Yamoussoukro

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Yamoussoukro
Jamussukro
Jamussukro (Elfenbeinküste)
Jamussukro
Jamussukro
Koordinaten 6° 48′ N, 5° 16′ W6.8066666666667-5.2727777777778Koordinaten: 6° 48′ N, 5° 16′ W
Basisdaten
Staat Elfenbeinküste

Region

Lacs
Fläche 3500 km²
Einwohner 808.000 (2009)
Dichte 230,9 Ew./km²
Webauftritt yamoussoukro.org/ (englisch, französisch)
Politik
Gouverneur N’dri Koffi Apollinaire
Zentrum von Yamoussoukro
Zentrum von Yamoussoukro

Yamoussoukro (dt. auch Jamussukro) ist seit März 1983 die Hauptstadt der Elfenbeinküste (Côte d’Ivoire). In Yamoussoukro leben 808.000 Menschen (Stand 2009).[1] Damit gehört die Hauptstadt der Elfenbeinküste neben dem landesweiten Wirtschaftszentrum Abidjan sowie Bouaké und Daloa zu den vier größten ivorischen Städten.

Yamoussoukro liegt etwa 240 km nördlich der früheren Hauptstadt Abidjan auf Bergen und Prärieland. Die Gemeinde Yamoussoukro umfasst rund 3500 km² und grenzt an das Department mit demselben Namen. Dieses Departement ist in vier Unterbezirke gegliedert: Attiégouakro, Didiévi, Tie Ndiékro und die Kommune von Yamoussoukro. Der Bezirk von Yamoussoukro umfasst insgesamt 169 Siedlungen. Derzeitiger Gouverneur ist N’Dri Koffi Apollinaire.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name Yamoussoukro entstand durch eine Umbenennung der Siedlung N’Gokro zu Ehren einer Herrscherin der Baule (eine der größten Volksgruppen der Elfenbeinküste) namens Yamoussou. Das Suffix „Kro“ steht in der Sprache der Baule für das Wort „Stadt“.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Yamoussoukro liegt im Zentrum der Verwaltungsregion Lacs, 248 km nördlich von Abidjan. Das Stadtgebiet ist von der Savanne umgeben. Der Distrikt von Yamoussoukro liegt zwischen 6°15 / 7°35 N und 4°40 / 5°40 W.

Klima[Bearbeiten]

In Yamoussoukro herrscht ein tropisches Klima (Äquatorialklima), das in vier Jahreszeiten unterteilt wird:[2]

  • eine lange Saison von Mitte November bis Mitte März, im Dezember und Januar charakterisiert durch das Vorhandensein des Harmattan, einem Nordostpassatwind Afrikas, der die Temperaturen stark beeinflusst;
  • eine lange Regensaison von Mitte März bis Mitte Juli;
  • eine kurze Trockensaison von Mitte Juli bis Mitte September;
  • eine kurze Regensaison von Mitte September bis Mitte Oktober.

In der Regensaison regnet es ohne Unterbrechung für mehrere Tage. Die durchschnittliche Regenmenge variiert zwischen 900 bis 1100 mm jährlich mit einer großen Abweichung von Jahr zu Jahr. Die Durchschnittstemperatur der Region beträgt etwa 26 °C. Die relative Luftfeuchtigkeit variiert zwischen 75 und 85 % mit Abfällen bis zu 40 % während der Harmattan–Periode und Anstiegen von 80 bis 85 % während der Regenperiode.

Geschichte[Bearbeiten]

Kolonialgeschichte[Bearbeiten]

Zur Zeit der französischen Kolonialisierung, im Jahr 1901, war Yamoussou die Herrscherin des Dorfs N’Gokro. Die Siedlung zählte damals 475 Einwohner und war eines von 129 Dörfern der Akoué, einer Untergruppe der Baule. Die Franzosen und die Akoué bauten diplomatische und geschäftliche Beziehungen auf, doch 1909 rebellierten die Akoué auf Veranlassung des Dorfchefs von Djamlabo gegen die Kolonialverwaltung. Der sieben Kilometer von Yamoussoukro an der Straße nach Boaflé gelegene Verwaltungsposten Bonzi wurde angezündet. Der französische Administrator, Simon Maurice, wurde nur auf Grund einer Intervention von Kouassi N’Go verschont. Dieser respektierte frühere Anführer, ein Onkel von Yamoussou, konnte die Akoué von einem Krieg abhalten, der zu einem Desaster geführt hätte. Als sich die Situation in dem Gebiet wieder normalisiert hatte, entschied Simon Maurice, dass Bonzi zu unsicher geworden sei und der französische Militärposten nach N’Gokro umziehen sollte. Dort ließen die französischen Verwalter eine Pyramide zur Erinnerung an Kouassi N’Go errichten. Zu Ehren der Herrscherin Yamousso wurde N’Gokro in Yamoussoukro umbenannt.

Im Jahr 1919 wurde der zivile Verwaltungsposten aufgelöst. 1939 wurde der spätere ivorische Staatspräsident Félix Houphouët-Boigny Dorfchef von Yamoussoukro.

Die Bedeutung der Stadt blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ziemlich gering, dann wurde mit dem Syndicat Agricole Africain (dem Afrikanischen Landwirtschaftlichen Syndikat) ein bedeutendes Unternehmen in Yamoussoukro gegründet. Doch erst die Unabhängigkeit der Elfenbeinküste von Frankreich führte zu einem nachhaltigen Wachstum der Stadt.

Geschichte seit der Unabhängigkeit[Bearbeiten]

Parlamentsgebäude der Nationalversammlung

Nach 1964 hatte Staatspräsident Félix Houphouët-Boigny ambitionierte Pläne für die Stadt und begann neue Gebäude errichten zu lassen. Eines Tages im Jahr 1965, später bekannt als die „große Stunde von Yamoussoukro“, besuchte er zusammen mit den Führern des Landes die Plantagen und lud die Farmer dazu ein, den Aufwand und die landwirtschaftlichen Erfolge der Region um Yamoussoukro auf ihre Gebiete zu übertragen. Am 21. Juli 1977 bot Houphouët seine Plantagen dem Staat an.

Im März 1983 wurde Yamoussoukro die politische und administrative Hauptstadt der Elfenbeinküste. Dies war der vierte Standortwechsel der Hauptstadt in nur einhundert Jahren. Die vorigen Hauptstädte der Elfenbeinküste waren Grand-Bassam (1893), Bingerville (1900) und Abidjan (1933). Der Großteil der wirtschaftlichen Aktivitäten des Landes findet jedoch heute noch in Abidjan statt.

Yamoussoukro wurde am Nachmittag des 30. März 2011 im Zuge der Regierungskrise 2010/2011 von Kämpfern der Forces républicaines de Côte d’Ivoire erobert.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick auf Notre-Dame de la Paix

Félix Houphouët-Boigny ließ in Yamoussoukro nach dem Vorbild des Petersdoms eines der größten Kirchengebäude der Christenheit, die Basilika Notre-Dame de la Paix,[4] sowie eine Reihe weiterer Prunkbauten errichten.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Yamoussoukro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. CIA Factbook: Africa : Cote d'Ivoire. Abgerufen am 16. Januar 2013 (englisch).
  2. Auswahl der Publikationen von Cirad
  3. Dominic Johnson: Gbagbos Regime bricht zusammen. In: die tageszeitung. Abgerufen am 5. April 2011 (deutsch).
  4. Vatikan: CONSACRAZIONE DELLA BASILICA DI NOTRE DAME DE LA PAIX OMELIA DI GIOVANNI PAOLO II 10. September 1990.