Fleisch (1979)

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Filmdaten
Originaltitel Fleisch
Produktionsland BRD
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1979
Länge 105 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Rainer Erler
Drehbuch Rainer Erler
Musik Eugen Thomass
Kamera Wolfgang Grasshoff,
Wolf Bachmann
Schnitt Hilwa von Boro
Besetzung

Fleisch ist ein Thriller von Regisseur Rainer Erler aus dem Jahr 1979, der das Thema Organhandel aufgreift. Der Film wurde von der Pentagramma im Auftrag des ZDF produziert, die Erstausstrahlung im Fernsehen war am 21. Mai 1979. Im Jahr 2007 entstand für ProSieben eine gleichnamige Neuverfilmung unter dem Regisseur Oliver Schmitz.

Handlung[Bearbeiten]

Das frischvermählte Paar Mike, ein Amerikaner, und Monica, eine Deutsche, die gemeinsam in Princeton studieren, machen während ihrer Flitterwochen in Las Cruces im US-Bundesstaat New Mexico in einem billigen Motel Rast. Nach einem Schäferstündchen unternehmen sie einen Spaziergang, auf dem Mike von Sanitätern überwältigt und in einem Rettungswagen entführt wird. Monica kann dürftig bekleidet gerade noch fliehen und wird von dem Rettungswagen durch die Steppe verfolgt. Die Chefin des Motels scheint mit den Entführern unter einer Decke zu stecken und versucht Monica hinzuhalten. Sie informiert die Entführer, worauf Monica erneut flüchtet und auf einem in der Nähe vorbeiführenden Highway einen Truck anhält, dessen Fahrer Bill sie mitnimmt. Dieser glaubt der verängstigten Monica ihre verrückte Geschichte zunächst nicht, doch bald fassen beide mehr Vertrauen zueinander, und Bill will ihr bei der Suche nach Mike helfen. Dabei kommen sie einem international verzweigten Syndikat auf die Spur, das in großem Stil Organhandel betreibt. In einer Spezialklinik in Roswell werden Organe von entführten, betäubten Touristen ungefragt entnommen und von Dr. Jackson und ihrem Assistenten für viel Geld über Organbanken an zahlungskräftige Patienten mit Organdefekten verkauft.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden an Originalschauplätzen in den Vereinigten Staaten in New York, New Mexico und Texas statt. Auch der von Michael Crichton verfilmte US-amerikanische Thriller Coma nach dem Buch von Robin Cook hatte sich 1978 mit dem Thema Organspende/Organhandel in ähnlicher Weise beschäftigt. Nach der Erstausstrahlung am 21. Mai 1979 um 21:20 Uhr im ZDF wurde der Film ab dem 27. September 1979 im Kino der BRD eingesetzt. Der Kinoeinsatz in der DDR startete mit großem Erfolg am 27. November 1981. Die Aufführungsrechte für die Kinos der DDR liefen im Juli 1986 ab. Im DDR-Kino lief der Film in einer leicht gekürzten, die Handlung straffenden Fassung. So wurden z.B. die langen Fahrszenen, nachdem der Fernfahrer Bill das Mädchen Monica mitgenommen und seine Fracht in New York abgeladen hat, herausgeschnitten. Am 16. Juli 1988 erfolgte die Erstsendung im Fernsehen der DDR. Hier waren die langen Fahrszenen, die für den Kinoeinsatz entfernt wurden, enthalten. Jedoch wurde für die Fernsehausstrahlung an anderer Stelle gekürzt. Zu Beginn des Films, als das junge Ehepaar im Motel ankommt, wurde ein kurzes Gespräch zwischen dem Mädchen Monica und der Zimmerwirtin genau um die Stellen gekürzt, in der das Mädchen erzählt, sie käme "aus Deutschland, ich bin ein Kraut, ein Fritz, ein Fräulein". Ebenso fiel der kurze Satz des Fernfahrers Bill, in dem er zu Monica sagt, er käme "aus Polen", der DDR-Zensurschere zum Opfer. Zur Wiederholung im Noch-DDR-Fernsehen als "Film Ihrer Wahl" im Januar/Februar 1990 wurde ebenfalls diese gekürzte Fassung gezeigt. Doch auch im ZDF wurde "Fleisch" keine komplett ungekürzte Ausstrahlung zuteil. Hier waren zwar alle in der DDR gekürzten Szenen enthalten, aber dafür fehlten gleich am Anfang ca. 1 Minute lang die Szenen, die vor Beginn des Vorspanns in einem Musikstudio spielen. Der Film begann im ZDF bei allen Ausstrahlungen sofort mit dem Vorspann. Weitere Ausstrahlungen im ZDF fanden am 30. Oktober 1982 um 23:05 Uhr und am 16. Juni 1989 um 23:25 Uhr statt.

Seit dem 10. April 2003 ist der Film komplett ungekürzt auf DVD von der Firma Euro Video erhältlich.

Fleisch löste seinerzeit bei Teilen des Publikums einen regelrechten Schock aus und führte in der Folge zu vehementen Protesten aus der Ärzteschaft, die Stimmungsmache witterte und wilde Vorurteile genährt sah.[1] Der Film, der in über 120 Ländern im Kino lief,[2] gilt heute als ein „Klassiker[1][2] des gesellschaftskritischen Fernsehfilms jener Jahre und Meilenstein im Werk des großen Katastrophen-Propheten Rainer Erler.“[3]

Kritiken[Bearbeiten]

„Erler bebildert diese Ängste gegenüber dieser medizinischen Technologie, holt sie aus dem Bereich des Unbewußten. Filme wie diese nützen die genuinen Möglichkeiten der Kunst, Mögliches so präzise auszumalen, dass es für Menschen den Charakter des Wirklichen erhält. Sozusagen spielerisch können Zuschauer so Situationen antizipieren, Entscheidungen simulieren, die ihnen die Wirklichkeit später einmal abverlangen mag. Wer diese Möglichkeit mit geharnischten Protesten beschneiden will, sperrt die Fiktion in das Hier und Heute ein und macht sie überflüssig.“

Michael Schwarze, Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Erlers für das Fernsehen inszenierter Film verschenkt durch seine einfallsarme Inszenierung und sein allzu konstruiertes Drehbuch alle Möglichkeiten zwischen engagierter Gesellschaftskritik und spannender Actionunterhaltung.“

Lexikon des internationalen Films[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Rainer Erler hat das Drehbuch von Fleisch zu einem Roman verarbeitet, der ursprünglich im Goldmann-Verlag erschienen ist. Im Shayol Verlag erschien 2006 eine überarbeitete Neuausgabe (ISBN 3926126574).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Nicht ohne meine Niere, Die Welt vom 16. Februar 2008
  2. a b Lahme Organräuber, Der Tagesspiegel vom 17. Februar 2008
  3. Haste mal 'ne Niere?, Der Spiegel vom 18. Februar 2008
  4. Fleisch im Lexikon des internationalen Films

Weblinks[Bearbeiten]