Stephan Weil

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Stephan Weil (2013)

Stephan Weil (* 15. Dezember 1958 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD) und seit dem 19. Februar 2013 Niedersächsischer Ministerpräsident. Seit dem 1. November 2013 ist er Präsident des Bundesrates. Er war von November 2006 bis Januar 2013 Oberbürgermeister der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover und ist derzeit Landesvorsitzender der niedersächsischen SPD.

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Weil, dessen Eltern aus Oberschlesien stammen[1], lebt seit 1965 in Hannover, wo er 1977 das Abitur am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium[2] absolvierte. Nach seinem Zivildienst begann er 1978 ein Jurastudium in Göttingen, das er 1983 mit dem Ersten Juristischen Staatsexamen abschloss. 1986 legte er nach dem Referendariat das Zweite Juristische Staatsexamen ab.[3] Nach seiner Heirat 1987 arbeitete Weil als Anwalt in Hannover. Ab 1989 war er als Staatsanwalt und Richter tätig, wobei er auch im Niedersächsischen Justizministerium wirkte. Ab 1994 war Weil als Ministerialrat im Niedersächsischen Justizministerium beschäftigt. Weil war Vorsitzender der Jusos in Hannover und Vorsitzender des Stadtverbandes der SPD Hannover. Von 1997 bis Ende Oktober 2006 hatte er das Amt des Stadtkämmerers inne.

Kommunalpolitik Hannover[Bearbeiten]

Im Mai 2006 wurde Weil zum Oberbürgermeisterkandidaten der SPD gewählt und trat am 10. September unter anderen gegen den CDU-OB-Kandidaten Dirk Toepffer und die grüne OB-Kandidatin Ingrid Wagemann an. Er wurde im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit direkt gewählt und trat am 1. November 2006 die Nachfolge von Herbert Schmalstieg an, der das Amt 34 Jahre innegehabt hatte. Die Amtszeit beträgt acht Jahre. Im Januar 2013 gab er sein Amt auf.

Ab dem 29. Januar 2008 stellte sich Stephan Weil monatlich live im Fernsehen den Fragen der Bürger. Bis zu seiner Nominierung als Spitzenkandidat der SPD im November 2011 wurde jeden dritten Dienstag im Monat die Sendung Warum, Herr Weil auf dem Lokalsender h1 (Fernsehen) ausgestrahlt.

Landespolitik Niedersachsen[Bearbeiten]

Am 18. September 2011 gab Stephan Weil bekannt, sich um die Spitzenkandidatur der SPD Niedersachsen bei der Landtagswahl 2013 zu bewerben. Der Kandidat wurde am 27. November 2011 in einem Mitgliederentscheid bestimmt, bei dem neben Weil auch der damalige niedersächsische SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies kandidierte.[4] Stephan Weil gewann die Wahl mit 53,3 Prozent der Stimmen und wurde Spitzenkandidat der SPD zur Landtagswahl 2013.[5] Am 20. Januar 2012 wurde er zum Landesvorsitzenden der niedersächsischen SPD gewählt.[6] Im März wurde er einstimmig als SPD-Direktkandidat für den Landtagswahlkreis Hannover-Buchholz aufgestellt.[7] Auf dem Landesparteitag in Hameln wurde Stephan Weil am 7. Juli 2012 mit 98,95 Prozent auf Platz 1 der Landesliste zur niedersächsischen Landtagswahl 2013 gewählt.[8]

Amtsübernahme in der Niedersächsischen Staatskanzlei; von links: Christine Hawighorst und David McAllister, Stephan Weil und Jörg Mielke

Bei der Landtagswahl am 20. Januar 2013 erhielten SPD und Bündnis 90/Die Grünen zusammen einen Sitz mehr als die bisherige Regierungskoalition aus CDU und FDP unter David McAllister. Am 19. Februar 2013 wurde er mit den erforderlichen 69 Stimmen zum Ministerpräsidenten gewählt.[9]

Am 1. März 2013 wurde er zum 2. Vizepräsidenten des Bundesrates gewählt.[10] Am 1. November 2013 übernahm Weil das Amt des Bundesratspräsidenten. Seine Amtszeit dauert bis zum 31. Oktober 2014.

Im Umgang mit Steuerbetrügern warf Weil der Bundesregierung eine zu milde Haltung vor und bezeichnete ihr Vorgehen als „samtpfötig“.[11]

Am 29. August 2013 gab Weil die Abberufung des Staatssekretärs im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung Udo Paschedag (Grüne) bekannt, der damit vorzeitig in den einstweiligen Ruhestand versetzt wurde. Paschedag habe unter anderem durch eine falsche schriftliche Angabe zu seinem Dienstwagen das Vertrauen verletzt. „Vor dem Hintergrund sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit nicht mehr gegeben“, sagte Weil im Landtagsplenum.[12]

Privates[Bearbeiten]

Stephan Weil ist katholisch getauft und aufgewachsen, aber Anfang der 80er-Jahren aus der Kirche ausgetreten.[1] Er ist mit Rosemarie Kerkow-Weil verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Weil ist Mitglied von Rotary International.[13] Als Hobbys nennt er Fußball, Laufen, Wandern und Lesen. Er nahm seit den 2000er Jahren wiederholt als Läufer an Wettbewerben im Rahmen des Hannover-Marathon teil und ist ein Fan des Fußball-Clubs Hannover 96. Heute lebt er in Hannover-Kirchrode und ist Mitglied im SPD-Ortsverein Kirchrode-Bemerode-Wülferode.[14]

Weitere Ämter[Bearbeiten]

durch das Amt des Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen[Bearbeiten]

Bundesrat[Bearbeiten]

  • Seit 19. Februar 2013 Mitglied des Bundesrates für das Land Niedersachsen
  • 1. stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Fragen der Europäischen Union
  • seit 1. November 2013 Vorsitzender der Europakammer, davor 2. Stellvertretender Vorsitzender.
  • Ordentliches Mitglied im Vermittlungsausschuss des Deutschen Bundestages und des Bundesrates

Sonstige[Bearbeiten]

Ehemalige[Bearbeiten]

  • 2006–2013 Präsidiumsmitglied des Deutschen Städtetages[17]
  • 2009–2012 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Messe AG[18]
  • 2007–2012 Präsident des Verbandes kommunaler Unternehmen e.V.[19]
  • bis 2013 Vorsitzender der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (SGK)[20]
  • 2006–2013 Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse Hannover

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stephan Weil – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b „Ich empfinde mich als Christen“, KirchenZeitung, 31. Januar 2013.
  2. Welche Schule für mein Kind? Verlagsbeilage. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 12. Januar 2011, S. 4.
  3. Lebenslauf auf der eigenen Website, abgerufen am 8. November 2011.
  4. „Ich will Ministerpräsident werden!“ ndr.de, 18. September 2011, abgerufen am 19. September 2011 (html).
  5. Stephan Weil gewinnt Mitgliederentscheid zur Spitzenkandidatur. In: SPD-Ortsverein Kirchrode-Bemerode-Wülferode vom 27. November 2011.
  6. Michael B. Berger: Stephan Weil, der 95,5 Prozent-Mann. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 20. Januar 2012.
  7. Hannover stellt auf. In: SPD-Bezirk Hannover vom 22. März 2012.
  8. Pressemitteilung der SPD Niedersachsen vom 7. Juli 2012.
  9. Nachfolger von McAllister: Weil zum Ministerpräsidenten in Niedersachsen gekürt In: Spiegel Online vom 19. Februar 2013.
  10. http://www.welt.de/newsticker/news3/ns/article114034589/Stephan-Weil-neuer-Vizepraesident-des-Bundesrats.html
  11. boersennews.de: Weil: Bundesregierung geht zu lasch gegen Steuerbetrüger vor, 13. April 2013. Abgerufen am 15. April 2013
  12. Ulrich Exner: Niedersachsen feuert grünen Raffke-Staatssekretär, in: Die Welt, 29. August 2013.
  13. Stefanie Kaune: Rotarisches Netzwerk. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 12. November 2010, S. 17.
  14. Bildstrecke: So lebt Hannover. In: Neue Presse.
  15. http://www.stk.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/kabinett-stimmt-benennung-von-stephan-weil-und-olaf-lies-fuer-den-aufsichtsrat-der-volkswagen-ag-zu-112972.html
  16. Kuratorium. In: Robert-Enke-Stiftung.de.
  17. Präsidium des Deutschen Städtetages. In: Städtetag.de.
  18. Deutsche Messe schließt 2012 deutlich besser als erwartet. In: Presseportal.de vom 22. November 2012: Ausscheiden Weils zum 31. Dezember 2012.
  19. Nach fünfjähriger erfolgreicher Präsidentschaft von Stephan Weil. In: Presseportal.de vom 10. Oktober 2012.
  20. Vorstand der Bundes-SGK. In: Bundes-SGK.de.