Fateless – Roman eines Schicksallosen

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Filmdaten
Deutscher Titel Fateless – Roman eines Schicksallosen
Originaltitel Sorstalanság
Produktionsland Ungarn, Deutschland,
England
Originalsprache Ungarisch, Englisch,
Deutsch, Jiddisch,
Hebräisch, Polnisch
Erscheinungsjahr 2005
Länge 140 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Lajos Koltai
Drehbuch Imre Kertész
Produktion Péter Barbalics,
Andras Hamori,
Ildiko Kemeny,
Jonathan Olsberg
Musik Ennio Morricone
Kamera Gyula Pados
Schnitt Hajnal Sellõ
Besetzung

Fateless – Roman eines Schicksallosen ist der Titel einer 2005 inszenierten internationalen Koproduktion, die auf dem Roman eines Schicksallosen des Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész basiert. Die Handlung erzählt die Odyssee eines jüdischen Jungen durch mehrere deutsche Konzentrationslager. Es handelt sich um das Regiedebüt des preisgekrönten Kameramanns Lajos Koltai. Der Film wurde von den Gesellschaften Cinema Soleil, EuroArts Entertainment, H2O Motion Pictures, Hungarian Motion Picture Ltd., Magic Media Inc. und Renegade Films produziert.[1]

Der Film feierte seine Uraufführung am 8. Februar 2005 im Rahmen des Hungarian Film Festivals. Im selben Jahr erhielt Koltais Regiearbeit eine Einladung in den Wettbewerb der 55. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Der reguläre Kinostart in Deutschland erfolgte am 2. Juni 2005.[2]

Handlung[Bearbeiten]

György ist 14 Jahre alt und wächst zusammen mit seinem Vater und seiner Stiefmutter in Budapest auf. Eines Tages ereilt seinen Vater dasselbe Schicksal wie viele jüdische Männer – sie werden als Arbeitskräfte rekrutiert und werden nach Nazideutschland deportiert. György muss nun für das wirtschaftliche Überleben der Familie sorgen und muss täglich mit dem Bus in eine Fabrik fahren, um dort als Maurer zu arbeiten. Doch eines Tages wird der Bus von einem ungarischen Gendarm gestoppt, der die jüdischen Fahrgäste, darunter auch György, zwingt, aus dem Bus zu steigen. Die Juden werden in einen nahe gelegenen Pferdestall gebracht. Binnen weniger Wochen werden die Gefangenen in Viehwagen gezwängt und mit unbekanntem Ziel verschleppt. Györgys erstes Ziel ist ein Ort namens Auschwitz-Birkenau, wo er sich um zwei Jahre älter macht und auf diese Weise die Selektion überlebt. Mit anderen etwa gleichaltrigen Jungen wird er zunächst in das Konzentrationslager Buchenwald und dann nach Zeitz deportiert. Hier lernt er den ebenfalls aus Ungarn stammenden Häftling Bandi Citrom kennen. Zwischen dem Jungen und dem etwas älteren jungen Mann entwickelt sich eine Art von Freundschaft, da sie sich gegenseitig Mut zusprechen, das Konzentrationslager zu überleben, und die Hoffnung haben, wieder auf den Straßen Budapests spazieren zu gehen. Infolge der harten Arbeit in einer Fabrik, in der Straßenbeläge angefertigt werden, wird Györgys Durchhaltewillen fast zerbrochen. Sein Knie entzündet sich, worauf er aufs Krankenrevier geschickt wird. Als die Lage Deutschlands immer aussichtsloser erscheint, wird György, schon halb tot, in einem Transport wieder nach Buchenwald gebracht. Im Buchenwalder Krankenrevier erlebt er die Befreiung durch die Amerikaner. Schließlich kehrt György nach Budapest zurück. Hier muss er erfahren, dass sein Vater im KZ Mauthausen ums Leben gekommen ist und seine Stiefmutter einen Ungarn geheiratet hat, um so zu überleben.

Hintergrundinformationen[Bearbeiten]

Mit einem Produktionsbudget von 12 Millionen US-Dollar, etwa 2,5 Milliarden Forint, zählt Fateless zum teuersten je in Ungarn produzierten Spielfilm. Auch ist es der erste ungarische Film, der im Breitbildformat gedreht wurde. Gedreht wurde ausschließlich in Ungarn, darunter in Budapest, Dunaújváros, Fót, Paks und Piliscsaba. Die Dreharbeiten, die Mitte Dezember 2003 begannen, mussten im Februar 2004 unterbrochen werden, da ein Produzent die Dreharbeiten verließ. Nur dem ungarischen Produzenten Andras Hamori ist es zu verdanken, dass der Film ab Mai 2004 weiter gedreht werden konnte, und die Dreharbeiten so Ende Juni 2004 zum Abschluss gebracht werden konnten. Für die jugendliche Hauptrolle wurden 4000 Jungen gecastet, ehe man auf Marcell Nagy stieß, der bei den Dreharbeiten erst 13 Jahre alt war.

Kritiken[Bearbeiten]

Für die Romanadaption zeichnete Imre Kertész selbst verantwortlich, nachdem ihm die vorgelegten Drehbücher nicht gefallen hatten. In den deutschsprachigen Feuilletons wurde der Film ausnahmslos verrissen. Für Kertész kam die negative Kritik unerwartet. Er verstand die Kritik nicht. „Sie (die negative Kritik) rührt meiner Ansicht daher, dass die Kritiker das ganze Filmprojekt nicht verstanden haben. Sie gehen halt immer von dem Roman aus. Aber der Roman ist was Sprachliches, er hat seine eigene Kunst. Die Sprache des Romans kann man nicht einfach so übertragen in ein anderes Medium.“, so Kertész 2005 im Interview mit der tageszeitung.[3]

Michael Kohler (film-dienst) bemerkte, dass Koltai sein Handwerk als Kameramann verstehe, doch um des Stoffes hätte es mehr bedurft. Jede Episode sei beim Regisseur „nicht viel mehr als eine mit historischen Insignien ausstaffierte Filmbühne, jeder Ort eine beliebige Ansichtspostkarte des Unvorstellbaren“. Der Film sei „missglückt“.[4]

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung bezeichnete die Berlinale-Aufführung als „ein unendlich trauriges Ereignis“. Dem Film gelinge es nicht, „auch nur ein wenig Empathie zu wecken statt einzig Ärger.“ Die Kinobilder seien beschämend banal, harmlos. Die Filmmusik von Ennio Morricone ziehe „diese Elendsattrappe vollends ins Bodenlose“.[5]

Die Welt bemerkte in ihrer Kurzkritik, dass der Film beweise, dass der Roman nicht verfilmbar sei. Je näher György dem Lager komme, je schwarz-weißer die Farben werden, desto mehr verliere Koltai die Perspektive aus den Augen. Der Film sei ein „Hollywood-Holocaust-Film“. Die Musik Ennio Morricones wurde als „unerträglich gefühlsbombastische Musik“ beschrieben, die ans „Perverse“ grenze.[6]

Auch Gerrit Bartels (die tageszeitung) wies auf die „dauerkitschige“ Musik Morricones hin. Viele Figuren aus den Konzentrationslagern hätten „stereotypen Charakter, den man aus anderen Holocaust-Filmen“ kenne – „der schmallippige deutsche Aufseher, der knuffige Häftling, das Kämpferherz etc.“ Dennoch bewunderte Bartels die Farbgestaltung des Films.[7]

Die Zeit betitelte Fateless bei seinem deutschen Kinostart als „Große KZ-Oper“ und sah einen peinlichen Film. Die Darsteller würden zum Pathos neigen. Im Konzentrationslager beginne der „Kitsch“. „Hier entfernt sich der Film von allem, was er erzählen will, dem Helden, seinen Gefühlen, den Menschen um ihn herum, und hebt ab in gestylte Panoramen, Lichtinstallationen, Genrebilder, Choreografien.“ Laiendarsteller Marcell Nagy könne nicht den Leidensweg der Figur darstellen.[8]

US-amerikanische Kritiker bewerteten Fateless weitaus positiver. A. O. Scott (The New York Times) hob die visuelle Schönheit des Film hervor, die aber auch etwas „verwirrend“ sei. Fateless weise eine „frappierende Frische“ auf, Morricones Musik sei „bombastisch“.[9] Kevin Crust (Los Angeles Times) pries den Film als “vorzüglichen Beitrag zum Holocaust-Kanon”. Koltai kreiere ein „großes Tableaux an Menschlichkeit“, der Film sei „nicht einfach eine weitere Version derselben Geschichte“.[10] Ann Hornaday (The Washington Post) bemerkte, dass Fateless ein außergewöhnlicher Film sei, ein Werk von wenigen Worten, eine weise, „visuell elegante Meditation“ über das Vagabundieren von Böse und Gut. Der Film sei „peinlich genau komponiert und gefilmt“.[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Nominierungen[Bearbeiten]

Zwar wurde der Film von ungarischer Seite als Kandidat für den Auslandsoscar für die Verleihung 2006 eingereicht, kam jedoch nicht unter die Nominierten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Company credits in der Internet Movie Database (aufgerufen am 23. Mai 2010)
  2. vgl. Release dates in der Internet Movie Database (aufgerufen am 23. Mai 2010)
  3. vgl. "Der Film ist ein reines Kunstwerk" – Interview bei taz.de, 8. Juni 2005 (aufgerufen am 23. Mai 2010)
  4. vgl. Filmkritik von Michael Kohler im film-dienst 11/2005 (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft)
  5. vgl. Kertész-Verfilmung: Mit Make-up und Musik im Lager bei faz.net, 16. Februar 2005 (aufgerufen am 23. Mai 2010)
  6. vgl. Schreckliche Musik, schwingendes Schwert bei welt.de, 16. Februar 2005 (aufgerufen am 23. Mai 2010)
  7. vgl. Bartels, Gerrit: Die Hölle negieren bei taz.de, 16. Februar 2010 (aufgerufen am 23. Mai 2010)
  8. vgl. Große KZ-Oper bei zeit.de, 2. Juni 2005 (aufgerufen am 23. Mai 2010)
  9. vgl. Scott, A. O.: Finding the Beauty in a Boy's Days of Horror. In: The New York Times, 6. Januar 2006, Section E, S. 9
  10. vgl. Kritik bei calendarlive.com, 27. Januar 2006 (aufgerufen am 23. Mai 2010)
  11. vgl. Hornaday, Ann: 'Fateless': Profound Portrait Of Unspeakable Anguish. In: The Washington Post, 3. Februar 2006, S. T43