Gustavo Dudamel

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Gustavo Dudamel (2008)

Gustavo Adolfo Dudamel Ramírez (* 26. Januar 1981 in Barquisimeto, Venezuela) ist ein venezolanischer Dirigent und Violinist und gilt als „Symbolfigur einer einzigartigen Klassikbegeisterung in seinem Land“.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Dudamel wurde in der venezolanischen Millionenstadt Barquisimeto als Sohn eines Posaunisten und einer Gesangslehrerin geboren.[2] Seine musikalische Ausbildung begann sehr früh im Rahmen des Sistema de Orquestas Juveniles de Venezuela („El Sistema“), einem landesweit organisierten Programm zur Förderung der musikalischen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen. Mit zehn Jahren fing Dudamel an, Geige zu studieren, später auch Komposition. Als er mit zwölf Jahren erstmals vertretungsweise das Jugendorchester seiner Heimatstadt dirigierte, wurde sein Talent schnell entdeckt und Dudamel zum Dirigierstudium ermutigt. Im Alter von 18 Jahren wurde er 1999 zum Chefdirigenten der Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón Bolívar ernannt, des staatlichen venezolanischen Jugendorchesters.

Auch erfahrene Dirigentenkollegen wie Sir Simon Rattle, Claudio Abbado oder Daniel Barenboim ließen sich vom Talent Dudamels beeindrucken und ihrerseits dazu bewegen, mit dem Simón-Bolívar-Jugendorchester zu arbeiten.

2004 gewann Dudamel den 1. Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker. Im Jahr 2006 nahm er seine erste CD für Deutsche Grammophon auf. 2006 heiratete Dudamel seine langjährige Freundin, die Balletttänzerin und Journalistin Eloísa Knife Maturén.[3] Ihr am 1. April 2011 in Los Angeles geborener Sohn Martín ist deswegen amerikanischer Staatsbürger.[4]

Dudamel und seine Frau Eloísa Maturén
kurz nach der Hochzeit (2006)

Am 16. April 2007 dirigierte er anlässlich des 80. Geburtstags von Papst Benedikt XVI. im Vatikan ein Konzert mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart. Auf dem Programm standen Werke von Antonín Dvořák, Giovanni Gabrieli und Wolfgang Amadeus Mozart.[5]

Von 2007/08 bis 2012 war Dudamel Chefdirigent der Göteborger Symphoniker. Danach wurde er zum Ehrendirigenten des Orchesters ernannt.[6]

2008 leitete Dudamel mit großem Erfolg erstmals die Berliner Philharmoniker bei ihrem alljährlichen Sommerkonzert auf der Berliner Waldbühne.[7] Im selben Jahr wurde er mit dem Würth-Preis der Jeunesses Musicales Deutschland ausgezeichnet.

Seit der Saison 2009/10 (3. Oktober 2009) übernahm er zusätzlich zu den Göteborger Symphonikern für fünf Jahre die Position des Conductor and 1st Music Director des Los Angeles Philharmonic Orchestra.[8] In den fünf Jahren unter seiner Leitung spielte das Orchester 60 Uraufführungen, von denen er selbst 20 dirigierte. Er war entscheidend an der Entwicklung des YOLA (Youth Orchestra Los Angeles) beteiligt, das bis 2014 insgesamt 600 Kinder aus benachteiligten (unterversorgten) Gemeinden aufnahm.[6] Dudamels Vertrag wurde im März 2015 bis zum Jahr 2021 verlängert.

2009 erhielt Dudamel den während der Dresdner Musikfestspiele verliehenen SAECULUM-Glashütte-Original-Musikfestspielpreis.

2012 dirigierte er das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker im Park vom Schloss Schönbrunn. Er konzertierte im Februar und Dezember 2013 erneut mit den Berliner Philharmonikern und trat an Rattles Stelle mit ihnen bei den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern 2014 im Landgestüt Redefin auf.

Am 8. März 2013 dirigierte Dudamel das venezolanische Simón-Bolívar-Sinfonieorchester (vordem Simón-Bolívar-Jugendorchester) anlässlich des Begräbnisses des Staatspräsidenten Hugo Chávez.

Literatur[Bearbeiten]

  • Torsten Eßer: Sinfonie der Straße. Die venezolanische Jugendorchesterbewegung. In: Matices. Zeitschrift zu Lateinamerika, Spanien und Portugal. 10. Jahrgang, Nr. 39 (2003), S. 55–56.

Filme[Bearbeiten]

  • Gustavo Dudamel und das Simón Bolívar Youth Orchestra of Venezuela. Beobachtungen vom Gastspiel in der Mozartstadt. «Salsa in Salzburg». Fernseh-Reportage, Deutschland, 2008, 94 Min., Regie: Agnes Meth, Martin Schneider, Produktion: ZDF, arte, Erstsendung: 22. September 2008, Inhaltsangabe von arte.
    Bei den Salzburger Festspielen 2008 war das Orchester über eine Woche lang zu einem Gastspiel eingeladen. Neben Musikausschnitten von Proben und Konzerten (Mussorgskis Bilder einer Ausstellung und Beethovens Tripelkonzert) werden Interviews geführt mit Gustavo Dudamel, Martha Argerich, Renaud Capuçon, Gautier Capuçon und Nikolaus Harnoncourt.
  • Das Musikwunder von Caracas. Vom Armenviertel in den Konzertsaal. Dokumentation, Deutschland, 2007, 30 Min., Regie: Peter Puhlmann, Produktion: SWR, Inhaltsangabe von Phoenix (Toter Link)
  • El Sistema, Dokumentarfilm von 2009, Regie Paul Smaczny & Maria Stodtmeier, in Koproduktion mit arte france / SVT / NHK
  • Libertador, Spielfilm über Simón Bolívar, 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gustavo Dudamel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Im Takt der Leidenschaft, in: FAS, 22. August 2007.
  2. Reed Johnson: Conductor Gustavo Dudamel is riding a wave of Dudamania in: Los Angeles Times, 23. November 2008, abgerufen am 7. Februar 2015.
  3. Gute Laune? Das ist mein Job!, in: Tagesspiegel, 26. März 2009.
  4. CBS Los Angeles, abgerufen am 7. Februar 2015.
  5. Papst Benedikt empfing Gratulanten, in: Vorarlberger Nachrichten, 16. April 2007.
  6. a b http://gustavodudamel.com/content/biography – abgerufen am 7. Februar 2015.
  7. Philharmoniker begeistern in der Waldbühne, in: Berliner Morgenpost, 26. Januar 2009.
  8. Gustavo Dudamel, Los Angeles Philharmonic Association, (englisch), Stand: 18. Oktober 2009.