Friedenstaube

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Briefmarke der deutschen Post zum Internationalen Jahr des Friedens, 1986

Neben weiteren Friedenszeichen wird die Taube als Symbol des Friedens angesehen. In diesem Zusammenhang wird sie als Friedenstaube bezeichnet.

Das Symbol der Friedenstaube hat keine verhaltensbiologische Entsprechung, da Tauben im Vergleich zu beispielsweise Falken untereinander sehr aggressive und angriffslustige Tiere sind.

Taube als Attribut[Bearbeiten]

Steintafel mit Taube und Olivenzweig, Domitilla-Katakomben, Rom
Biblische Darstellung

Vorbiblisch war die Taube als Friedenssymbol der Göttin Har und der Harines, der Tempeldienerinnen, ein tiefenkultureller Grundbestand (zumindest) aller mediterranen Deutungen von Frieden. Die Erhabene Taube, Jahu, war ursprünglich der sexuelle Aspekt der sumerischen Inanna. Von ihr übernahmen die patriarchal orientierten semitischen Stämme das Symbol. Bei ihnen war die Taube dann zwar ein wichtiges Opfertier, seine sexuell-energetische Komponente des Friedens aus Harmonie der Dualitäten aber wurde verdrängt. Aus der Taube als energetischem Friedenssymbol für weibliche Sexualität und Vereinigung der Gegensätze wurde nach der These von Wolfgang Dietrich das moralisch-asketische Friedenszeichen des Heiligen Geistes.[1]

In der der profanen Ikonographie ist die Taube ein Symbol für den Frieden, als Taubenpaar oder auch als einzelne Taube ein Attribut der römischen Göttin Venus und in der neuzeitlichen Emblematik ein Attribut der Luxuria.

Taube in der Bibel[Bearbeiten]

Die Taube spielt in der biblischen Sintflut-Erzählung die Rolle des frohen Botschafters: Eine von Noah ausgelassene Taube kehrt mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zur Arche zurück (Gen 8,11 EU). Die biblische Sintflut-Erzählung beginnt in (Gen 6,5-7 EU) mit einer Art Kriegserklärung Gottes an die Menschen und die Schöpfung, denn "die Erde ist voller Gewalt" (Gen 6,13 EU). Die Rückkehr der Taube mit dem Olivenzweig wird daher als Zeichen des Friedensschlusses verstanden, Taube wie Olivenzweig werden zu Friedenssymbolen.[2]

Symbol der Friedensbewegungen[Bearbeiten]

Eine Friedenstaube für die Pariser Weltfriedenskongress 1949 wurde von Pablo Picasso entworfen und lithographiert. Seine Tochter wurde am Abend des Kongresses geboren, er nannte sie Paloma (spanisch für Taube).[3] 1955 erhielt er dafür den Weltfriedenspreis.[4] Seitdem ist die Friedenstaube ein weltweites Symbol für den Frieden und die Friedensbewegung. Sie inspirierte Autoren für Kinderlieder ebenso wie Grafiker und Künstler, die dieses Symbol für ihre Arbeiten verwendeten. Picasso selbst benutzte dieses Motiv noch mehrere Male für einige seiner anderen Arbeiten.

Friedenstaube als Zeichen vieler Friedensdemonstrationen der Jahre 1980-84

Das bekannte Friedenslogo, die weiße Taube auf blauem Grund als Symbol der Friedensbewegung, wurde von dem finnischen Grafiker Mika Launis (*1949) anhand eines 1974 gefertigten Fotos einer Taube des finnischen Zauberers Pekka Kärkkäinen entworfen. Die Financial Times Deutschland gab ihr im Oktober 2006 den Namen Pulu (finn. für Taube). Ein markantes Merkmal dieses Logos ist eine Lücke im Schwanz der Taube, die einem Zusammenprall mit einem Scheinwerfer bei der Aufnahme des Fotos geschuldet ist.

Später erschien die Friedenstaube sogar in Symbolen von Parteien und diversen Organisationen. Taubenauflasse wurden und werden zu Beginn friedlicher, sportlicher Ereignisse und auch anlässlich von Hochzeiten inszeniert.

Verwendung in der DDR[Bearbeiten]

Die Friedenstaube wurde zu propagandistischen Zwecken in der DDR verwendet, zum Beispiel auf dem höchsten Wert der Briefmarkenserie Fünfjahrplan und auf dem nie ausgegebenen 200-Mark-Schein mit dem Wasserzeichen einer Friedenstaube.

Eine Friedenstaube ist unter anderem im Stadtwappen von Eisenhüttenstadt, als Wandbild an der Nordfassade des Kaufhauses Magnet in der ehemaligen Leninallee in Berlin (gemalt von Walter Womacka), als Symbol der Internationalen Friedensfahrt und im Logo des 1949 gegründeten Berliner Ensembles abgebildet.

Fries über dem Eingang des ehemaligen Gästehauses der Regierung der DDR in Berlin-Niederschönhausen

Gästehaus Fries.jpg

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Dietrich: Variationen über die vielen Frieden. Band 1: Deutungen, Schriften des UNESCO Chair for Peace Studies der Universität Innsbruck, VS-Verlag, Wiesbaden, 2008, S. 44
  2. vgl. Willem Barnard, Bezig met Genesis, Voorburg/Niederlande 1987, S. 47ff.
  3. Picasso: Peace and Freedom: Room 3: The Dove of Peace, tate.org.uk, abgerufen am 17. Mai 2014
  4. Lexikon A-Z in Zwei Bänden, Zweiter Band, Enzyklopädie Volkseigener Verlag Leipzig 1957, S. 356

Literatur[Bearbeiten]

  • Dietrich, Wolfgang: Variationen über die vielen Frieden, Band 1: Deutungen, Schriften des UNESCO Chair for Peace Studies der Universität Innsbruck, Wiesbaden, VS-Verlag, 2008.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedenstauben – Sammlung von Bildern