Hans Gross (Kriminologe)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hans Gustav Adolf Gross (auch Groß, Grosz; * 26. Dezember 1847 in Graz; † 9. Dezember 1915 ebenda) war ein österreichischer Strafrechtler, Kriminologie und Begründer der Kriminalistik.

Leben[Bearbeiten]

Hans Gross und seine Ehefrau Adele Gross, geborene Raymann (* 11. März 1854 in Retz; † 20. Juni 1942 in Graz) waren die Eltern des Psychoanalytikers Otto Gross (1877–1920). Der Vater nahm 1878 am bosnischen Feldzug teil und wurde zum Oberleutnant der Reserve befördert. Gross war in seiner juristischen Praxis zunächst als Untersuchungsrichter tätig. 1881 zog die Familie nach Graz. 1883 wurde Hans Gross Stellvertreter des Staatsanwaltes in Leoben und später Senatsvorsitzender am Appellationsgericht in Graz.

1893 forderte Hans Gross die Einrichtung einer Lehrkanzel für Kriminalistik als strafrechtliche Hilfswissenschaft. Im Herbst 1893 beauftragte ihn das Justizministerium, in Wien zur Probe einen Kursus über die Aufgaben des Untersuchungsrichters durchzuführen. In seinem im selben Jahr erschienenen Handbuch für Untersuchungsrichter fasste er seine Erfahrungen im kriminalistischen Berufsalltag zusammen. Dieses Werk gilt heute auch als eine wichtige Quelle zur Erforschung des Rotwelsch, der damals noch sehr lebendigen „Gaunersprache“, mit der sich Gross in seinem Handbuch eingehend beschäftigte. 1894 erhielt er vom Landesverteidigungsministerium den Auftrag, für Gendarmerieoffiziere einen vergleichbaren Kursus wie zuvor für Untersuchungsrichter zu veranstalten.

Am 1. August 1895 fand in Graz die Eröffnung des Kriminalmuseums statt, zu deren Kustos Hans Gross bestellt wurde. Er versuchte 1896, sich an der Rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz für Strafrecht mit der Beschränkung auf die gerichtliche Untersuchungswissenschaft (Kriminalistik) zu habilitieren: Den Antrag lehnten das Ministerium und auch das Professorenkollegium ab. Dennoch erging am 1. August 1898 an Hans Gross − ohne Habilitation − ein Ruf an die Franz-Josephs-Universität Czernowitz, am 16. Dezember 1898 kam seine Ernennung zum ordentlichen Professor für das Strafrecht und 1900 zum Dekan. Seit dem 3. März 1902 lehrte er an der Prager Universität. Auch hier konnte Gross Dekan werden. Am 20. Juli 1905 folgte die Berufung zum ordentlichen Professor für das österreichische Strafrecht und Strafprozessrecht an die Karl-Franzens-Universität Graz. Eine von Franz von Liszt betriebene Berufung an einen neu zu errichtenden Lehrstuhl an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin kam wegen nicht bewilligter Finanzmittel nicht zustande.

Am 17. Februar 1913 wurde das Kriminalistischen Institut zur Pflege der Hilfswissenschaften an der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz eröffnet und Hans Gross zum Leiter des Instituts bestellt.

1914 beschloss das Bezirksgericht Graz mit Genehmigung des k.u.k Landesgerichts eine Kuratel gegen den Sohn Otto Gross wegen Wahnsinn und setzte den Vater zum Kurator ein. Er sorgte für eine Verlegung sein Sohnes in die Landesirrenanstalt Troppau nach Schlesien.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Würdigung[Bearbeiten]

Der Landesverband Brandenburg des Bundes Deutscher Kriminalbeamter hat erstmals 2009 einen Hans-Gross-Preis für herausragende Verdienste um die Kriminalistik ausgelobt. Erster Preisträger war Erardo Cristoforo Rautenberg, Generalstaatsanwalt des Landes Brandenburg. Die Preisverleihung erfolgte auch mit Grußworten im Namen von Sophie Templer-Kuh, der Enkelin von Hans Gross.

Publikationen[Bearbeiten]

In den Quellen wird gelegentlich auch der Autorenname Hanns Gross genannt.[1]

  • 1880: Die Entscheidungen des k.k. österr. obersten Gerichts- und Cassationshofes über den § 199a des Strafgesetzes vom 7. Mai 1852 aus der Zeit v. Ende 1850 bis Ende 1878.
  • 1893: Handbuch für Untersuchungsrichter als System der Kriminalistik.
    • Neuer Titel: Handbuch der Kriminalistik. Wissenschaft und Praxis der Verbrechensbekämpfung. Neubearbeitung v. Friedrich Geerds. Band 1: Die Kriminalistik als Wissenschaft. − Die Technik der Verbrechen. – Kriminaltechnik. / Band 2: Kriminaltaktik. – Die Organisation der Verbrechensbekämpfung. Lizenzausgabe nach J. Schweitzer 1977 u. 1978 bei Pawlak, Herrsching 1987 ISBN 978-3881992640
  • 1894: Lehrbuch für den Ausforschungsdienst der k.k. Gendarmerie.
  • 1898: Criminalpsychologie. Leuschner & Lubensky, Graz. Nachdruck bei Müller, Saarbrücken 2007.
  • 1901: Der Raritätenbetrug. Guttentag, Berlin. Nachdruck bei Keip, Stockstadt am Main 1997.
  • 1901: Enzyklopädie der Kriminalistik.
  • 1909: Kriminalistische Tätigkeit und Stellung des Arztes. Braumüller, Wien.
  • 1918: Die Erforschung des Sachverhalts strafbarer Handlungen. 4. Aufl. Schweitzer, München.

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 4. Oktober 2003 bis 9. Februar 2004 im Stadtmuseum Graz: Die Gesetze des Vaters. Problematische Identitätsansprüche. Hans und Otto Gross, Sigmund Freud und Franz Kafka (Katalog erschienen).
  • 26. März 2013 bis 14. Juli 2013 im Kleist-Museum in Frankfurt an der Oder: Sherlock’s Onkel. Die Spuren des Dr. Gross.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.