GAZelle

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GAZ
GAZelle Schulbus

GAZelle Schulbus

GAZelle
Hersteller: GAZ
Produktionszeitraum: 1994–2010
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: GAZelle-Business
GAZelle-Next
Technische Daten
Bauformen: Kastenwagen, Kleinbus, Pritschenwagen
Motoren: Ottomotoren:
2,4–2,9 Liter
(65–112 kW)
Dieselmotoren:
2,1 Liter
(70–81 kW)
Länge: 5500 mm
Breite: 1966 mm
Höhe: 2200 mm
Radstand: 2900 mm
Nutzlast: –1,5 t

Die GAZelle (russ. ГАЗель, GAZel') ist ein Kleintransporter der russischen Automobilfabrik Gorkowski Awtomobilny Sawod (GAZ), welcher von 1994 bis 2010 in Nischni Nowgorod produziert wurde. Ursprünglich handelte es sich um ein Entwicklungsprojekt von Leyland DAF und Renault als Nachfolger des DAF 200- 400 und des Renault Master. Durch den Konkurs von Leyland DAF erwarb GAZ deren Anteil und entwickelte daraus die GAZelle, während Renault gemeinsam mit Iveco den Renault Master II und den Iveco Daily III schuf. Die GAZelle ist in Russland und anderen osteuropäischen und mittelasiatischen Staaten sehr weit verbreitet und wird sowohl als Transporter (darunter auch als Rettungswagen) als auch im öffentlichen Personennahverkehr (häufigster Autotyp für Marschrutka) eingesetzt. Es handelte sich um den erfolgreichsten Typ des Herstellers nach dem Ende der Sowjetunion. Seit dem Erscheinen des Nachfolgers GAZelle-Business wird nur noch die GAZelle-Standard mit der 2003 modernisierten Karosserie und teilweise modernisierter Technik produziert. Nach dem Vollproduktionsanlauf der GAZelle-Next werden auch diese Varianten nicht mehr produziert.

Modellhistorie[Bearbeiten]

Am 20. Juli 1994 begann die Produktion der Modellreihe als GAZ-3302. Auf der Plattform wurden nach und nach Fahrgestelle für diverse Aufbauten, Pritschenwagen, Kastenwagen, Kleinbusse oder Minibusse mit einer Nutzlast bis zu 1,5 Tonnen hergestellt. Das Leergewicht wird mit 2650–2800 kg angegeben. Vorne wurden Scheibenbremsen mit Schwimmsattel von Lucas verbaut. Den Antrieb übernahm der 4-Zylinder-Benzinmotor UMP-4.215 (Euro 0) mit 2890 cm³ und 65 kW (89 PS) oder 70 kW (96 PS) oder der 4-Zylinder-Benzinmotor ZMZ-402 (Euro 0) aus den von GAZ produzierten Wolga-Modellen mit 72 kW (98 PS). Zudem gab es denn von Steyr Motors entwickelten GAZ-560-Dieselmotor mit 2134cm³ und 70 kW (95 PS) (Euro 1), später mit Turbolader 81 kW (110 PS) (Euro 2). Im Juni 1995 wurde erstmals eine kleine Serie mit Allradantrieb hergestellt und erstmals gab es LPG-Umrüstungen, da der Verbrauch des Motors sehr hoch war. Gleichzeitig folgte auch der GAZ-33023 als Kombi-/Lieferwagen für bis zu fünf Passagiere und 1000 kg Nutzlast als sogenannter GAZelle Bauer zum günstigeren Einstiegspreis. Mit Allradantrieb als GAZ-330273. Der GAZ-2705 wurde als Kastenwagen mit einer Nutzlast von 1350 kg und zwei Sitzplätzen, als Kombi mit sechs Sitzplätzen und 1 Tonne Nutzlast, jeweils beidseitig mit Schiebetüren angeboten. Ab Januar 1996 war der Kleinbus GAZ-3221 mit acht Sitzplätzen, abgeleitet vom GAZ 2705 erhältlich, der eine separate Fahrgastraum-Klimaanlage bzw. Heizung erhielt. Im Sommer 1996 gab es diesen auch mit permanentem Allradantrieb als GAZ-32217. Im März 1996 folgte der Minibus GAZ-32213 mit bis zu 13 Sitzplätzen, ab Sommer 1996 auch mit permanentem Allradantrieb als GAZ-322137. Ab Juli 1996 wurde der GAZ-32214 als Krankenwagen produziert und ab August 1996 war der GAZ-322132 erhältlich, ein kleiner Linienbus mit vorderer Schiebetür und 10 oder 12 Sitzplätzen. Von Semar wurde zwischen 1995–2007 auf der Grundlage der GAZelle der Semar-3234 produziert. Neben Schulbussen und Krankenwagen werden auch andere Spezialversionen wie etwa Leichenwagen produziert. Der Semar-3234 war das meistverkaufte Modell, das auf der GAZelle-Basis von Fremdherstellern gefertigt wurde.

Ab 2002 wurden serienmäßig auch Langversionen der GAZelle angeboten, die ursprünglich nur als Fahrgestell oder Abschleppwagen in Sonderanfertigung hergestellt worden waren.

Serie II[Bearbeiten]

Im Januar 2003 startete die zweite Generation, äußerlich erkennbar durch eine neu gestaltete Front mitsamt Kühlergrill, Stoßfänger und Scheinwerfern. Im Inneren wurden das Armaturenbrett überarbeitet und die Sitze verbessert. Die Technik wurde ebenfalls überholt. Der 4-Zylinder-Benzinmotor UFG-4216 mit 2890 cm³ und 75 kW (102 PS) (Euro 2) ersetzte den UMP-4.215, der ZMZ-4062 (Euro 2) mit 104 kW (142 PS) den bisherigen ZMZ-Motor. Der Dieselmotor wird nun nur noch mit Turbolader und Ladeluftkühlung gebaut, bleibt in der Leistung jedoch gleich, wird aber sparsamer und erreicht nun die Abgasnorm Euro 3. Diese Maßnahmen waren notwendig, da die GAZelle auch beispielsweise nach Polen oder Tschechien exportiert wird und hier die schärferen Vorschriften der Europäischen Union bei den Abgasvorschriften gelten.

Im August 2005 wurde die 1 Millionste GAZelle hergestellt. Zur gleichen Zeit wurde ein Antiblockiersystem verfügbar, das bei den Kombi-/Busvarianten und den schwereren Versionen serienmäßig zum Einsatz kam. Gleichzeitig begann der Marktanteil der GAZelle auf dem Heimatmarkt durch modernere Modelle von ausländischen Herstellern, wie dem Fiat Ducato und dem Hyundai Porter zu sinken. Es folgte daher eine Überarbeitung des UFG-4216 mit nun 78 kW (106 PS)[1], jedoch weiterhin mit einem unökonomisch hohen Benzinverbrauch von 15 bis 20 l/100 km.

Da GAZ kein eigenständiges Modell entwickeln wollte, beteiligte man sich an LDV. Geplant war der Bau des LDV Maxus in Russland als Nachfolger der GAZelle ab 2007. Finanzielle Engpässe verschoben dies immer wieder und es wurden zuerst Modelle des Maxus importiert. 2008 wurde dann die Montage von CKD-Bausätzen aufgenommen. Gleichzeitig entfiel der Dieselmotor bei der GAZelle, um dem Maxus nicht unnötig Konkurrenz zu machen. Der UMP-4.215 wurde durch einen in Lizenz hergestellten 2,4-Liter-DOHC-Benzinmotor abgelöst. Die Leistung des ZMZ-4062 stieg auf 112 kW (152 PS).

Durch den Konkurs von LDV und den Aufkauf sämtlicher Rechte durch SAIC musste GAZ sich vollständig neu orientieren. Daher wurde die Entwicklung der GAZelle-Business als Übergangslösung in Angriff genommen. Nach dem Markteintritt dieses größeren und moderneren Modells im Jahr 2010 wurde die Produktion der GAZelle schrittweise nach und nach eingestellt. Seit 2011 sind nur noch die kleinen Standardmodelle als Einstiegsfahrzeuge erhältlich. Das seit 2013 neu erhältliche Modell GAZelle-Next wird langfristig sowohl die GAZelle als auch die GAZelle Business ersetzen.


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.gazavtomig.ru/spravka/motor/umz

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: GAZelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien