorgebracht hatte, ist der gesellschaftliche Konsens von den politischen Akteuren nicht nur nicht gesucht, vielmehr noch nicht einmal angedacht worden. Einer unter diesen Rahmenbedingungen formulierten Außenpolitik fehlte deshalb neben dem kabinettsinternen überhaupt jegliches kritische Gegengewicht. Es ist aus den Akten auch nicht zu erkennen, dass die westdeutsche Presse diese Lücke ausfüllte, scheinen doch die schweizerischen Zeitungen regelmäßig als einzige über die außenpolitischen Motive der bundesdeutschen Anwerbeabkommen informiert zu haben. Damit hatte die Politik die zumindest teilweise aus außenpolitischer Rücksichtnahme Zuwandernden auch einer relativ unvorbereiteten Öffentlichkeit überlassen… Immerhin dachten zunächst alle Akteure, also auch Abgabeländer und Migranten selbst, nur an einen vorläufigen Aufenthalt in der Bundesrepublik. Als die Realität diese Annahme überholt hatte, entzog sich das diesen Politikbereich bis dahin immer für sich beanspruchende Auswärtige Amt seiner Verantwortung, indem es nun bekannte, die aus der Arbeitsmigration resultierenden Probleme alleine nicht mehr kontrollieren zu können – ohne allerdings auf den Abschluss weiterer Anwerbeabkommen verzichten zu wollen."[26]

Zitat[Bearbeiten]

„Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kamen Menschen.“

Max Frisch: Überfremdung. In: Öffentlichkeit als Partner. edition suhrkamp 209, zitiert in Stich-Worte. Ausgesucht von Uwe Johnson. Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main, 1975, S. 189.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aytaç Eryilmaz, Cordula Lissner (Hg.): Geteilte Heimat. 50 Jahre Migration aus der Türkei. Klartext Verlag, Essen 2011, ISBN 978-3-8375-0640-2.
  • Aytaç Eryilmaz, Mathilde Jamin (Hg.): Fremde Heimat – eine Geschichte der Einwanderung aus der Türkei. Klartext, Essen 1998, ISBN 3-88474-653-7 (deutsch und türkisch).
  • Ulrich Herbert: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47477-2.
  • Karin Hunn: „Nächstes Jahr kehren wir zurück…“. Die Geschichte der türkischen „Gastarbeiter“ in der Bundesrepublik. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-945-7.
  • Heike Knortz: Diplomatische Tauschgeschäfte. “Gastarbeiter” in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953–1973. Böhlau, Köln 2008, ISBN 978-3-412-20074-9.
  • Hedwig Richter u. Ralf Richter: Die Gastarbeiter-Welt. Leben zwischen Palermo und Wolfsburg. Schöningh 2012.
  • Hedwig Richter, Ralf Richter: Der Opfer-Plot. Probleme und neue Felder der deutschen Arbeitsmigrationsforschung. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Nr. 1, Oldenbourg, München 2009, ISSN 0042-5702 S. 61–97.
  • Johannes-Dieter Steinert: Migration und Politik. Westdeutschland – Europa – Übersee 1945–1961, sec Kommunikation und Gestaltung, Osnabrück 1995, ISBN 3-929979-14-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gastarbeiter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Gastarbeiter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Thomas Schiller: NS-Propaganda für den Arbeitseinsatz. LIT Verlag, Hamburg 1997, ISBN 3-8258-3411-5, S. 6. Google-Books (Quellen: BA R 41/263 ff.; Dieter Galinski, Wolf Schmidt: Die Kriegsjahre in Deutschland 1939 bis 1945. Hamburg 1985, S. 79.)
  2. Ein frühes Beispiel des Begriffs im NS-Propagandaheft: EUROPA arbeitet in Deutschland: Sauckel mobilisiert die Leistungsreserven, von Dr. Friedrich Didier, Zentralverlag der NSDAP, Berlin 1943, S. 63, Titel des Kapitels: „Gastarbeiter schaffen für Gastarbeiter“.
  3. a b Marianne Krüger-Potratz: Interkulturelle Bildung. Eine Einführung. Münster u. a. 2005, ISBN 3-8309-1484-9, S. 191 f.
  4. Deutschlandfunk, Das Kalenderblatt vom 20. Dezember 2005
  5. Steinert, Johannes-Dieter: Migration und Politik. Westdeutschland – Europa – Übersee 1945–1961, Osnabrück 1995, S.278
  6. Heike Knortz: Diplomatische Tauschgeschäfte. „Gastarbeiter“ in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953–1973. Böhlau Verlag, Köln 2008, S.72
  7. Heike Knortz: Diplomatische Tauschgeschäfte. „Gastarbeiter“ in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953–1973. Böhlau Verlag, Köln 2008, S. 68–75
  8. Heike Knortz: Diplomatische Tauschgeschäfte. „Gastarbeiter“ in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953–1973. Böhlau Verlag, Köln 2008, S.74
  9. Steinert, Johannes-Dieter: Migration und Politik. Westdeutschland – Europa – Übersee 1945–1961, Osnabrück 1995, S.307. Neuerdings auch Heike Knortz: Diplomatische Tauschgeschäfte. „Gastarbeiter“ in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953–1973. Böhlau Verlag, Köln 2008, S. 74 ff.
  10. a b c Herbert Ulrich: Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland. Saisonarbeiter, Zwangsarbeiter, Gastarbeiter, Flüchtlinge. München 2001, ISBN 3-406-47477-2, S. 213. Google-Books
  11. Hedwig Richter, Ralf Richter: Der Opfer-Plot. Probleme und neue Felder der deutschen Arbeitsmigrationsforschung, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1 (2009), 61-97.
  12. Georg Hansen, Martin Spetsmann-Kunkel: Integration und Segregation. Ein Spannungsverhältnis. Münster u. a. 2008, ISBN 978-3-8309-1999-5, S. 107 f.
  13. Josef Ehmer: Bevölkerungsgeschichte und historische Demographie 1800–2000. München/Oldenbourg 2004, ISBN 3-486-55733-5, S.32 f.
  14. Annette Treibel: Migration in modernen Gesellschaften. soziale Folgen von Einwanderung, Gastarbeit und Flucht. 3. Aufl., Weinheim/München 2003, ISBN 3-7799-0399-7, S. 56.
  15. Frank Kalter (Hrsg.): Migration und Integration. Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15068-0, S. 472.
  16. Harald Ermisch: Minderheitenschutz ins Grundgesetz? Münster/Hamburg/London 2000, ISBN 3-8258-4740-3, S. 3.
  17. Ulrich Rosar: Ethnozentrismus in Deutschland. Eine Komparative Analyse 1980 bis 1996. Wiesbaden 2001, ISBN 3-531-13654-2, S. 133
  18. Stefan Hradil: Die Sozialstruktur Deutschlands im internationalen Vergleich. 2. Aufl. Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14939-3, S. 56.
  19. Annette Treibel: Migration in modernen Gesellschaften. Soziale Folgen von Einwanderung, Gastarbeit und Flucht. 3. Aufl., Weinheim/München 2003, S. 58.
  20. Christine Langenfeld: Integration und kulturelle Identität zugewanderter Minderheiten. Eine Untersuchung am Beispiel des allgemeinbildenden Schulwesens in der Bundesrepublik Deutschland. Tübingen 2001, ISBN 3-16-147579-8, S. 273.
  21. Hasiybe Yölek: Die Förderung der Muttersprache von Immigranten. Am Beispiel türkischer Nachmittagsschulen. Marburg 2000, ISBN 3-8288-8206-4, S. 25.
  22. Vera King, Hans-Christoph Koller (Hrsg.): Adoleszenz, Migration, Bildung. Bildungsprozesse Jugendlicher und junger Erwachsener mit Migrationshintergrund. Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-14950-4, S. 258.
  23. Björn Schröder: Probleme bei der gesellschaftlichen Integration türkischer und italienischer Gastarbeiterfamilien in der Bundesrepublik. GRIN Verlag, München 2007, ISBN 3-638-69502-6, S. 10.
  24. Annemarie Fritz (Hrsg.): Handbuch Kindheit und Schule. Neue Kindheit, neues Lernen, neuer Unterricht. Weinheim/Basel 2006, ISBN 3-407-25418-0, S. 156.
  25. vgl. auch Sabine Mannitz: Die verkannte Integration. Eine Langzeitstudie unter Heranwachsenden aus Immigrantenfamilien. Bielefeld 2006, ISBN 3-89942-507-3, S. 9 ff.
  26. Heike Knortz: Diplomatische Tauschgeschäfte. „Gastarbeiter“ in der westdeutschen Diplomatie und Beschäftigungspolitik 1953–1973. Böhlau Verlag, Köln 2008, S.225