Iljuschin Il-10

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Iljuschin Il-10
Tschechoslowakische Lizenzversion Avia B.33 im Museum der polnischen Armee Warschau
Lizenzmuster B-33 im Museum der polnischen Armee Warschau
Typ: Schlachtflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1923Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: Iljuschin
Erstflug: 18. April 1944[1]
Indienststellung: 1944
Produktionszeit: 1944 bis 1954
Stückzahl: 6.166 (4.966 Il-10 + 1.200 B-33)

Die Iljuschin Il-10 (russisch Ильюшин Ил-10, NATO-Codename: „Beast“) war ein einmotoriges gepanzertes sowjetisches Schlachtflugzeug. Sie wurde vor Ende des Zweiten Weltkriegs als Nachfolgemodell der Il-2 Schturmowik entwickelt.

Entwicklung[Bearbeiten]

Das Konstruktionsbüro Iljuschin entwickelte im Jahre 1944 auf Basis der Il-2 einen einsitzigen Jagdbomber (Il-6) zur Bekämpfung der deutschen Bomberverbände bis zu einer Einsatzhöhe von 4.000 Metern. Dazu wurde das Cockpit umkonstruiert und erhielt eine modernisierte Ausrüstung. Das Fahrwerk konnte nun komplett eingefahren werden, wobei die Haupträder etwa um 86° geschwenkt wurden. Das Flugzeug erhielt ein stärkeres Triebwerk und eine aerodynamisch günstigere Anordnung des Wasser- und Ölkühlers im Rumpfinneren. Statt der bisher bevorzugten Holz-Metall-Gemischtbauweise setzte man nun auf eine Konstruktion aus Ganzmetall.

Am 18. April 1944 absolvierte der Prototyp mit Testpilot W. K. Kokkinaki unter der Bezeichnung ZKB-33 seinen Erstflug. Dieses Modell wurde nicht in die Massenproduktion übernommen, stattdessen konstruierte man eine baugleiche zweisitzige Ausführung und fertigte sie als Il-10 ab Herbst 1944 in Serie.

Konstruktion[Bearbeiten]

Die Il-10 wurde in Ganzmetall-Halbschalenbauweise gefertigt. Wie schon bei der Il-2, so hatte man auch bei ihr Wert auf eine starke Panzerung der wichtigen Teile wie Triebwerk und Cockpit gelegt. Gut geschützt waren auch die in den Tragflächen befindlichen Kraftstofftanks. Das Tragwerk war in Tiefdeckerausführung konzipiert und ebenso wie das Normalleitwerk freitragend.

Produktion[Bearbeiten]

Bis Kriegsende wurden etwa 100 Flugzeuge gebaut. Die Produktion lief bis in die 1950er-Jahre hinein und umfasste 4.966 Il-10, die mit Doppelsteuer ausgerüstete Schulversion Il-10U eingeschlossen. Als das Schlachtflugzeug Il-20 für die Serienfertigung abgelehnt wurde, entstand 1951 die modernisierte Il-10M, äußerlich erkennbar an den eckigen Tragflächenenden und dem verlängertem Rumpf. Von der schon 1944 entstandenen Variante Il-6 wurden nur 53 Exemplare gebaut.

Lizenzproduktion[Bearbeiten]

Der tschechoslowakische Hersteller Avia stellte insgesamt 1.200 Il-10 unter der Bezeichnung Avia B-33 in Lizenz her.

Einsatz[Bearbeiten]

Der erste Kampfeinsatz erfolgte am 2. Februar 1945 im Raum Sprottau.

Im Koreakrieg fand sie ebenfalls Verwendung, erlitt dort aber aufgrund der veralteten Konstruktion schwere Verluste.

Sie diente in den Luftstreitkräften Bulgariens, Chinas, Ungarns, Polens, Nordkoreas, der Tschechoslowakei und Jugoslawiens.

Verbliebene Exemplare[Bearbeiten]

Il-10 sind im Museum der sowjetischen Luftstreitkräfte in Monino bei Moskau, im Museum der polnischen Armee in Warschau und im Chinesischen Luftfahrtmuseum in Peking ausgestellt.

Technische Daten[Bearbeiten]

Dreiseitenriss
Kenngröße Il-1 Il-10
Spannweite 13,40 m 13,40 m
Länge 11,12 m 11,12 m
Höhe 4,10 m 4,18 m
Flügelfläche 30,0 m² 30,0 m²
Leermasse 4.285 kg 4.650 kg
Startmasse 5.320 kg normal 6.300 kg
maximal 6.535 kg
Antrieb ein 12-Zylinder-V-Motor
Mikulin AM-42
(1.470 kW/2.000 PS)
ein 12-Zylinder-V-Motor
Mikulin AM-42
(1.470 kW/2.000 PS)
Höchstgeschwindigkeit 580 km/h in 3.260 m Höhe 550 km/h in 2.300 m Höhe
Steigzeit auf 1.000 m Höhe
1,6 min
Gipfelhöhe 8.600 m praktisch
7.250 m
Reichweite maximal
800 km
Bewaffnung zwei 23-mm-MK zwei-vier 23-mm-MK WJa-23 oder NS-23
eine 20-mm-MK UB
500–600 kg Bomben
vier RS-82- oder RS-132-Raketen
Besatzung 1 Pilot 2 (Pilot / Bordschütze)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Iljuschin Il-10 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Massimo Tessitori: Il-10. Abgerufen am 10. Juni 2013 (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Höfling: Iljuschin seit 1933. Motorbuch, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-613-03604-8, S. 38