Alassane Ouattara

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Alassane Ouattara

Alassane Ado Dramane Ouattara [alaˈsaːn wataˈʀa] (* 1. Januar 1942 in Dimbokro, Elfenbeinküste) ist ein ivorischer Politiker und Volkswirt. Er ist Vorsitzender des Rassemblement des Républicains.[1] Am 4. Dezember 2010 legte er ebenso wie sein Kontrahent in den vorausgegangenen Wahlen, Laurent Gbagbo, den Amtseid als Präsident der Elfenbeinküste ab. Für einige Zeit hatte das Land somit faktisch zwei Präsidenten. Nach Gbagbos Festnahme wurde Ouattara Anfang Mai 2011 als Staatspräsident der Elfenbeinküste vereidigt und trat das Amt offiziell am 21. Mai 2011 an. Seit 17. Februar 2012 ist Ouattara Vorsitzender der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS/CEDEAO).

Leben[Bearbeiten]

Alassane Ouattara entstammt einer ehemaligen Adelsfamilie, die das Herrschergeschlecht des Kong-Reiches (auch Ouattara-Reich genannt) bildete. Er ist väterlicherseits direkter Nachkömmling von Sékou Oumar Ouattara (1665–1745), dem Gründer des Kong-Reichs.[2]

Nach einem Studium an der University of Pennsylvania in den USA machte er von 1968 bis 1990 Karriere beim Internationalen Währungsfonds.

Im November 1990 wurde er vom damaligen Präsidenten Félix Houphouët-Boigny zum Ministerpräsidenten der Republik Elfenbeinküste ernannt.

Als Felix Houphouët-Boigny im Dezember 1993 starb, galt Ouattara als Nachfolgekandidat, unterlag aber im Machtkampf gegen Henri Konan Bédié. Ouattara, der aus dem Norden des Landes stammt, wurde 1995 und 2000 durch das Concept d'Ivoirité daran gehindert, bei den Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Grund waren Zweifel an der ivorischen Nationalität seiner Mutter. Sie soll aus Burkina Faso stammen.[3]

Von 1994 bis 1999 war er erneut für den Internationalen Währungsfonds tätig, um sich ab 1999 dann ausschließlich der Politik der Republik Elfenbeinküste zu widmen.

Bei Ausschreitungen im Jahr 2002 wurde sein Leben und das seiner Frau bei einem Attentatsversuch in der Nacht zum 19. September durch Kräfte der Regierung von westlichen Diplomaten gerettet.[4] Er lebte zeitweise im Exil in Gabun und Frankreich.

Ouattara ist mit Dominique Ouattara, geb. Nouvian, verheiratet und hat vier Kinder. Die Französin ist nach Viviane Wade im Senegal die zweite weiße „Première Dame“ Afrikas. Die Hochzeit fand in Neuilly-sur-Seine, einem Vorort von Paris, statt. [5] Ouattara ist islamischen Glaubens und Angehöriger des Baoulé-Volks.[6]

Präsidentschaft[Bearbeiten]

Bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen 2010 erhielt er nach Angaben der Unabhängigen Wahlkommission 54,1 % der Stimmen. Nach Ansicht des Verfassungsrats (Conseil Constitutionnel) sei jedoch Laurent Gbagbo mit 51,45 % der Stimmen als Präsident wiedergewählt worden. Die Wahl im Norden (noch unter Kontrolle der Rebellen) lief nach Aussagen Gbagos undemokratisch mit Einschüchterungen seiner Wähler und massivem Wahlbetrug, was dazu führte, dass Ergebnisse in manchen Städten annulliert wurden. In der Folge kam es zu einer Regierungskrise während derer sich Ouattara im Hotel du Golf aufhielt, das von Soldaten der Opération des Nations Unies en Côte d’Ivoire (ONUCI) beschützt und von Gbagbotreuen Einheiten belagert wurde.[7] Die Afrikanische Union, die Europäische Union, die Vereinten Nationen, die USA, Frankreich, Deutschland und andere Länder betrachteten Ouattara als den rechtmäßigen Sieger der Präsidentschaftswahl.[7][8]

Mehr als vier Monate nach den ivorischen Präsidentschaftswahlen wurde Laurent Gbagbo am 11. April 2011 in seiner Residenz in Abidjan festgenommen. Ouattara wurde weniger als einen Monat später, am 6. Mai, durch den Verfassungsrat als Staatspräsident der Elfenbeinküste vereidigt.[9] Am 21. Mai 2011 wurde Ouattara in Yamoussoukro offiziell in sein Amt eingeführt. An der feierlichen Zeremonie nahmen neben zahlreichen afrikanischen Staats- und Regierungschefs auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon teil.[10]

Erzbischof Ambrose Madtha, Papstbotschafter in der westafrikanischen Elfenbeinküste, ermöglichte ihm im November 2012 eine Privataudienz bei Papst Benedikt XVI..[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus D. Loetzer, Anja Casper: Zwei Präsidenten und kein Ausweg aus der politischen Krise. In: Konrad-Adenauer-Stiftung. 22. Dezember 2010, abgerufen am 8. April 2011.
  2. Côte d'Ivoire's new president: The king of Kong: Alassane Ouattara takes charge but can he keep the peace? The Economist, dated Apr 20th 2011.
  3. Ute Schaeffer: Eine Identität, die trennt, statt zu verbinden. In: ARD. 9. Januar 2011, abgerufen am 29. April 2011.
  4. Internationale Untersuchungskommission zu Menschenrechtsverletzungen in der Elfenbeinküste: Endbericht. wikisource
  5. Thomas Scheen: Unzählige alte Rechnungen. FAZ, 23. Dezember 2010, abgerufen am 9. Januar 2011.
  6. kath-web:Côte d'Ivoire: 30.000 Menschen in Don Bosco-Zentrum geflüchtet
  7. a b Die Zeit: Ein Land, zwei Präsidenten
  8. Der Spiegel: Gbagbo lässt westafrikanische Staatenführer abblitzen
  9. vgl. Alassane D. Ouattara. In: Internationales Biographisches Archiv 03/2011 vom 18. Januar 2011, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 18/2011, abgerufen via Munzinger Online.
  10. Elfenbeinküste: Ouattara tritt Präsidentenamt an. In: Spiegel Online. 21. Mai 2011, abgerufen am 21. Mai 2011.
  11. Archbishop Ambrose Madtha Dies in Accident in Ivory Coast, Daijiworld, 9. Dezember 2012 (englisch)