Félix Houphouët-Boigny

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Félix Houphouët-Boigny (1962)

Félix Houphouët-Boigny [feˈliks ufwɛbwaˈɲi] (* 18. Oktober 1905 in Yamoussoukro; † 7. Dezember 1993) war Arzt und Politiker. Er war von 1960 bis 1993 der erste Staatspräsident der Elfenbeinküste.

Arzt[Bearbeiten]

Houphouët-Boigny stammte aus einer wohlhabenden Pflanzerfamilie in der ehemaligen französischen Kolonie. Nach dem Schulbesuch in der seinerzeitigen Hauptstadt Bingerville besuchte er die medizinische Akademie von Dakar. Nach einem verkürzten Studium machte er 1925 sein Examen als Assistenzarzt und praktizierte bis 1940.

Politiker[Bearbeiten]

In der Elfenbeinküste[Bearbeiten]

1939 wurde er Häuptling und betätigte sich als Pflanzer. Die Diskriminierung afrikanischer Pflanzer veranlasste ihn 1944, das Syndicat Agricole Africain (SAA), das Afrikanische Bauernsyndikat, zu gründen. Als Vorsitzender dieser Organisation mit etwa 20.000 – meist wohlhabenderen – Mitgliedern verfügte er über eine landesweite politische Basis. Ein Anliegen war die Bekämpfung der auf vielen Plantagen praktizierten Zwangsarbeit.

Aus dieser Organisation ging Ende 1945 die Partei Parti Démocratique de Côte d’Ivoire (PDCI) hervor, die die bisher ländliche Basis Houphouët-Boignys um Intellektuelle und Studenten aus Abidjan erweiterte.

In Frankreich[Bearbeiten]

Bei den Wahlen zu den verfassunggebenden Versammlungen in Paris wurde er im November 1945 und Juni 1946 als Abgeordneter gewählt. In Paris schloss sich Houphouët-Boigny der mit den Kommunisten verbündeten „Republikanischen Widerstandsunion“ an. Nachdem der erste Entwurf für die Verfassung der IV. Republik in einem Referendum gescheitert war und der zweite Entwurf weniger Rechte für die Überseegebiete vorsah, versammelten sich die afrikanischen Abgeordneten im Oktober 1946 in Bamako. Dort wurde Houphouët-Boigny zum Vorsitzenden der Sammlungsbewegung Rassemblement Démocratique Africain (RDA) gewählt, der die meisten führenden Personen des französischen Afrika angehörten. Bei den Wahlen vom November 1946 wurde er Abgeordneter der Nationalversammlung. Zu seinen engen Mitarbeitern gehörte der spätere Präsident Guineas, Ahmed Sékou Touré.[1]

Nach dem Ausscheiden der Kommunisten aus der Regierung geriet die RDA unter den Druck der Kolonialbehörden. Nach blutigen Unruhen in der Elfenbeinküste wurde gegen Houphouët-Boigny am 24. Januar 1950 ein Haftbefehl erlassen, vor dem ihn aber seine parlamentarische Immunität schützte. Mitte der 1950er Jahre orientierte er sich von den Kommunisten weg und hin zu Politikern wie Robert Schuman und François Mitterrand. 1956 wurde er Minister und arbeitete mit Gaston Defferre am loi-cadre, der Rahmengesetzgebung für die französischen Überseegebiete.

Nach dem Kollaps der IV. Republik war er an der Ausarbeitung der Verfassung für die V. Republik beteiligt und bis April 1959 Minister unter Charles de Gaulle. Nach der Rückkehr in seine Heimat übernahm er dort die Regierung. De Gaulle ernannte ihn im Juli zum beratenden Minister der Französischen Gemeinschaft. Noch 1959 sprach Houphouët-Boigny sich gegen eine baldige Unabhängigkeit afrikanischer Staaten aus: „Afrika ist noch nicht reif für die volle Souveränität. Wir brauchen noch sehr viel Zeit, ehe wir psychisch und wirtschaftlich dafür gerüstet sind. Deshalb bin ich ein entschiedener Anhänger der französisch-afrikanischen Föderation, der 'Communauté' in ihrer engsten Verflechtung.“[1] Ende 1959 entschied er sich dennoch für die Unabhängigkeit der Elfenbeinküste, die am 7. August 1960 in Kraft trat.

Präsident[Bearbeiten]

Boigny mit Nicolae Ceaușescu (1977)

Bei den Wahlen vom 27. November 1960 wurde er mit 98 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt, im Parlament erhielt seine PDCI-RDA in Ermangelung anderer Parteien alle Sitze. In seiner 33-jährigen Herrschaft unterhielt er enge Beziehungen zu Frankreich, das Land galt als relativ wohlhabend und politisch stabil. Die Probleme des Übergangs umriss er zu Beginn seiner Herrschaft gegenüber französischen Unternehmern wie folgt:

„Die Gefahr kommt von den kleinen Weißen […], die den Gang der Zeit nicht begreifen, und von den einfachen, unwissenden Afrikanern, die von der Unabhängigkeit Fabeldinge erwarten. […] Sie, Messieurs, sollten darauf achten, dass Ihre Angestellten nicht zu den Afrikanern sagen: ‚Ihr wollt unabhängig sein und könnt nicht mal eine Streichholzschachtel fabrizieren!‘, und ich werde meinerseits dafür sorgen, dass kein Afrikaner seinem europäischen Arbeitgeber droht. ‚Jetzt sind wir frei, und jetzt will ich in deinem Haus wohnen.‘“[1]

Als Repräsentant seines Landes in der OAU trat Houphouët-Boigny in Hinsicht auf die Dialogpolitik des südafrikanischen Präsidenten Balthazar Johannes Vorster für bilaterale Gespräche mit dem ansonsten in Afrika politisch diskreditierten Staat ein. Auf einer international wahrgenommenen Pressekonferenz vom 28. April 1971 in Abidjan begründete er den von ihm vorgeschlagenen außenpolitischen Kurswechsel. Das löste zwischen den OAU-Staaten eine kontroverse Diskussion aus, die bis dahin Südafrika wegen seiner Apartheidspolitik weitgehend isoliert hatten.[2]

Erst in den 1980er Jahren wurde seine Herrschaft mit wachsenden wirtschaftlichen Problemen konfrontiert. 1983 ließ Houphouët-Boigny die Hauptstadt der Elfenbeinküste von der Küstenstadt Abidjan nach seiner Geburtsstadt Yamoussoukro im Landesinnern verlegen.

Die weltgrößte Kirche Basilika Notre-Dame de la Paix, gebaut nach dem Vorbild des Petersdoms in Rom, wurde auf seine Initiative hin in Yamoussoukro errichtet. Bis 1990 war die Elfenbeinküste unter Houphouët-Boigny ein Einparteiensystem. Bei den ersten Mehrparteienwahlen am 28. Oktober 1990 kam Houphouët-Boigny auf 81,68 Prozent der Stimmen, während der spätere Präsident Laurent Gbagbo 18,32 Prozent erhielt. Bei den Parlamentswahlen einen Monat später gewann die bisherige Einheitspartei PDCI-RDA 163 der 175 Sitze. Nach Houphouët-Boignys Tod ging das Präsidentenamt verfassungsgemäß auf Henri Konan Bédié, den damaligen Vorsitzenden der Nationalversammlung, über.

Implikation in die Ermordung Thomas Sankaras[Bearbeiten]

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Es ist wahrscheinlich, dass Houphouët-Boigny zusammen mit Blaise Compaoré und französischen Diplomaten Mitorganisator der Ermordung Thomas Sankaras war.

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach Félix Houphouët-Boigny sind das Institut Polytechnique Félix-Houphouët-Boigny in Yamoussoukro und der Félix-Houphouët-Boigny-Friedenspreis benannt. Außerdem gibt es eine Parteienkoalition mit dem Namen Vereinigung der Anhänger Houphouets für Demokratie und Frieden (RHDP).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Félix Houphouët-Boigny, in: Internationales Biographisches Archiv 12/1994 vom 14. März 1994, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Félix Houphouët-Boigny – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Peter Scholl-Latour: Mord am großen Fluss: Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit, dtv, 1991, S. 56–60, ISBN 3-423-11058-9.
  2. Ronald Meinardus: Die Afrikapolitik der Republik Südafrika. Bonn 1981, S. 73, ISBN 3-921614-50-3.