Herrschaft Gemen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Flag-Holy-Roman-Empire.png

Territorium im Heiligen Römischen Reich

Wappen
Gemen COA small.PNG Wapen Gemen.png
Heutige Region/en DE-NW
Reichstag Reichsfürstenrat, Weltliche Bank: Teil einer Kuriatstimme der westfälischen Grafenbank
Reichskreis niederrheinisch-westfälisch
Hauptstädte/Residenzen Gemen
Dynastien Haus Gemen
1492: Schaumburg-Holstein
1635: Limburg-Styrum
Konfession/Religionen römisch-katholisch
1560: protestantisch
Sprache/n deutsch
Fläche 15 km² (1784)
Aufgegangen in 1806: Salm
1810: Frankreich
1815: Preußen

Die Herrschaft Gemen (auch Gehmen) war ein kleines, erst seit 1700 reichsunmittelbares Territorium des Heiligen Römischen Reiches, gelegen im Westmünsterland. Sie war zunächst in Besitz der Herren von Gemen, ehe sie an andere Besitzer überging.

Herren von Gemen[Bearbeiten]

Ursprünglich existierte in Gemen ein Königshof. Diesen übertrug Königin Mathilde im 10. Jahrhundert an das Stift Nordhausen. Seit 1092 sind die Herren von Gemen belegt. Diese hatten ihren Sitz auf der Burg Gemen. Bedrängt durch das Hochstift Münster trugen sie um 1250 die Burg dem Herzog von Kleve zum Lehen auf. Die Edelherren waren zeitweise auch Vögte des Stiftes Vreden.

Unter Heinrich III. begann seit 1370 der Ausbau der Landesherrschaft. Dieser Prozess wurde unter dessen Sohn Johann II. fortgesetzt. Dieser erhielt als Pfand auch das Vest Recklinghausen vom Erzbischof von Köln. Dieser Besitz ging unter Heinrich IV. wieder verloren. Er erhielt durch Heirat die Herrlichkeit Wewelinghofen, die seine Erbtochter Katharina an Graf Eberwin II. Bentheim zu Steinfurt († 1498) brachte. Mit ihm starb das Geschlecht der Edelherren aus.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten]

Gemen kam durch die Ehe Johanns IV. († 1527) mit Cordula von Gemen († 1528), einer Erbtochter des Heinrich IV., an 1492 die Grafen von Schaumburg und Holstein-Pinneberg. Die Herrschaft wurde 1560 protestantisch. Als Jobst Hermann von Schaumburg im Jahr 1635 unverheiratet starb, brach ein Erbfolgestreit zwischen den Familien Holstein-Schaumburg (Graf Otto V.) und Limburg-Styrum um die Herrschaft Gemen aus, da 1591 Gräfin Maria, Tochter von Otto IV. von Holstein-Schaumburg und Kusine von Heinrich V. von Holstein-Schaumburg-Gemen, den Grafen Jobst von Limburg-Styrum geheiratet hatte. Dabei konnte sich Agnes von Limburg-Styrum, ihres Zeichens Äbtissin der Stifte Elten, Vreden, Borghorst und Freckenhorst, durchsetzen. Ihre Familie behielt nun zwei Jahrhunderte die Herrschaft Gemen. Agnes trat ihr Erbe kurze Zeit später an ihren Neffen, Hermann Otto I. von Limburg-Styrum ab. Dessen zweiter Sohn, Adolf Ernst, trat 1644 das Erbe in Gemen an. Nach seiner Heirat mit Isabella, der Tochter des Feldmarschalls Graf Alexander II. von Velen, residierte er in Gemen und versuchte erfolglos wieder den Katholizismus einzuführen.

Graf Hermann Otto II. von Limburg-Styrum gelang im Jahr 1700 die Durchsetzung der Reichsunmittelbarkeit. Sein Sohn Otto Leopold Ernst von Limburg-Styrum kam 1733 an die Herrschaft Raesfeld.

Die Herrschaft Gemen bestand aus der gleichnamigen Burg und dem Ort (heute Teil der Stadt Borken) sowie zwei Bauernschaften. Sie war 1784 nur 0,5 Quadratmeilen groß.

Nach der Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit gehörte Gemen dem Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis an. Die Besitzer waren Mitglieder des Niederrheinisch-Westfälischen Reichsgrafenkollegiums.

Im Jahr 1801 fiel die Herrschaft, nach Aussterben der Gemener Linie der Grafen von Limburg-Styrum, an Alois von Boineburg-Bömelberg. 12. Juli 1806 verlor die Herrschaft durch Mediatisierung ihre Reichsunmittelbarkeit und fiel aufgrund der Bestimmungen der Rheinbundakte an Friedrich IV. von Salm-Kyrburg und wurde damit ein Teil des Fürstentums Salm. 13. Dezember 1810 wurde das Fürstentum von Frankreich annektiert, auf dem Wiener Kongreß wurde es Preußen zugesprochen. Das Territorium der einstigen Herrschaft Gemen war von 1815 bis 1920 Grundlage einer Standesherrschaft, die 1822 an die Grafen von Landsberg-Velen verkauft wurde, welche heute noch Eigentümer der Burg sind.

Liste der Herren von Gemen[Bearbeiten]

  • –1467: Herren von Gemen
    • 1455–1458: Johann III. von Gemen (wird 1455 mit Gemen belehnt) und Heinrich IV. von Gemen
    • 1458–1467: Heinrich IV. von Gemen (* ca.1420, † 1492), übergibt Gemen 1467 an seinen Neffen Heinrich IV. von Nassau-Beilstein
  • 1467–1492: Haus Nassau-Beilstein
    • 1467–1492: Heinrich IV. von Nassau-Beilstein (* 1449,† 1499)
  • 1492–1635: Haus Holstein-Schaumburg-Gemen
    • 1492–1526 Johann IV. von Schaumburg und Holstein-Pinneberg († 1527)
    • 1526–1531 Jobst I. von Schaumburg und Holstein-Pinneberg († 1531)
    • 1531–1544 Adolf XIII. von Schaumburg und Holstein-Pinneberg († 1556)
    • 1544–1557 Otto IV. von Schaumburg und Holstein-Pinneberg († 1576)
    • 1545–1581 Jobst II., ab 1557 alleiniger Herr von Gemen
    • 1581–1597 Heinrich V. von Holstein-Schaumburg-Gemen
    • 1597–1614 Mechthild von Limburg-Stirum († 1622, Regentin und Witwe von Heinrich V.)
    • 1614–1635 Jobst Hermann, ab 1622 auch Graf von Schaumburg und Holstein-Pinneberg

Sein Vetter Otto V. von Holstein-Schaumburg-Gemen († 1640) ist eigentlicher Erbe. Nach einen Erbrechtsstreit erbt Agnes von Limburg-Styrum, die die Herrschaft an Hermann Otto I. von Limburg-Styrum (1592–1644) weitergibt

  • 1640–1798: Haus Limburg-Styrum-Gemen
  • 1798–1806: Haus Bömmelberg
    • Freiherr Alois Sebastian von Bömelberg zu Erolzheim

1806 fällt die reichsunmittelbare Herrschaft Gemen durch die Bestimmungen der Rheinbundakte an den Fürsten Friedrich IV. zu Salm-Kyrburg, 1815 durch den Wiener Kongress dann an Preußen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]