Exodus (Schiff)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Die President Warfield vor Cape Hatteras auf dem Weg nach Europa, Februar 1947

Die Exodus oder Exodus 1947, die vormalige „President Warfield“, war ein Immigrantenschiff nach Palästina, dem damaligen britischen Mandatsgebiet, und spielte 1947 eine Rolle in der Vorgeschichte der Staatsgründung Israels.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Das Schiff

Die „President Warfield“ mit 1.800 Bruttoregistertonnen wurde 1928 von der Pussey and Jones Corp., Wilmington, Delaware, für den Paketdienst Baltimore Steam Packet Co. gebaut und fuhr bis 1940 als Unterhaltungsdampfer an der Ostküste der USA. Benannt war sie nach dem Präsidenten der Eisenbahngesellschaft Seaboard-Air-Line-Railroad und der Continental Trust Company in Baltimore. 1942 wurde sie von der US-Kriegsschiffverwaltung zu einem Truppentransporter mit vier Decks umgebaut und als USS President Warfield (IX-169) eingesetzt und nach dem Zweiten Weltkrieg ausrangiert.

Am 9. November 1946 wurde sie für 60.000 US-$ an die Potomac Shipwrecking Co., Washington, D.C., verkauft, die als Agent für die Hagana auftrat. Die Hagana ließ das Schiff unter der Flagge von Honduras fahren. Der Vorteil des Schiffes lag im geringen Tiefgang von nur zweieinhalb Metern, der eine Landung auch außerhalb eines Hafens und so eine unkontrollierte Einreise ermöglichen sollte. Kapitän wurde Ike Aronowicz.

Am 26. August 1952 brannte das Schiff aus und wurde am Shemen Beach in Haifa festgemacht. 1963 wurde es von einer italienischen Firma verschrottet.

[Bearbeiten] Vorgeschichte

Viele der europäischen Juden, die den Holocaust überlebt hatten, wünschten nach Palästina auszuwandern; dies galt insbesondere für jüdische Displaced Persons (DPs) in Deutschland. Zu den ausreisewilligen Holocaust-Überlebenden gehörten auch Menschen, die später als Passagiere der Exodus bekannt werden sollten. Die Einwanderung in das britische Mandatsgebiet wurde von der Militäradministration abgelehnt, da sie die Situation destabilisiert und dadurch die englische Vormachtstellung in Frage gestellt hätte. Aufgegriffene Einwanderer wurden in DP-Lagern in Zypern interniert.

[Bearbeiten] Die Fahrt nach Palästina (1947)

Die Exodus bei ihrer Ankunft im Hafen von Haifa, 20. Juli 1947

Am 11. Juli 1947 begann die Exodus mit 4.515 Passagieren unter Kapitän Jossi Harel die Überfahrt in Sète, Frankreich. Die Besatzung bestand überwiegend aus jungen amerikanischen Juden, die sich dafür freiwillig gemeldet hatten. Von den Passagieren wurde das Schiff am 17. Juli 1947 nach dem 2. Buch Mose und dem Jahr in „Exodus 1947“ umbenannt (d. h. Auszug aus Ägypten im Jahr 1947). Der alte Name war einfach übermalt und ein Transparent angebracht worden "Haganah Ship Exodus 1947". Die Fahrt wurde von Anfang an vom britischen Geheimdienst und zwei Kriegsschiffen überwacht.

Am 18. Juli vor Haifa wurde die Exodus von der britischen Marine noch in internationalen Gewässern aufgebracht; im heftigen Widerstand starben drei der Mannschaftsmitglieder und viele wurden verletzt. Der Kampf dauerte vier Stunden. Er wurde vom Bordfunker an eine Radiostation im Mandatsgebiet an Land übertragen und live gesendet. Das Schiff wurde deshalb am nächsten Tag von Tausenden im abgesperrten Hafen empfangen.

[Bearbeiten] Der Rücktransport der Passagiere

Die Rückführung der Immigranten hatte für die britische Administration hohe Priorität, da sie hoffte, damit ein Zeichen zu setzen und die laufende Einwanderung zu stoppen. Die Maßnahme wurde von ihr „Aktion Oase“ getauft. Im Hafen von Haifa wurden die erschöpften Passagiere der Exodus auf drei Gefangenenschiffe (Ocean Vigour, Runnymede Park und Empire Rival) verladen und zurück nach Frankreich geschickt. Dort trafen sie am 29. Juli ein.

Obwohl die Situation an Bord menschenunwürdig war, weigerten sich die meisten Passagiere drei Wochen lang, die Schiffe zu verlassen. Nur 75 erschöpfte Passagiere nahmen das Asylangebot der französischen Regierung an. Um den Widerstand zu brechen, drohte die britische Verwaltung, die Passagiere nach Deutschland zu bringen. Da auch diese Maßnahme keinen Erfolg zeigte, stachen die Schiffe am 22. August erneut in See. Da der Druck auf die britische Regierung wuchs und sie die Entscheidung zu einer Deportation nach Deutschland noch einmal diskutieren wollte, machten die Schiffe Ende August einen fünftägigen Zwischenstopp in Gibraltar. Am 30. August fuhren sie dann weiter.

Sie erreichten am 8. September den Hamburger Hafen. Dort wurden die Passagiere vor den Augen der internationalen Presse mit Gewalt von Deck gebracht und in die dafür umgebauten Lager „Pöppendorf“ und „Am Stau“ bei Lübeck verbracht, wo sie interniert wurden. Diese Lager hatten zuvor zur Versorgung von Wehrmachtsangehörigen und Displaced Persons gedient. Zur Internierung der Exodus-Passagiere wurden sie mit Stacheldraht und Wachtürmen zu Gefängnissen ausgebaut. Die internationalen Reaktionen auf diesen Umgang mit den Holocaustopfern waren verheerend. Selbst der Präsident der USA Harry S. Truman schaltete sich ein, um die britische Regierung zum Umdenken zu bewegen. Auch innerhalb der Lager ging der Widerstand weiter, was die Verwaltung unter anderem mit Kürzung der Lebensmittelrationen bestrafte. Am 6. Oktober zogen schließlich die Wachen von den Lagern ab und ließen die Exodus-Passagiere frei. Viele von ihnen schlugen sich erneut nach Südfrankreich durch und fuhren von dort nochmals nach Palästina. Ihr hartnäckiger Widerstand trug dazu bei, die internationale Meinung gegen ein fortwährendes britisches UN-Mandat über Palästina zu wenden und damit die Gründung des Staates Israel voranzutreiben.

[Bearbeiten] Kulturelle Bedeutung

[Bearbeiten] Roman

Die Geschichte der Exodus und der Widerstand ihrer Passagiere ist 1958 von Leon Uris im gleichnamigen Roman dramatisch verarbeitet worden.

[Bearbeiten] Film

Der Roman wurde 1960 von Otto Preminger mit Paul Newman in der Hauptrolle verfilmt, wobei Leon Uris selbst am Drehbuch mitwirkte. Der Film Exodus wurde vielfach preisgekrönt. Weder der Roman noch seine Verfilmung halten sich jedoch strikt an die historischen Tatsachen.

[Bearbeiten] Dokumentarfilm

Im ARTE-Dokumentarfilm „Erez Israel, heim ins gelobte Land“ wurde die Mitwirkung US-amerikanischer Freiwilliger, jüdische Flüchtlinge 1947 nach Palästina zu bringen thematisiert und unter anderem auch die Odyssee der Exodus 1947 dargestellt.[1]

[Bearbeiten] Theaterstück

Das Theaterstück "Schiffer nächst Gott" (Schipper naast God) des Holländers Jan de Hartog (deutsche Übersetzung von Rolf Itallaander) behandelt ebenfalls das Theama der "Exodus"

[Bearbeiten] Gedenken

2005 wurde in Jerusalem ein Treffen der ehemaligen Passagiere von Professor Dr. Meier Schwarz, dem ehemaligen Kommandanten der Ocean Vigour und heutigen Leiter von AshkenazHouse, in Zusammenarbeit mit dem Zentralarchiv der Jewish Agency arrangiert und eine „Megillat-Exodus“ (Gedenkrolle) erstellt, auf der bereits 800 ehemalige Pioniere unterschrieben haben. Aus der Unterschriftenliste soll zur 60-jährigen Wiederkehr der Ereignisse ein Gedenkbuch erstellt werden.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. arte.tv: Erez Israel, heim ins gelobte Land, abgerufen am 7. Dezember 2008

[Bearbeiten] Literatur

  • Jan H. Fahlbusch u.a: Pöppendorf statt Palästina. Zwangsaufenthalt der Passagiere der 'Exodus 1947' in Lübeck. Dölling & Galitz, 1999. ISBN 3-933374-29-4
  • Murray Greenfield: The Jews’ Secret Fleet (1999) ISBN 965-229-023-8
  • Ruth Gruber: Exodus 1947: The Ship that Launched a Nation (1999) ISBN 0-8129-3154-8, dt. Die Irrfahrt der Exodus (2002) ISBN 3-85842-434-X
  • Peter Guttkuhn: Kleine deutsch-jüdische Geschichte in Lübeck. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schmidt-Römhild, Lübeck 2004. ISBN 978-3-7950-7005-2.
  • Aviva Halamish: The Exodus Affair: Holocaust Survivors and the Struggle for Palestine (1998) ISBN 0-85303-347-1
  • David C. Holly: Exodus, 1947 (1995) ISBN 1-55750-367-2
  • Yoram Kaniuk: Und das Meer teilte sich. Der Kommandant der Exodus. Aus dem Hebräischen v. Markus Lemke. List Verlag, München, 1999.
  • Günther Schwarberg: Der letzte Fahrt der Exodus. Das Schiff das nicht ankommen sollte. Göttingen, 1997.
  • Horst Siebecke: Die Schicksalsfahrt der "Exodus 1947", Frankfurt am Main, 1987.

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen