Martha Argerich

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Martha Argerich 1962

Martha Argerich (* 5. Juni 1941 in Buenos Aires) ist eine argentinische Pianistin.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Argerichs mütterliche Familie war wegen ihrer jüdischen Herkunft aus dem russischen Zarenreich nach Argentinien emigriert. Dort lebte sie in einer Siedlung, die der Baron Hirsch gefördert hatte.

Bereits als dreijähriges Kind erhielt sie den ersten Unterricht in Buenos Aires beim italienisch-argentinischen Pianisten und Klavierpädagogen Vicente Scaramuzza und debütierte dort im Jahr 1949 mit Beethovens 1. Klavierkonzert. Im Jahr 1955 kam sie mit ihrer Familie nach Europa und setzte ihr Studium in Wien bei Friedrich Gulda fort. Der argentinische Präsident Juan Perón unterstützte diese Entscheidung dadurch, dass er ihren Eltern Posten an der argentinischen Botschaft in Wien verschaffte. Im Jahr 1957 gewann sie den Ersten Preis beim Internationalen Klavierwettbewerb Ferruccio Busoni in Bozen.

Im Alter von etwa zwanzig Jahren geriet sie in eine Lebenskrise, die bewirkte, dass sie sich vollständig aus dem Konzertbetrieb zurückzog. Erst im Jahr 1964 gelang es, u. a. auch durch die Intervention ihres Lehrers Stefan Askenase, dass sie sich wieder der Öffentlichkeit zeigte. Im Jahr 1965 wurde sie durch den Gewinn des 1. Preises beim Internationalen Chopin-Wettbewerb weltbekannt.

Sie ist engagiert in der Förderung junger Klaviertalente und beteiligt sich als Jurorin bei wichtigen Wettbewerben. So war sie lange Zeit Mitglied der Jury des Chopin-Wettbewerbs, bei dem sie im Jahr 1980 für Furore sorgte, als Ivo Pogorelich – den sie als Genie bezeichnete – bereits nach der dritten Runde ausschied und sie sich daraufhin aus Protest weigerte, weiterhin der Jury anzugehören.

Im Jahr 2002 entstand unter der Regie von Georges Gachot ein Dokumentarfilm über sie, einen weiteren veröffentlichte ihre Tochter Stéphanie im Jahr 2013.

Etwa seit 2004 konzentriert sie sich verstärkt auf Kammermusik. Sie tritt zudem seit langer Zeit nicht mehr allein im Rahmen eines Klavierabends auf, sondern als Solistin in Klavierkonzerten oder mit anderen Musikern wie etwa Nelson Freire, Gabriela Montero, Gidon Kremer, Mischa Maisky, Mauricio Vallina oder ihrer langjährigen Duo-Partnerin Lilya Zilberstein. Sie führt seit 2002 sein Festival "Progetto Martha Argerich" in Lugano[1].

Im Jahr 2005 erhielt sie die Auszeichnung Praemium Imperiale, den „Nobelpreis der Künste“.

Klavierkunst[Bearbeiten]

Argerich ist für ihr temperamentvolles Spiel bekannt.

Viele ihrer Interpretationen sind mittlerweile legendär; dazu gehören das 3. Klavierkonzert in d-Moll von Rachmaninow oder das 1. Klavierkonzert in b-Moll von Tschaikowski.

Aufnahmen (Auszug)[Bearbeiten]

  • Ludwig van Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 1 und 2. (1949. Edicion Documento, IRCO 285)
  • Robert Schumann: Klavierkonzert a-moll. (1952. Edicion Documento, IRCO 285)
  • Robert Schumann: Kinderszenen op. 15, Kreisleriana op. 16, Klaviersonate g-Moll op. 22.
  • Maurice Ravel: Klavierkonzert. Charles Dutoit (1959. Edicion Documento, IRCO 275)
  • Frédéric Chopin: Klavierkonzert Nr.1. Charles Dutoit. (1959. Edicion Documento, IRCO 275)
  • Chopin: Preludes op. 28, Klaviersonate b-Moll op. 35.
  • Chopin: Klavierkonzert Nr. 2 f-moll. Mit dem Orchestre symphonique de Montréal, Leitung Charles Dutoit.
  • Johann Sebastian Bach: Toccata BWV 911 – Partita BWV 826 – Englische Suite BWV 807.
  • The Legendary 1965 Recording.
  • Brahms / Rachmaninov: Music for two pianos.
  • Serge Prokofieff: Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 C-Dur op. 26. Berliner Philharmoniker, Dirigent: Claudio Abbado
  • Sergej Rachmaninoff: Klavierkonzert Nr. 3. RSO Berlin, Riccardo Chailly. 1982

Dokumentarfilme[Bearbeiten]

  • Georges Gachot: Martha Argerich, conversation nocturne. Idéale Audience, ARTE France, BR, 2002 (deutscher Titel: Martha Argerich, Nachtgespräch)
  • Stéphanie Argerich: Argerich: A Daughter’s View. CH 2012, veröffentlicht unter dem Titel Bloody Daughter[2]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Festival "Progetto Martha Argerich
  2. Martin Meyer: Mutter Martha und ihre Töchter. In: Neue Zürcher Zeitung, 4. April 2013, abgerufen am 5. April 2013.