Flugplatz Brandis-Waldpolenz

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Flugplatz Brandis-Waldpolenz
BW
Flugplatz Brandis-Waldpolenz (Sachsen)
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Kenndaten
ICAO-Code EDBN
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 3 km östlich von Brandis
Basisdaten
Eröffnung 1934
Start- und Landebahn
08/26 2200 m × 30 m Beton

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Der Flugplatz Brandis-Waldpolenz war ein deutscher Fliegerhorst im ehemaligen Muldentalkreis in Sachsen. Der Flugplatz hatte einen eigenen Gleisanschluss an der Bahnstrecke Beucha–Trebsen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Flugplatz wurde für die Blindflugschule 1934/1935 mit einer 1800 Meter langen und 80 Meter breiten Start- und Landebahn (SLB) erbaut. Der Flugplatz wurde unter anderem als Erprobungsplatz der Junkers AG in Dessau genutzt, so wurde hier unter anderem das Experimentalflugzeug Sack AS-6 getestet. Eine zweite SLB sowie eine Endmontagehalle für den Raketenjäger Me 163 konnte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nicht fertiggestellt werden. Von November 1943 bis Anfang April 1944 rüstete hier die II./Kampfgeschwader 1 auf die Heinkel He 177 um. Von April bis August 1944 lag hier, bis zu ihrer Auflösung, die I./Kampfgeschwader 1.

1944/45 wurde der Platz mehrfach durch die United States Army Air Forces (USAAF) bombardiert sowie durch ein deutsches Sprengkommando beschädigt. Am 17. April 1945 besetzte die USAAF das Gelände, am 2. Juli 1945 dann die Rote Armee. In den beiden darauffolgenden Jahren wurden die beschädigten Flugplatzgebäude wiederaufgebaut oder abgerissen. 1954 wurden die ersten MiG-15-Strahljäger stationiert, später lagen in Brandis hauptsächlich Schlachtflieger- und Hubschraubereinheiten. Von 1955–1961 wurde Brandis hauptsächlich als Reserveplatz genutzt. Etwa ab 1960 erfolgte der kontinuierliche Ausbau der Infrastruktur, die SLB wurde verlängert, eine Vorstartlinie sowie neue Rollwege angelegt. Seit Anfang der 1960er-Jahre war hier das 239. selbstständige Garde-Hubschrauberregiment mit Mi-4, Mi-6, Mi-8 und Mi-10 stationiert. In den 1970er Jahren kamen eine Wartungshalle für die ab 1969 stationierten Hubschrauber Mi-2 einer selbstständigen Hubschrauberabteilung und weitere Wohngebäude für die stationierten Militärangehörigen hinzu. Ein Wechsel der Stationierung folgte 1977, die Transporthubschrauber verließen den Standort Richtung Oranienburg. Stattdessen folgte das 225. selbstständige Kampfhubschrauberregiment mit Mi-8 und Mi-24, das 1985 weiter nach Allstedt verlegte. 1985/86 wurde aufgrund der Neustationierung des 357. selbstständigen Schlachtfliegerregiments die Vorstartlinie erneuert und offene Splitterschutzbauten für die Flugzeuge angelegt. 1989 wurde das 485. selbstständige Hubschrauberregiment auf dem Flugplatz neu formiert, es setzte sich aus vier anderen auf mehreren Flugplätzen stationierten Kampfhubschrauberstaffeln zusammen.[1] Aufgrund Platzmangel verließ daher die wenige Jahre zuvor hier stationierte 269. Drohnenstaffel den Flugplatz Richtung Dresden-Hellerau.[2]

Die letzten Flüge sowjetischer Einheiten erfolgten im April 1992 durch Su-25-Flugzeuge des 357. selbstständigen Schlachtfliegerregiments und am 29. Mai gleichen Jahres durch Mi-8 und Mil Mi-24 des 485. selbstständigen Hubschrauberregiments.[3] Im August fanden die letzten Materialtransporte durch An-12 und Il-76 statt. Anschließend wurde das Gelände an die deutschen Behörden übergeben.

Im Jahr 1994 wurde das Gelände an einen Privatmann zur Nutzung verpachtet. Bis 2005 war der Flugplatz für Sichtflug (VFR) geöffnet. Unter anderem gab es hier eine Flugschule und der Leipziger Anbieter für Luft-Taxi-Dienste und Rundflüge mit Hubschraubern, LipsAir, hatte hier seine Basis. Seit dem 30. Oktober 2005 ist der Platz geschlossen.

Gegenwart[Bearbeiten]

In den Jahren 2007 bis 2008 sowie 2011 errichtete ein Unternehmen aus Wörrstadt auf dem ehemaligen Flugplatzgelände einen Solarpark. 2012 wurde mit der Planung und Realisierung einer Biogasanlage begonnen.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Stefan Büttner, Lutz Freundt (Hrsg.): Rote Plätze. Russische Militärflugplätze Deutschland 1945–1994. Fliegerhorste - Aerodrome - Militärbrachen. AeroLit, Berlin 2007, ISBN 978-3-935525-11-4.
  •  Jürgen Zapf, VDM Heinz Nickel (Hrsg.): Flugplätze der Luftwaffe 1934 – 1945 – und was davon übrig blieb Band 2 – Sachsen. VDM Heinz Nickel, Zweibrücken 2002, ISBN 978-3-925480-62-1.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stefan Büttner: Hubschrauber in Jüterbog, Barbara-Meldung Nummer 19 (2009): Mitteilungsblatt des Garnisongeschichtsvereins Jüterbog St. Barbara e.V.; Hrsg.: Garnisongeschichtsverein Jüterbog "St. Barbara" e. V.; S. 24–33
  2. Stefan Büttner/Martin Ebert: Wie der Kreml die DDR aufgab, Flieger Revue extra, 24. Heft, 2009, S. 6–31
  3. http://www.aerolit.de/fileadmin/pdf/RP_Update5_022010.pdf.pdf Zugriff am 3. Mai 2012

Quelle[Bearbeiten]