Elektrizitätswerke Schönau

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Elektrizitätswerke Schönau
EWS Schönau
Rechtsform GmbH
Gründung 1994
Sitz Schönau im Schwarzwald
Leitung Ursula Sladek, Martin Halm
Mitarbeiter 36 (2010)
Umsatz etwa 38 Mio. Euro (2008)
Produkte Verteilnetzbetreiber, bundesweiter Stromvertrieb,

Konzession für Gasvertrieb in Baden-Württemberg, Bayern und Bremen

Website www.ews-schoenau.de

Die Elektrizitätswerke Schönau GmbH ist ein Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Schönau im Schwarzwald. Das Unternehmen, das aus der Anti-AKW-Bewegung hervorgegangen ist, betreibt das örtliche Stromnetz und vertreibt in ganz Deutschland Ökostrom, wobei es für eine klimafreundliche und atomstromlose Energieversorgung eintritt. Seit Oktober 2009 hat EWS in Baden-Württemberg, Bayern und Bremen auch die Konzession für den Vertrieb von Gas.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Eigentümer

Alleiniger Eigentümer der Elektrizitätswerke Schönau war bis Ende 2009 die Netzkauf GbR mit 650 Gesellschaftern aus Schönau im Schwarzwald und dem Bundesgebiet, die 1991 gegründet wurde, um das Stromnetz in Schönau im Schwarzwald zu erwerben. Ende November 2009 wurden die Gesellschafteranteile in eine eingetragene Genossenschaft namens Netzkauf EWS eG überführt.[1]

[Bearbeiten] Geschäftsfelder

[Bearbeiten] Netzbetrieb

Die Elektrizitätswerke Schönau betreiben seit 1997 das elektrische Ortsnetz der Stadt Schönau im Schwarzwald. Dabei hat sich das Unternehmen zur Einhaltung folgender Leitlinien verpflichtet:

[Bearbeiten] Stromhandel

Zum Zeitpunkt der Liberalisierung des Stromhandels 1999 begannen die EWS, bundesweit Ökostrom anzubieten. Ihr damaliger Kundenstamm bestand aus den 1.700 Haushalten im eigenen Schönauer Netzgebiet.

Das Unternehmen sticht hervor durch seine drei wichtigsten Eigenschaften: atomstromlos, klimafreundlich und bürgereigen. Im September 2011 wurden 120.000 Kunden mit Strom beliefert[2]. Rein statistisch gesehen, stehen hinter jedem Stromzähler durchschnittlich 2,3 Menschen, so dass die Elektrizitätswerke Schönau jetzt schätzungsweise rund 276.000 Menschen mit elektrischer Energie versorgen.

Der Strom der Elektrizitätswerke Schönau stammt aus Wasserkraft (Neuanlagen) und hocheffizienten klimaschonenden Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, die alle keinerlei Kapitalbeteiligung von Atomkraftwerksbetreibern oder deren Tochterunternehmen haben. Dies wird jährlich von TÜV Nord geprüft und zertifiziert.

[Bearbeiten] Energieträgermix

Information zum Strommix gemäß § 42 Energiewirtschaftsgesetz vom 7. Juli 2005, geändert 2011:

  Bundesweiter
Durchschnitt – Stand 2010
Elektrizitätswerke Schönau – Stand 2010[3]
Atomenergie 24,5 % 0
Kohle, Öl 42,5 % 0
Erdgas* + Sonstige 15 % 0,4 %
(2009: 4,1 %; 2008: 9,1 %; 2007: 6,7 %; 2006: 11,8 %; 2005: 20,5 %)
(* gasbetriebene, hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung)
Erneuerbare Energieträger 18,0 % 99,6 %
(79,8 % Wasserkraft vor allem aus Neuanlagen und 19,8 % EEG-Anteil)
(2009: 95,9%; 2008: 90,9 %; 2007: 93,3 %; 2006: 88,2 %; 2005: 79,5 %)
Radioaktiver Abfall (µg/kWh) 700 0
CO2-Emissionen (g/kWh) 494 1,0
(2009: 10,5; 2008: 23; 2007: 17,3; 2006: 30; 2005: 53)

[Bearbeiten] EWS-Förderprogramm

Durch das Förderprogramm Sonnencent mit einem im Stromtarif enthaltenen Förderbeitrag für ökologische Stromerzeugungsanlagen sind bisher 1.750 Solarenergie-, Kraft-Wärme-Kopplungs-, Wasserkraft- und Biogasanlagen (Stand Januar 2011) in Bürgerhand entstanden.[4]

[Bearbeiten] Gashandel

Die EWS haben die Konzession zur Lieferung von Haushaltsgas an Kunden in Baden-Württemberg, Bremen und in Bayern. Im September 2011 wurden 7.000 Kunden mit Gas versorgt.[5]

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Entstehung

Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) sind aus einer Bürgerinitiative hervorgegangen, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 selbst aktiv eine ökologische Energieversorgung realisieren wollte.[6] Anfangs wurden Energiesparwettbewerbe und Informationsveranstaltungen vor Ort organisiert und eine Tschernobyl-Kinderhilfe aufgebaut. Die Mitglieder der Bürgerbewegung hielten Stromsparberatungen ab, veröffentlichten Energiespartipps, schrieben Stromsparwettbewerbe aus, reaktivierten kleine Wasserkraftanlagen und unterstützten Kraft-Wärme-Kopplungs-Projekte. Die Kabarettgruppe der Energie-Initiative Wattkiller ging in der Region auf Tournee. Die Schönauer Energieinitiativen (Eltern für atomfreie Zukunft, Netzkauf, Förderverein umweltfreundliche Stromerzeugung und Stromverteilung, Kraft-Wärme Schönau und Elektrizitätswerke Schönau) wurden in der Presse unter dem Namen Stromrebellen bekannt.[7]

[Bearbeiten] Die Übernahme des Stromnetzes

Da der damalige Strommonopolist Kraftübertragungswerke Rheinfelden (heute Energiedienst) sich nicht an den ökologischen Ideen beteiligen wollte, beschlossen die Bürger den auslaufenden Konzessionsvertrag der Stadt Schönau im Schwarzwald zu nutzen und selbst dem Gemeinderat ein Angebot vorzulegen. Als dieser ablehnte, wurde ein Bürgerentscheid (1991) zur Übernahme des Stromnetzes beantragt, den die Bürgerinitiative für sich gewinnen konnte.

Ein 1996 von der Gegenseite eingereichtes Bürgerbegehren wurde mit Unterstützung von zahlreichen Bürgerinitiativen, Fachleuten und Prominenten abgewiesen. Der Kauf des Stromnetzes wurde durch das Engagement von 750 Privatpersonen und die bundesweite Spendenkampagne Ich bin ein Störfall realisiert.

[Bearbeiten] Anti-Atom-Kampagne

Im Zuge der Debatte um den Atomausstieg initiierten die Elektrizitätswerke Schönau im Juli 2009 unterstützt von zahlreichen Umweltverbänden und Bürgerinitiativen die Aktion „Wrack ab!“.[8]

[Bearbeiten] Auszeichnungen

Die Arbeit der Schönauer Energieinitiativen wurde mit zahlreichen Preisen bedacht:

Die Mitbegründer der Schönauer Energieinitiativen Ursula und Michael Sladek wurden 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

[Bearbeiten] Film

2008 erschien der Film Das Schönauer Gefühl, produziert vom Förderverein für umweltfreundliche Stromverteilung und Energieerzeugung Schönau im Schwarzwald e.V. (FuSS e.V.). Der Film beschäftigt sich mit der Geschichte der Schönauer Initiative.

[Bearbeiten] Literatur

  • Patrick Graichen: Kommunale Energiepolitik und die Umweltbewegung – Eine Public-Choice-Analyse der »Stromrebellen« von Schönau. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 2003, ISBN 3-593-37352-1.
  • Hartmut Graßl: Wetterwende – Vision: Globaler Klimaschutz - „Die Stromrebellen von Schönau“. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 1999, ISBN 3-593-36035-7, S. 152 f.
  • Bernward Janzing: Baden unter Strom. doldverlag, Vöhrenbach 2002, ISBN 3-927-67727-2, S. 272 f.
  • Bernward Janzing (Hrsg.): Störfall mit Charme. doldverlag, Vöhrenbach 2008, ISBN 3-927677-56-6.
  • Stephan Rotthaus: Grüne Geldanlagen. Falken-Verlag, Niedernhausen/Taunus 2001, ISBN 3-806-82772-9.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

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