Franciscus Gomarus
Franciscus Gomarus (auch: François Gomaer; * 30. Januar 1563 in Brügge; † 11. Januar 1641 in Groningen) war ein flandrischer reformierter Theologe.
Leben [Bearbeiten]
Der Sohn des Franz Gomarus und dessen Frau Johanna Moermans erlebte seine ersten Lebensjahre in seiner Heimatstadt. Seine Eltern hatten den evangelischen Glauben angenommen und flüchteten um 1578 wie viele flandrische Landsleute nach Deutschland. Hier erhofften sie ein Leben ohne Verfolgung ihres Glaubens in der Pfalz führen zu können. Bald darauf ging er nach Straßburg, wo er von Johannes Sturm unterrichtet und mit den Ideen von Johannes Calvin vertraut gemacht wurde, als dessen glühender Anhänger er sich später etablierte. 1580 absolvierte er eine weitere Bildung am Casimirianum Neustadt, wo solche bedeutenden reformierten Theologen wie Zacharias Ursinus, Girolamo Zanchi und Daniel Tossanus (1541-1602) ihm weitgehende theologische Grundlagen vermittelten.
Nach weiteren Aufenthalten 1582 an der University of Oxford bei Reinholdus und 1583 der University of Cambridge bei Whiteker, wo er sich den akademischen Grad eines Magisters der philosophischen Wissenschaften erwarb, setzte er 1585 seine Studien an der Universität Heidelberg bei Johann Jakob Grynaeus, Tossanus, Georg Sohn (1551-1589) und Franz Junius dem Älteren fort. Nach abgeschlossen Studium wurde er 1587 Pfarrer der niederländischen Gemeinde in Frankfurt am Main. Weil er sich eine Frau außerhalb der Stadt genommen hatte, wurde ihm 1593 verboten, sich in Frankfurt aufzuhalten. Er ging darum nach Hanau und erhielt 25. Januar 1594 eine Berufung als Professor der Theologie an die Universität Leiden.
Zu diesem Zweck begab er sich abermals nach Heidelberg, wo er am 14. März desselben Jahres zum Doktor der Theologie promovierte. An der Leidener Hochschule beteiligte er sich an den organisatorischen Aufgaben der Hochschule und war 1597 bis 1599 Rektor der Alma Mater. 1611 trat er von seiner Leidener Professur zurück, da er unzufrieden mit der Einstellung von Konrad von der Vorst war und sich ständiger Anfeindungen von Jacobus Arminius erwehren musste. Schon bei der Disputation in Den Haag von 1609 trat er gegen Jacobus Arminius und dessen Anhänger auf. Ab 1615 lehrte Gomarus an der Akademie Saumur, bis er 1618 zum ersten Professor der Theologie an der Universität Groningen berufen wurde.
Er nahm 1618/19 auch an der Dordrechter Synode teil und setzte die Bestätigung der streng calvinistischen Linie in der Prädestinationslehre und den Ausschluss der Remonstranten aus der reformierten Kirche durch. Die Contraremonstranten genannten Gegner der Remonstranten wurde nach ihm auch als Gomaristen bezeichnet.
Literatur [Bearbeiten]
- Christian Gottlieb Jöcher: Allgemeines Gelehrten-Lexicon, Darinne die Gelehrten aller Stände sowohl männ- als weiblichen Geschlechts, welche vom Anfange der Welt bis auf die ietzige Zeit gelebt, und sich der gelehrten Welt bekannt gemacht, Nach ihrer Geburt, Leben, merckwürdigen Geschichten, Absterben und Schrifften aus den glaubwürdigsten Scribenten in alphabetischer Ordnung beschrieben werden. Verlag Johann Friedrich Gleditsch, Leipzig, 1750, Bd. 2, Sp. 1062
- Gomarus, Franciscus. In: Zedlers Universal-Lexicon. Band 11, Leipzig 1735, Spalte 157 f.
- Ersch/Gruber: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. Verlag Friedrich Arnold Brockhaus, Leipzig, 1861, 1. Sektion, Teil 73, S. 367-369 (Online)
- Jacob Cornelis van Slee: Gomarus, Franciscus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 363–365.
- Sudhoff, S. D. van Been: Gomarus, Franciscus. In: Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche (RE). 3. Auflage. Band 6, Hinrichs, Leipzig 1899, S. 763–764.
- Barend Glasius: Biographisch Woordenboek van Nederlandsche Godgeleerden. Gebrüder Muller, ’s-Hertogenbosch, 1851, Bd. 1, S. 537(Online, niederländisch)
- Abraham Jacob van der Aa: Biographisch Woordenboek der Nederlanden. Verlag J. J. van Brederode, Haarlem, 1862, Bd. 7, S. 281 (Online, niederländisch)
- F. S. Knipscheer: Gomarus, Franciscus. In: Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek, Deel 7. Herausgegeben von Petrus Johannes Blok und Philipp Christiaan Molhuysen, Leiden 1927, S. 483–484. (online beim Instituut voor Nederlandse Geschiedenis oder der Digitale Bibliotheek voor de Nederlandse Letteren). (niederländisch)
- G.P. van Itterzon: Gomarus, Franciscus. In: Biografisch Lexicon voor de geschiedenis van het Nederlands Protestantisme. J. H. Kok, Kampen, 1983, ISBN 9024223326, Bd. 2, S. 219-225 (niederländisch)
Weblinks [Bearbeiten]
- Druckschriften von und über Franciscus Gomarus im VD 17
- G. P. VAN ITTERZON: Fanciscus Gomarus met Portret, een Facsimimilie en 57 Onuitgeven. Martin Nijhoff, 's Gravenhage, 1930, RTF (niederländisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Gomarus, Franciscus |
| ALTERNATIVNAMEN | François Gomaer |
| KURZBESCHREIBUNG | reformierter Theologe |
| GEBURTSDATUM | 30. Januar 1563 |
| GEBURTSORT | Brügge |
| STERBEDATUM | 11. Januar 1641 |
| STERBEORT | Groningen |