Gary Ridgway

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Gary Ridgway, 1982

Gary Leon Ridgway (* 18. Februar 1949 in Salt Lake City, Utah) ist ein US-amerikanischer Serienmörder aus Seattle, der im Jahre 2003 wegen Mordes an 48 Prostituierten zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.[1] Mittlerweile gestand er den 49. Mord.[2] Er wurde unter dem Namen „Green River Killer“ bekannt, da er seine Opfer vornehmlich im oder in der Nähe des Green River deponierte.[3]

Getrieben wurde Gary Ridgway laut eigenen Angaben vorrangig von Hass auf Frauen, insbesondere Prostituierte. „Ich wollte so viele Frauen wie möglich töten, von denen ich dachte, sie seien Prostituierte. Ich dachte, ich könne so viele töten wie ich will, ohne erwischt zu werden“ gab er zu Protokoll. Seiner Verhaftung war eine der umfangreichsten und langwierigsten Ermittlungen in der Geschichte der USA vorangegangen.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Am 18. Februar 1949 wurde Gary Leon Ridgway in Salt Lake City geboren. Er war der mittlere von drei Söhnen. Während seiner Kindheit hatte er eine enge Bindung zu seiner dominanten Mutter, während er sich mit seinem Vater, einem Busfahrer, nicht gut verstand. Zwischen den Eltern Ridgways kam es häufig zum Streit, der seitens der Mutter manchmal auch in Gewalttaten ausartete. Ridgway war ein folgsames Kind, das bis in seine frühen Teenagerjahre Bettnässer war. Nach Fällen nächtlicher Inkontinenz wusch ihm die Mutter die Genitalien. Diese fast inzestuöse Beziehung führte einerseits dazu, dass Gary Ridgway sich von seiner Mutter sexuell angezogen fühlte, andererseits verspürte er Wut und spielte mit Fantasien sie umzubringen. Dazu veranlasste auch der Umstand, dass sich seine Mutter in der Öffentlichkeit sehr frei und ungeniert zeigte. Sein Vater nahm ihn hin und wieder auf seinen Bustouren mit. Wenn sie durch den „Strip“ (Prostituiertenviertel) fuhren, äußerte der Vater regelmäßig seine Abneigung gegen den „Abschaum“. Gleichwohl verkehrte sein Vater mit ihnen.

Umfeld[Bearbeiten]

Als Ridgway elf Jahre alt war, zog die Familie nach SeaTac, einem wachsenden Außenbezirk von Seattle (Washington) nahe dem Flughafen. Niedrige Immobilienpreise und viele – unterbezahlte – Arbeitsstellen lockten damals die Menschen in diese Gegend. Die Familie wohnte in den McMicken Heights, einem Viertel, das vor allem durch den Pacific Highway South bestimmt wurde, der damals die Hauptverkehrslinie zwischen Seattle und Tacoma war. Diese Straße, gesäumt von Spielsalons, billigen Motels und Bordellen, war von jeher ein Anziehungspunkt für Prostituierte, Drogenhändler, Kleinkriminelle und Ausreißer. Ridgways Vater fuhr die Strecke als Busfahrer ab. Zuhause soll er sich abschätzig über seine Passagiere geäußert haben, vor allem die Prostituierten seien ihm, dem im religiös-konservativen Mormonenstaat Utah Geborenen, verhasst gewesen.

Jugendzeit[Bearbeiten]

Im Alter von 16 Jahren machte Ridgway erste Gewalterfahrungen. Er stach einem Sechsjährigen mit einem Messer in die Seite, als dieser sich bückte, um etwas aufzuheben. Der Junge gab zu Protokoll, Ridgway habe zu ihm gesagt, er hätte schon immer mal wissen wollen, wie es sich anfühle, jemanden zu töten. Ridgway gab später hingegen an, er sei am falschen Ort zur falschen Zeit gewesen. Nach dem Messerstich soll Ridgway lachend davongelaufen sein, während sich der Junge sterbend glaubte. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurde Ridgway für diese Tat nie bestraft.

Während seiner Zeit an der Tyee High School fiel Ridgway nie besonders auf. Er wurde allseits als durchschnittlicher Teenager beschrieben, er war Raucher, spielte dank seiner athletischen Begabung im Football-Team und war gut eingebunden in die sozialen Strukturen unter den Jugendlichen. Die Nachbarn beschrieben ihn als äußerst freundlichen Jugendlichen, der zwar wenig eloquent, aber immer „schnell zu einem Lächeln bereit war“. Er hatte auch erste kleinere Beziehungen mit Mädchen und veranstaltete Partys in einem lokalen Jugendclub. Seine schulischen Leistungen waren so schlecht, dass er oft Klassen wiederholen musste.

Am 2. April 1969 wurde Ridgway für Temporärarbeiten bei der Lackiererei der Kenworth-Lastwagenfabrik angestellt. Nachdem er im Juni die Highschool abgeschlossen hatte, entschloss er sich, Militärdienst zu leisten und heuerte so am 18. August bei der U.S. Navy an. Von seiner Dienstzeit im Militär vermeldet die Krankenakte, dass er an Gonorrhoe erkrankt sei. Dies legt den Schluss nahe, dass er während seiner Dienstzeit Kontakt zu Prostituierten gehabt hatte.

Erste Ehe[Bearbeiten]

Während eines Diensturlaubs heiratete Ridgway am 15. August 1970 seine erste Frau Claudia Kraig Barrows, die er ein Jahr zuvor kennengelernt hatte. Er war 21 und sie 20 Jahre alt. Das frischvermählte Ehepaar zog sogleich nach San Diego, wo Ridgway stationiert war. Dort blieb seine Frau für längere Zeit allein, denn Ridgway war mit der Navy für sechs Monate im Südpazifik unterwegs. Beide gingen Affären ein. Ridgway fand heraus, dass seine Frau ihn betrogen hatte und sah sie fortan als „Nutte“ an. Die in die Ehe hineinwirkende Dominanz der Mutter ließ die Ehe zerbrechen.

Zweite Ehe[Bearbeiten]

Seine zweite Frau, Marcia Winslow, lernte Ridgway 1972 kennen. Ende 1973 heirateten sie. Später sollte Marcia Winslow zu Protokoll geben, Ridgway habe sie als Sexobjekt und Haushälterin angesehen. Sex sei oft am nahegelegenen Green River im hohen Gras am Ufer des Flusses ausgeübt worden. 1975 gebar Marcia einen Sohn. Damit begann für Ridgway ein äußerst religiös geprägter Lebensabschnitt. Er las die Bibel und schrieb sich zunächst in einer Baptistenkirche und später in der Pfingstgemeinde ein. Die Gewaltfantasien Ridgways kamen indessen immer deutlicher zum Vorschein: Eines Nachts, als sie von einer Party zurückkehrten, würgte er seine Frau fast bis zur Bewusstlosigkeit, ohne dass ein Streit vorangegangen wäre. Würgen wurde in die Sexspiele integriert. Seine Frau reichte die Scheidung ein. 1981 wurde die Ehe geschieden; Ridgway wurde ein Besuchsrecht für seinen Sohn zugesprochen und zu Unterhaltszahlungen verpflichtet. Später sollte er den Behörden sagen: „Wenn ich meine zweite Frau umgebracht hätte, hätte ich niemals je eine weitere Frau getötet.“

Nach seiner Scheidung lebte er ein entfesseltes sexuelles Leben.

Die Morde[Bearbeiten]

Vorgehensweise[Bearbeiten]

Mehr als ein Jahr nach seiner Scheidung begann Ridgway eine der größten Mordserien in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Er fuhr mit seinem Wagen durch die Straßenstriche rund um Seattle, immer auf der Suche nach Prostituierten und Ausreißerinnen, die er in seinen Pickup lud und entweder zu sich nach Hause oder zu einem seiner Lieblingsplätze im Wald rund um den Green River fuhr. Dort hatte er Geschlechtsverkehr mit den Frauen. Danach folgten seine Morde immer dem gleichen Muster: Er wartete, bis sich eine günstige Gelegenheit ergab, der Prostituierten von hinten überraschend den Arm um den Hals zu legen. Dann würgte er sie, bis sie erstickte. Danach verging er sich meist an der Leiche.

Morde im eigenen Heim wurden im Schlafzimmer verübt. Nach der Tat verwischte er die Spuren. Die Bettlaken steckte er sofort in die Waschmaschine. Die Leichen fuhr er in die Wälder rund um den Green River oder an andere abgelegene Plätze, auch den, an dem er mit seiner zweiten Frau oft verkehrte. Seine Leichen deponierte er auch in Gruppen. Er kehrte nachts oft zurück, um erneut Geschlechtsverkehr mit seinen toten Opfern zu haben oder verstümmelte ihre Körper.

Den Schmuck seiner Opfer behielt Ridgway. Er machte sich einen Scherz daraus, besonders schöne Schmuckstücke an Orten seiner Arbeitsstelle zu platzieren, wo sie besonders leicht von Frauen gefunden werden konnten. Es habe ihn amüsiert, wenn die Frauen den Schmuck heimlich einsteckten oder gar trugen. Er veranstaltete auch öfters Garagenflohmärkte, wo er Schmuck und Schuhe seiner Opfer verkaufte, zur Verhöhnung der Opfer.

Ridgways Wirkung[Bearbeiten]

Ridgways Wesen wirkte auf die Frauen unbedarft, geradezu harmlos. Er war ein Freier, zu dem sie Vertrauen hatten. Dies wurde insofern verstärkt, als er nach der Scheidung eine verstärkte Beziehung zu seinem Sohn aufbaute und ihn jedes zweite Wochenende bei sich Zuhause hatte. Er hatte in seinem Haus ein Zimmer mit Spielsachen für ihn eingerichtet, das auf im Haus anwesende Prostituierte beruhigend gewirkt haben muss. Er scheute sich auch nicht, mit seinem Sohn im Wagen herumzufahren, um so eine Prostituierte eher dazu zu bewegen, mit ihm in den Wald zu fahren. Dort verschwand er dann mit der Frau im Wald und kam ohne sie zurück. Auf die Frage seines Sohnes, wo denn die Frau geblieben sei, sagte er, sie sei alleine nach Hause gegangen.

Opfer[Bearbeiten]

Ridgway bevorzugte keinen besonderen Frauentyp. Es war ihm nur wichtig, dass sie – manchmal auch nur in seinen Augen – Prostituierte waren, und somit „Abfall“. Sein jüngstes Opfer war 15, sein ältestes 38, er ermordete Schwarze, Weiße jeglicher Haarfarbe, Lateinamerikanerinnnen, Dicke, Dünne, Große und Kleine ohne besondere Präferenz.

Gary Ridgway gab an, so viele Frauen ermordet zu haben, dass er sich unmöglich an alle erinnern könne. Die höchsten Schätzungen belaufen sich auf über 90 Opfer.

Bestätigte Opfer[Bearbeiten]

# Name Alter Verschwunden Gefunden
1 Wendy Lee Coffield 16 8. Juli 1982 15. Juli 1982
2 Gisele Ann Lovvorn 17 17. Juli 1982 25. September 1982
3 Debra Lynn Bonner 23 25. Juli 1982 12. August 1982
4 Marcia Fay Chapman 31 1. August 1982 15. August 1982
5 Cynthia Jean Hinds 17 11. August 1982 15. August 1982
6 Opal Charmaine Mills 16 12. August 1982 15. August 1982
7 Terry Rene Milligan 16 29. August 1982 1. April 1984
8 Mary Bridget Meehan 18 15. September 1982 13. November 1983
9 Debra Lorraine Estes 15 20. September 1982 30. Mai 1988
10 Linda Jane Rule 16 26. September 1982 31. Januar 1983
11 Denise Darcel Bush 23 8. Oktober 1982 12. Juni 1985
12 Shawnda Leea Summers 16 9. Oktober 1982 11. August 1983
13 Shirley Marie Sherrill 18 20-22. Oktober 1982 Juni 1985
14 Rebecca "Becky" Marrero 20 3. Dezember 1982 21. Dezember 2010
15 Colleen Renee Brockman 15 24. Dezember 1982 26. Mai 1984
16 Alma Ann Smith 18 3. März 1983 2. April 1984
17 Delores LaVerne Williams 17 8-14. März 1983 31. März 1984
18 Gail Lynn Mathews 23 10. März 1983 18. September 1983
19 Andrea M. Childers 19 14. April 1983 11. Oktober 1989
20 Sandra Kay Gabbert 17 17. April 1983 1. April 1984
21 Kimi-Kai Pitsor 16 17. April 1983 15. Dezember 1983
22 Marie M. Malvar 18 30. April 1983 26. Dezember 2003
23 Carol Ann Christensen 21 3. Mai 1983 8. Mai 1983
24 Martina Theresa Authorlee 18 22. Mai 1983 14. November 1984
25 Cheryl Lee Wims 18 23. Mai 1983 22. März 1984
26 Yvonne "Shelly" Antosh 19 31. Mai 1983 15. Oktober 1983
27 Carrie Ann Rois 15 31. Mai – 13. Juni 1983 10. März 1985
28 Constance Elizabeth Naon 19 8. Juni 1983 27. Oktober, 1983
29 Kelly Marie Ware 22 18. Juli 1983 29. Oktober 1983
30 Tina Marie Thompson 21 25. Juli 1983 20. April 1984
31 April Dawn Buttram 16 18. August 1983 30. August 2003
32 Debbie May Abernathy 26 5. September 1983 31. März 1984
33 Tracy Ann Winston 19 12. September 1983 27. März 1986
34 Maureen Sue Feeney 19 28. September 1983 2. Mai 1986
35 Mary Sue Bello 25 11. Oktober 1983 12. Oktober 1984
36 Pammy Annette Avent 15 26. Oktober 1983 16. August 2003
37 Delise Louise Plager 22 30. Oktober 1983 14. Februar 1984
38 Kimberly L. Nelson 21 1. November 1983 14. Juni 1986
39 Lisa Yates 19 23. Dezember 1983 13. März 1984
40 Mary Exzetta West 16 6. Februar 1984 8. September 1985
41 Cindy Anne Smith 17 21. März 1984 27. Juni 1987
42 Patricia Michelle Barczak 19 17. Oktober 1986 Februar 1993
43 Roberta Joseph Hayes 21 Zuletzt gesehen beim Verlassen des Gefängnisses von Portland, Oregon am 7. Februar 1987 11. September 1991
44 Marta Reeves 36 5. März 1990 20. September 1990
45 Patricia Yellowrobe 38 Januar 1998 6. August 1998
46 Unidentifizierte weibliche Leiche 12–17 Gestorben vor Mai 1983 21. März 1984
47 Sandra Denise Major 20 24. Dezember 1982 30. Dezember 1985
48 Unidentifizierte weibliche Leiche 14–18 Dezember 1980 – Januar 1984 2. Januar 1986
49 Unidentifizierte weibliche Leiche 13–24 1973–1993 August 2003

Die Green River Task Force[Bearbeiten]

Erste Leichenfunde[Bearbeiten]

Am 15. Juli 1982 fanden Kinder die Leiche der sechzehnjährigen Ausreißerin Wendy Lee Coffield im Green River treibend.[3] Sie war erwürgt worden. Die Polizei nahm an, dass es sich hierbei um ein Opfer häuslicher Gewalt handelte. Doch vom 12. bis zum 15. August wurden die Leichen von vier weiteren jungen Frauen in oder in der Nähe des Green River gefunden.[3] Von da an vermutete die Polizei, es mit einem Serienmörder zu tun zu haben. Die Untersuchungen wurden geleitet von Dave Reichert vom King County Sheriff Office. Zu diesem Zeitpunkt wusste die Polizei von King County bereits, dass Ridgway ein häufiger Kunde des Straßenstrichs war, da er ein paar Monate zuvor, am 11. Mai, von einer Undercover-Beamtin des Freiertums überführt werden konnte. Anhand seiner Kreditkartenabrechnung konnten sie in Erfahrung bringen, dass er einen enormen Benzinverbrauch hatte. Während dieser Jahre sollte Ridgway öfter seinen Pick-Up gewechselt haben, um nicht aufzufallen.

Erste Verstrickung[Bearbeiten]

Als am 30. April 1983 die 18-jährige Prostituierte Marie Malvar verschwand, identifizierte ihr Freund den Pick-Up Ridgways als denjenigen, in den Malvar auf dem Pacific South Highway zuletzt eingestiegen sei. Ridgway bestritt aber, Kontakt mit Malvar gehabt zu haben. Es war das erste Mal, dass er bezüglich eines der Mordopfer kontaktiert wurde, wenngleich Malvar zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Mordopfer bekannt war.

Am 20. November 1983 gab die Polizei bekannt, dass 11 Frauen, die man im South King County tot aufgefunden hatte, vom selben Mann ermordet worden seien.

Bildung einer Task Force[Bearbeiten]

Am 16. Januar 1984 berief das Kings County Sheriff's Office die größte Task Force seit dem Fall Ted Bundy ins Leben. Sie bestand aus Personen vom Port of Seattle Police Departement, dem Seattle Police Departement, dem Pierce County Sheriff's Office, der Washington State Patrol, dem FBI und der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Washington. Sie nannten sich die Green River Task Force. Diese Task Force versuchte über die Jahre, Beweise gegen die mehr als 12.000 Verdächtigen zu sammeln, ließ die besonders gefährdeten Orte überwachen, sammelte jedes kleinste Indiz vom Fundort der Leichen und katalogisierte es, jedoch zumeist erfolglos.

Weitere Morde[Bearbeiten]

Am 2. April 1984 wurden fünf weitere skelettierte Überreste von Frauen gefunden. Die Anzahl der Opfer wurde offiziell mit 20 angegeben, die Dunkelziffer auf 30 geschätzt. Am 20. April 1984 wurden nochmals Überreste von zwei Körpern gefunden, darunter die der 36-jährigen Amina Agisheff, die zuletzt im Jahr 1982 in Seattle gesehen worden war. Sie wurde nur am Rande mit den anderen Morden in Verbindung gebracht.

Im Mai 1984 kontaktierte Ridgway die Green River Task Force, scheinbar, um Informationen anzubieten. Die Ermittler unterzogen ihn einem Lügendetektor-Test, den er problemlos durchlief.

Am 29. November 1984 gab die Prostituierte Rebecca Garde Guay bekannt, sie sei von Ridgway während einer „Verabredung“ gewalttätig attackiert worden. Er habe sie gewürgt, doch sie konnte entfliehen. Ridgway bestritt dies nicht, behauptete aber, sie habe ihm während des Oralsex in den Penis gebissen und er habe sich gegen sie wehren müssen.

Im Dezember 1984 gab die Polizei die Zahl der Opfer mit 42 an. Mittlerweile hatte sich sogar Ted Bundy, ebenfalls berüchtigter Frauenmörder, mit einem Brief an die Task Force gewandt, in dem er ein psychologisches Profil des Green River Killers entworfen hatte.

Am 6. Februar 1986 durchsuchte die Polizei ein Haus in der Nähe des Seattle-Tacoma International Airports. Der Besitzer des Hauses war Gegenstand detaillierter Untersuchungen. Im Mai wurde dann bekanntgegeben, dass der Mann nichts mit dem Fall zu tun gehabt hätte. Während des Jahres 1986 geriet die Green River Task Force immer mehr unter Beschuss der Öffentlichkeit, die eine schnelle Verhaftung des Green River Killers forderte. Den Beamten wurde vorgeworfen, wenn die Opfer nicht aus der untersten sozialen Schicht kämen, hätte sich die Polizei engagierter mit dem Fall befasst und den Mörder längst gefasst.

Übersicht über die Leichenfundorte

Das vorläufige Ende[Bearbeiten]

Am 8. April 1987 durchsuchte die Polizei das Haus und die Fahrzeuge von Ridgway, der mit mindestens zwei der 46 Opfer zuletzt gesehen worden war. Das Kriminallabor der State Patrol nahm Haar-, Schamhaar- und Speichelproben von Gary Ridgway. Da aber die DNA-Identifizierungs-Techniken zu diesem Zeitpunkt noch zu wenig ausgereift waren, konnten die Proben nicht ausgewertet werden. Auch sonst fanden sie keine Beweise, um ihn verhaften zu können. Ridgway fühlte sich zu diesem Zeitpunkt unbesiegbar, die Behörden waren demoralisiert.

Im Jahr 1988 heiratete Gary Ridgway zum dritten Mal.[4] Nachbarn beschrieben ihn und Judy Lynch als „unzertrennlich“. Im selben Jahr wurde landesweit ein zweistündiges TV-Special über den Green River Killer ausgestrahlt und 100.000 US-Dollar auf Hinweise, die zu seiner Verhaftung führen, ausgesetzt. Während der Fernsehsendung gingen über 4.000 Telefonanrufe ein, allerdings ergebnislos.

Die Green River Task Force war über die Jahre kontinuierlich geschrumpft, bis sie im Juli 1991 nur noch aus einem Mann bestand, Tom Jensen. Der Mörder war nicht gefunden worden, trotz Jahren der Untersuchungen, der Bildung einer Task Force, der Ausgabe von mehr als 15 Millionen US-Dollar, des Einsatzes eines 200.000 Dollar teuren Computers, der Anhäufung von tausenden von Verdächtigen und dem Füllen von mehr als 750 Ringordnern mit Millionen von Fakten. Man nahm an, dass der Mörder mittlerweile wegen eines anderen Falles im Gefängnis saß, gestorben oder aus der Gegend weggezogen war. Weitere Mordfälle an Prostituierten zählte man nicht mehr zu den Morden des Green River Killers.

DNA Speichelprobe[Bearbeiten]

Am 2. November 1999 wurden die Überreste eines Opfers, das 1986 nahe dem Green River gefunden wurde, mit einem neuartigen DNA-Test schließlich als die neunzehnjährige Tracy Winston identifiziert, die 1983 aus einem Einkaufszentrum in Seattle verschwunden war.

Im März 2001 benutzte das Kriminallabor des Staates Washington die neuen DNA-Tests, um über Beweisstücke Hinweise zum Täter zu finden. Am 30. November 2001 wurde bekannt, dass auf vier der frühen Opfer DNA-Spuren gefunden wurden, die mit derjenigen von Ridgways Speichelprobe übereinstimmten. Ridgway wurde verhaftet. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war er 52 Jahre alt und wohnte in Auburn.

Der Prozess[Bearbeiten]

Unschuldsbeteuerungen[Bearbeiten]

Am 15. Dezember 2001 stellte der Sheriff von King County, Dave Reichert, elf Untersuchungsbeamte dazu ab, Beweise gegen Ridgway zu sammeln.

Am 18. Dezember 2001 plädierte Ridgway – ermutigt durch frühere ergebnislose Untersuchungen gegen ihn – auf „nicht schuldig“ in Sachen Mord an Marcia Chapman, 31, Cynthia Hinds, 17, und Opal Mills, 16, deren Körper am 15. August 1982 in der Nähe des Green River gefunden wurden, sowie Carol Christensen, deren Überreste im Maple Valley am 8. Mai 1983 gefunden wurden.

Am 27. März 2003 wurde Ridgway dreier weiterer Morde beschuldigt: Wendy Lee Coffield, 16, Debra Bonner, 23 und Debra Estes, 15. Polizei und Staatsanwaltschaft gaben bekannt, dass mikroskopische Farbpartikel auf den Kleidern der Frauen mit dem Lastwagenlackierer Ridgway in Verbindung gebracht werden konnten. Am 3. April stritt Ridgway vor Gericht die Taten ab. Seine Frau Judy Lynch stand ihm bei, ebenso seine Familie und viele seiner Nachbarn, die nicht glauben konnten, dass er der Green River Killer sei.

Kooperation[Bearbeiten]

Am 26. Juli 2003 wurde Ridgway vom King-County-Gefängnis in Seattle an einen unbekannten Ort überführt. Ridgway kooperierte mit den Behörden, um der Todesstrafe zu entgehen. Von nun an war er mit der Green River Task Force unterwegs, führte die Untersuchungsbeamten zu weiteren Tatorten und Leichen: am 19. August 2003 wurden die Überreste der sechzehnjährigen Pammy Avents östlich von Enumclaw gefunden. Identifiziert wurde sie durch Informationen, die Ridgway im Austausch für sein Leben gab. Am 24. August 2003 wurden sieben Knochen gefunden, die der Gerichtsmediziner vom King County Medical Examiner Office als menschlichen Ursprungs einstufte. Am 27. September 2003 wurden die Knochen der 17-jährigen April Buttram identifiziert, die im August 1983 verschwunden war.

Am 2. Oktober 2003 fand die Green River Task Force in einer Schlucht außerhalb von Auburn die Überreste von Marie Malvar, die Frau, mit deren Verschwinden Ridgway schon 1983 in Verbindung gebracht worden war.

Im Oktober 2003 gab Ridgway auch die Details von zwei weiteren Morden bekannt, die bisher nicht mit ihm in Verbindung gebracht worden waren: Patricia Yellow Robe, 38, die am 6. August 1998 tot aufgefunden wurde; und Marta Reeves, 36, die im Jahre 1990 getötet wurde.

Noch am 18. Februar 2011 wartete er mit Informationen über die Ermordung von Rebecca „Becky“ Morrero auf, die er vor nunmehr 28 Jahren ermordet hatte. Kurz vor Weihnachten 2010 fanden spielende Kinder menschliche Überreste, wobei es sich um die von Morrero handelte.[5]

Der Prozess[Bearbeiten]

Am 5. November 2003 bekannte sich Ridgway vor dem King-County-Obergericht schuldig des 48-fachen Mordes an 42 der ursprünglich aufgelisteten Opfer und sechs weiteren Frauen (Linda Rule, Roberta Hayes, Marta Reeves, Patricia Barczak, Yellow Robe und einer Unbekannten). Als er den Angehörigen der Opfer vor Gericht begegnen musste, zeigte er keinerlei Reue bzw. Mitgefühl, dennoch brach er das erste Mal im Verlauf des Prozesses in Tränen aus, als ihm ein Angehöriger eines Opfers für seine Tat verzeihen konnte. Er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Begnadigung verurteilt und verbüßt diese heute in der Justizvollzugsanstalt des Staates Washington in Walla Walla.

Verfilmungen[Bearbeiten]

2004 entstand der US-amerikanisch/kanadische Spielfilm The Riverman, der die Ermittlungen in den Mordfällen, die Ridgway zu verantworten hat, zum Thema hat. In der Rolle Ridgways ist der Schauspieler David Brown zu sehen.

2005 verarbeitete der Regisseur Ulli Lommel die Thematik in seinem Film Green River Killer.

2007 entstand eine US-Adaption basierend auf dem Buch Chasing the Devil, des damaligen Ermittlers Dave Reichert (gespielt von Thomas Cavanagh), ein TV-Zweiteiler von Norma Bailey mit dem deutschen Titel: Green River: Die Spur des Killers. Der Film hatte am 4. Mai 2009 seine Deutschland-Premiere auf Premiere.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format"Green-River-Killer" zu lebenslänglich verurteilt. In: Stern. 19. Dezember 2003, abgerufen am 10. März 2013 (deutsch).
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSerienkiller gesteht 49. Mord. In: Stern. 19. Februar 2011, abgerufen am 10. März 2013 (deutsch).
  3. a b c Haglund, W.D.; Reichert, M.A.; Reay, D.G. & Donald, T. (1990): Recovery of decomposed and skeletal human remains in the ‘‘Green River Murder’’ investigation. Am. J. Forensic Med. Pathol., 11: 35–43.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRachel Quigley: 'I had the perfect husband... but he was the perfect murderer': Wife reveals moment she found out she was married to Green River Serial Killer who murdered up to 70 women. In: Daily Mail. 3. November 2011, abgerufen am 10. März 2013 (englisch).
  5. Congressman Reichert on new Green River remains linked to Ridgway | KING5.com | Seattle Area Local News

Weblinks[Bearbeiten]