Eleftherios Venizelos

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Elefthérios Venizélos (1864-1936), Griechischer Politiker und Premierminister

Eleftherios Venizelos (griechisch Ελευθέριος Βενιζέλος, * 11. Augustjul./ 23. August 1864greg. in Mournies bei Chania auf Kreta; † 18. März 1936 in Paris) war Politiker und Premierminister in Griechenland.

Leben[Bearbeiten]

Kretische Anfänge und der Eintritt in die griechische Politik[Bearbeiten]

Venizelos stammte aus einer einfachen kretischen Familie. Ab 1888 war er einer der wichtigsten Aktivisten für einen Anschluss der Insel an Griechenland (Enosis-Bewegung). Im Türkisch-Griechischen Krieg 1897 gehörte er zu den Anführern auf griechischer Seite. Der Krieg verlief für Griechenland zwar erfolglos, aber auf Druck der internationalen Großmächte musste das Osmanische Reich Kreta eine begrenzte Autonomie gewähren.

Bis am 9. Dezember 1898 Prinz Georg von Griechenland als Generalgouverneur auf die Insel kam, übernahm ein kretisches Exekutivkomitee unter Beteiligung Eleftherios Venizelos die Verwaltung. Danach war er 1901 Justizminister der ersten kretischen Regierung. Im Streit um eine zukünftige Zugehörigkeit Kretas zu Griechenland entlassen, setzte Venizelos sich an die Spitze der Opposition, die offen eine Vereinigung Kretas mit dem griechischen Festland forderte. 1905 stürzte Venizelos mit der einseitigen Proklamation dieses Anschlusses den Prinzen. Am 6. Oktober 1908 proklamierte Venizelos erneut den Anschluss an Griechenland.

Als 1909 ein Aufstand in Mazedonien Griechenland erschütterte, holte die Militärregierung Venizelos zunächst als Berater nach Athen. Er gründete 1910 die fortschrittsorientierte „Liberale Partei“, die bei Wahlen im gleichen Jahr die Mehrheit erhielt, worauf Venizelos zum Premierminister gewählt wurde. Im November 1913 erlebte er die Umsetzung seines Ziels, die Union Kretas mit Griechenland.

Die Megali Idea: Die Balkankriege und das kleinasiatische Engagement[Bearbeiten]

Die außenpolitischen Erfolge im Zuge der Balkankriege 1913 mit dem Anschluss Kretas an Griechenland und Verdoppelung des festländischen Staatsgebietes ließen ihn zu einem Verfechter der Megali Idea werden, der Idee eines Groß-Griechenlands unter Einschluss Konstantinopels und der kleinasiatischen Westküste. An der Seite der Entente versuchte er dieses Ziel im Ersten Weltkrieg zu erreichen. Venizelos’ Bündnis mit Serbien und sein Mobilisierungsbefehl, nachdem das verbündete Bulgarien in den Krieg eingetreten war, brachte ihn in Konflikt mit König Konstantin I. Im Oktober 1916 installierte Venizelos, nachdem er durch eine Wahl bestätigt, vom König aber entlassen worden war, eine republikanische Gegenregierung im nordgriechischen Thessaloniki; schon zuvor waren britische und französische Truppen in Thessaloniki gelandet, um die Mittelmächte an ihrer südöstlichen Front unter Druck zu setzen.[1] 1917 wirkte Venizelos an der Vertreibung des Königs durch die Entente-Mächte mit und erklärte anschließend den Mittelmächten den Krieg. Innenpolitisch setzte er als Ministerpräsident Reformen in nahezu allen Zweigen der staatlichen Verwaltung durch, darunter eine feste Beamtenbesoldung, die Schulpflicht und eine Neuorganisation des Militärs, die freilich zugleich einer ,Säuberung‘ der Streitkräfte – wie auch der politischen Führung – von den Anhängern Konstantins gleichkam.[2]

Venizelos auf der Pariser Konferenz (links außen) während der Unterzeichnung des Versailler Friedensvertrags durch den Reichsverkehrsminister Johannes Bell; am Tisch gegenüber (v.l.n.r.) Woodrow Wilson, Georges Clemenceau und David Lloyd George.

Auf den Pariser Vorort-Konferenzen 1919 und 1920 schien Venizelos eine bedeutende Erweiterung des Staatsgebietes erreicht zu haben – darunter Ostthrakien und eine Schutzzone um das kleinasiatische Smyrna, die auszudehnen man in der Folge bemüht war. Das Mandat für die Errichtung einer griechischen Zone um Smyrna (gr. Ζώνη Σμύρνης) war Venizelos gleichwohl schon im Mai 1919 noch vor Vertragsabschluss von den Vertretern Großbritanniens, der Vereinigten Staaten und Frankreichs erteilt worden, die die Errichtung einer umfänglichen italienischen Schutzzone im Südwesten der kleinasiatischen Halbinsel, unter Einschluss ebenso Antalyas wie Smyrnas, verhindern wollten.[3] Doch der daraufhin begonnene Griechisch-Türkische Krieg (1919–1922) endete in der „kleinasiatischen Katastrophe“. Nachdem bei den Wahlen des Jahres 1920 die konservative Opposition gewann, verließ Venizelos – zehn Jahre nach seiner ersten Wahl zum Premierminister und mitten in der Auseinandersetzung mit einer erstarkenden Türkei unter Mustafa Kemal – das Land und zog sich nach Paris zurück, während Konstantin nach Griechenland zurückkehrte. Der kleinasiatische Feldzug, den seine Nachfolger fortsetzten, endete mit dem Verlust der im Vertrag von Sèvres gewonnenen ostthrakischen und kleinasiatischen Provinzen und der Entwurzelung der dort und im übrigen Kleinasien ansässigen Griechen.

Eleftherios Venizelos in Berlin (1929)

Die letzte Amtszeit[Bearbeiten]

Nach seiner Zeit im Exil kehrte Venizelos zu einer letzten Amtszeit von 1928 bis 1933 wieder in die Politik zurück, hatte einen großen Anteil an der Integration der Flüchtlinge aus der Türkei und bemühte sich außenpolitisch um gute Beziehungen zu allen Nachbarn. 1933 trat er wegen der schlechten Wirtschaftslage und der starken royalistischen Strömungen zurück. Mehrere Attentatsversuche auf Venizelos scheiterten. 1935 ging er erneut ins Exil nach Frankreich, wo er ein Jahr später starb.

Seine Grabstätte (35° 31′ 29″ N, 24° 3′ 22″ O35.52472222222224.056111111111) befindet sich auf der Insel Kreta (Profitis Ilias, Anhöhe im nordöstlichen Stadtgebiet von Chania, an der Grenze zur Halbinsel Akrotiri). Der neue Flughafen Athen trägt ebenso seinen Namen, wie viele Straßen und Plätze sowie die El. Venizelos, eine der größten auf dem Mittelmeer verkehrende Fähren. Abbildungen Venizelos’ befanden und befinden sich in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, wie z. B. auf der Rückseite der griechischen 50-Cent-Münze.

Einer seiner Söhne war der griechische Politiker und Ministerpräsident Sophoklis Venizelos.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Llewellyn Smith, Ionian Vision, S. 57.
  2. Llewellyn Smith, Ionian Vision, S. 58–61.
  3. Llewellyn Smith, Ionian Vision, S. 77 ff.

Literatur[Bearbeiten]

Eleftherios Venizelos auf der Rückseite der griechischen 50-Cent-Münze
  • Michael Llewellyn Smith: Ionian Vision. Greece in Asia Minor 1919–1922. London (Hurst & Company) 1998. ISBN 978-1-85065-368-4
  • Paschalis M. Kitromilides (Hrsg.): Eleftherios Venizelos: The Trials of Statesmanship. Edinburgh 2006. ISBN 978-0-7486-3364-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eleftherios Venizelos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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