Fürstin Tarakanowa

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Gemälde von Konstantin Flawizki (1864) zeigt die Legende vom Tode der inhaftierten Fürstin bei der Flut in der Peter-und-Paul-Festung

Jelisaweta Alexejewna Tarakanowa (russisch Елизавета Алексеевна Тараканова, besser bekannt als Княжна Тараканова, Fürstin Tarakanowa; Fürstin Tarakanoff; * um 1750; † 4. Dezemberjul./ 15. Dezember 1775greg. in Sankt Petersburg) trat während der Regierungszeit Katharinas II. als russische Thronprätendentin auf, indem sie behauptete, eine Tochter der Zarin Elisabeth Petrowna und des Grafen Alexei Rasumowski und damit eine Enkelin Peters des Großen zu sein. Katharina II. ließ sie mit Hilfe des Grafen Alexei Orlow nach Russland schaffen und bis zu ihrem baldigen Tod einkerkern.

Leben[Bearbeiten]

Der wirkliche Name, die Abkunft und der Geburtsort der attraktiven Elisabeth Alexejewna Tarakanowa sind unbekannt. Laut ihrer eigenen Angabe soll sie in Sankt Petersburg aufgewachsen sein. Seit 1772 erregte sie in mehreren Städten Westeuropas Aufmerksamkeit. Anfangs wurde sie unter dem Namen Ali Emmetie die Geliebte eines Händlers aus Gent. Sie benutzte in der Folge noch diverse andere Namen wie Fräulein Frank, Madame Scholl, Madame Trémouille, Knjaginja Wladimirskaja (Fürstin von Wladimir) und nannte sich schließlich Fürstin Tarakanowa. Zu ihren Liebhabern zählten u. a. Londoner und Pariser Adlige und zuletzt der Graf Philipp Ferdinand von Limburg-Styrum, den sie in Deutschland kennenlernte. Sie behauptete ihm gegenüber ihre Abstammung von der Zarin Elisabeth, woraufhin der Graf vergeblich um ihre Hand anhielt.

Nachdem Polen 1772 zwischen Russland, Preußen und Österreich aufgeteilt worden war (Erste Polnische Teilung), sahen polnische Emigranten, u. a. Karol Stanisław Radziwiłł, Woiwode von Vilnius, in Elisabeth Tarakanowa ein geeignetes Mittel zur Entmachtung Katharinas II. Sie überredeten die angebliche Zarentochter 1774, Ansprüche auf die russische Krone geltend zu machen. Tarakanowa versprach ihrerseits, nach einer geglückten Machtübernahme das besetzte polnische Territorium wieder abzutreten. Seit 1773 fand in Russland außerdem ein Kosakenaufstand unter Führung des sich für den ermordeten Zaren Peter III. ausgebenden Jemeljan Pugatschow statt.

Katharina II. entsandte den Kommandanten der russischen Mittelmeerflotte, Alexei Grigorjewitsch Orlow, der ihr die junge Prätendentin ausliefern sollte. Der attraktive Mann verführte die sich in dieser Zeit in Italien aufhaltende Tarakanowa, genoss mit ihr einen kurzen Aufenthalt in Pisa und reiste dann in ihrer Begleitung nach Livorno, wo die russische Flotte ankerte. Er konnte sie dazu bewegen, sich auf sein Admiralschiff zu begeben, indem er vorgab, sie dort in einer feierlichen Hochzeitszeremonie zu seiner Frau machen zu wollen. Sobald sie aber das Schiff betreten hatte, wurde sie als Gefangene behandelt, an Katharina II. ausgeliefert und im Mai 1775 nach Sankt Petersburg gebracht. In den dortigen Verhören blieb sie bei ihren bisherigen Behauptungen. Während der Internierung in der Peter-und-Paul-Festung verschlechterte sich Tarakanowas Gesundheit rasch. Am 4. Dezember 1775 starb sie an Tuberkulose, hatte jedoch ihre wahre Identität nicht preisgegeben.

Es kamen verschiedene andere Gerüchte über Tarakanowas Tod in Umlauf. So sei sie nicht bereits 1775 gestorben, sondern habe insgeheim unter dem Namen Dosiphea Nonne werden müssen und sei erst 1810 gestorben. Nach einer anderen Version wäre sie 1777 bei einer Überschwemmung der Festung, in der sie eingekerkert war, ums Leben gekommen. Diese Variante ihres Todes wurde 1864 vom russischen Maler Konstantin Flawizki in einem Historiengemälde verewigt. Ihre Geschichte wurde nicht nur in der Bildenden Kunst, sondern auch in Literatur und Film verarbeitet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Elisabeth II., die Falsche. In: Jean-François Chiappe (Hrsg.) : Die berühmten Frauen der Welt von A-Z. Deutsche Ausgabe, S. 91f.