Elektrizitätswerke Schönau

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Elektrizitätswerke Schönau
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Rechtsform GmbH
Gründung 1994
Sitz Schönau im Schwarzwald
Leitung Ursula Sladek, Martin Halm
Mitarbeiter 93 (2012)[1]
Umsatz etwa 38 Mio. Euro (2008)
Produkte Verteilnetzbetreiber, bundesweiter Stromvertrieb,

Konzession für Gasvertrieb in Baden-Württemberg, Bayern und BremenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte

Website www.ews-schoenau.de

Die Elektrizitätswerke Schönau GmbH sind ein Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Schönau im Schwarzwald. Das Unternehmen, das aus der Anti-AKW-Bewegung hervorgegangen ist, betreibt das örtliche Stromnetz und vertreibt in ganz Deutschland Ökostrom, wobei es für eine klimafreundliche und atomstromlose Energieversorgung eintritt.

Eigentümer[Bearbeiten]

Alleiniger Eigentümer der Elektrizitätswerke Schönau war bis Ende 2009 die Netzkauf GbR mit 650 Gesellschaftern aus Schönau im Schwarzwald und dem Bundesgebiet, die 1991 gegründet wurde, um das Stromnetz in Schönau im Schwarzwald zu erwerben. Ende November 2009 wurden die Gesellschafteranteile in eine eingetragene Genossenschaft namens Netzkauf EWS eG überführt.[2] Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder wuchs bis Ende 2012 auf 2700.[3]

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Netzbetrieb[Bearbeiten]

Die Elektrizitätswerke Schönau betreiben seit 1997 das elektrische Ortsnetz der Stadt Schönau im Schwarzwald. Dabei hat sich das Unternehmen zur Einhaltung folgender Leitlinien verpflichtet:

Stromhandel[Bearbeiten]

Zum Zeitpunkt der Liberalisierung des Stromhandels 1999 begannen die EWS, bundesweit Ökostrom anzubieten. Ihr damaliger Kundenstamm bestand aus den 1.700 Haushalten im eigenen Schönauer Netzgebiet.

Der Strom der Elektrizitätswerke Schönau stammt aus Wasserkraft (Neuanlagen, die bei Versorgungsaufnahme nicht älter als sechs Jahre sind) und hocheffizienten klimaschonenden Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, die alle keinerlei Kapitalbeteiligung von Atomkraftwerksbetreibern oder deren Tochterunternehmen haben. Dies wird jährlich von TÜV Nord geprüft und zertifiziert.

Energieträgermix[Bearbeiten]

Information zum Strommix gemäß § 42 Energiewirtschaftsgesetz vom 7. Juli 2005, geändert 2011:

  Bundesweiter
Durchschnitt – Stand 2010
Elektrizitätswerke Schönau – Stand 2010[4]
Atomenergie 24,5 % 0
Erdgas* + Sonstige 15 % 0,4 % (* gasbetriebene Kraft-Wärme-Kopplung)
Erneuerbare Energieträger 18,0 % 99,6 % (79,8 % Wasserkraft vor allem aus Neuanlagen und 19,8 % EEG-Anteil)
Kohle, Öl 42,5 % 0
CO2-Emissionen (g/kWh) 494 1,0
Radioaktiver Abfall (µg/kWh) 700 0

EWS-Förderprogramm[Bearbeiten]

Durch das Förderprogramm Sonnencent mit einem im Stromtarif enthaltenen Förderbeitrag für ökologische Stromerzeugungsanlagen sind bisher 1.750 Solarenergie-, Kraft-Wärme-Kopplungs-, Wasserkraft- und Biogasanlagen (Stand Januar 2011) in Bürgerhand entstanden.[5]

Kundenzahlen[Bearbeiten]

  • 30. August 2001: mehr als 15.000 [6]
  • 26. Februar 2003: 18.000 [7]
  • 5. März 2004: ca. 23.000 [8]
  • 15. Juli 2005: ca. 30.000 [9]
  • 14. Juni 2006: 35.000 [10]
  • 1. Juli 2007: 50.000 [11]
  • 29. September 2008: rund 75.000 [12]
  • 1. Juli 2009: etwa 85.000 [13]
  • 12. Dezember 2010: 100.000 [14]
  • 10. Februar 2012: mehr als 125.000 [15]
  • 30. April 2012: mehr als 130.000 [16]
  • September 2012: mehr als 135.000 [17]

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) sind unter Beteiligung von Michael und Ursula Sladek aus einer Bürgerinitiative hervorgegangen, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vom 26. April 1986 selbst aktiv eine ökologische Energieversorgung realisieren wollte.[18] Anfangs wurden Energiesparwettbewerbe und Informationsveranstaltungen vor Ort organisiert und eine Tschernobyl-Kinderhilfe aufgebaut. Die Mitglieder der Bürgerbewegung hielten Stromsparberatungen ab, veröffentlichten Energiespartipps, schrieben Stromsparwettbewerbe aus, reaktivierten kleine Wasserkraftanlagen und unterstützten Kraft-Wärme-Kopplungs-Projekte. Die Kabarettgruppe der Energie-Initiative Wattkiller ging in der Region auf Tournee. Die Schönauer Energieinitiativen (Eltern für atomfreie Zukunft, Netzkauf, Förderverein umweltfreundliche Stromerzeugung und Stromverteilung, Kraft-Wärme Schönau und Elektrizitätswerke Schönau) wurden in der Presse unter dem Namen Stromrebellen bekannt.[19]

Die Übernahme des Stromnetzes[Bearbeiten]

Da der damalige Strommonopolist Kraftübertragungswerke Rheinfelden (heute Energiedienst) sich nicht an den ökologischen Ideen beteiligen wollte, beschlossen die Bürger, den auslaufenden Konzessionsvertrag der Stadt Schönau im Schwarzwald zu nutzen und selbst dem Gemeinderat ein Angebot vorzulegen. Als dieser ablehnte, wurde ein Bürgerentscheid (1991) zur Übernahme des Stromnetzes beantragt, den die Bürgerinitiative für sich gewinnen konnte.

Ein 1996 von der Gegenseite eingereichtes Bürgerbegehren wurde mit Unterstützung von zahlreichen Bürgerinitiativen, Fachleuten und Prominenten abgewiesen. Der Kauf des Stromnetzes wurde durch das Engagement von 750 Privatpersonen und die bundesweite Spendenkampagne Ich bin ein Störfall realisiert.

Anti-Atom-Kampagne[Bearbeiten]

Im Zuge der Debatte um den Atomausstieg initiierten die Elektrizitätswerke Schönau im Juli 2009 unterstützt von zahlreichen Umweltverbänden und Bürgerinitiativen die Aktion „Wrack ab!“.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Arbeit der Schönauer Energieinitiativen wurde mit zahlreichen Preisen bedacht:

Die Mitbegründer der Schönauer Energieinitiativen Ursula und Michael Sladek wurden 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Von der Stiftung Warentest wurde EWS Schönau als einer von vier unabhängigen Ökostromanbietern in Deutschland bezeichnet, das Ergebnis der Untersuchung wurde im Februar 2012 veröffentlicht.[30] Im Ökotest-Vergleich der Ökostromtarife schneidet der EWS-Strom im Mai 2011 mit einem der Spitzenplätze ab (1. Rang).[31]

Film[Bearbeiten]

2008 erschien der Film Das Schönauer Gefühl [32], produziert vom Förderverein für umweltfreundliche Stromverteilung und Energieerzeugung Schönau im Schwarzwald e.V. (FuSS e.V.). Der Film beschäftigt sich mit der Geschichte der Schönauer Initiative.

Literatur[Bearbeiten]

  • Patrick Graichen: Kommunale Energiepolitik und die Umweltbewegung – Eine Public-Choice-Analyse der »Stromrebellen« von Schönau. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 2003, ISBN 3-593-37352-1.
  • Hartmut Graßl: Wetterwende – Vision: Globaler Klimaschutz - „Die Stromrebellen von Schönau“. Campus-Verlag, Frankfurt/New York 1999, ISBN 3-593-36035-7, S. 152 f.
  • Bernward Janzing: Baden unter Strom. doldverlag, Vöhrenbach 2002, ISBN 3-927-67727-2, S. 272 f.
  • Bernward Janzing (Hrsg.): Störfall mit Charme. doldverlag, Vöhrenbach 2008, ISBN 3-927677-56-6.
  • Stephan Rotthaus: Grüne Geldanlagen. Falken-Verlag, Niedernhausen/Taunus 2001, ISBN 3-806-82772-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Netzkauf EWS eG: Geschäftsbericht 2012. Abgerufen am 2. August 2013 (PDF 1,9MB).
  2. EWS sind jetzt eine Genossenschaft, Badische Zeitung vom 11. Dezember 2009.
  3. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/EWS/Genossenschaft/Netzkauf_Geschaeftsbericht_2012_screen.pdf
  4. Strom-Herkunftsnachweis 2010, abgerufen 6. November 2011
  5. EWS Stromherkunft 2011 (PDF; 74 kB), aufgerufen am 6. November 2011
  6. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/010830_Ritter_EWS.pdf
  7. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/030226_Pressemitteilung.pdf
  8. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/040305_Pressemitteilung.pdf
  9. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/050715_Pressemitteilung.pdf
  10. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/060614_Pressemitteilung.pdf
  11. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/070701_10Jahre_.pdf
  12. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/080929_informationsoffensiv_EWS.pdf
  13. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/090701_Pressemitteilung.pdf
  14. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/EWS_Presse_Hunderttausendste_Kunde.pdf
  15. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/120210_EWS_Pressemitteilung_dt.pdf
  16. http://www.ews-schoenau.de/fileadmin/content/documents/Mitwissen/Pressemitteilungen/120430_EWS_Pressemitteilung.pdf
  17. http://www.ews-schoenau.de/ews.html
  18. Website der Elektrizitätswerke Schönau
  19. Website der Kraft-Wärme Schönau
  20. Website 100 gute Gründe gegen Atomkraft
  21. Ursula Sladek erhält den Deutschen Umweltpreis 2013, ews-schoenau.de
  22. Europe: Ursula Sladek (Germany), Sustainable Development, Goldman Environmental Prize 2011 „Stromrebellin" mit Goldman Environmental Prize ausgezeichnet (PDF; 78 kB), Pressemitteilung vom 11. April 2011 Preiswürdige Stromrebellen: Elektrizitätswerke Schönau bekommen internationalen Umweltpreis, Deutschlandfunk: Umwelt und Verbraucher vom 11. April 2011
  23. Website von Preis der Arbeit
  24. Website von Eurosolar
  25. Website von Nuclear Free Future
  26. Ford Conservation & Environmental Grants (Part II)
  27. Website des Bundestages: Auslobung des Förderpreises
  28. Gewinner des Ökomanagerpreises 2006 (PDF; 31 kB)
  29. Website der Deutschen Energie-Gesellschaft
  30. http://www.test.de/Oekostromtarife-Guten-Oekostrom-waehlen-4324812-4328108 Zeitschrift test 02/2012
  31. http://presse.oekotest.de/presse/M1004-Oekostrom.pdf
  32. [1]

47.7920657.900435Koordinaten: 47° 47′ 31″ N, 7° 54′ 2″ O