Grubenunglück
Ein Grubenunglück ist ein Unfall, der sich beim Bergbau ereignet.
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[Bearbeiten] Allgemeines
Zur Definition eines Grubenunglückes gibt es bislang in der Literatur keine einheitlichen Aussagen. Evelyn Kroker hat im Standardwerk zu Grubenunglücken im deutschsprachigen Raum in Anlehnung an Richtlinien des Oberbergamtes Dortmund Grubenunglücke erfasst, bei denen zwei oder mehr Menschen ums Leben kamen und/oder drei oder mehr Personen vom gleichen Ereignis betroffen waren.[1]
Je nach Art des Gesteins und der geförderten Bodenschätze sind verschiedene Typen von Grubenunglücken möglich.
In Kohlebergwerken kann es zu Kohlenstaub- und Schlagwetterexplosionen sowie zu Kohlebränden kommen. Innerhalb der Grubenunglücke zeichnen sich Kohlenstaub- und Schlagwetterexplosionen bis in die heutige Zeit durch eine vergleichsweise hohe Opferzahl aus. Andere Formen von Grubenunglücken, die in allen Typen von Bergwerken auftreten können, sind Wassereinbrüche, Stolleneinstürze und Austritt giftig oder erstickend wirkender Gase aus dem Gestein. Infolge von Instabilitäten des Deckgebirges kann ein Bergschlag ausgelöst werden. Das Einstürzen von Grubenbauen kann zur Verschüttung von Personen führen.
Nach der obigen Definition von Kroker zählen zu Grubenunglücken auch Unfälle, die nicht direkt beim Abbau, sondern in vor- und nachgelagerten Bereichen (z.B. beim Transport) stattfinden, sofern sie sich innerhalb des Bergwerksareals ereignen.
Das vermutlich historisch schwerste Grubenunglück ereignete sich am 26. April 1942 im Bergwerk Benxihu (China), als nach einer Explosion mit anschließendem Brand offiziell 1549 Bergleute starben. Das schwerste Unglück auf dem europäischen Kontinent ereignete sich am 10. März 1906 im Bergwerk von Courrières und forderte 1099 Tote.
Die schwersten Grubenunglücke in Deutschland ereigneten sich auf
- der Zeche Monopol Schacht Grimberg 3/4 in Bergkamen (20. Februar 1946) mit 405 Toten,
- der Zeche Radbod in Bockum-Hövel (12. November 1908) mit 350 Toten,
- der Grube Luisenthal in Völklingen (7. Februar 1962) mit 299 Toten,
- dem Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke in Freital (2. August 1869) mit 276 Toten,
- der Grube Anna in Alsdorf (21. Oktober 1930) mit 271 Toten,
- der Rubengrube in Neurode (10. Mai 1941) mit 186 Toten,
- der Grube Camphausen in Quierschied (17. März 1885) mit 180 Toten,
- der Zeche Sachsen in Hamm (3. April 1944) mit 171 Toten,
- der Wenzelsgrube in Hausdorf (9. Juli 1930) mit 151 Toten,
- der Grube Reden in Schiffweiler (28. Januar 1907) mit 150 Toten,
- der Zeche Minister Stein in Dortmund (11. Februar 1925) mit 136 Toten,
- dem Karl-Marx-Werk in Zwickau (22. Februar 1960) mit 123 Toten,
- der Zeche Carolinenglück in Bochum (17. Februar 1898) mit 116 Toten,
- der Zeche Lothringen 1/2 in Bochum (8. August 1912) mit 115 Toten,
- der Zeche Monopol Schacht Grimberg 3/4 in Bergkamen (11. September 1944) mit 107 Toten,
- dem Braunkohlebergwerk in Fohnsdorf (Österreich, zu dieser Zeit zum Großdeutschen Reich gehörend) (6. August 1943) mit 104 Toten,
- der Neuen Fundgrube in Lugau (1. Juli 1867) mit 101 Toten,
- dem Rammelsberg in Goslar (1376) mit über 100 Toten.
In der jüngeren Vergangenheit ereigneten sich in den chinesischen (Kohle)Bergwerken aufgrund der schlechten Ausstattung, schlecht ausgebildeter Arbeiter und geringer Investitionen in neue Abbau- und Sicherheitstechnologien die weltweit meisten tödlichen Grubenunglücke. Offizielle Stellen beziffern die Zahl der verunglückten Minenarbeiter für 2005 auf 5986[2] und für 2007 auf 3786 Kumpel.[3] Inoffiziell wird von noch weitaus mehr Opfern ausgegangen. Zwischen 1992 und 2002 kamen in China 59.543 Bergleute bei Grubenunglücken ums Leben. [4] Man schätzt, dass etwa 600.000 Bergarbeiter in mehreren zehntausend größtenteils illegalen Kleinst-Zechen tätig sind.[5] In diesen kleinen Betrieben gab es nach offiziellen Angaben im Jahr 2000 17, in den größeren staatlichen Bergwerken zwei Todesopfer pro einer Million Tonnen geförderter Kohle.[6]
In Europa zählen die Kohlegruben der Ukraine zu den gefährlichsten. Hier forderten Grubenunglücke zwischen 1991 und 2002 mindestens 3.700 Todesopfer.[7]
Speziell ausgebildete Bergleute, in Grubenwehren organisiert, retten und bergen verunglückte und tote Bergleute.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Evelyn Kroker: Der Grubenunglück-Katalog des Bergbau-Archivs: Motivationen - Methoden - Ziele. in: Evelyn Kroker, Michael Farrenkopf: Grubenunglücke im deutschsprachigen Raum. Katalog der Bergwerke, Opfer, Ursachen und Quellen. Bochum 1999. S. 12
- ↑ Bone and blood: The price of coal in China
- ↑ Die Welt, 30. Oktober 2008: In China wird mit toten Bergleuten Geld verdient
- ↑ FAZ, 13. März 2005: Chinas tödliche Minen
- ↑ Sehschärfe von Infrarotsatelliten erhöht
- ↑ Chronik von Ereignissen in China beim Kulturmagazin Areion online
- ↑ Chronik von Ereignissen in der Ukraine beim Kulturmagazin Areion online
[Bearbeiten] Literatur
- Evelyn Kroker, Michael Farrenkopf: Grubenunglücke im deutschsprachigen Raum. Katalog der Bergwerke, Opfer, Ursachen und Quellen. 2. erweiterte Auflage. Bochum 1999. ISBN 3-921533-68-6.
[Bearbeiten] Weblinks
- Denkmäler und Beschreibungen von Unglücken im Ruhrbergbau
- Bone and Blood - The price of coal in china (englisch; PDF-Datei; 407 kB)
- Übersicht von Grubenunglücken in der USA (englisch)
- Liste von Grubenunglücken des 20. Jahrhunderts in britischen Kohlebergwerken (englisch)