Gandersheimer Domfestspiele

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Gandersheimer Domfestspiele 2011
Gandersheimer Domfestspiele 2011

Die Gandersheimer Domfestspiele finden alljährlich von Anfang Juli bis Mitte August in Bad Gandersheim statt. Das größte Freilichttheater Niedersachsens gehört zu den traditionsreichsten Festspielen Deutschlands.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Domfestspiele begründen sich aus den Feierlichkeiten zum 1100 jährigen Gründungsjubiläum des Stiftes Gandersheim. Im Jahre 1952 wurde im Rahmen einer großen Festwoche das historische Freilichtspiel "Das Lied von Gandersheim" von Herta Sellschopp auf dem Gandersheimer Marktplatz von Eberhard Gieseler inszeniert.

Im Sommer 1959 fanden unter der Rechtsträgerschaft des "Kulturwerks Bundesweihestätte Greene e.V." in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Gandersheim die ersten Domfestspiele in der heutigen Form vor der romanischen Stiftskirche statt.

Eberhard Gieseler inszenierte als erster Intendant Hugo von Hofmannsthals Jedermann. 1961 gingen die Gandersheimer Domfestspiele in die Rechtsträgerschaft der Stadt Bad Gandersheim über. Gieseler führte die Domfestspiele bis zum Jahr 1964.

Im ersten Jahrzehnt standen die deutschen Klassiker im Mittelpunkt, im zweiten Jahrzehnt kamen Komödien dazu. Der Mann von La Mancha war 1978 und 1979 das erste Musical, das vor dem Dom gespielt wurde. 1978 und 1979 wurde das Drama "Pafnutius - Die Bekehrung der Buhlerin Thais", verfasst vor mehr als 1000 Jahre durch die Gandersheimer Stiftsdame Hrotsvit, inszeniert. Der Räuber Hotzenplotz nach dem Buch von Otfried Preußler war 1982 das erste Kinderstück im Programm der Domfestspiele.

Von 1991 bis 2003 war Georg Immelmann Intendant der Gandersheimer Domfestspiele. Während seiner Amtszeit führte er auch ab 2000 die Musical Academy bad gandersheim als Fortbildungsmaßnahme für Musicaldarsteller und veranstaltete von 1998 bis 2002 zusätzlich die Domfestspiele im Winter im Kulturzentrum Brunshausen.

Seit 2004 war Professor Johannes Klaus Intendant. In seiner Amtszeit wurde das Repertoire in Richtung Oper (Die Zauberflöte, 2004) und Operette (Die Fledermaus, 2006) erweitert. In seiner dritten Spielzeit 2006 wurden zum ersten Mal vier Eigenproduktionen vor der Stiftskirche präsentiert: Das Dschungelbuch, Der Besuch der alten Dame, The Rocky Horror Show und Die Fledermaus. Diese Produktionen wurden von rund 55.000 Zuschauern besucht; die Auslastung lag damit bei über 90 %.

2007 wurden wieder vier Eigenproduktionen präsentiert: Orpheus in der Unterwelt, Petticoat und Minirock, Michel aus Lönneberga und Der zerbrochne Krug (mit Dietmar Bär als Dorfrichter Adam).

Um die Gandersheimer Domfestspiele zu begleiten und zu unterstützen, wurde 2005 der Förderverein Gandersheimer Domfestsspiele e.V. ins Leben gerufen.

Wegen der angespannten finanziellen Lage der Stadt wurden die Domfestspiele zur langfristigen Absicherung 2011 in eine gemeinnützige GmbH umgewandelt, in die „Gandersheimer Domfestspiele gGmbH“.

Seit 2012 ist Christian Doll Intendant der Domfestspiele.

Prominente Darsteller[Bearbeiten]

1959 spielten Gustav Fröhlich und Hilde Körber in „Jedermann“. Theo Lingen, Ernst H. Hilbich, René Kollo und Ralf Wolter waren in Gandersheim in vielen Spielzeiten zu Gast. Auch in den vergangenen Jahren spielten bekannte Schauspieler von Bühne und Fernsehen wie Anja Kruse, Erwin Kohlund, Harald Dietl, Friedhelm Ptok, Wolf Ackva, Jenny Gröllmann, Aljoscha Sebald, Karl John, Diana Körner, Johanna Liebeneiner, Günter Mack, Gunnar Möller, Christian Quadflieg, Will Quadflieg, Heinrich Schweiger, Ellen Schwiers, Veit Stübner, Hubert Suschka, Hans Teuscher, Thekla Carola Wied, Claus Wilcke, Klaus Zmorek, Ingeborg Wolff und Jürgen Uter. Dorothee Hartinger, 1998 als Schauspielanfängerin bei den Festspielen, wurde anschließend von Peter Stein für sein Faust-Projekt als „Gretchen“ engagiert. 2007 spielten die beiden Fernsehschauspieler Dietmar Bär und Stephan Ullrich in Kleists Lustspiel Der zerbrochne Krug mit, das aufgrund des großen Erfolgs im Jahr 2008 wiederholt wurde.

Roswitha-Ring[Bearbeiten]

Die Stadt Bad Gandersheim verleiht seit 1974 den Roswitha-Ring[1] als Publikumspreis an die beste Künstlerin aus dem jeweiligen Ensemble. Schauspielerinnen wie Grete Wurm, Tatjana Iwanow, Ehmi Bessel, Martha Mödl, Ingeborg Schöner, Margrit Winter, Irmgart Benesch, Birgit Thomas, Dorothea Breil, Mary Harper, Michaela Allendorf, Katalyn Bohn, Carmen Heibrock, Christin Zacher, Rahel Ohm, Angelika Bartsch, Schirin Kazemi und Navina Heyne haben ihn erhalten. Für ihre schauspielerische und sängerische Leistung bei den Domfestspielen 2013 erhielt Petra Welteroth den Roswitharing.

Besuche amtierender Bundespräsidenten[Bearbeiten]

Seit 1973 standen fast ausnahmslos die Jubiläumsjahre der Festspiele unter der Schirmherrschaft der amtierenden Bundespräsidenten. 1973 war es Gustav Heinemann, der zum Roswitha-Jahr die XV. Gandersheimer Domfestspiele besuchte und damals den Literaturpreis der Stadt Bad Gandersheim, die Roswitha-Gedenkmedaille, ins Leben rief, die seitdem in jedem Jahr an eine herausragende deutschsprachige Dichterin verliehen wird.

Für die XX. Domfestspiele im Jahre 1978 hatte Bundespräsident Walter Scheel die Schirmherrschaft übernommen und im Jahre 1983 hat Bundespräsident Karl Carstens die XXV. Festspiele anlässlich seines Besuches eröffnet. 1988 weilte Bundespräsident Richard von Weizsäcker zur Premiere der XXX. Domfestspiele. 1993 hatte die Präsidentin des Deutschen Bundestages, Rita Süssmuth, die Schirmherrschaft übernommen. Die Festspiel im Jahre 1998 wurden durch Bundespräsident Roman Herzog eröffnet. Für die 45. Festspiele übernahm Bundespräsident Johannes Rau die Schirmherrschaft und war am Premierentag zu Gast.

In der Saison 2012 war der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister Schirmherr der Gandersheimer Domfestspiele.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bad-gandersheim.de/Ortsrecht/5.01.pdf

Weblinks[Bearbeiten]

51.87011111111110.026027777778Koordinaten: 51° 52′ 12″ N, 10° 1′ 34″ O