Hürriyet

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Hürriyet
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Beschreibung türkische Tageszeitung
Verlag Doğan Yayın Holding
Erstausgabe 1. Mai 1948
Erscheinungsweise täglich
Verkaufte Auflage 385.939[1] Exemplare
Chefredakteur Enis Berberoğlu
Herausgeber Vuslat Doğan Sabancı (Tochter von Aydın Doğan)[2]
Weblink http://www.hurriyet.com.tr
Gebäude von Hürriyet in Istanbul
Gebäude von Hürriyet in Istanbul

Hürriyet („Freiheit“) ist eine türkischsprachige Tageszeitung mit Redaktionssitz in Istanbul.

Geschichte[Bearbeiten]

Hürriyet wurde am 1. Mai 1948 von Sedat Simavi gegründet, mit 48 Angestellten und einer Auflage von 50.000 in der ersten Woche.[3] In einer Liquiditätskrise erwarb Aydın Doğan 1994 die Tageszeitung.[4]

Eigentumsverhältnisse[Bearbeiten]

Hürriyet befindet sich im Eigentum der Doğan Yayın Holding, an der auch die deutsche Axel Springer AG beteiligt ist. Dem Dogan-Konzern gehören unter anderem türkische Tageszeitungen (Radikal, Posta, Fanatik und die englischsprachige Hürriyet Daily News and Economic Review) sowie mit Kanal D einer der größten privaten Fernsehsender in der Türkei.[5]

Marktstellung[Bearbeiten]

Mit täglich ca. 400.000 gedruckten Exemplaren (2013[1]) ist sie heute eine der drei auflagenstärksten Zeitungen der Türkei nach Zaman und Posta.

2006 lag der Marktanteil des Dogan-Konzerns bei 60,6 % am Zeitungsmarkt und 41,6 Prozent am türkischen Anzeigenmarkt insgesamt;[6] damit ist er die führende Mediengruppe der Türkei.

Zeitungsprofil[Bearbeiten]

Die Boulevardzeitung ordnet sich heute selbst als „liberal-konservativ“ ein; Eurotopics bezeichnet sie als konservativ.[7] Sie befürwortet eine EU-Mitgliedschaft der Türkei. Im Kopf der Zeitung befindet sich neben dem Schriftzug Hürriyet in weißer Schrift auf schwarz-rotem Grund ein Bild des Staatsgründers Atatürk und das Motto Türkiye Türklerindir („Die Türkei gehört den Türken“). Die Zeitung hat sich zwanzig Redaktionsprinzipien gegeben.[8]

Chefredakteur der Hürriyet war bis Ende 2009 Ertuğrul Özkök, einer der schärfsten Kritiker der Regierung Erdoğan. An seine Stelle trat Anfang 2010 der als liberal geltende frühere Leiter des Büros Ankara, Enis Berberoğlu. Bekannte Kolumnisten sind Oktay Ekşi und Ahmet Hakan.[9]

Leserbeirat[Bearbeiten]

2008 rief Hürriyet auf Initiative der Tochter des Herausgebers das Hürriyet Okur Meclisi (Hürriyet Leser-Parlament), ein Lesergremium mit beratender Funktion, ins Leben. Es besteht aus 50 Personen beiderlei Geschlechts in verschiedenen Altersgruppen und Berufen. Diese Personen wurden in einer Wahl aus 8.998 Kandidaten aus 47 Ländern gewählt. Die Mitglieder haben das Recht, Versammlungen mit allen Journalisten und Managern der Hürriyet einzuberufen. Das erste Zusammentreffen fand in Ankara nach dem Besuch des Anıtkabir-Museums und des türkischen Parlaments statt. Dieser Gründungsversammlung wohnten außer den Mitgliedern auch der damalige Chefredakteur Ertuğrul Özkök und verschiedene Manager und Journalisten der Zeitung bei. Der Präsident der türkischen Nationalversammlung, Köksal Toptan, hielt zu Ehren der Gründung des Leserparlaments eine Rede und pries die Funktion eines solchen Organs für die Demokratie und Pressefreiheit.[10][11]

Europa-Ausgabe[Bearbeiten]

Die Europa-Ausgabe ist laut IVW die größte türkischsprachige Tageszeitung in Europa und enthält vier bis sechs eigene Seiten mit Schwerpunkt Deutschland. Sie wurde bis 2006 von ca. 60 Korrespondenten und Redakteuren in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt betreut (die Endredaktion liegt jedoch in Istanbul). Die Europa-Ausgabe hat eine verkaufte Auflage von Exemplaren[12], die in 24 Ländern vertrieben werden.

Im Juni 2001 gab es in der in Deutschland erscheinenden Europa-Ausgabe erstmals deutschsprachige Hürriyet-Seiten, zuvor ausschließlich türkische.[13] Der aktuelle Chefredakteur der Europa-Ausgabe ist Celal Özcan.

Young Hürriyet[Bearbeiten]

Young Hürriyet ist eine vierseitige, deutschsprachige Beilage der Tageszeitung, die seit 2007 wöchentlich donnerstags erscheint[14]. Das Blatt will mit dieser Publikation nach Selbstauskunft hauptsächlich die vierte Generation in Deutschland lebender Türken ansprechen, die zumeist besser Deutsch sprechen als Türkisch.

Kontroversen und Kritik[Bearbeiten]

Im Jahr 1994 wurde zum ersten Mal seit Bestehen des Deutschen Presserates die Berichterstattung einer fremdsprachigen Publikation beanstandet, der Hürriyet. Sie erhielt eine öffentliche Rüge, weil sie den Oberbürgermeister von Hannover Herbert Schmalstieg unzutreffend als „PKK’ler Oberbürgermeister” bezeichnet hatte.[15] 1996 missbilligte der Presserat drei Veröffentlichungen der Hürriyet, die indirekt zu Übergriffen auf den Monitor-Chef Klaus Bednarz aufriefen.[16][17] Weitere Rügen erhielt die Zeitung unter anderem[18][19] für die Übernahme eines Berichts aus einer anderen Zeitung.[20] In der Bild-Zeitung wurde anlässlich der Berichterstattung über den Wohnhausbrand in Ludwigshafen am Rhein 2008 beklagt, dass der Presserat Beschwerden über Hürriyet-Artikel nicht ausreichend nachgehe.[21]

2001 wurde der Leiter der Hürriyet-Europa-Ausgabe, Ertuğ Karakullukçu, abberufen.[13] Ertuğ Karakullukçu inszenierte als Chef-Kommentator die meisten strittigen Attacken.[22]

Der Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Şen, urteilte 2004: „Das Blatt hat sich gewandelt. Es setzt mehr auf Integration.“[5] Die taz hielt das Blatt 2008 für populistisch und wenig hilfreich für die Verständigung von Deutschland und der Türkei.[23]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wöchentliche Auflagezahlen türkischer Zeitungen, In: medyatava.com. Abgerufen am 9. Oktober 2013.
  2. Hürriyet Kurumsal
  3. HÜRRİYET’İN KİLOMETRE TAŞLARI (türkisch) In: Hürriyet Kurumsal. 2005. Abgerufen am 9. Oktober 2008.
  4. Aydin Dogan erhält Goldene Victoria für seine Verdienste um Integration und die deutsch-türkische Verständigung, Pressemitteilung des Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, 4. November 2008
  5. a b „Hürriyet“: Das größte türkische Blatt in Deutschland wird aus Istanbul gesteuert, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Mai 2004
  6. Überblick: Relevante Akteure im Medienbereich in der Türkei (PDF; 140 kB), Von Deniz Taskiran, FoTurk [Relevante Medienakteure] 05/08/2008
  7. Eurotopics (abgerufen am 21. August 2013)
  8. 20 „Editorial Principles of Hürriyet“ (PDF; 309 kB) Hürriyet 2004 Annual Report
  9. Dogan-Rückzug: Auch „Hürriyet“-Chef geht. meedia.de, 3. Januar 2010
  10. Artikel zur Gründung des Leserparlaments, Hürriyet, abgerufen am 16. Oktober 2008 (Türkisch)
  11. Meldung über den Besuch in der Türkischen Nationalversammlung, Hürriyet, abgerufen am 4. Dezember 2008 (Türkisch)
  12. laut IVW, drittes Quartal 2014, Mo–Sa (Details und Quartalsvergleich auf ivw.eu)
  13. a b Über diese Brücke musst du gehen… Seit die Türkei Mitglied der EU werden möchte, bemüht sich das Massenblatt „Hürriyet“ auch mit deutschsprachigen Seiten um Integration. Julia Bonstein, Süddeutsche Zeitung, 8. August 2003
  14. Young Hürriyet Print
  15. Karl-Heinz Meier-Braun: Migranten in Deutschland: Gefangen im Medienghetto? (PDF; 103 kB) in: tendenz, Magazin für Funk und Fernsehen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Heft 1/2002, S. 4–9.
  16. Presserat novelliert Pressekodex – „Eulenspiegel“ und „Coupe“ wegen „schwerwiegender Verstöße“ gerügt, Hamburger Abendblatt, 17. Mai 1996
  17. Eine Lektion aus Ankara, Berliner Zeitung, 29. März 1996
  18. Deutscher Presserat: Drei Rügen für „Coupé“, Der Spiegel, 21. Juni 2001
  19. „Der Kopf der Schlange soll zerquetscht werden“ – Die Wissenschaftlerin Elcin Kürsat-Ahlers kämpft dagegen, dass Hürriyet sie als Landesverräterin präsentiert hat, Thomas Maron, Frankfurter Rundschau, 4. August 2001
  20. „Coupé“, „taz“, „Hürriyet“, „Bild“, „B.Z.“: Rüge vom Presserat, shortnews.de, 21. Juni 2001
  21. Brandfall in Ludwigshafen Neues vom Presserat und beglaubigten Übersetzungen, Dr. Nicolaus Fest, Bild, 28. April 2008
  22. 17 Jahre Hürriyet – Die Medaille mit zwei Seiten (PDF; 156 kB), von Aysun Ertan
  23. 60 Jahre Tageszeitung „Hürriyet“: Ein Blatt für die Völkerverstimmung, taz, 11. April 2008