Elizabeth George

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Susan Elizabeth George (* 26. Februar 1949 in Warren, Ohio) ist eine US-amerikanische Autorin von Kriminalromanen.

Elizabeth George wurde durch ihre Inspector-Lynley-Romane, die um einen adeligen Kriminalkommissar und seine aus proletarischen Verhältnissen stammende Assistentin Barbara Havers kreisen, bekannt. Die Amerikanerin lässt ihre Romane in Großbritannien spielen und wählt hierfür vielfach „typisch englische“ Schauplätze und Anknüpfungspunkte (traditionsreiches Elite-Internat, Universität Cambridge, Umfeld eines Cricket-Stars), ohne in die landläufig damit verbundenen Klischees abzugleiten.

Leben[Bearbeiten]

Elizabeth George wurde 1949 in Warren (Ohio) geboren, ihre Familie zog 1950 in die Umgebung von San Francisco. Sie wuchs in Kalifornien auf, studierte Englisch, arbeitete als Englischlehrerin und machte nebenher noch einen Abschluss in Psychologie. Nach Lehrtätigkeiten an Universitäten in den USA, Kanada und Großbritannien, insbesondere zum Thema „Creative Writing“, lebt sie mittlerweile auf einer Insel vor Seattle im US-Bundesstaat Washington und besitzt eine Zweitwohnung im Londoner Stadtteil Kensington. Elizabeth George ist in zweiter Ehe mit einem ehemaligen Feuerwehrmann verheiratet.

Ihre schriftstellerische Tätigkeit begann im Jahr 1983. Ihr erster Mann kaufte einen PC und sie nutzte ihn, um ihren ersten Roman zu schreiben.[1] Diesen erstveröffentlichten Roman Gott schütze dieses Haus, der unter anderem sexuelle Gewalt in der Familie und die Folgen für die Betroffenen thematisiert, schrieb sie innerhalb weniger Wochen. In einem Interview, das in einer Verlagsbroschüre abgedruckt wurde, sagte sie: „Für den Kriminalroman habe ich mich entschieden, weil ich zu dieser Zeit gerade einen Kurs zum Thema Krimi gegeben habe, also meinen Schülern genau erklären musste, wie solche Geschichten funktionieren, wie sie aufgebaut und konstruiert werden. Und da habe ich gemerkt, dass auch ich solche Geschichten schreiben könnte. So kam das ganz unwillkürlich, dass ich mich diesem Genre zuwandte, als ich mich entschloss, mit dem Schreiben anzufangen.

Werk[Bearbeiten]

Die Kriminalromane von Elizabeth George spielen in England und stehen ganz in der Tradition der britischen Crime Ladies. Wegen ihrer feinen Figurenzeichnung und der stringenten Handlung wurde Elizabeth George auch mit Dorothy Sayers verglichen.

Im Mittelpunkt der Bücher stehen Inspektor Thomas Lynley und Sergeant Barbara Havers. Doch mehr noch als beispielsweise bei Martha Grimes spielt neben der eigentlichen Krimihandlung auch das private Leben der Hauptfiguren eine wesentliche Rolle: Thomas Lynley, Lord Asherton, hat sich zwar für eine Tätigkeit bei Scotland Yard entschieden, ist aber finanziell unabhängig, da er aus einer reichen Familie stammt. (Zumindest in dieser Beziehung ähnelt er Sayers' Lord Peter Wimsey.) Havers dagegen kommt aus kleinen Verhältnissen und hat dazu die Verantwortung für einen kranken Vater und eine geistig verwirrte Mutter zu tragen.

Die „Klassenschranken“ zwischen dem gutaussehenden Lord und der unscheinbaren Havers bieten vielerlei Reibungspunkte, zumal die Ermittlungen vielfach in Kreisen der „gehobenen“ und von Havers als elitär betrachteten Gesellschaftsschichten zu führen sind. Dazu kommen Lynleys persönliche Krisen, die meistens entweder seine ehemalige Verlobte Deborah St. James (geb. Cotter), seinen Freund Simon St. James oder aber seine langjährige Vertraute (und spätere Ehefrau) Lady Helen Clyde betreffen. Aber auch Havers muss in Bezug auf ihre Eltern einige Schicksalsschläge meistern und hat zudem im dienstlichen Bereich deutliche Probleme bei der Anerkennung übergeordneter Autoritäten.

So führen die Romane nicht nur zur Aufklärung des jeweiligen Falles, sondern zeigen auch in einer durchgängigen Rahmenhandlung über mehrere Episoden die kontinuierliche Entwicklung im Leben der „Helden“ und der weiteren Protagonisten.

Die beiden Romane Im Angesicht des Feindes und Wer die Wahrheit sucht zeigen eine weitere Wandlung: Das „Böse“ ist nicht hinter psychologisch erklärbaren „Abartigkeiten“ oder schlichtweg Dingen wie Untreue oder fanatischer Liebe zu finden, sondern auch im Irrglauben, der uns letztendlich mit dem Gedanken zurücklässt, dass nur eine einzige falsche Äußerung genügt, um uns in einen Strudel der Zerstörung zu ziehen.

In Wo kein Zeuge ist kommt es durch einen Todesfall am Ende des Romans zu einer tiefgreifenden Änderung im Leben des Thomas Lynley. Die Hintergründe dieser Tragödie beschreibt sie in Am Ende war die Tat. Dieser Roman unterscheidet sich deutlich von ihren bis dahin veröffentlichten Büchern. Hier schildert sie zum ersten Mal keine klassische Krimihandlung, sondern zeichnet ein sozialkritisches Bild der britischen Unterschicht. Ihre Protagonisten Lynley und Havers tauchen gegen Ende kurz auf, spielen jedoch keine zentrale Rolle.

In Doch die Sünde ist scharlachrot kehren Lynley und Havers wieder zurück und ermitteln in einem Todesfall an der Küste Cornwalls.

Die Romane wurden von der BBC unter dem Titel The Inspector Lynley Mysteries mit Nathaniel Parker und Sharon Small in den Hauptrollen verfilmt.

Preise[Bearbeiten]

Gleich das erste Werk von George, Gott schütze dieses Haus, wurde mit dem Agatha Award und dem Anthony Award für das beste Erstlingswerk ausgezeichnet. 1990 hat sie den Grand prix de littérature policière gewonnen.

Übersicht:

  • 1989 Anthony Award und Agatha Award
  • 1990 Grand prix de littérature policière

Bibliographie[Bearbeiten]

  • 1988 A Great Deliverance
    • Gott schütze dieses Haus, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 1989. ISBN 3-442-09918-8
  • 1989 Payment in Blood
    • Keiner werfe den ersten Stein, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 1991. ISBN 3-442-09918-8
  • 1990 Well-Schooled in Murder
    • Auf Ehre und Gewissen, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 1990. ISBN 3-7645-0111-1
  • 1991 A Suitable Vengeance
    • Mein ist die Rache, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Goldmann 1994. ISBN 3-442-05883-X (zwar nicht der erste, aber im Handlungsstrang der Lynley-Welt der früheste Roman)
  • 1992 For the Sake of Elena
    • Denn bitter ist der Tod, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 1993. ISBN 3-7645-7957-9
  • 1994 Missing Joseph
    • Denn keiner ist ohne Schuld, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 1994. ISBN 3-442-43577-3
  • 1995 Playing for the Ashes
    • Asche zu Asche, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 1995. ISBN 3-442-43771-7
  • 1996 In the Presence of the Enemy
    • Im Angesicht des Feindes, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 1996. ISBN 3-442-44108-0
  • 1997 Deception on his Mind
    • Denn sie betrügt man nicht, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 1997. ISBN 3-442-44932-4
  • 1999 In Pursuit of the Proper Sinner
    • Undank ist der Väter Lohn, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 1999. ISBN 3-7645-0009-3
  • 1999 The Evidence Exposed (Kurzgeschichten)
  • 2001 A Traitor to Memory
    • Nie sollst du vergessen, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 2001. ISBN 3-7645-0098-0
  • 2002 I, Richard (Fünf Kurzgeschichten)
    • Vergiss nie, dass ich dich liebe, dt. von Mechtild Sandberg-Ciletti; München: Blanvalet 2002. ISBN 3-7645-0148-0 (Kurzgeschichten)
  • 2003 A Place of Hiding
  • 2004 Write Away. One Novelist´s Approach to Fiction and the Writing Life (Essays)
    • Wort für Wort oder Die Kunst, ein gutes Buch zu schreiben, dt. von Elke Hosfeld; München: Goldmann 2004. ISBN 3-442-41664-7
  • 2004 A Moment on the Edge (Kurzgeschichten)
  • 2005 With No One As Witness
    • Wo kein Zeuge ist, dt. von Ingrid Krane-Müschen und Michael J. Müschen; München: Blanvalet 2006. ISBN 978-3-7645-0165-5
  • 2006 What Came Before He Shot Her
    • Am Ende war die Tat, dt. von Ingrid Krane-Müschen und Michael J. Müschen; München: Blanvalet 2007. ISBN 978-3-7645-0166-2
  • 2008 Careless in Red
    • Doch die Sünde ist scharlachrot, dt. von Ingrid Krane-Müschen; München: Blanvalet 2008. ISBN 978-3-7645-0242-3
  • 2010 This Body of Death
    • Wer dem Tode geweiht, dt. von Charlotte Breuer und Norbert Möllemann; München: Blanvalet 2010. ISBN 978-3-7645-0246-1
  • 2012 Believing the Lie
    • Glaube der Lüge, dt. von Charlotte Breuer und Norbert Möllemann; München: Goldmann 2012. ISBN 978-3-442-31251-1
  • 2013 Just One Evil Act
    • Nur eine böse Tat, dt. von Charlotte Breuer und Norbert Möllemann; München: Goldmann 2013. ISBN 978-3-442-31252-8

als Herausgeberin:

  • 2002 Crime from the Mind of a Woman - 26 Kurzgeschichten von Dorothy L Sayers, Ngaio Marsh, Ruth Rendell, Marcia Muller, Gillian Linscott, Minette Walters, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates u. a.
    • Im Anfang war der Mord, dt. von Cornelia C. Walter; München: Goldmann 2005. ISBN 3-442-45953-2

Hörbücher[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. taz Magazin vom 3. März 2007, S. IV, 264 Z. (Portrait), SUSANNE STIEFEL