GNU General Public License

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Die GNU General Public License (auch GPL oder GNU GPL) ist die am weitesten verbreitete Software-Lizenz, mit der man die Software kostenlos nutzen, studieren, ändern und verbreiten (kopieren) darf. Software, die diese Freiheitsrechte gewährt, wird Freie Software und Open-Source-Software genannt. Ursprünglich hat die Lizenz Richard Stallman der Free Software Foundation (FSF) für das GNU-Projekt geschrieben. Die FSF empfiehlt die aktuelle, 2007 veröffentlichte dritte Version (GNU GPLv3).[1]

Nutzung[Bearbeiten]

Die GPL kann von jedem als Lizenz verwendet werden, um mit dieser die Freiheitsrechte der Endnutzer sicherzustellen.[2] Sie ist die erste Copyleft-Lizenz für den allgemeinen Gebrauch. Copyleft bedeutet, dass Änderungen oder Ableitungen von GPL-lizenzierten Werken nur unter den gleichen Lizenzbedingungen (also eben GPL) vertrieben werden dürfen. Damit gewährt die GPL den Empfängern eines Computerprogramms die Freiheitsrechte Freier Software und nutzt Copyleft, um sicherzustellen, dass diese Freiheiten bei Weiterverbreitung erhalten bleiben, auch wenn die Software verändert oder erweitert wird. Freizügige Lizenzen wie die BSD-Lizenz hingegen fordern nicht das Copyleft.

Unter GPL lizenzierte Software darf für alle Zwecke ausgeführt werden (auch kommerzielle Zwecke, und GPL-lizenzierte Compiler und Editoren dürfen sogar als Werkzeuge für die Erstellung von proprietärer Software genutzt werden);[3] sie darf bei rein privater (oder interner) Verwendung – ohne Vertrieb, ohne Weitergabe – modifiziert werden, ohne dass der Quellcode offengelegt werden muss (nur bei Vertrieb oder Weitergabe müssen der Quellcode und etwaige Code-Änderungen den Endnutzern zugänglich gemacht werden – dann kommt nämlich Copyleft zur Anwendung, um sicherzustellen, dass die Endnutzer-Freiheiten erhalten bleiben).[4] Jedoch muss Software, welche als Anwendungsprogramm unter einem GPL-lizenzierten Betriebssystem wie GNU/Linux läuft, nicht zwangsweise unter GPL oder quelloffen vertrieben werden – die Lizenzierung ist nur von den verwendeten Bibliotheken und Software-Teilen abhängig (nicht von der unterliegenden Plattform):[5][6][7][8] wenn z. B. ein Anwendungsprogramm nur eigene Software enthält, oder mit quelloffenen Software-Teilen kombiniert wird, welche keinem strengen Copyleft unterliegen (also somit auch keine GPL-Teile),[9] dann müssen die eigenentwickelten Software-Teile nicht unter GPL oder quelloffen gelegt werden (selbst wenn das eingesetzte Betriebssystem unter GPL lizenziert ist).[5] Nur bei der Realisierung von Software, welche neue (eigene) Quellcode-Teilen mit GPL-Teilen verbindet (und wenn diese Software verbreitet oder vertrieben wird), so muss der Quellcode den Nutzern (unter den gleichen Lizenzbedingungen: GPL) zugänglich gemacht werden. Die GNU Lesser General Public License (LGPL) wurde entwickelt, um ein schwächeres Copyleft als GPL zu haben: LGPL erfordert nicht, dass eigene entwickelte Code-Teile (welche LGPL-Teile nutzen, aber von ihnen unabhängig sind: z.B. lediglich Library-Aufruf) unter den gleichen Lizenzbedingungen zur Verfügung gestellt werden müssen.

Nutzer und Firmen dürfen für den Vertrieb von GPL-lizenzierten Werken Geld verlangen (kommerzieller Vertrieb),[10][11] oder sie kostenlos vertreiben. Dies unterscheidet GPL von Software-Lizenzen, welche den kommerziellen Vertrieb verbieten. Die FSF erklärt, dass freiheitsrespektierende Software auch den kommerziellen und gewerblichen Nutzen und Vertrieb (inklusive Weitervertrieb) nicht einschränken darf:[12] die GPL besagt ausdrücklich, dass GPL-Werke (z. B. Freie Software) zu jedem Preis verkauft oder weitervertrieben werden können.[13]

Geschichte[Bearbeiten]

Die GNU GPL wurde im Januar 1989 von Richard Stallman, dem Gründer des GNU-Projekts, geschrieben.

Sie basierte auf einer Vereinheitlichung gleichartiger Lizenzen, die bei früheren Versionen von GNU Emacs, dem GNU Debugger und der GNU Compiler Collection Anwendung fanden. Diese Lizenzen waren auf jedes Programm speziell zugeschnitten, enthielten aber die gleichen Vorschriften wie die aktuelle GNU GPL. Das Ziel von Stallman war, eine Lizenz zu entwickeln, die man bei jedem Projekt verwenden kann. So entstand die erste Version der GNU General Public License, die im Januar 1989 veröffentlicht wurde.

Im Juni 1991 veröffentlichte die Free Software Foundation (FSF) die zweite Version der GNU GPL (GPLv2). Die wichtigste Änderung dabei war die sogenannte „Liberty or Death“-Klausel (übersetzt: „Freiheit oder Tod“) in Paragraph 7.[14] Diese besagt, wenn es nicht möglich ist, einige Bedingungen der GNU GPL einzuhalten – beispielsweise wegen eines Gerichtsurteils – es untersagt ist, diese Lizenz nur bestmöglich zu erfüllen. In diesem Fall ist es also überhaupt nicht mehr möglich, die Software zu verbreiten. Auch kam der Paragraph 8 hinzu: Dieser erlaubt es einem Autor, die Gültigkeit der Lizenz geographisch einzuschränken, um Länder auszuschließen, in denen die Verwertung des Werks durch Patente oder durch urheberrechtlich geschützte Schnittstellen eingeschränkt ist. Des Weiteren ist die zweite Version besser mit nicht-US-amerikanischen Rechtssystemen kompatibel, da sie sich auf die Berner Übereinkunft stützt.

Zeitgleich wurde am 2. Juni 1991 eine neue Lizenz mit dem Namen GNU Library General Public License (GNU LGPL) mit der Versionsnummer 2.0 (GNU LGPL v2.0) veröffentlicht, bei der es sich um eine von der GNU GPL abgeleitete, gelockerte Version der GNU GPL handelt. Sie wurde eingeführt, nachdem seit 1990 deutlich wurde, dass die GNU GPL in manchen Fällen (meist für Programmbibliotheken) zu restriktiv (einschränkend) war. Die GNU LGPLv2 (Juni 1991) wurde ursprünglich für einige bestimmte Bibliotheken entworfen. Die Lizenz verwirklicht das Modell eines schwachen Copylefts, wobei zwar darunter stehende Programmbibliotheken nicht mehr zur Folge haben, dass die sie verwendenden Programme ebenfalls unter gleichen Bedingungen lizenziert werden müssen, jedoch unterliegen Weiterentwicklungen der Bibliotheken selbst nach wie vor der GNU LGPL. Mit der im Februar 1999 erschienenen Version 2.1 wurde die Lizenz in GNU Lesser General Public License umbenannt, der neue Name war ein Vorschlag von Georg Greve.[15]

Seit ihrer Einführung ist die GPL die am weitesten verbreitete freie Softwarelizenz. Die meisten Programme im GNU-Projekt sind unter der GPL und der LGPL lizenziert, darunter auch die Compilersammlung GCC, der Texteditor GNU Emacs und der Gnome Desktop. Auch viele weitere Programme von anderen Autoren, die nicht Bestandteil des GNU-Projekts sind, sind unter der GPL lizenziert. Außerdem sind alle LGPL-lizenzierten Produkte auch unter der GPL lizenziert.

Der erste Entwurf der dritten Version der GPL wurde am 16. Januar 2006 der Öffentlichkeit zur Diskussion vorgestellt. Es folgten drei weitere Entwürfe. Am 29. Juni 2007 wurde schließlich die finale Version der GPL 3 publiziert.

Die vierte Version der GPL ist noch nicht geplant, Richard Stallman kündigte jedoch bei der Veröffentlichung der GPLv3 an, die GPLv4 innerhalb dieses Jahrzehntes zu veröffentlichen.[16]

GPL Version 3[Bearbeiten]

Sechzehn Jahre nach dem Erscheinen der Version 2 im Jahre 1991 erfolgte am 29. Juni 2007 eine Revision der Lizenz mit der Version 3. Einige der größten und wichtigsten Änderungen sind:

  1. Die GPL soll eine globale Lizenz sein. Seit der Version 2 unterstützt sie zwar die Internationalisierung relativ erfolgreich, indem sie sich auf die minimalen Prinzipien der Berner Übereinkunft zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst stützte, trotzdem war sie immer noch zu stark auf das US-amerikanische Rechtssystem ausgelegt. Daher soll nationalen rechtlichen Besonderheiten mehr Bedeutung eingeräumt werden, ohne dabei die unumstößlichen Grundprinzipien der GPL zu verletzen.
  2. Für den Paragraphen 3 der GPL Version 2, der für das Verteilen, Kopieren und Modifizieren von Software zuständig war, und den Paragraphen 7, welcher für die Regelung von Patenten und anderen rechtlichen Beschränkungen maßgeblich war, sollten Änderungen eingeführt werden, welche die unterschiedlichen Interessen und Standpunkte aller Lizenzteilnehmer möglichst gut vereinen.
  3. Die GPL ist die Verfassung der Bewegung für freie Software. In erster Linie stehen deshalb gesellschaftspolitische Absichten im Vordergrund, erst dann technische und ökonomische. Ein absolutes Grundprinzip ist dabei der freie Austausch von Wissen, ebenso wie der freie Zugang zu technischem Wissen und Kommunikationsmitteln, nach dem Vorbild der wissenschaftlichen Freiheit. Entwicklungen wie Softwarepatente, Trusted computing und DRM, die diesen Prinzipien entgegenwirken, sollen unter dem gesellschaftspolitischen Gesichtspunkt betrachtet und so in der GPL berücksichtigt werden, wobei die angeführten Freiheiten unangetastet bleiben müssen.

Die FSF als Halter der GPL unter der Leitung von Richard Stallman koordinierte die Überarbeitung, beraten wurde sie dabei von Eben Moglen. Durch die angestrebte Universalität der GPL 3 ergaben sich zwangsläufig konkurrierende Interessenlagen. Am 16. Januar 2006 wurde ein erster vorläufiger Entwurf veröffentlicht und zur Diskussion gestellt, um ein möglichst optimales Ergebnis für die zukünftige Publikation zu erreichen. Die GPLv3 wurde seit der Veröffentlichung des ersten Entwurfs kontrovers diskutiert. Kontrovers diskutiert wurde u.a. in der Entwurfsphase der Aspekt der Tivoisierung, der in der vorherigen Version v2 nicht bedacht worden war.[17] Der FSF-Vorschlag soll Tivoisierung zukünftig verhindern,[18] Linuxkernelinitiator Linus Torvalds[19] kritisierte jedoch dieses Vorgehen und vertrat den Standpunkt, dass Tivoisierung erlaubt bleiben solle. Torvalds kritisierte insbesondere die ersten zwei Entwürfe äußerst scharf und sieht weiterhin keinen Grund, den Linux-Kernel unter diese Version der Lizenz zu stellen. Starke Kritik gab es auch von Seiten der Firmen Linspire, Novell, MySQL und anderen. Einige Firmen – insbesondere MySQL – änderten daraufhin die Lizenzformulierung ihrer Produkte von „GPLv2 or later“ zu „GPLv2 only“.

Ein weiterer Diskussionsaspekt war, ob die GPLv3 Affero-artige Anforderungen erlauben sollte, was die sogenannte ASP-Lücke in der GPL (engl. Originalterm: "ASP loophole in the GPL") geschlossen hätte.[20][21] Nachdem jedoch einige Bedenken wegen des zusätzlichen administrativen Aufwandes geäußert worden waren, wurde entschieden, die Affero-Lizenz als eigenständige Lizenz von der GPL getrennt zu behalten.[22]

Auch gab es Kontroversen über die Mischbarkeit von GPLv2 Software mit GPLv3 Software, welche nur unter der optionalen "or later" Klausel der GPL möglich ist. Diese Klausel wurde jedoch von einigen Entwicklern als reine Notfalloption (engl. safeboat clause) betrachtet, nicht jedoch als reguläre Möglichkeit die Lizenz signifikant zu ändern.[23] Auch sind die vorhandenen Projekte, welche ihre Software ohne die optionale "or later" Klausel lizenziert haben, am bekanntesten der Linux-Kernel,[24] damit inkompatibel mit GPLv3-Software und können keinen Quelltext mit dieser austauschen.[25] Ein Beispiel ist die Bibliothek GNU LibreDWG, die nun nicht mehr von LibreCAD und FreeCAD verwendet werden kann.[26]

Nach drei weiteren Entwürfen wurde die endgültige Fassung am 29. Juni 2007 publiziert.[27] Als Nebeneffekt der Überarbeitung sind mehrere zusätzliche Lizenzen GPL-kompatibel geworden.[28]

Copyleft-Prinzip[Bearbeiten]

Hauptartikel: Copyleft

Alle abgeleiteten Programme eines unter der GPL stehenden Werkes dürfen von Lizenznehmern nur dann verbreitet werden, wenn sie von diesen ebenfalls zu den Bedingungen der GPL lizenziert werden. Dies betrifft nur Lizenznehmer, nicht die Inhaber der Rechte. (Der Halter des Copyrights – das ist der Autor oder jemand, dem der Autor seine Rechte abgetreten hat – kann das Werk auch unter beliebigen anderen Lizenzen weitergeben.) Dieses Schutzverfahren benannte Richard StallmanCopyleft“ – als Anspielung auf das Wort Copyright. Ziel ist, die Freiheit eines Programmes auch in der Weiterentwicklung von anderen sicherzustellen.[29]

Dieses Prinzip findet sich auch in den anderen Lizenzen – unter anderem in den GNU-Lizenzen (LGPL, AGPL und GFDL) – sowie als „Share Alike“ bezeichnet in einigen der Creative-Commons-Lizenzen.

Anwendung auf ein neues Programm[Bearbeiten]

Die GPL enthält einen Anhang, der beschreibt, wie man die Lizenz auf ein neues Programm anwenden kann.[30] Der Anhang enthält eine Standardvorlage, in die noch der Name des Programms, eine kurze Beschreibung dessen, was es tut, das Jahr der Erstellung und der Name des Autors einzufügen ist. Die Vorlage enthält einen Haftungshinweis, der warnt, dass das Programm ohne jegliche Garantie kommt. Sie lizenziert das Programm unter der jeweiligen GPL-Version, mit dem Zusatz „or (at your option) any later version“, der das Programm auch für die Bedingungen zukünftig herausgegebener Fassungen der GPL öffnet. Damit steht das Programm automatisch auch unter einer neuen GPL-Version, sobald die Free Software Foundation eine solche herausgibt. Dadurch werden der Lizenzwechsel auf eine neue Version der GPL ermöglicht und Kompatibilitätsprobleme zwischen unterschiedlichen Versionen vermieden. Einige Projekte verwenden die Vorlage auch für die GPL-Version 2 ohne den Zusatz, da sie mit der GPLv3 nicht einverstanden sind. Die Vorlage enthält noch einen Hinweis, wo man eine Kopie der GPL finden kann, wenn dem Programm keine Kopie beiliegt.

Eine zentrale Registrierungsstelle für GPL-lizenzierte Programme existiert nicht, die FSF betreibt aber zusammen mit der UNESCO ein Verzeichnis ohne Anspruch auf Vollständigkeit.[31]

Rechtslage[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Mit einer von 2000 bis 2002 erarbeiteten Modernisierung des deutschen Urheberrechts sollte gesetzlich verankert werden, dass ein Urheber auf eine angemessene Vergütung in keinem Fall verzichten kann.[32] Theoretisch hätte das für Händler, die freie Software verkaufen, eine Rechtsunsicherheit zur Folge gehabt, da Programmierer möglicherweise im Nachhinein einen Anteil des Erlöses hätten verlangen können, was Möglichkeiten des Missbrauchs eröffnet hätte. Mit der Ergänzung des Gesetzentwurfs um die sogenannte Linux-Klausel wurde die GPL (und ähnliche Lizenzen, die „unentgeltlich ein einfaches Nutzungsrecht für jedermann einräumen“, vgl. § 32 Abs. 3 Satz 3 UrhG) jedoch auf eine sichere rechtliche Basis gestellt.

Das Landgericht München I bestätigte in einer schriftlichen Urteilsbegründung vom 19. Mai 2004 (Az. 21 O 6123/04) eine einstweilige Verfügung, mit der einer Firma untersagt worden war, Netfilter ohne Einhaltung der GPL weiterzuverbreiten.[33][34] Dies war das erste Mal, dass die GPL eine signifikante Rolle in einem deutschen Gerichtsverfahren spielte. Das Gericht bewertete die Tätigkeiten des Beklagten als Missachtung einiger Bedingungen der GPL und somit als Urheberrechtsverletzung. Dies entsprach genau den Prognosen, die Eben Moglen von der FSF für solche Fälle zuvor gemacht hatte. Grundlage der Entscheidung war die deutsche Übersetzung der GPL, die vom Gericht ansatzweise auf die Gültigkeit als AGB geprüft wurde. Bei manchen Klauseln waren komplizierte rechtliche Konstruktionen bzw. Auslegungen nötig, um die Zulässigkeit nach deutschem Recht zu erreichen. Die gegnerische Partei hatte die Zulässigkeit der Bedingungen der GPL nicht angegriffen, sondern nur bestritten, überhaupt der richtige Beklagte zu sein.

Am 6. September 2006 war die GPL am Landgericht Frankfurt am Main erfolgreich Bestandteil eines Verfahrens gegen D-Link (Az.: 2-6 O 224/06).[35]

Am 4. Oktober 2006 wurde die Gültigkeit der GPL in einem weiteren Urteil bestätigt. Ein Bevollmächtigter, der Programmierer von drei GPL-lizenzierten Hilfsprogrammen zum Start eines Betriebssystemkerns, zog nach einer Abmahnung gegen ein Unternehmen vor Gericht, das die Programme in seiner Firmware verwendet hatte, ohne ihren Quellcode offengelegt und die GPL beigelegt zu haben. Die Ansprüche in der Unterlassungsaufforderung wurden teilweise nicht erfüllt, so dass das Gericht entschied, dass das Unternehmen das Urheberrecht des Klägers verletzt habe und somit Herkunft und die Abnehmer der Firmware nennen sowie die Gerichts- und Abmahnungskosten und die Kosten für den Aufwand zur Feststellung der Rechtsverletzung tragen müsse.[36] Die Beklagten hatten dabei versucht, sich mit einer ganzen Bandbreite von üblichen Argumenten zu wehren, einschließlich Ungültigkeit der GPL wegen Wettbewerbswidrigkeit, Beweisverwertungsverbot wegen Urheberrechtsverletzung bei der Feststellung des Verstoßes (d. h. unerlaubte Dekompilierung der Firmware – der Kläger hatte jedoch nur den Bootvorgang beobachtet), Erschöpfungsgrundsatz und fehlendes Recht zur Klage, da im Rahmen der Open-Source-Entwicklung lediglich von einer Miturheberschaft ausgegangen werden könne und für die Klage die Zustimmung der anderen Urheber nötig sei. Das Gericht lehnte diese Argumente jedoch alle ab.

USA[Bearbeiten]

Am 21. März 2006 scheiterte der US-Amerikaner Daniel Wallace mit einer Klage am Bezirksgericht im US-Bundesstaat Indiana gegen die FSF. Er hatte den Standpunkt vertreten, dass die GPL unwirksam sei. Sie erzwinge durch die Verfügbarkeit kostenloser Softwarekopien eine Preisabsprache zwischen den verschiedenen Anbietern, was einen Verstoß gegen den Sherman Antitrust Act darstelle. Der Richter John Daniel Tinder folgte dieser Auffassung nicht und bemerkte, dass eine Kartellrechtsverletzung schwerlich festgestellt werden könne, wenn die Interessen des Klägers von denen der Konsumenten divergieren. Klagen gegen Red Hat, Novell und IBM wurden ebenfalls abgewiesen.[37][38]

Sonstiges zur Rechtslage[Bearbeiten]

Um die Rechte von GPL-Autoren zu schützen und gegen Verstöße vorgehen zu können, gründete Harald Welte im Jahr 2004 das Projekt gpl-violations.org. Gpl-violations.org ist bereits mehrmals im Auftrag von Programmierern erfolgreich vor Gericht gezogen. In etlichen weiteren Fällen konnte eine außergerichtliche Einigung erzielt werden.

Copyright[Bearbeiten]

Das Copyright des Lizenztextes selbst liegt bei der Free Software Foundation (FSF). Diese erlaubt im Kopf der Lizenz das Kopieren und Verbreiten der Lizenz, verbietet jedoch die Modifikation des Lizenztextes. Damit wird sichergestellt, dass die Rechte und Pflichten, welche durch die GPL garantiert werden, nicht abgeändert werden können, indem der Lizenztext abgeändert wird. Auch wird dadurch verhindert, dass unterschiedliche inkompatible Versionen der GPL entstehen. Die FSF erlaubt die Schaffung neuer Lizenzen auf Basis der GPL, solange diese einen eigenen neuen Namen haben, die Präambel der GPL nicht enthalten und sich nicht auf das GNU-Projekt beziehen. Dies geschah ursprünglich beispielsweise bei der GNU Affero General Public License, bevor diese von der FSF übernommen wurde.

Die GPL bestreitet die Copyright-Gesetze des betroffenen Staates nicht, sondern akzeptiert diese und nutzt sie, um die beschriebenen Rechte und Pflichten durchzusetzen. Ein unter GPL lizenziertes Werk steht nicht in der Public Domain. Der Autor behält – falls nicht ausdrücklich anders festgelegt – das Urheberrecht am Werk und ist im Fall der Nichteinhaltung der Lizenzbedingungen in der Lage, dagegen gerichtlich vorzugehen.

Verbreitung[Bearbeiten]

Auf dem Open-Source-Hoster SourceForge sind derzeit (Juli 2006) etwa 70 % der Software unter der GPL lizenziert.[39] Von den 3489 Projekten auf BerliOS stehen 67 % (2334 Projekte) unter der GPL (Stand 2008).[40] Das von Black Duck Software verwaltete Open Source Resource Center gibt die Verbreitung der GPLv2 unter Open-Source-Projekten mit 32,65 % und die der GPLv3 mit 11,62 % an (Stand 2012).[41] Die Firma Palamida betreibt eine GPL3-Watchlist, laut derer von den 10.086 registrierten Projekten etwa 2946 unter der GPLv3 registriert sind, jedoch ist die Auswahl der Projekte nicht repräsentativ. Die Zahlen des Open Source License Resource Center lassen eher darauf schließen, dass etwa drei bis vier Prozent der GPL-Projekte derzeit (Juli 2008) die dritte Version verwenden. Nicht berücksichtigt ist dabei, dass der Standardtext der Free Software Foundation für die Freigabe eines Programms unter der GPL vorsieht, dass die Nutzung auch unter jeder späteren Version der GPL erlaubt ist. Damit sind unter der GPL 2 lizenzierte Programme, die den Standardtext verwenden, auch unter der GPLv3 und zukünftigen Versionen nutzbar.

Kritik[Bearbeiten]

Kritik an der GPL besteht hauptsächlich aus Kritik am starken Copyleft und Kritik am Prinzip der freien Software. Zum Beispiel bezeichnete Microsofts CEO Steve Ballmer 2001 Linux wegen der Auswirkungen der GPL als Krebsgeschwür.[42] Stephen Davidson von der Weltorganisation für geistiges Eigentum prägte in einem Leitfaden über das Open-Source-Modell (in dem er allgemein eher zurückhaltende Schlüsse zieht) die Bezeichnung viral für die Copyleft-Eigenschaften der GPL.[43] Eine Ausnahme sind Einwände gegen das starke Copyleft bei Programmbibliotheken. Die FSF hält dies zwar ebenfalls für prinzipiell gerechtfertigt, erteilt jedoch für Programme, für die sie die Rechte besitzt, manchmal aus strategischen Gründen Ausnahmen, beispielsweise um die Akzeptanz einer Bibliothek zu erhöhen. In diesen Fällen findet die Lesser General Public License (LGPL) Anwendung, eine GPL-Variante, die explizit diese Nutzung erlaubt, ohne Copyleft-Forderungen an das aufrufende Programm zu stellen.

Einige Journalisten[44] und Entwickler[23] schließen aus der geringen Migration der Projekte von der alten GPLv2 auf die neuere GPLv3, dass eine Spaltung der Gemeinschaft entlang der Grenzen der beiden Lizenzversionen entstehe. Die signifikant erweiterte GPLv3 wird als essentiell inkompatibel zur GPLv2 bewertet,[25] Kompatibilität zwischen beiden Lizenzen ist nur über die optionale "or later" Klausel gegeben, welche jedoch von einigen Projekten nicht verwendet wird, beispielsweise dem Linux-Kernel.[24] 2011, vier Jahre nach der GPLv3 Veröffentlichung sind laut Black Duck Software-Daten, nur 6,5% aller Open-Source-Projekte unter GPLv3, während 42,5% der GPLv2 unterliegen.[44] 2013, sechs Jahre nach der Veröffentlichung der GPLv3 ist laut Black Duck Daten die GPLv2 weiterhin die mit Abstand die häufigst verwendete Lizenz.[45] Andere Autoren machten 2011 im Zusammenhang mit dieser Spaltung eine vermehrte Bewegung in Richtung von freizügigen Lizenzen aus, weg von Copyleft-Lizenzen.[46][47]

Verschiedenes[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch: Literatur über Freie und Open-Source-Software

Weblinks[Bearbeiten]

Lizenz
Erklärungen, Analysen usw.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. How to choose a license for your own work. Free Software Foundation, abgerufen am 10. September 2014 (englisch).
  2. GPL FAQ: Does using the GPL for a program make it GNU Software?
  3. GPL FAQ: Use GPL Tools to develop non-free programs
  4. GPL FAQ: GPL require source posted to public, Unreleased modifications, Internal Distribution
  5. a b GPL FAQ: Port program to GNU/Linux (gilt auch unter GPL v2)
  6. Anwendungsprogramme für Linux (S. 18) (Altern.); Kein »derivative work« – eindeutige Fallgruppen (S. 65); Buch "Die GPL - kommentiert und erklärt" (Herausgegeben: ifrOSS, 2005)
  7. Lizenzbedingungen; Linux-Gerätetreiber, 2. Auflage (Englisch: 1, 2); Hinweis: die englische "3rd edition" besagt etwas vorsichtiger, dass das Nutzen von binären ("binary form only" — also ohne Quellcode) "ladbaren Kernel-Gerätetreiber-Modulen unter Linux", nicht eindeutig ist (bislang aber jedenfalls geduldet): Link
  8. Embedded Linux and Copyright Law; Dave Beal and Michael Barr
  9. also wenn z. B. nur GNU Lesser General Public License- (LGPL-) Bibliotheken, LGPL-Software-Teile und Teile mit freizügige Software-Lizenzen verwendet werden (eben nicht GPL), müssen nur die LGPL-Teile quelloffen und änderbar sein – etwaige eigenentwickelten Software-Teile unterliegen dann nicht diesem Zwang (selbst wenn das eingesetzte Betriebssystem unter GPL lizenziert ist, wie GNU/Linux)
  10. GPL FAQ: use GPL commercially
  11. Kommerzielle Software; nicht zu verwechseln mit proprietär (gnu.org)
  12. Freie Software verkaufen. Free Software Foundation. Abgerufen am 21. Januar 2013.
  13. GPL FAQ: Sell copies of the program for money, Distribute commercially
  14. Presentation von Richard Stallman (21. April 2006, zweite internationale GPLv3-Konferenz, in Porto Alegre)
  15. Georg C. F. Greve: Activities, Miscellaneous auf der privaten Homepage, 10. Mai 2002
  16. Rede zur Veröffentlichung der GPLv3
  17. Wikimedia Commons: Stallman und Bruce Perens debattieren über die GPL und Tivoisierung
  18. Heise Open: Versöhnliche Töne über den neuen Entwurf
  19. Heise Open: Streit um die GPL
  20. Michael Tiemann: GNU Affero GPL version 3 and the "ASP loophole". OSI. 7. Juni 2007. Abgerufen am 19. August 2013.
  21. List of free-software licences on the FSF website: “We recommend that developers consider using the GNU AGPL for any software which will commonly be run over a network”.
  22. Why did you decide to write the GNU Affero GPLv3 as a separate license? auf gnu.org (englisch)
  23. a b Rob Landley: CELF 2013 Toybox talk - http://landley.net/talks/celf-2013.txt (englisch) landley.net. Abgerufen am 21. August 2013: „GPLv3 broke "the" GPL into incompatible forks that can't share code. [...] FSF expected universal compliance, but hijacked lifeboat clause when boat wasn't sinking.[...]
  24. a b Linus Torvalds: COPYING. kernel.org. Abgerufen am 13. August 2013: „Also note that the only valid version of the GPL as far as the kernel is concerned is _this_ particular version of the license (ie v2, not v2.2 or v3.x or whatever), unless explicitly otherwise stated.
  25. a b Frequently Asked Questions about the GNU Licenses – Is GPLv3 compatible with GPLv2? (englisch) gnu.org. Abgerufen am 13. April 2011: „No. Some of the requirements in GPLv3, such as the requirement to provide Installation Information, do not exist in GPLv2. As a result, the licenses are not compatible: if you tried to combine code released under both these licenses, you would violate section 6 of GPLv2.
  26. Michael Larabel: FSF Wastes Away Another "High Priority" Project (englisch) Phoronix. 24. Januar 2013. Abgerufen am 22. August 2013: „Both LibreCAD and FreeCAD both want to use LibreDWG and have patches available for supporting the DWG file format library, but can't integrate them. The programs have dependencies on the popular GPLv2 license while the Free Software Foundation will only let LibreDWG be licensed for GPLv3 use, not GPLv2.
  27. gnu.org/licenses/gpl-3.0
  28. A Quick Guide to GPLv3
  29. Richard Stallman: Copyleft: Pragmatic Idealism (englisch)
  30. http://www.gnu.org/licenses/gpl.html#howto
  31. http://directory.fsf.org/license/GPLv2/ http://directory.fsf.org/license/GPLv3/
  32. Gesetzesentwurf der SPD- und Grünen-Fraktion, BT-Drucksache 14/6433 (PDF-Datei; 124 kB)
  33. Holger Bleich: Deutsches Gericht bestätigt Wirksamkeit der GPL, Nachricht auf heise online vom 23. Juli 2004
  34. Urteil des Landgerichts München 1
  35. odi: GPL setzt sich vor deutschem Gericht durch. heise online (10. September 2006 14:23).
  36. LG Frankfurt a. M.: GPL ist wirksam, LG Frankfurt, 2–6 O 224/06, http://www.jbb.de/urteil_lg_frankfurt_gpl.pdf
  37. Andreas Wilkens: Richter weist Kartellklage gegen GPL zurück auf heise online, 21. März 2006
  38. Erneut Klage gegen GPL wegen angeblicher Wettbewerbsbehinderung abgeschmettert auf heise online, 22. Mai 2006
  39. Heise Open-Artikel
  40. BerliOS: Projekte nach Lizenz
  41. Open Source License Data. In: Open Source Resource Center. Black Duck Software, abgerufen am 6. Dezember 2012.
  42. heise online – Microsoft-Chef Ballmer bezeichnet Linux als Krebsgeschwür
  43. heise online – WIPO-Leitfaden zu Open Source warnt vor „schlaflosen Nächten“
  44. a b Bruce Byfield: 7 Reasons Why Free Software Is Losing Influence: Page 2. Datamation.com. 22. November 2011. Abgerufen am 23. August 2013: „At the time, the decision seemed sensible in the face of a deadlock. But now, GPLv2 is used for 42.5% of free software, and GPLv3 for less than 6.5%, according to Black Duck Software.
  45. Top 20 licenses. Black Duck Software. 23. August 2013. Abgerufen am 23. August 2013: „1. GNU General Public License (GPL) 2.0 33%, 2. Apache License 13%, 3. GNU General Public License (GPL) 3.0 12%
  46. Matthew Aslett: The trend towards permissive licensing. the451group.com. 6. Juni 2011. Abgerufen am 23. August 2013: „[…] the GPL family of licenses has fallen to 61% today from 70% […] In comparison the number of Apache licensed projects grew 46% over the past two years, while the number of MIT licensed projects grew 152%.
  47. Brian Proffitt: GPL, copyleft use declining faster than ever – Data suggests a sharper rate of decline, which raises the question: why?. IT world. 16. Dezember 2011. Abgerufen am 23. August 2013.
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