Graham Hancock

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Der in Schottland geborene Journalist und Schriftsteller Graham Hancock

Graham Hancock (* 2. August 1950 in Edinburgh, Schottland) ist ein britischer Schriftsteller und Journalist.

Hancocks hauptsächliche Interessengebiete sind historische Mysterien, steinerne Monumente, Megalithkulturen, historische Mythologie und astronomische und astrologische Zeichen aus der Vergangenheit. Eines der beherrschenden Themen mehrerer seiner Bücher ist der von ihm vermutete globale Zusammenhang aller historischen Kulturen mit einer untergegangenen Hochkultur, die, infolge einer Art von kollektiver Amnesie, in der historischen Überlieferung keine Erwähnung mehr findet.[1]

Stilistisch arbeitet Hancock durchaus mit dem Anspruch exakter wissenschaftlicher Veröffentlichung.

Seine bisherigen Bücher wurden weltweit über fünf Millionen mal verkauft und in 27 Sprachen übersetzt. Allerdings werden seine unkonventionellen Methoden und die von ihm gezogenen Schlussfolgerungen in der wissenschaftlichen Diskussion nicht befürwortet, und er wurde häufig als Pseudoarchäologe kritisiert.[2] Hancock, der selbst einräumt, keine archäologische Ausbildung zu haben, sieht seine Arbeit nach eigener Aussage als ein Gegengewicht zur „nicht hinterfragten“ Akzeptanz und Unterstützung konventioneller Anschauungen des Bildungssystems, der Medien und der Gesellschaft im Allgemeinen.[3]

In Hancocks Veröffentlichungen spiegeln sich die Vorstellungen des Diffusionismus wider, nachdem sich die Entwicklung der Menschheitsgeschichte über kulturelle Verbreitung von Erfindungen und Entdeckungen vollzieht und die in der Mehrzahl von alternativen Wissenschaftlern vertreten wird. Dies steht im Gegensatz zu der verbreiteten universitären Basis, die einen Evolutionismus, d. h. eine Weiterentwicklung aufgrund der menschlichen Möglichkeit zur Entwicklung postuliert. Viele kritische Auseinandersetzungen richten sich daher auch weniger gegen seine wissenschaftliche Kompetenz oder die von ihm untersuchten Sachverhalte, sondern spiegeln eine Auseinandersetzung der unterschiedlichen Schlussfolgerungen beider Anschauungen wider.

Leben[Bearbeiten]

Graham Hancock wurde als Sohn von Donald und Muriel Hancock geboren. Seine Kindheit verbrachte Hancock in Indien, wo sein Vater als Chirurg tätig war. Später besuchte er die Schule in Durham in Nordengland und nahm das Studium der Soziologie an der University of Durham auf, das er 1973 abschloss.

Danach begann er eine Karriere als Journalist und schrieb für mehrere namhafte britische Zeitungen, The Times, The Sunday Times, The Independent und The Guardian. Außerdem war er von 1976 bis 1979 Mitherausgeber des New Internationalist magazine und von 1981 bis 1983 Ostafrika-Korrespondent für die britische Wochenzeitschrift The Economist. In den 1980er Jahren begann er Bücher zu schreiben. Sein erstes Buch war «Reise durch Pakistan» (OT: «Journey through Pakistan»).

Er ist verheiratet mit der Fotografin Santha Faiia, mit welcher er das Buch «Spiegel des Himmels» (OT: «Heaven’s mirror») herausgegeben hat.

Hancock arbeitet zusammen mit Robert Bauval, mit dem er drei Bücher herausgegeben hat, und anderen internationalen Experten wie Peter H. Marshall, Javier Sierra und Joseph Schor und Joseph Jahoda, die 1996 eine große Kontroverse auslösten, als sie unter dem Deckmantel einer Lizenz zur Ausführung einer gewöhnlichen Untersuchung von Gizeh, um Fehler und Spalten zu finden und auszubessern, ihre Erlaubnis erweiterten und den Boden unter der Sphinx untersuchten und behaupteten, eine große, von Menschenhand geschaffene Höhle unter den Vorderpfoten gefunden zu haben, die genau an der Stelle lag, die das Medium Edgar Cayce angegeben hatte.

Ansichten und Hypothesen[Bearbeiten]

Auslegung der Karte des Piri Reis[Bearbeiten]

Für Graham Hancock beginnt, nach eigenen Worten, sein eigentliches Interesse an der Vorgeschichte der Menschheit mit der Lektüre von "Maps of The Ancient Seakings" von Charles Hapgood. Inspiriert von den Arbeiten von Charles Hapgood geht Graham Hancock davon aus, dass die Karte des Admirals Piri Reis von 1513, die dem gleichnamigen türkischen Admiral und Freibeuter aus Konstantinopel zugeschrieben wird, die Küstenlinien der Antarktis in eisfreiem Zustand zeigt. Laut Charles Hapgood datiert dies auf einen möglichen Zeitraum von 13.000 bis 4000 v. Chr.[4][5] Eine Begründung besteht in einer von Charles Hapgood beschriebenen Erdkrusten- bzw. Polverschiebung, die für das plötzliche Ende der letzten Eiszeit und mit ihr einhergehenden, weltweiten Überflutungen und plötzlichen Änderungen des Meeresspiegels ab 12.000 v. Chr. verantwortlich gewesen sei.[6] (Vergl. auch -> Lokalisierungshypothesen zu Atlantis, unter: Antarktische Atlantis-Lokalisierungen) Die generelle und exakte Abbildung des eisfreien, antarktischen Kontinents auf nicht-neuzeitlichen Karten[7], die Abbildung eisfreier antarktischer Küstenlinien des Königin-Maud-Landes, deren tatsächliche Lage erst in einer norwegisch-schwedisch-britischen seismologischen Expedition von 1949 ermittelt wurde[8], sowie die wesentlich bessere Kartentechnik, speziell die Verwendung eines korrekten Systems von Längengraden, die auf, im Mittelalter unbekannten, mathematischen und chronometrischen Möglichkeiten beruht [9], wertet er, wie auch Charles Hapgood, als eindeutiges Indiz dafür, dass der Piri-Reis-Karte wesentlich ältere und präzisere Karten einer verschollenen Hochkultur zugrunde liegen.

Eine verschollene eiszeitliche Hochkultur[Bearbeiten]

In seinen Büchern über die Vor- und Frühgeschichte der Menschheit greift Hancock Vorstellungen von Robert Bauval[10], Robert Schoch[11], John Anthony West[12] und Charles Hapgood auf, die sich ihrerseits kritisch mit den offiziellen archäologischen und geologischen Datierungen und der mit Ihnen verbundenen Geschichtsschreibung auseinandersetzen, sowie René Adolphe Schwaller de Lubicz[13], der ausführliche Publikationen zur Deutung der Sacred geometry, der sog. "heiligen Geometrie" ägyptischer Bauwerke publizierte. Da die aktuellen wissenschaftlichen Datierungsmethoden das tatsächliche Alter nur für organische Materialien, z. B. über die Radiokarbonmethode ermöglichen, können sie nicht als alleiniges Beurteilungskriterium bei einer Altersbestimmung von z. B. megalithischen Bauten aus Stein dienen.[14] Prägend für Hancocks Deutung von antiken Mythen als Spiegelung astronomischer Himmelsbeobachtungen ist das philosophische Werk Hamlet's Mill[15] von Hertha von Dechend und Giorgio de Santillana, die die Mythologie als Träger antiken Wissens, speziell der Astronomie herausarbeiten. Hancock vermeidet bewusst eine Überlagerung seiner Arbeiten mit den zahlreichen Deutungen von Atlantis als Träger der ersten Hochkultur der Menschheit, da seiner Meinung nach ein Dialog mit den meisten Wissenschaftlern so auf Ablehnung stoßen muss. Überreste dieser Zivilisationen vermutet Hancock unter Wasser, in den Küstenbereichen, die zur Zeit des eiszeitlichen Tiefststandes des Meeresspiegels noch nicht überflutet waren.[16] Er unterzog sich einer Tauchausbildung, um die unterseeischen Monumente, die er in Underworld beschreibt, selbst untersuchen zu können und erwartet, neben den bekannten Plätzen versunkener Städte z. B. Pharos im Mittelmeer, Yonaguni in Japan oder Poompuhur in Indien, noch weitere Fundstellen, z. B. im persischen Golf.[17]

Die ägyptischen Monumente als zeitlicher Schlüssel[Bearbeiten]

In Ägypten sieht Hancock einen zeitlichen Schlüssel zum Verständnis der Altersdatierungen. Die von Robert Bauval[18] untersuchte Orientierung der großen Gizeh-Pyramiden nach den Gürtelsternen des Orion ergibt für das Baujahr der Pyramiden um 2500 v. Chr keine sinnvolle Übereinstimmung. Eine Deckung der Sterne erreicht man allerdings bei Zurückrechnung mittels der Präzession im Jahr 10.500 v. Chr. Dieses Zeitalter liegt im Bereich der eiszeitlichen Schmelzen der Würm-Kaltzeit, der letzten Epoche größerer globaler Vergletscherungen, die um 10.000 beendet war. Die von John Anthony West[19] und Robert Schoch[20] untersuchten Erosionsspuren des Sphinx von Gizeh, die auf Wassererosionen zurückzuführen sind und an keinem anderen Bauwerk des Gizeh-Plateaus auftreten, führen nach Hancocks Schluss zurück in die mythische Zeit des Anfangs, "Zep Tepi", die sog. "erste Zeit" Ägyptens. Hancock bestreitet die Datierung für den Pyramidenbau in der Mitte des zweiten Jahrtausends nicht, hält die Sphinx und die sie umgebenden megalithischen Tempel wegen der Erosion aber für älter, da die starken Wassererosionen nur in einer Zeit starker Niederschläge in der Nordsahara erklärbar ist, die zu dieser Zeit bereits seit einigen tausend Jahren ein Wüstenklima aufwies. Um 10.500 v. Chr befand sich die, direkt nach Osten ausgerichtete Sphinx, zur Sommersonnenwende in Opposition zum Sternbild des Löwen und die Position der Orionsterne mit den Pyramiden sowie der Milchstrasse mit dem Nil in Übereinstimmung und bildeten eine exakte Spiegelung der astronomischen Konstellation. Die Sphinx als präzessionales Symbol für das Präzessionszeitalter des Löwen wurde demnach mit den Pyramidenbauten der dynastischen Zeit Ägyptens so ergänzt, dass die mythologische "Zeit des Anfangs" architektonisch dargestellt wurde.[21]

Eine weltweite Religion von astralen Gottheiten[Bearbeiten]

Hancock vermutet, dass diese erste Hochkultur eine nautisch und kartographisch sehr weit entwickelte Seefahrernation war, die ihre Spuren in der ganzen Welt hinterlassen hat[22] und die z. B. in Form des Osiris- oder des Phoenix-Mythos bzw. Abwandlungen davon ein bleibender Teil vieler mythologischer Überlieferungen geworden sind.[23]

Die große Verbreitung von Pyramiden oder anderer religiöser Bauwerke[24], die in jeder Kultur astrale Bezüge haben und auf den gleichen geometrischen Grundlagen der Ausrichtung an astronomischen Konstellationen beruhen, die immer wiederkehrend mit Sternbildern wie Orion, Draco, den Plejaden oder Sirius verbunden werden, oder exakten Justierungen nach Himmelsrichtungen und der durchgängigen Kenntnis der Präzession[25] bei all diesen Kulturen, belegen nach Hancock einen einheitlichen Ursprung. Ein Zusammenhang besteht für ihn auch bei zeitlich nicht zusammenhängenden Kulturen und eine Verbindung besteht so auch zwischen den frühen ägyptischen und mesopotamischen Kulturen der Vorgeschichte und der Khmer-Kultur von Angkor, den indianischen Kulturen der neuen Welt oder des nordischen Kulturkreises, die erst Jahrtausende später auftraten, aber wichtige Übereinstimmungen zeigen.[26]

Die geographische Ausbreitung ähnelt dem von William James Perry und Grafton Elliot Smith beschriebenen Verbreitungsmuster des heliozentrischen Diffusionismus, allerdings liegt für Hancock der Ausgangspunkt nicht in Ägypten sondern die ägyptische Kultur ist nur eine Durchgangsstation eines deutlich größeren, zeitlichen Kontextes.

Publikationen[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Graham Hancock: Entangled - The Eater of Souls Disinformation Company, 19. Oktober 2010
  • Graham Hancock, Robert Bauval: Der Schlüssel zur Sphinx – auf der Suche nach dem geheimen Ursprung der Zivilisation. (OT: Keeper of genesis.) Kopp, Rottenburg 2008
  • Graham Hancock: Supernatural: Meetings with the Ancient Teachers of Mankind. Disinformation Company, 1. September 2006
  • Graham Hancock: Die Wächter des heiligen Siegels – auf der Suche nach der verschollenen Bundeslade. (OT: The sign and the seal.) Bastei Lübbe Stars, Bergisch Gladbach 2005
  • Graham Hancock: Die Wächter des heiligen Siegels - auf der Suche nach der verschollenen Bundeslade. (OT: The sign and the seal.) Marix-Verl., Wiesbaden 2004
  • Graham Hancock, Robert Bauval: Talisman – The Sacred Cities and The Secret Faith. 2004
  • Graham Hancock: Underworld: Flooded Kingdoms of the Ice Age. 2002
  • Graham Hancock: Unbekanntes Afrika – Völker und Kulturen zwischen Hochland, Wüste und Ozean. (OT: African ark.) DuMont, Köln 2000
  • Graham Hancock: Spiegel des Himmels – das Vermächtnis der Götter; die Entschlüsselung der großen Menschheitsrätsel. (OT: Heaven's mirror.) Lichtenberg, München 1998
  • Graham Hancock: Die Spur der Götter – das sensationelle Vermächtnis einer verschollenen Hochkultur. (OT: Fingerprints of the gods. A Quest for the Beginning and the End.) Bastei-Verl. Lübbe, Bergisch Gladbach 1998
  • Graham Hancock, Robert Bauval: Der Schlüssel zur Sphinx – auf der Suche nach dem geheimen Ursprung der Zivilisation. List (OT: Keeper of genesis.), München 1996
  • Graham Hancock: Die Spur der Götter – das sensationelle Vermächtnis einer verschollenen Hochkultur. (OT: Fingerprints of the gods) Lübbe, Bergisch Gladbach 1995
  • Graham Hancock: Die grossen Rätsel – Mythen und Mysterien. OT: vgs, Köln 1994
  • Graham Hancock: Reise durch Pakistan. (OT: Journey through Pakistan) Landbuch, Hannover 1990
  • Graham Hancock: Händler der Armut – wohin verschwinden unsere Entwicklungsmilliarden? (OT: Lords of poverty) Droemer Knaur, München 1989

Dokumentarfilme[Bearbeiten]

  • 2012: Science Or Superstition, 78 Minuten (2008)
  • Atlantis: Secret Star-Mappers of A Lost World. 50 Minuten, Global Science Productions, 2007
  • 10.500 v. Chr., Der Untergang der Ersten Hochkultur. dreiteilige Dokumentation, deutschsprachige Fassung, 156 Minuten (2006)
    • Teil I: Spiegel des Himmels.
    • Teil II: Vergessenes Wissen.
    • Teil III: Frühe Seefahrer.
  • Monuments to Life With Graham Hancock and Robert Bauval. 180 Minuten (2005)
  • Technologies of the Gods: The Case For Pre-Historic High Technology. 65 Minuten (1998)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fingerprint of the Gods. Kap. 24 ff.
  2. grahamhancock.com
  3. grahamhancock.com
  4. Charles Hapgood: "Maps of The Ancient Seakings" S. 235
  5. Graham Hancock: "Die Spur der Götter" S. 16 ff.
  6. Graham Hancock: Fingerprint of the Gods. 2. Auflage, Kap. 1, S. 10 ff.
  7. Graham Hancock: Fingerprint of the Gods. 2. Auflage, Kap. 2, S. 14−22
  8. K. Schubert (1948): "Die norwegisch-britisch-schwedische Expedition in die Antarktis 1949-52" Polarforschung, 18, 1/2, S. 35–36
  9. Graham Hancock: Fingerprint of the Gods. 2. Auflage, Kap. 3
  10. Robert Bauval: The Orion Mystery (with Adrian Gilbert) Crown Publishing Group, 22. August 1995
  11. Robert Schoch: Die Weltreisen der Pyramidenbauer (OT Journey of the Pyramid Builders) Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2002
  12. John Anthony West: Die Schlange am Firmament. (OT The serpent in the sky.) Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2000
  13. René Adolphe Schwaller de Lubicz: The Temple In Man: The Secrets of Ancient Egypt. (Brookline: Autumn Press, 1977)
  14. Fingerprint of the Gods. Appendix II "What is Radiocarbon Dating"
  15. Hertha von Dechend, Giorgio de Santillana: Hamlet's Mill. An Essay Investigating the Origins of Human Knowledge And Its Transmission Through Myth. Godine, 1977
  16. Underworld - The Flooded Kingdoms of the Ice Ag, Kap. 1 ff.
  17. Underworld - The Flooded Kingdoms of the Ice Age, Kap. 2
  18. Robert Bauval: The Orion Mystery (with Adrian Gilbert) Crown Publishing Group, 22. August 1995
  19. John Anthony West: Die Schlange am Firmament. (OT The serpent in the sky.) Zweitausendeins Verlag, Frankfurt am Main 2000
  20. Robert Schoch: Die Weltreisen der Pyramidenbauer (OT Journey of the Pyramid Builders.) Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2002
  21. Graham Hancock: Fingerprint of the Gods. Kap. 43 f.
  22. Fingerprint of the Gods. S. 454 ff.
  23. Fingerprint of the Gods. Kap. 41
  24. Fingerprint of the Gods. S. 181 ff.
  25. Fingerprint of the Gods. Kap. 3
  26. Fingerprint of the Gods. Kap. 3