Heinrich Christian Burckhardt

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Heinrich Christian Burckhardt

Heinrich Christian Burckhardt (* 26. Februar 1811 in Adelebsen; † 14. Dezember 1879 in Hannover) war ein bedeutender deutscher Forstmann des 19. Jahrhunderts, der durch sein Wirken und seine Veröffentlichungen das Forstwesen und den Waldbau der damaligen Zeit prägte. Er war Leiter der Forstverwaltung des Königreichs Hannover und später (nach der Annexion durch Preußen) der preußischen Provinz Hannover.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Heinrich Christian Burckhardt wurde am 26. Februar 1811 auf der Burg Adelebsen am Südrande des Sollings geboren. Sein Vater war als Reitender Förster beim Freiherrn von Adelebsen angestellt, für den er die Wälder bewirtschaftete und dazu eine kleine Dienstwohnung auf der Burg bewohnte.

Durch den Beruf seines Vaters geprägt, begann er mit 15 Jahren eine praktische Forstlehre beim Reitenden Förster Brauns im Ertinghäuser Revier in der Nähe von Hardegsen. 1828 wurde er als hannoverscher Feldjäger vereidigt. Statt anschließend, wie für junge Forstmänner üblich, die zum Königreich Hannover gehörende Forstschule in Clausthal zu besuchen, entschied sich Burckhardt an die Universität in Göttingen zu gehen, wo er sich am 29. Oktober 1831 einschrieb, um in erster Linie Mathematik und Naturwissenschaften zu studieren. Er musste jedoch das Studium bereits nach zwei Semestern wegen Geldmangels wieder abbrechen.

Nachdem er für den Nörtener Oberförster als Hilfskraft für Vermessungs- und Taxationsarbeiten tätig war, wurde er durch die Königlich Hannoversche Domänenverwaltung als Hilfsjäger nach Westerhof am Harzrand beordert. 23-jährig übernahm er von seinem Vater die Forstverwaltung in Adelebsen, bekam allerdings nur 3/4 des Lohnes. 1835 heiratete er Charlotte Wilhelmine Bornträger, die Tochter eines Schankmeisters. Das Ehepaar bekam drei Söhne und eine Tochter.

1836 wurde Burckhardt Königlich Hannoverscher Unterförster in Bühren. Diese Stelle war schlechter bezahlt als seine alte Arbeit, bot ihm aber Aufstiegsmöglichkeiten. 1844 wurde er nach Hann. Münden gerufen. Hier übernahm er als Reitender Förster die Leitung des Reviers Kattenbühl. Außerdem wurde er als Lehrer in der Forstschule in Hann. Münden tätig, die von Clausthal hierher verlegt wurde. Diese wurde 1849 allerdings durch bedeutende Änderungen in der hannoverschen Forstorganisation aufgelöst.

1849 wurde Burckhardt als forstliches Mitglied in die Domänenkammer nach Hannover geholt. Nachdem der Leiter des Forstdepartments in Hannover, Johann Christian von Düring, 1851 in den Ruhestand trat und das Amt zwei Jahre unbesetzt blieb, wurde Burckhardt 1853 faktisch der Nachfolger und wurde somit erster bürgerlicher Leiter der Forstverwaltung des Königreichs Hannover. Nachdem die Domänenkammer 1858 abgeschafft wurde, ernannte man ihn zum Forstdirektor und Generalsekretär für Forsten im Finanzministerium. Nach der Annexion Hannovers 1866 durch Preußen war Burckhardt für die Forstverwaltung der preußischen Provinz Hannover verantwortlich. Den ehrenvollen Ruf in die Zentrale der preußischen Forstverwaltung in Berlin lehnte er ab.

Auf sein Bitten hin wurde 1878 eine Stiftung zur Unterstützung von in Not geratenen Forstbeamten und deren Hinterbliebenden gegründet, die nach ihm „Burckhardt-Stiftung“ genannt wurde und heute „Burckhardt-Stiftung der grünen Farbe“ heißt. Da sich die soziale Absicherung der Forstleute jedoch deutlich gebessert hat, fließen die Erträge aus der Stiftung heute überwiegend in die forstliche Ausbildung und Forschung.

Am 7. Dezember 1879 erlitt Burckhardt bei der Arbeit am Schreibtisch einen Schlaganfall, an welchem er sieben Tage später am 14. Dezember 1879 verstarb. Er wurde auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover beigesetzt.

Leistungen[Bearbeiten]

Burckhardts Bedeutung ist vor allem in seiner Lehrtätigkeit in Hann. Münden sowie in seiner Funktion als Organisator der Hannoverschen Forstverwaltung – immerhin der drittgrößten Deutschlands – zu sehen. Unter ihm wurde das Revierförstersystem eingeführt. Wegweisend hierbei war die Arbeitsteilung im Forstbetrieb durch Trennung der höheren von einer technischen Forstlaufbahn. Der neu eingeführte Revierförster war in seiner gehobenen Stellung für die praktischen Arbeiten im Betriebsvollzug zuständig, während der leitende Forstmeister sich in erster Linie um die wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Aufgaben zu kümmern hatte. Später wurde dieses System auch als hannoversches Revierförstersystem bezeichnet.

Außerdem entwarf Burckhardt zahlreiche Gesetze vor allem zur Ablösung von Weide- und Streunutzungsrechten im Wald. Weiter ist es ihm zu verdanken, dass ab 1860 in großem Umfang unter anderem in der Lüneburger Heide und in der Grafschaft Lingen Öd- und Heideland aufgeforstet wurde. Diese ehemals landwirtschaftlichen Flächen waren durch intensive Nutzung devastiert und brachten keine Erträge mehr. Die neu geschaffenen Wälder waren zwar nicht besonders ertragreich, haben aber im Laufe der Zeit dazu geführt, dass sich die Böden erholen konnten.

Ehrungen[Bearbeiten]

Bild-Medaille auf dem Denkmal

Burckhardt erhielt „zahlreiche Auszeichnungen und Orden[1], darunter:

Die Forstliche Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen verleiht die Heinrich-Christian-Burckhardt-Medaille, um Persönlichkeiten zu ehren, „die sich um die Forstwissenschaft, um ihre praktische Auswirkung, sowie um Förderung der Forstlichen Fakultät in Forschung und Lehre besonders verdient gemacht haben. Der Name Heinrich Christian Burckhardts soll den Geist der Verbundenheit der zu ehrenden Persönlichkeiten mit der Forstlichen Fakultät in Hann. Münden in besonderer Weise zum Ausdruck bringen“ (aus der Satzung zur Verleihung der Medaille). Die enge Verbindung der Forstlichen Fakultät mit Burckhardt ist darin zu sehen, dass 1868 unter anderem auf Betreiben Burckhardts in Hann. Münden die Königlich Preußische Forstakademie Hannoversch Münden gegründet wurde. 1922 wurde die Umbenennung in Forstliche Hochschule mit Rektoratsverfassung, Promotionsrecht, Habilitations- und Berufungsrecht beschlossen und am 3. Mai 1923 proklamiert. Am 6. Mai 1939 wurde sie der Forstlichen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen eingegliedert und zum Wintersemester 1970/1971 nach Göttingen verlegt. Seit 1954 sind 37 Personen mit der Medaille ausgezeichnet worden.

Denkmäler[Bearbeiten]

Burckhardt-Denkmal in der Eilenriede

Sein Heimatort Adelebsen hat sowohl eine Straße als auch 1986 (zu dessen 175. Geburtstag) die dortige Grundschule nach ihm benannt – Burckhardt gehört damit zu den wenigen Forstleuten, denen eine solche Ehre zuteilwurde.

In seinem Wirkungsort Hann. Münden steht das denkmalgeschützte „Burckhardthaus“[2]. Zudem gibt es dort, wie auch in Hannover (dort seit 1897[1]), ebenfalls eine Burckhardtstraße. In dem Dorf Kirchwehren bei Seelze ist bereits 1880 südlich des Forsthauses am Rande des Bössels ein Stein zum Andenken Burckhardts aufgestellt worden.

Die Stadt Hannover hat zu seinen Ehren ein von Carl Dopmeyer 1889 geschaffenes Denkmal, einen „Granitobelisk mit Reliefportrait“[1] in ihrem Stadtwald, der „vorderen Eilenriede[1], errichtet.

Leicht Abseits eines (Wald)wanderweges in Bad Rehburg steht auch ein Gedenkstein mit dem Schriftzug H. Burckhardt (vorne) und 1880 (hinten).

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Deckblatt des Buches Jagd- und Waldlieder von Heinrich Christian Burckhardt (Erstausgabe 1866)
  • Säen und Pflanzen nach forstlicher Praxis: ein Beitrag zur Holzerziehung, Hannover: Rümpler, 1855 – Burckhardts bedeutendstes Werk, welches bis 1893 in sechs Auflagen erschien
  • Der Waldwerth in Beziehung auf Veräusserung, Auseinandersetzung und Entschädigung, Hannover: Rümpler, 1859
  • Die forstlichen Verhältnisse des Königreichs Hannover, 1864
  • Jagd- und Waldlieder, 1866 (Reprint unter dem Titel Burckhardt's Jagd- und Waldlieder. Allgemeines Deutsches Lieder- und Kommersbuch für Forstmänner, Jäger und Jagdfreunde, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-6602-0)
  • Zur Dampfpflugkultur, in: Aus dem Walde V, Hannover 1874, S. 192-198.
  • Ueber die Dampfpflugkultur zum forstlichen Anbau von Heidflächen, in: Aus dem Walde VI, Hannover 1875, S. 150-158
  • Ueber Dampfpflugkultur zum forstlichen Anbau von Heiden, besonders im Forstdistrikte Osterbrock bei Meppen im Hannoverschen, in: Aus dem Walde VII, Hannover 1876, S. 246-254

Daneben war Burckhardt auch Begründer und Herausgeber der Schriftenreihe Aus dem Walde. Mittheilungen in (10) zwanglosen Heften (1865 - 1881). Aus dem Walde ist noch heute die Mitteilungsschrift der Niedersächsischen Landesforstverwaltung.

Literatur[Bearbeiten]

  • Zoltán Rozsnyay: Heinrich Christian Burckhardt - Ein Nachfahre der forstlichen Klassiker und Zoltán Rozsnyay, Frank Kropp: Heinrich Christian Burckhardt (Kurzbiografie mit ausführlicher Bibliografie), in dies.: Niedersächsische Forstliche Biographie. Ein Quellenband. Aus dem Walde (1998): Mitteilungen aus der Niedersächsischen Landesforstverwaltung (Heft 51). Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (MELF), Wolfenbüttel 1998. S. 108-119 und S. 543-560
  • H. W. Ch. Burckhardt, sein Leben und Wirken, Der Forst- und Holzwirt Nr.16, 1961, S. 215-217 (Ansprache von Landesforstdirektor Stalmann gehalten am 28. Februar 1961 anlässlich des 150-jährigen Geburtstages Heinrich Wilhelm Christian Burckhardts an seinem Denkmal der Stadt Hannover i. d. Eilenriede)
  • Walter Kremser: Niedersächsische Forstgeschichte. Eine integrierte Kulturgeschichte des nordwestdeutschen Forstwesens. Rotenburger Schriften (Sonderband 32). Heimatbund Rotenburg/Wümme, Rotenburg 1990
  • Walter Kremser: Heinrich Christian Burckhardt, Aus dem Walde (Heft 30), Hannover 1979, S. I-XVII
  • Walter Kremser: Heinrich Christian Burckhardt - Ein Forstmann im Nexus spiritualis des 19. Jahrhunderts, Der Forst- und Holzwirt Nr. 24, 1979, S. 545-549 (Sonderheft anlässlich des 100. Todestages von Heinrich Christian Burckhardt)
  • Neue Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 1ff. Berlin 1953; hier: Bd. 3, S. 40
  • Deutsche Biographische Enzyklopädie, hrsg. von Walther Killy und (für Bd. 4ff) Rudolf Vierhaus, Bd. 1ff. München etc. 1995ff.; hier: Bd. 2, S. 231
  • Wilhelm Rothert (Hg.): Hannoversche Biographie, Bd. 1: Hannoversche Männer und Frauen seit 1866, Hannover, 1912, S. 88 - 94

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heinrich Christian Burckhardt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Waldemar R. Röhrbein: Burckhardt, Heinrich Christian. In: Stadtlexikon Hannover, S. 99 f.
  2. nicht zu verwechseln mit einer Tagungsstätte gleichen Namens und einem gleichnamigen Verlag im Bereich der Evangelischen Kirche mit dem Schwerpunkt der Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen, in Gelnhausen, benannt nach Johannes Burckhardt
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Dieser Artikel wurde am 12. April 2007 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.