Georg Schumann (Komponist)

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Georg Schumann, Portraitfoto um 1950

Georg Alfred Schumann (* 25. Oktober 1866 in Königstein; † 23. Mai 1952 in Berlin Lichterfelde-West) war ein deutscher Komponist, Pianist, Dirigent, Pädagoge und von 1900 bis 1952 Direktor der Sing-Akademie zu Berlin.

Leben, Wirken, Ehrungen[Bearbeiten]

Gedenktafel am Haus Goethestraße 10, in Königstein

Georg Schumann war der Sohn des Stadtmusikdirektors Clemens Schumann (1839–1918) und ältere Bruder des Komponisten Camillo Schumann. Weitere Geschwister waren Alfred Schumann (1868–1891), welcher zuletzt Konzertmeister bei den Bremer Philharmonikern gewesen war, und Clemens Schumann jun. (1876–1938), von 1900 bis 1936 Geiger in der Dresdner Staatskapelle.

Während Georg Schumanns musikalische Ausbildung in Dresden von dem sächsischen »Orgelkönig« Carl August Fischer und dem einstigen Julius-Otto-Schüler Friedrich Baumfelder weitergeführt wurde, trat er bereits als Solist mit Johann Nepomuk Hummels Klavierkonzert a-Moll auf und erweckte durch eine selbst komponierte Klaviersonate die Aufmerksamkeit des Komponisten und Dozenten Carl Reinecke, der ihm eine Freistelle am Leipziger Konservatorium vermittelte, wo er von 1882 bis 1888 vor allem bei ihm studierte. Begegnungen mit Franz Liszt, Anton Rubinstein, Johannes Brahms, Arthur Nikisch, Gustav Mahler, Joseph Joachim, Carl Halir und Max Bruch befruchteten nach und nach Schumanns künstlerische Entwicklung.

Sing-Akademie zu Berlin mit ihrem Direktor Georg Schumann in ihrem Haus am Festungsgraben in Berlin-Mitte, 1940

Nach Tätigkeiten als Dirigent und Chorleiter des Gesangs-Vereins in Danzig (1890) und des Philharmonischen Chores und Orchesters in Bremen (1896) wurde er 1900 zum Direktor (1950 Ehrendirektor) der Sing-Akademie zu Berlin gewählt. 1907 erfolgte seine Berufung als Mitglied, 1918 als Vizepräsident und 1934 als amtierender Präsident der Preußischen Akademie der Künste, deren Meisterschule für Komposition er als Nachfolger von Max Bruch von 1913 bis 1945 leitete. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Hans Uldall, Shukichi Mitsukuri und Pantscho Wladigerow.

Von diesen Positionen aus hat Georg Schumann das Deutsche und insbesondere das Berliner Musikleben entscheidend mit beeinflusst. Gemeinsam mit Richard Strauss und anderen gründete er die Genossenschaft deutscher Tonsetzer – die heutige GEMA – deren Ehrenmitglied er wurde. Er war Mitbegründer des Verbandes Deutscher Konzertchöre, setzte sich im „Hilfsbund für deutsche Musikpflege“ für notleidende Künstler ein und holte u. a. Musiker wie Arnold Schönberg an die Akademie der Künste.

Er war Initiator des Erwerbs und der Erhaltung des Bachhauses Eisenach und dessen Ausgestaltung als Museum durch die Neue Bachgesellschaft mit direktem Einverständnis von Kaiser Wilhelm II., bei dem er wegen finanzieller Unterstützung des Vorhabens warb. Durch eine persönliche Bürgschaft, Benefizkonzerte – u. a. mit der Sing-Akademie zu Berlin und dem Berliner Philharmonischen Orchester in Eisenach 1905 – sowie eine rege Sammeltätigkeit unterstützte und förderte Schumann dieses Projekt.

Mit Unterstützung Sergiu Celibidaches, des Dirigenten des Philharmonischen Orchesters sowie des Leiters des Berliner Philharmonischen Chores, Hans Chemin-Petit, arbeitete er für den Wiederaufbau des Musiklebens in Berlin nach 1945.

Schumann ist der ausgehenden Spätromantik zuzuordnen. Als Vorbilder lassen sich zunächst Johannes Brahms und Robert Schumann – mit Georg Schumann nicht verwandt – nennen.

Er schrieb über 100 Kompositionen, vor allem Chorwerke, z. B. Oratorien, Kammermusik und Orchesterwerke, darunter eine preisgekrönte Symphonie (h-Moll-Sinfonie), das Chorwerk Amor und Psyche op. 3 (1888), das erst am 4. November 2003, in der Philharmonie Berlin nach über 50 Jahren vom Philharmonischen Chor Berlin wieder aufgeführte Oratorium Ruth op. 50 (1908), Variationen und Gigue über ein Thema von Händel op. 72 (Orchester-Variation 1925), eine Humoreske in Variationsform, Gestern Abend war Vetter Michel da op. 74 (Orchester-Humoreske 1925) sowie die meisten Bearbeitungen für das so genannte „Kaiserliederbuch“, herausgegeben auf Veranlassung Sr. Mj. d. Deutschen Kaisers Wilhelm II., eine äußerst umfangreiche Sammlung von über 600 Volksliedern in älteren und neueren Sätzen, im Volksmund „Des Kaisers Liederbuch“, oder kurz „Kaiserliederbuch“ genannt.

Georg Schumann erhielt zahlreiche Ämter, Auszeichnungen und Ehrungen. Neben den bereits erwähnten wurde er 1901 zum Königlichen Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin ernannt, 1909 zum Meister der Zelterschen Liedertafel und 1916 zum Ehrendoktor der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Er erhielt den Beethoven-Preis 1933, die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft 1934 und den Titel des Ehrendirektors der Sing-Akademie zu Berlin 1950.

Für seine Lebensleistung wurde Georg Schumann aus der Hand von Bundespräsident Dr. Theodor Heuss als erster Deutscher 1951 mit dem „Großen Verdienstkreuz“ der Bundesrepublik Deutschland geehrt.[1]

Ehrengrab, Thuner Platz 2-4, in Berlin-Lichterfelde

Sein Wohnhaus im Berliner Villenviertel Lichterfelde-West wird von der Georg Schumann Gesellschaft als Museum und Veranstaltungshaus geführt (Georg Schumann Haus). Seine Grabstätte auf dem Parkfriedhof Berlin-Lichterfelde ist Ehrengrab des Landes Berlin.

Werkverzeichnis[Bearbeiten]

Bibliografie[Bearbeiten]

  •  Herbert Biehle: Georg Schumann. Eine Biographie. E. Bisping, Münster 1925 (80 S. mit einem Frontispiz, einer Darstellung der Marmorbüste von Georg Schumann, einem herausklappbaren Notenblatt sowie einem Werkverzeichnis).
  •  Gottfried Eberle: 200 Jahre Sing-Akademie zu Berlin. Nicolai, Berlin 1991.
  •  Uta Lehnert: Den Toten eine Stimme. Der Parkfriedhof Lichterfelde. Edition Hentrich, Berlin 1996.
  •  Neue Deutsche Biographie. Duncker & Humblot, Berlin 1998.
  • Bachwochen Dill e. V. (Hrsg.) Luigi Cherubini & Georg Schumann, Beiträge zur Musikforschung. Jahrbuch der Bachwochen Dill 2001, Cultur & Commerz Verlag 2001, 96 S.

Tonträger (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 2011 – Georg Schumann – Klaviertrios Nr. 1 und 2 (cpo)
1. Trio No. 1 op. 25 in F major (1899)
2. Trio No. 2 op. 62 in F major (1916)
Münchner Klaviertrio – Michael Arlt, Violine – Gerhard Zank, Violoncello – Donald Sulzen, Piano
  • 2007 – Georg Schumann – Jerusalem, du hochgebaute Stadt (Guild)
3 Choral-Motetten für mehrstimmigen gemischten Chor, Op.75
Jerusalem, du hochgebaute Stadt
„Sollt ich meinem Gott nicht singen?“
Mit Fried und Freud ich fahr dahin
5 Choral-Motetten für mehrstimmigen gemischten Chor, Op.71
„Wie schön leucht´ uns der Morgenstern“
„Jesus, meine Zuversicht“
„Ermuntre dich, mein schwacher Geist“
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“ – Ein Festgesang
„Vom Himmel hoch da komm ich her“
The Purcell Singers, Mark Ford, Mary Nelson, Sopran – Geraldine McGreevy, Sopran
  • Georg Schumann – Violinsonaten
1. Satz der Violinsonate in cis-Moll op. 12
2. Satz der Violinsonate in cis-Moll op. 12
2. Satz der Violinsonate in d-Moll op. 55
3. Satz der Violinsonate in d-Moll op. 55
Volker Burkhart, Christoph Weinhart
  • 2001 – Georg Schumann – Chorwerke (ASV)
3 Motetten für gemischten Chor, Op.52
3 geistliche Gesänge für gemischten Chor, Op.31
4 Lieder für Männerchor, Op.41
3 geistliche Lieder für gemischten Chor, Op.51
Gesänge Hiobs – 3 Motetten für gemischten Chor und Orgel, Op.60
3 altdeutsche Lieder für gemischten Chor, Op.63
The Purcell Singers, Mark Ford
  • Georg Schumann – Geistliche Musik der Spätromantik für Chor, Orgel und Orchester
Passacaglia und Finale über B-A-C-H für Orgel, op. 39
„Jerusalem, du hochgebaute Stadt“ op. 75, 1 (histor. Aufnahme)
„Mit Fried und Freud fahr ich dahin“, Vorstudie (1933) zu op. 75, 3 (histor. Aufnahme)
„Herzlich lieb hab ich dich, o Herr“, aus op. 77, 8
„Einer ist König“, aus op. 77, 6
3 geistliche Gesänge für Gemischten Chor a cappella, op. 31
Symphonische Variationen über den Choral „Wer nur den lieben Gott läßt walten“, op. 24
Jörg Strodthoff, Sing-Akademie zu Berlin, Alsfelder Vokalensemble u.a.

Dokumente[Bearbeiten]

Briefe von Georg Schumann befinden sich im Bestand des Leipziger Musikverlages C.F.Peters im Staatsarchiv Leipzig.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Georg Schumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 3, Nr. 250, 29. Dezember 1951.