Asow

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Asow (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stadt
Asow
Азов
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Südrussland
Oblast Rostow
Stadtkreis Asow
Bürgermeister Sergei Leonidowitsch Besdolny
Erste Erwähnung 1067
Stadt seit 1708
Fläche 66 km²
Bevölkerung 82.937 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 1257 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 40 m
Zeitzone UTC+4
Telefonvorwahl (+7) 86342
Postleitzahl 34678x, 346799
Kfz-Kennzeichen 61, 161
OKATO 60 404
Website www.azov.info
Geographische Lage
Koordinaten 47° 6′ N, 39° 25′ O47.139.41666666666740Koordinaten: 47° 6′ 0″ N, 39° 25′ 0″ O
Asow (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Asow (Oblast Rostow)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Rostow
Liste der Städte in Russland

Asow (russisch Азо́в) ist eine Stadt in der Oblast Rostow im Südwesten von Russland mit 82.937 Einwohnern (Stand 14. Oktober 2010).[1] Frühere Namen sind Tanais, Tana und Azak.

Asow liegt am Don, 7 km vor dessen Mündung ins Asowsche Meer.

Asow
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Roshydromet
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Asow
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −0,9 0,3 6,2 16,3 22,8 26,5 28,7 27,9 22,5 14,6 7,5 2,5 Ø 14,6
Min. Temperatur (°C) −7,2 −6,4 −1,3 6,4 12,3 16,3 18,1 16,8 11,9 5,8 1,4 −2,9 Ø 6
Niederschlag (mm) 47 37 31 43 53 67 51 37 36 30 46 61 Σ 539
Regentage (d) 9 7 6 7 7 7 6 5 5 5 8 10 Σ 82
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Quelle: Roshydromet

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Hauptartikel: Tanais (Sarmatien)

Nördlich des heutigen Asow liegen die Reste der antiken griechischen Stadt Tanais, einst ein bedeutender Handelsplatz.

Mittelalter[Bearbeiten]

Asow auf einer 10-Rubel-Münze aus dem Jahr 2008

Unter der Herrschaft der Kyptschaken wurde der Ort 1067 als azak (d. h. Tiefland) erwähnt, wovon sich der heutige Name ableitet. Während der Zeit der Goldenen Horde im 13. und 14. Jh. erblühte die Stadt. Venezianische und genuesische Kaufleute gründeten einen Handelsplatz, den sie Tana nannten. Über die im 14. und 15. Jahrhundert venezianisch dominierte Handelskolonie wurden große Teile des Handels mit tatarischen und russischen Sklaven abgewickelt, obwohl die ständige Konkurrentin Kaffa auf der Krim, von Genua kontrolliert, diesen Handel in noch größerem Umfang betrieb. Daneben war Tana ein wichtiges Zentrum für den Handel zwischen nördlichem und südlichem Schwarzen Meer und ein Umschlagplatz für Handelsgüter aus dem fernen Osten, da die Stadt am Ende der sog. via mongolica (einem Arm der Seidenstraße) lag und während der Herrschaft der Goldenen Horde relativ sicher war.

1471 wurde Asow von den Türken erobert und in eine Festung umgewandelt (türkisch Azak).

Die Festung Asow[Bearbeiten]

Die Schlacht von Asow 1696. Holländischer Stich von 1699

Ein erster Angriff russischer Kosaken auf Asow scheiterte 1559. Im Sommer 1637 eroberten die Don-Kosaken die Festung, die von 4000 osmanischen Soldaten mit 200 Geschützen verteidigt wurde. Im Juni 1641 widerstanden die Kosaken einer langen Belagerung durch die osmanische Armee. 1642, nach dem Rückzug der Türken, beschloss Zar Michael I., die Festung zu übergeben, um einen Konflikt mit dem Osmanischen Reich zu vermeiden. Bevor sie die Festung verließen, zerstörten die Kosaken sämtliche Verteidigungsanlagen.

In der ersten erfolgreichen Schlacht seiner Regierungszeit eroberte Peter I. am 28. Juli 1696 die Festung Asow zurück, aber nach der Niederlage in der Schlacht am Pruth im Jahr 1711 musste er sie den Türken zurückgeben. Im Frieden von Belgrad 1739 fiel die Stadt wieder an Russland, was während der Herrschaft von Katharina II. 1774 endgültig bestätigt wurde.

Sieben Jahre lang war Asow die Hauptstadt eines eigenen Gouvernements, aber mit dem Wachstum von Rostow am Don verlor die Stadt an Bedeutung.

Archäologie[Bearbeiten]

Die Festung Asow heute

Die Gegend zwischen der späteren Stadt Taganrog und Rostow am Don wird vom DAI in Zusammenarbeit mit der russischen Archäologie untersucht (siehe Weblink).

Bereits 1823 wurden die damals noch sichtbaren archäologischen Überreste von I. A. Stempkowski mit dem antiken Tanais in Verbindung gebracht. P. M. Leontjew bestätigte dies wenige Jahrzehnte später durch Probegrabungen. Seit 1955 einsetzende und von D. B. Selow bis 1993 fortgeführte systematische größere Grabungen konnten weiteren Einblick in die Struktur der antiken Stadt erbringen. Das Hauptinteresse galt dabei im Wesentlichen der römischen Stadtgeschichte. Erst die Untersuchungen des DAI führte zu Erkenntnissen über die archaische Siedlung. Auch die Agora der hellenistischen Zeit wurde gefunden, dabei konnte der in der Art eines Propylons angelegte Torbau erschlossen werden, der zweihundert Jahre lang den Zugang zur Agora vom Hafen aus bildete. Auch die Umgestaltungen bis in römische Zeit konnten genauer untersucht werden. Die spätantike Bebauung entsprach einem durchdachten, städteplanerischen Schema.

Politik[Bearbeiten]

Bei der Präsidentschaftswahl in Russland 2012 stimmten 59,95 Prozent der Asower für Wladimir Putin, 22,2 Prozent für Gennadi Sjuganow, 6,45 Prozent für Michail Prochorow, 5,72 Prozent für Wladimir Schirinowski und 4,78 Prozent für Sergei Mironow. Die Wahlbeteiligung lag bei 94,6 Prozent.[2]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1885 16.600
1913 26.500
1939 24.999
1959 39.931
1970 59.302
1979 75.124
1989 80.297
2002 82.090
2010 82.937

Anmerkung: ab 1939 Volkszählungsdaten

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Offizielles Wahlergebnis. In: Zentrale Wahlkommission der Russischen Föderation. 5. März 2012, abgerufen am 13. Juni 2013 (russisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Asow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien