Gary Ridgway
Gary Leon Ridgway (* 18. Februar 1949 in Salt Lake City, Utah) ist ein US-amerikanischer Serienmörder aus Seattle, der im Jahre 2003 wegen Mordes an 48 Prostituierten zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.[1] Mittlerweile gestand er den 49. Mord.[2] Er wurde unter dem Namen „Green River Killer“ bekannt, da er seine Opfer vornehmlich im oder in der Nähe des Green River deponierte.[3]
Getrieben wurde Gary Ridgway laut eigenen Angaben vorrangig von Hass auf Frauen, insbesondere Prostituierte. „Ich wollte so viele Frauen wie möglich töten, von denen ich dachte, sie seien Prostituierte. Ich dachte, ich könne so viele töten wie ich will, ohne erwischt zu werden“ gab er zu Protokoll. Seiner Verhaftung war eine der umfangreichsten und langwierigsten Ermittlungen in der Geschichte der USA vorangegangen.
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Vorgeschichte [Bearbeiten]
Familie [Bearbeiten]
Am 18. Februar 1949 wurde Gary Leon Ridgway in Salt Lake City geboren. Er war der mittlere von drei Söhnen. Während seiner Kindheit hatte er eine enge Bindung zu seiner dominanten Mutter, während er sich mit seinem Vater, einem Busfahrer, nicht gut verstand. Zwischen den Eltern Ridgways kam es häufig zum Streit, der seitens der Mutter manchmal auch in Gewalttaten ausartete. Ridgway war ein folgsames Kind, das bis in seine frühen Teenagerjahre Bettnässer war. Nach Fällen von nächtlicher Inkontinenz wusch ihm die Mutter jeweils die Genitalien. Diese fast inzestuöse Beziehung zu seiner Mutter führte einerseits dazu, dass Gary Ridgway sich von seiner Mutter sexuell angezogen fühlte, andererseits aber, dass er eine Wut auf sie verspürte und mit der Fantasie spielte, sie umzubringen. Die Mutter von Gary Ridgeway zeigte sich der Öffentlichkeit immer sehr frei, d. h. es konnte kein Rock zu kurz sein. Sein Vater nahm ihn hin und wieder mit auf seinen Bustouren. Wenn sie durch den „Strip“ fuhren, den man als Ort bezeichnete an dem die Huren ihr Geld verdienten, sagte der Vater immer: „Schau Junge, das sind alles Huren, Abschaum,…“ Als prägendes Ereignis erzählt Ridgway während seiner Gefangenschaft, dass sein Vater einmal den Bus rechts ranfuhr, damit er mit einer dieser Prostituierten verkehren konnte.
Umfeld [Bearbeiten]
Als Ridgway elf Jahre alt war, zog die Familie nach SeaTac, einem wachsenden Außenbezirk von Seattle (Washington) nahe dem Flughafen. Niedrige Immobilienpreise und viele – unterbezahlte – Arbeitsstellen lockten damals viele Menschen in diese Gegend. Die Familie wohnte in den McMicken Heights, einem Viertel, das vor allem durch den Pacific Highway South bestimmt wurde, der damals die Hauptverkehrslinie zwischen Seattle und Tacoma war. Diese Straße, gesäumt von Spielsalons, billigen Motels und Bordellen, war von jeher ein Anziehungspunkt für Prostituierte, Drogenhändler, Kleinkriminelle und Ausreißer. Es war auch die Arbeitsstelle des Vaters von Gary Ridgway, der diese Strecke als Busfahrer abzufahren hatte und so die hier verkehrende Klientel genau kannte. Zuhause soll er sich abschätzig über seine üblichen Passagiere geäußert haben, vor allem die Prostituierten seien ihm, dem im religiös-konservativen Mormonenstaat Utah Geborenen, verhasst gewesen.
Jugendzeit [Bearbeiten]
Im Alter von 16 Jahren machte Ridgway erste Erfahrungen in der Ausübung von Gewalt. Er lockte einen zufällig in der Nähe spielenden Sechsjährigen in ein uneinsehbares Gehölz und stach ihn mit einem Messer in die Seite, als dieser sich bückte, um etwas aufzuheben. Der Junge, Jimmy Davis, sollte später erzählen, Ridgway habe zu ihm gesagt: „Ich wollte schon immer mal wissen, wie es sich anfühlt, jemanden zu töten.“, während Ridgway später zu Protokoll geben sollte: „Er war am falschen Ort zur falschen Zeit und ich war am richtigen Ort zur richtigen Zeit, so würden Sie (der Ermittlungsbeamte) das wohl nennen.“ Nach dem Messerstich rannte Ridgway lachend davon, während sich der Junge sterbend glaubte. Jimmy Davis' Leber wurde durch die Attacke regelrecht aufgeschlitzt, so dass er mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen musste. Aus heute nicht mehr eruierbaren Gründen wurde Ridgway für diese Tat nie bestraft, obwohl Jimmy Davis ihn als seinen Angreifer benennen konnte.
Während seiner Zeit an der Tyee High School fiel Ridgway nie besonders auf. Er wurde allseits als durchschnittlicher Teenager beschrieben, er war Raucher, spielte dank seiner athletischen Begabung im Football-Team und war gut eingebunden in die sozialen Strukturen unter den Jugendlichen. Die Nachbarn beschrieben ihn als äußerst freundlichen Jugendlichen, der zwar wenig eloquent, aber immer „schnell zu einem Lächeln bereit war“. Er hatte auch erste kleinere Beziehungen mit Mädchen und veranstaltete Partys in einem lokalen Jugendclub. Seine schulischen Leistungen waren aber so schlecht, dass er oft Klassen wiederholen musste.
Am 2. April 1969 wurde Ridgway für Temporärarbeiten bei der Lackiererei der Kenworth-Lastwagenfabrik angestellt. Nachdem er im Juni die Highschool abgeschlossen hatte, entschloss er sich, Militärdienst zu leisten und heuerte so am 18. August bei der U.S. Navy an. Von seiner Dienstzeit im Militär vermeldet die Krankenakte, dass er an Gonorrhoe erkrankt sei. Dies legt den Schluss nahe, dass er während seiner Dienstzeit Kontakt zu Prostituierten gehabt hatte.
Erste Ehe [Bearbeiten]
Während eines Diensturlaubs heiratete Ridgway am 15. August 1970 seine erste Frau Claudia Kraig Barrows, die er ein Jahr zuvor kennengelernt hatte. Er war 21 und sie 20 Jahre alt. Das frischvermählte Ehepaar zog sogleich nach San Diego, wo Ridgway stationiert war. Dort blieb seine Frau für längere Zeit allein, denn Ridgway war mit der Navy für sechs Monate im Südpazifik unterwegs. Beide gingen Affären ein. Ridgway fand heraus, dass seine Frau ihn betrogen hatte und sah sie fortan als „Nutte“ an. Die in die Ehe hineinwirkende Dominanz der Mutter ließ die Ehe zerbrechen.
Zweite Ehe [Bearbeiten]
Seine zweite Frau, Marcia Winslow, lernte Ridgway 1972 kennen. Ende 1973 heirateten sie. Später sollte Marcia Winslow zu Protokoll geben, Ridgway habe sie als Sexobjekt und Haushälterin angesehen. Sex sei oft am nahegelegenen Green River im hohen Gras am Ufer des Flusses ausgeübt worden. 1975 gebar Marcia einen Sohn. Damit begann für Ridgway ein äußerst religiös geprägter Lebensabschnitt. Er las die Bibel und schrieb sich zunächst in einer Baptistenkirche und später in der Pfingstgemeinde ein. Die Gewaltfantasien Ridgways kamen indessen immer deutlicher zum Vorschein: Eines Nachts, als sie von einer Party zurückkehrten, würgte er seine Frau fast bis zur Bewusstlosigkeit, ohne dass ein Streit vorangegangen wäre. Würgen wurde in die Sexspiele integriert. Seine Frau reichte die Scheidung ein. 1981 wurde die Ehe geschieden; Ridgway wurde ein Besuchsrecht für seinen Sohn zugesprochen und zu Unterhaltszahlungen verpflichtet. Später sollte er den Behörden sagen: „Wenn ich meine zweite Frau umgebracht hätte, hätte ich niemals je eine weitere Frau getötet.“
Nach seiner Scheidung lebte er ein entfesseltes sexuelles Leben.
Die Morde [Bearbeiten]
Vorgehensweise [Bearbeiten]
Mehr als ein Jahr nach seiner Scheidung begann Ridgway eine der größten Mordserien in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Er fuhr mit seinem Wagen durch die Straßenstriche rund um Seattle, immer auf der Suche nach Prostituierten und Ausreißerinnen, die er in seinen Pickup lud und entweder zu sich nach Hause oder zu einem seiner Lieblingsplätze im Wald rund um den Green River fuhr. Dort hatte er Geschlechtsverkehr mit den Frauen. Danach folgten seine Morde immer dem gleichen Muster: Er wartete, bis sich eine günstige Gelegenheit ergab, der Prostituierten von hinten überraschend den Arm um den Hals zu legen. Dann würgte er sie, bis sie erstickte. Danach verging er sich meist an der Leiche.
Morde im eigenen Heim wurden im Schlafzimmer verübt. Nach der Tat verwischte er die Spuren. Die Bettlaken steckte er sofort in die Waschmaschine. Die Leichen fuhr er in die Wälder rund um den Green River oder an andere abgelegene Plätze, auch den, an dem er mit seiner zweiten Frau oft verkehrte. Seine Leichen deponierte er auch in Gruppen. Er kehrte nachts oft zurück, um erneut Geschlechtsverkehr mit seinen toten Opfern zu haben oder verstümmelte ihre Körper.
Den Schmuck seiner Opfer behielt Ridgway. Er machte sich einen Scherz daraus, besonders schöne Schmuckstücke an Orten seiner Arbeitsstelle zu platzieren, wo sie besonders leicht von Frauen gefunden werden konnten. Es habe ihn amüsiert, wenn die Frauen den Schmuck heimlich einsteckten oder gar trugen. Er veranstaltete auch öfters Garagenflohmärkte, wo er Schmuck und Schuhe seiner Opfer verkaufte, zur Verhöhnung der Opfer.
Ridgways Wirkung [Bearbeiten]
Ridgways Wesen wirkte auf die Frauen unbedarft, geradezu harmlos. Er war ein Freier, zu dem sie Vertrauen hatten. Dies wurde insofern verstärkt, als er nach der Scheidung eine verstärkte Beziehung zu seinem Sohn aufbaute und ihn jedes zweite Wochenende bei sich Zuhause hatte. Er hatte in seinem Haus ein Zimmer mit Spielsachen für ihn eingerichtet, das auf im Haus anwesende Prostituierte beruhigend gewirkt haben muss. Er scheute sich auch nicht, mit seinem Sohn im Wagen herumzufahren, um so eine Prostituierte eher dazu zu bewegen, mit ihm in den Wald zu fahren. Dort verschwand er dann mit der Frau im Wald und kam ohne sie zurück. Auf die Frage seines Sohnes, wo denn die Frau geblieben sei, sagte er, sie sei alleine nach Hause gegangen.
Opfer [Bearbeiten]
Ridgway bevorzugte keinen besonderen Frauentyp. Es war ihm nur wichtig, dass sie – manchmal auch nur in seinen Augen – Prostituierte waren, und somit „Abfall“. Sein jüngstes Opfer war 15, sein ältestes 38, er ermordete Schwarze, Weiße jeglicher Haarfarbe, Lateinamerikanerinnnen, Dicke, Dünne, Große und Kleine ohne besondere Präferenz.
Gary Ridgway gab an, so viele Frauen ermordet zu haben, dass er sich unmöglich an alle erinnern könne. Die höchsten Schätzungen belaufen sich auf über 90 Opfer.
Bestätigte Opfer [Bearbeiten]
| # | Name | Alter | Verschwunden | Gefunden |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Wendy Lee Coffield | 16 | 8. Juli 1982 | 15. Juli 1982 |
| 2 | Gisele Ann Lovvorn | 17 | 17. Juli 1982 | 25. September 1982 |
| 3 | Debra Lynn Bonner | 23 | 25. Juli 1982 | 12. August 1982 |
| 4 | Marcia Fay Chapman | 31 | 1. August 1982 | 15. August 1982 |
| 5 | Cynthia Jean Hinds | 17 | 11. August 1982 | 15. August 1982 |
| 6 | Opal Charmaine Mills | 16 | 12. August 1982 | 15. August 1982 |
| 7 | Terry Rene Milligan | 16 | 29. August 1982 | 1. April 1984 |
| 8 | Mary Bridget Meehan | 18 | 15. September 1982 | 13. November 1983 |
| 9 | Debra Lorraine Estes | 15 | 20. September 1982 | 30. Mai 1988 |
| 10 | Linda Jane Rule | 16 | 26. September 1982 | 31. Januar 1983 |
| 11 | Denise Darcel Bush | 23 | 8. Oktober 1982 | 12. Juni 1985 |
| 12 | Shawnda Leea Summers | 16 | 9. Oktober 1982 | 11. August 1983 |
| 13 | Shirley Marie Sherrill | 18 | 20-22. Oktober 1982 | Juni 1985 |
| 14 | Rebecca "Becky" Marrero | 20 | 3. Dezember 1982 | 21. Dezember 2010 |
| 15 | Colleen Renee Brockman | 15 | 24. Dezember 1982 | 26. Mai 1984 |
| 16 | Alma Ann Smith | 18 | 3. März 1983 | 2. April 1984 |
| 17 | Delores LaVerne Williams | 17 | 8-14. März 1983 | 31. März 1984 |
| 18 | Gail Lynn Mathews | 23 | 10. März 1983 | 18. September 1983 |
| 19 | Andrea M. Childers | 19 | 14. April 1983 | 11. Oktober 1989 |
| 20 | Sandra Kay Gabbert | 17 | 17. April 1983 | 1. April 1984 |
| 21 | Kimi-Kai Pitsor | 16 | 17. April 1983 | 15. Dezember 1983 |
| 22 | Marie M. Malvar | 18 | 30. April 1983 | 26. Dezember 2003 |
| 23 | Carol Ann Christensen | 21 | 3. Mai 1983 | 8. Mai 1983 |
| 24 | Martina Theresa Authorlee | 18 | 22. Mai 1983 | 14. November 1984 |
| 25 | Cheryl Lee Wims | 18 | 23. Mai 1983 | 22. März 1984 |
| 26 | Yvonne "Shelly" Antosh | 19 | 31. Mai 1983 | 15. Oktober 1983 |
| 27 | Carrie Ann Rois | 15 | 31. Mai – 13. Juni 1983 | 10. März 1985 |
| 28 | Constance Elizabeth Naon | 19 | 8. Juni 1983 | 27. Oktober, 1983 |
| 29 | Kelly Marie Ware | 22 | 18. Juli 1983 | 29. Oktober 1983 |
| 30 | Tina Marie Thompson | 21 | 25. Juli 1983 | 20. April 1984 |
| 31 | April Dawn Buttram | 16 | 18. August 1983 | 30. August 2003 |
| 32 | Debbie May Abernathy | 26 | 5. September 1983 | 31. März 1984 |
| 33 | Tracy Ann Winston | 19 | 12. September 1983 | 27. März 1986 |
| 34 | Maureen Sue Feeney | 19 | 28. September 1983 | 2. Mai 1986 |
| 35 | Mary Sue Bello | 25 | 11. Oktober 1983 | 12. Oktober 1984 |
| 36 | Pammy Annette Avent | 15 | 26. Oktober 1983 | 16. August 2003 |
| 37 | Delise Louise Plager | 22 | 30. Oktober 1983 | 14. Februar 1984 |
| 38 | Kimberly L. Nelson | 21 | 1. November 1983 | 14. Juni 1986 |
| 39 | Lisa Yates | 19 | 23. Dezember 1983 | 13. März 1984 |
| 40 | Mary Exzetta West | 16 | 6. Februar 1984 | 8. September 1985 |
| 41 | Cindy Anne Smith | 17 | 21. März 1984 | 27. Juni 1987 |
| 42 | Patricia Michelle Barczak | 19 | 17. Oktober 1986 | Februar 1993 |
| 43 | Roberta Joseph Hayes | 21 | Zuletzt gesehen beim Verlassen des Gefängnisses von Portland, Oregon am 7. Februar 1987 | 11. September 1991 |
| 44 | Marta Reeves | 36 | 5. März 1990 | 20. September 1990 |
| 45 | Patricia Yellowrobe | 38 | Januar 1998 | 6. August 1998 |
| 46 | Unidentifizierte weibliche Leiche | 12–17 | Gestorben vor Mai 1983 | 21. März 1984 |
| 47 | Sandra Denise Major | 20 | 24. Dezember 1982 | 30. Dezember 1985 |
| 48 | Unidentifizierte weibliche Leiche | 14–18 | Dezember 1980 – Januar 1984 | 2. Januar 1986 |
| 49 | Unidentifizierte weibliche Leiche | 13–24 | 1973–1993 | August 2003 |
Die Green River Task Force [Bearbeiten]
Erste Leichenfunde [Bearbeiten]
Am 15. Juli 1982 fanden Kinder die Leiche der sechzehnjährigen Ausreißerin Wendy Lee Coffield im Green River treibend.[3] Sie war erwürgt worden. Die Polizei nahm an, dass es sich hierbei um ein Opfer häuslicher Gewalt handelte. Doch vom 12. bis zum 15. August wurden die Leichen von vier weiteren jungen Frauen in oder in der Nähe des Green River gefunden.[3] Von da an vermutete die Polizei, es mit einem Serienmörder zu tun zu haben. Die Untersuchungen wurden geleitet von Dave Reichert vom King County Sheriff Office. Zu diesem Zeitpunkt wusste die Polizei von King County bereits, dass Ridgway ein häufiger Kunde des Straßenstrichs war, da er ein paar Monate zuvor, am 11. Mai, von einer Undercover-Beamtin des Freiertums überführt werden konnte. Anhand seiner Kreditkartenabrechnung konnten sie in Erfahrung bringen, dass er einen enormen Benzinverbrauch hatte. Während dieser Jahre sollte Ridgway öfter seinen Pick-Up gewechselt haben, um nicht aufzufallen.
Erste Verstrickung [Bearbeiten]
Als am 30. April 1983 die 18-jährige Prostituierte Marie Malvar verschwand, identifizierte ihr Freund den Pick-Up Ridgways als denjenigen, in den Malvar auf dem Pacific South Highway zuletzt eingestiegen sei. Ridgway bestritt aber, Kontakt mit Malvar gehabt zu haben. Es war das erste Mal, dass er bezüglich eines der Mordopfer kontaktiert wurde, wenngleich Malvar zu diesem Zeitpunkt noch nicht als Mordopfer bekannt war.
Am 20. November 1983 gab die Polizei bekannt, dass 11 Frauen, die man im South King County tot aufgefunden hatte, vom selben Mann ermordet worden seien.
Bildung einer Task Force [Bearbeiten]
Am 16. Januar 1984 berief das Kings County Sheriff's Office die größte Task Force seit dem Fall Ted Bundy ins Leben. Sie bestand aus Personen vom Port of Seattle Police Departement, dem Seattle Police Departement, dem Pierce County Sheriff's Office, der Washington State Patrol, dem FBI und der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Washington. Sie nannten sich die Green River Task Force. Diese Task Force versuchte über die Jahre, Beweise gegen die mehr als 12.000 Verdächtigen zu sammeln, ließ die besonders gefährdeten Orte überwachen, sammelte jedes kleinste Indiz vom Fundort der Leichen und katalogisierte es, jedoch zumeist erfolglos.
Weitere Morde [Bearbeiten]
Am 2. April 1984 wurden fünf weitere skelettierte Überreste von Frauen gefunden. Die Anzahl der Opfer wurde offiziell mit 20 angegeben, die Dunkelziffer auf 30 geschätzt. Am 20. April 1984 wurden nochmals Überreste von zwei Körpern gefunden, darunter die der 36-jährigen Amina Agisheff, die zuletzt im Jahr 1982 in Seattle gesehen worden war. Sie wurde nur am Rande mit den anderen Morden in Verbindung gebracht.
Im Mai 1984 kontaktierte Ridgway die Green River Task Force, scheinbar, um Informationen anzubieten. Die Ermittler unterzogen ihn einem Lügendetektor-Test, den er problemlos durchlief.
Am 29. November 1984 gab die Prostituierte Rebecca Garde Guay bekannt, sie sei von Ridgway während einer „Verabredung“ gewalttätig attackiert worden. Er habe sie gewürgt, doch sie konnte entfliehen. Ridgway bestritt dies nicht, behauptete aber, sie habe ihm während des Oralsex in den Penis gebissen und er habe sich gegen sie wehren müssen.
Im Dezember 1984 gab die Polizei die Zahl der Opfer mit 42 an. Mittlerweile hatte sich sogar Ted Bundy, ebenfalls berüchtigter Frauenmörder, mit einem Brief an die Task Force gewandt, in dem er ein psychologisches Profil des Green River Killers entworfen hatte.
Am 6. Februar 1986 durchsuchte die Polizei ein Haus in der Nähe des Seattle-Tacoma International Airports. Der Besitzer des Hauses war Gegenstand detaillierter Untersuchungen. Im Mai wurde dann bekanntgegeben, dass der Mann nichts mit dem Fall zu tun gehabt hätte. Während des Jahres 1986 geriet die Green River Task Force immer mehr unter Beschuss der Öffentlichkeit, die eine schnelle Verhaftung des Green River Killers forderte. Den Beamten wurde vorgeworfen, wenn die Opfer nicht aus der untersten sozialen Schicht kämen, hätte sich die Polizei engagierter mit dem Fall befasst und den Mörder längst gefasst.
Übersicht über die Leichenfundorte
Das vorläufige Ende [Bearbeiten]
Am 8. April 1987 durchsuchte die Polizei das Haus und die Fahrzeuge von Ridgway, der mit mindestens zwei der 46 Opfer zuletzt gesehen worden war. Das Kriminallabor der State Patrol nahm Haar-, Schamhaar- und Speichelproben von Gary Ridgway. Da aber die DNA-Identifizierungs-Techniken zu diesem Zeitpunkt noch zu wenig ausgereift waren, konnten die Proben nicht ausgewertet werden. Auch sonst fanden sie keine Beweise, um ihn verhaften zu können. Ridgway fühlte sich zu diesem Zeitpunkt unbesiegbar, die Behörden waren demoralisiert.
Im Jahr 1988 heiratete Gary Ridgway zum dritten Mal.[4] Nachbarn beschrieben ihn und Judy Lynch als „unzertrennlich“. Im selben Jahr wurde landesweit ein zweistündiges TV-Special über den Green River Killer ausgestrahlt und 100.000 US-Dollar auf Hinweise, die zu seiner Verhaftung führen, ausgesetzt. Während der Fernsehsendung gingen über 4.000 Telefonanrufe ein, allerdings ergebnislos.
Die Green River Task Force war über die Jahre kontinuierlich geschrumpft, bis sie im Juli 1991 nur noch aus einem Mann bestand, Tom Jensen. Der Mörder war nicht gefunden worden, trotz Jahren der Untersuchungen, der Bildung einer Task Force, der Ausgabe von mehr als 15 Millionen US-Dollar, des Einsatzes eines 200.000 Dollar teuren Computers, der Anhäufung von tausenden von Verdächtigen und dem Füllen von mehr als 750 Ringordnern mit Millionen von Fakten. Man nahm an, dass der Mörder mittlerweile wegen eines anderen Falles im Gefängnis saß, gestorben oder aus der Gegend weggezogen war. Weitere Mordfälle an Prostituierten zählte man nicht mehr zu den Morden des Green River Killers.
DNA Speichelprobe [Bearbeiten]
Am 2. November 1999 wurden die Überreste eines Opfers, das 1986 nahe dem Green River gefunden wurde, mit einem neuartigen DNA-Test schließlich als die neunzehnjährige Tracy Winston identifiziert, die 1983 aus einem Einkaufszentrum in Seattle verschwunden war.
Im März 2001 benutzte das Kriminallabor des Staates Washington die neuen DNA-Tests, um über Beweisstücke Hinweise zum Täter zu finden. Am 30. November 2001 wurde bekannt, dass auf vier der frühen Opfer DNA-Spuren gefunden wurden, die mit derjenigen von Ridgways Speichelprobe übereinstimmten. Ridgway wurde verhaftet. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war er 52 Jahre alt und wohnte in Auburn.
Der Prozess [Bearbeiten]
Unschuldsbeteuerungen [Bearbeiten]
Am 15. Dezember 2001 stellte der Sheriff von King County, Dave Reichert, elf Untersuchungsbeamte dazu ab, Beweise gegen Ridgway zu sammeln.
Am 18. Dezember 2001 plädierte Ridgway – ermutigt durch frühere ergebnislose Untersuchungen gegen ihn – auf „nicht schuldig“ in Sachen Mord an Marcia Chapman, 31, Cynthia Hinds, 17, und Opal Mills, 16, deren Körper am 15. August 1982 in der Nähe des Green River gefunden wurden, sowie Carol Christensen, deren Überreste im Maple Valley am 8. Mai 1983 gefunden wurden.
Am 27. März 2003 wurde Ridgway dreier weiterer Morde beschuldigt: Wendy Lee Coffield, 16, Debra Bonner, 23 und Debra Estes, 15. Polizei und Staatsanwaltschaft gaben bekannt, dass mikroskopische Farbpartikel auf den Kleidern der Frauen mit dem Lastwagenlackierer Ridgway in Verbindung gebracht werden konnten. Am 3. April stritt Ridgway vor Gericht die Taten ab. Seine Frau Judy Lynch stand ihm bei, ebenso seine Familie und viele seiner Nachbarn, die nicht glauben konnten, dass er der Green River Killer sei.
Kooperation [Bearbeiten]
Am 26. Juli 2003 wurde Ridgway vom King-County-Gefängnis in Seattle an einen unbekannten Ort überführt. Ridgway kooperierte mit den Behörden, um der Todesstrafe zu entgehen. Von nun an war er mit der Green River Task Force unterwegs, führte die Untersuchungsbeamten zu weiteren Tatorten und Leichen: am 19. August 2003 wurden die Überreste der sechzehnjährigen Pammy Avents östlich von Enumclaw gefunden. Identifiziert wurde sie durch Informationen, die Ridgway im Austausch für sein Leben gab. Am 24. August 2003 wurden sieben Knochen gefunden, die der Gerichtsmediziner vom King County Medical Examiner Office als menschlichen Ursprungs einstufte. Am 27. September 2003 wurden die Knochen der 17-jährigen April Buttram identifiziert, die im August 1983 verschwunden war.
Am 2. Oktober 2003 fand die Green River Task Force in einer Schlucht außerhalb von Auburn die Überreste von Marie Malvar, die Frau, mit deren Verschwinden Ridgway schon 1983 in Verbindung gebracht worden war.
Im Oktober 2003 gab Ridgway auch die Details von zwei weiteren Morden bekannt, die bisher nicht mit ihm in Verbindung gebracht worden waren: Patricia Yellow Robe, 38, die am 6. August 1998 tot aufgefunden wurde; und Marta Reeves, 36, die im Jahre 1990 getötet wurde.
Noch am 18. Februar 2011 wartete er mit Informationen über die Ermordung von Rebecca „Becky“ Morrero auf, die er vor nunmehr 28 Jahren ermordet hatte. Kurz vor Weihnachten 2010 fanden spielende Kinder menschliche Überreste, wobei es sich um die von Morrero handelte.[5]
Der Prozess [Bearbeiten]
Am 5. November 2003 bekannte sich Ridgway vor dem King-County-Obergericht schuldig des 48-fachen Mordes an 42 der ursprünglich aufgelisteten Opfer und sechs weiteren Frauen (Linda Rule, Roberta Hayes, Marta Reeves, Patricia Barczak, Yellow Robe und einer Unbekannten). Als er den Angehörigen der Opfer vor Gericht begegnen musste, zeigte er keinerlei Reue bzw. Mitgefühl, dennoch brach er das erste Mal im Verlauf des Prozesses in Tränen aus, als ihm ein Angehöriger eines Opfers für seine Tat verzeihen konnte. Er wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Möglichkeit auf Begnadigung verurteilt und verbüßt diese heute in der Justizvollzugsanstalt des Staates Washington in Walla Walla.
Verfilmungen [Bearbeiten]
2004 entstand der US-amerikanisch/kanadische Spielfilm The Riverman, der die Ermittlungen in den Mordfällen, die Ridgway zu verantworten hat, zum Thema hat. In der Rolle Ridgways ist der Schauspieler David Brown zu sehen.
2005 verarbeitete der Regisseur Ulli Lommel die Thematik in seinem Film Green River Killer.
2007 entstand eine US-Adaption basierend auf dem Buch Chasing the Devil, des damaligen Ermittlers Dave Reichert (gespielt von Thomas Cavanagh), ein TV-Zweiteiler von Norma Bailey mit dem deutschen Titel: Green River: Die Spur des Killers. Der Film hatte am 4. Mai 2009 seine Deutschland-Premiere auf Premiere.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ "Green-River-Killer" zu lebenslänglich verurteilt. In: Stern. 19. Dezember 2003, abgerufen am 10. März 2013 (deutsch).
- ↑ Serienkiller gesteht 49. Mord. In: Stern. 19. Februar 2011, abgerufen am 10. März 2013 (deutsch).
- ↑ a b c Haglund, W.D.; Reichert, M.A.; Reay, D.G. & Donald, T. (1990): Recovery of decomposed and skeletal human remains in the ‘‘Green River Murder’’ investigation. Am. J. Forensic Med. Pathol., 11: 35–43.
- ↑ Rachel Quigley: 'I had the perfect husband... but he was the perfect murderer': Wife reveals moment she found out she was married to Green River Serial Killer who murdered up to 70 women. In: Daily Mail. 3. November 2011, abgerufen am 10. März 2013 (englisch).
- ↑ Congressman Reichert on new Green River remains linked to Ridgway | KING5.com | Seattle Area Local News
Weblinks [Bearbeiten]
- Der Green River Killer auf der Homepage des King County Sheriff Departement
-
Wikinews: USA: Serienmörder erneut vor Gericht – Nachricht - Vergleich der Schnittfassungen Keine Jugendfreigabe - Uncut von Green River Killer bei Schnittberichte.com
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ridgway, Gary |
| ALTERNATIVNAMEN | Ridgway, Gary Leon (vollständiger Name); Green River Killer |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Serienmörder |
| GEBURTSDATUM | 18. Februar 1949 |
| GEBURTSORT | Salt Lake City, Utah, USA |