Gai

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Gai (Begriffsklärung) aufgeführt.
Gai (Dorf)
Ortschaft
Katastralgemeinde Gai
Gai (Österreich)
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Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Leoben (LE), Steiermark
Gerichtsbezirk Leoben
Pol. Gemeinde Trofaiach
Koordinaten 47° 24′ 49″ N, 14° 58′ 12″ O47.41354514.970107720Koordinaten: 47° 24′ 49″ N, 14° 58′ 12″ O
Höhe 720 m ü. A.
Einwohner d. Ortsch. 80 (2001)
Gebäudestand 28 (2001)
Fläche d. KG 3,48 km²
Postleitzahl 8793 Trofaiachf0
Vorwahl +43/03847f1
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 15635
Katastralgemeindenummer 60306
Zählsprengel/ -bezirk Gai (61120 009)
Ehemalige Gemeinde bis 2013;
Teile des Ortes Gai auch in KG Schardorf
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; GIS-Stmk

Gai ist ein Ort in der Obersteiermark, und Ortschaft und Katastralgemeinde der Gemeinde Trofaiach im Bezirk Leoben der Steiermark.

Zum 1. Jänner 2013 wurde die ehemalige Gemeinde mit Trofaiach zusammengeschlossen.

Geographie[Bearbeiten]

Gai liegt etwa 10 Kilometer nordwestlich von Leoben an der steirischen Eisenstraße, 3 km südwestlich von Trofaiach, auf etwa 720 m ü. A. im Trofaiacher Becken, zwischen dem Liesingtal und dem Vordernbergertal, im mittleren Abschnitt des Beckens, der über den Veitscherbach zur Liesing entwässert. Es wird vom wuchtigen Massiv des Reiting, des höchsten Berges der Eisenerzer Alpen, überragt.

Die Bezeichnung „Gai“ wird sowohl für ein kleines Dorf bzw. eine Ortschaft sowie eine Katastralgemeinde und auch für eine frühere Gemeinde verwendet.

Das Dorf Gai hat etwa 30 Gebäude mit etwa 80 Einwohnern, zur Ortschaft gehören keine weiteren Ortslagen. Mit dem Weiler Töllach ist Gai aber weitgehend verwachsen, die Ortskerne liegen nur 200 m auseinander.

Zur Katastralgemeinde Gai gehören auch die Ortschaft Edling im Südosten, sowie die Südteile der Ortschaft Gausendorf. Das Katastralgebiet hat 347,5 Hektar, und erstreckt sich von Gai im Nordwesten den Veitscherbach abwärts bis knapp vor dem Trabocher See (Ortslage Am See), am Nordfuß um den Hessenberg herum und um die Edlinger Siedlung am Steinerweg bis an die Trofaiacher Grenze, und über Gausendorf den Krebsenbach aufwärts bis Ganninger nordöstlich von Gai.
Dafür liegt aber gut die Hälfte des Orts Gai selbst, die nördlicheren Häuser, in der Katastralgemeinde Schardorf: Die Katastralgrenze verläuft Schardorfstraße – Hirnweg direkt durch Töllach und Gai.

Nachbarortschaften und -katastralgemeinden
Schardorf (O. u. KG) Putzenberg (O)
Trofaiach (O u. KG)
Obermochl
Untermochl

(beide O, Gem. Kammern i.L.)
Nachbargemeinden

Glarsdorf (O, Gem. Kammern i.L.)


Mötschendorf (KG, Gem. Kammern i.L.)

Edling (O)

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname Gai leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort göu her, welches ein Gebiet bezeichnete, das im Einflussbereich einer bestimmten richterlichen Gewalt sowie gewisser Gewerbe lag. In vorliegenden Fall bezieht sich das „Gai“ auf den Einflussbereich des Marktes Trofaiach und der von den dortigen Handwerkern ausgeübten Bannmeilenrechte.

Gemeinde Gai[Bearbeiten]

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Gai (ehemalige Gemeinde)
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Leoben (LE), Steiermark
Gerichtsbezirk Leoben
Pol. Gemeinde Gai  (KG Gai, Gimplach, Gößgraben-Freienstein, Schardorf)
Ortschaft Edling, Gai, Gausendorf, Gimplach, Gößgraben, Kurzheim, Oberdorf, Putzenberg, Schardorf, Töllach, Untergimplach, Unterkurzheim, Windischbühel
Koordinaten 47° 25′ N, 14° 58′ O47.41305555555614.969722222222660
Höhe 660 m ü. A.
Einwohner d. stat. Einh. 1781 (1. Jänner 2012)
Gebäudestand 662 (2001) f2
Fläche 62,24 km²
Postleitzahl 8793f1f0
Vorwahl +43/03847f1
Adresse Gai 1
8793 Gai
Offizielle Website
www.gai.at (nicht mehr aktiv)
Statistische Kennzeichnung
Zählsprengel/ -bezirk Gai (61102 000)
Bild
Wappen der ehemaligen Gemeinde
Per 1. Jänner 2013 aufgelassen
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; GIS-Stmk

Die nachhaltige Besiedlung des ehemaligen Gemeindegebietes begann im Mittelalter. Orts- und Gebietsnamen erinnern an die slawische Besiedlung im Frühmittelalter und die bayerische Besiedlung in darauf folgenden Jahrhunderten. Für den Raum Gai-Trofaiach kann eine bayrisch-slawische Mischbevölkerung bis zum Ende des 12. Jahrhunderts als sicher angenommen werden. Danach verschwand der slawische Bevölkerungsanteil aufgrund Assimilation durch die deutschsprachige Mehrheitsbevölkerung.

Das Gebiet von Gai entsprach über Jahrhunderte dem einer typischen obersteirischen Landgemeinde mit bäuerlichen Strukturen und teilte die wechselvolle Geschichte der übrigen Steiermark. Durch die räumliche Nähe zu den Zentren der obersteirischen Eisenindustrie, besonders Vordernberg und Donawitz, war zumeist eine gute Absatzlage für die landwirtschaftlichen Produkte gegeben. Andererseits wohnten auch häufig Hüttenarbeiter und Bergleute in den Dörfern der heutigen Gemeinde Gai.

In kirchlicher Hinsicht gehört das Gebiet von Gai seit jeher zur Pfarre Trofaiach. Daher ist auch der in Trofaiach bestehende Friedhof die für die Gaier Gemeindebürger zuständige Begräbnisstätte. Auch der für Gai zuständige Polizeiposten und das Postamt befinden sich in Trofaiach.

Entsprechend dem 1862 erlassenen Gemeindegesetz kam es mit dem Aufhören der Grundherrschaften nach dem Jahre 1848 zu einer Neuordnung der regionalen Verwaltungseinheiten. Autonome Gemeinden wurden der Grundstein des neu gestalteten Staates. Die neu geschaffene Gemeinde Gai entstand aus der Zusammenfassung der vier ursprünglich zum seinerzeitigen Steuerbezirk Freienstein gehörenden Katastralgemeinden Gai, Schardorf, Gimplach und Gössgraben-Freienstein.[1]

Mit 1. April 1939 wurden zur Gemeinde Gai gehörende Flächen im Ausmaß von rund 150 Hektar, auf denen eine staatliche Pulverfabrik bestand, an die Gemeinde Trofaiach angegliedert. Heute befindet sich dort im Wesentlichen der dicht besiedelte Stadtteil Trofaiach-West.

Am 9.Mai 1939 wurde mit Mitteilung der Landeshauptmannschaft Steiermark der Ortsname Scharsdorf in Schardorf geändert. Grund dafür war der Bau der nationalsozialistischen Jugendherberge Rheinlandhaus in dieser Ortschaft. Die alte Ortsbezeichnung war den neuen Machthabern offenbar nicht fein genug..[2]


Anfang des Jahres 2012, anlässlich der Gemeindestrukturreform 2010–2015, begannen Gespräche zwischen den Nachbargemeinden Gai, Hafning bei Trofaiach, Trofaiach und Vordernberg, die einen Zusammenschluss dieser vier Gemeinden zum Ziel hatten. Am 30. September 2012 wurde über das Ergebnis dieser Verhandlungen eine Volksabstimmung abgehalten. Die Bewohner von Gai deutlich, allerdings lag die Beteiligung nurbei 59 %. Die Gemeindezusammenlegung trat mit 1. Jänner 2013 in Kraft:[3] Die neue Stadt unter dem Namen Trofaiach hat rund 11.500 Einwohner.

Ehemalige Gemeindegliederung und Ausdehnung[Bearbeiten]

Gai bestand aus folgenden Ortschaften: Edling, Gai, Gausendorf, Gimplach, Gößgraben, Kurzheim, Oberdorf, Putzenberg, Schardorf, Töllach, Untergimplach, Unterkurzheim, Windischbühel.
Katastralgemeinden waren Gai, Gimplach, Gößgraben-Freienstein, Schardorf.

Das Gemeindegebiet erstreckte sich vom Hessenberg und Veitscherwald im Süden östlich um den Reitlingstock herum (das Gößeck als Grenzpunkt mit Kammern) bis an das Wildfeld und den Nebengipfel 2143 der Eisenerzer Reichensteins. Es maß knapp 15 Kilometer Südost−Nordwest und umfasste 6.223,91 Hektar.

Nachbargemeinden waren (zuletzt) von Süd im Uhrzeigersinn: Kammern im Liesingtal, Mautern in Steiermark, Kalwang, Eisenerz, Hafning bei Trofaiach, Trofaiach und Sankt Peter-Freienstein.

Ehemalige Gemeindevertretung[Bearbeiten]

6
5
3
1
Von 15 Sitzen entfallen auf:

Der bis zum 31. Dezember 2012 existierende Gemeinderat bestand zuletzt aus 15 Mitgliedern und setzte sich seit der Gemeinderatswahl 2010 aus Mandaten der folgenden Parteien zusammen:

Aufgrund des überraschenden Rücktritts von VP-Bürgermeister Helmut Prentler Anfang Februar 2010 war eine Neuwahl notwendig geworden. Die beiden mandatsstärksten Parteien einigten sich bereits im Vorfeld auf eine Halbzeitlösung. Nach der Wahl am 25. Februar 2011 wurde Siegfried Liess (SPÖ) Bürgermeister, der durch einen Misstrauensantrag gestürzt wurde. Vom 8. Januar 2012 bis zum 31. Dezember 2012 war Bernhard Zechner Bürgermeister.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Seit den 1960er Jahren waren in Gai zahlreiche Einfamilienwohnhäuser entstanden. Es hatten sich vor allem unselbständige Arbeiter und Angestellte in der Landgemeinde angesiedelt. Gai hatte in den letzten Jahrzehnten als eine der wenigen Gemeinden der Region eine deutliche Zunahme der Einwohnerzahl zu verzeichnen.

  • 1869 1.195
  • 1900 1.108
  • 1934 1.068
  • 1951 1.022
  • 1961 1.143
  • 1971 1.171
  • 1981 1.404
  • 1991 1.565
  • 2001 1.735

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Über die Russenstraße (den „Russenbichl“) kann man nach Edling, Sankt Peter-Freienstein und weiter in die nahe Bezirkshauptstadt Leoben gelangen. Der Name entstand deshalb, weil diese Straße während des Ersten Weltkriegs 1915 von russischen Kriegsgefangenen errichtet wurde. Vorher bestand nur eine einfache Wegverbindung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

  • Golf: Auf ungefähr 40 Hektar Fläche befinden sich der vom Golf- und Countryclub Reiting-Gai betriebene, weitläufig angelegte Fairways mit ausgedehnten Greens, Sandbunker und Wasserhindernissen, eine Golfschule sowie ein 6-Hole-Kurzplatz für individuelles Schlagtraining.
  • Radfahren: Das Gebiet eignet sich besonders für Familienradtouren, aber auch anspruchsvolle Strecken sind vorhanden.
  • Bergsteigen: Dominierende Berggestalt ist der Reiting mit seiner höchsten Erhebung, dem 2214 m hohen Gößeck.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Volkskultur Gai – ein jeweils Mitte April stattfindendes steirisches Sänger- und Musikantentreffen in der örtlichen Mehrzweckhalle.

Literatur[Bearbeiten]

  • Elfriede Maria Huber-Reismann, Bernhard A. Reismann: Gai. Die Geschichte einer Landgemeinde, drei Bände. Eigenverlag der Gemeinde Gai, 2005.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gai, Steiermark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georg Göth: Das Herzogthum Steiermark, Zweiter Band, Verlag J.G.Heubner, Wien 1841, S. 93 und 117
  2. Reismann: Gai, Geschichte einer Landgemeinde, Band 1 2005, S. 284
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStmk. Landesgesetzblatt Nr. 106/2012. Abgerufen am 27. November 2012 (PDF).
  4. Bernhard Zechner neuer Bürgermeister. kleinezeitung.at