Feldjäger

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Symbol der deutschen Feldjägertruppe ist der preußische Gardestern (Stern des von Friedrich I. gestifteten Schwarzen Adlerordens mit der Devise Suum cuique (lateinisch „Jedem das Seine“))

Die Feldjäger sind einerseits eine historische Truppengattung und gleichzeitig auch eine aktuelle Truppengattung der Bundeswehr. In letzterem Sinne sind sie unter der Bezeichnung Feldjägertruppe seit 1955 mit der Funktion der Militärpolizei in der Bundeswehr betraut.

Geschichte[Bearbeiten]

Freytag’sche Jäger (Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg) um 1761 – zeitgenössisch
Feldjäger (Hessen-Kassel) um 1780 – Darstellung 19./20. Jahrhundert

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff „Feldjäger“ hatte ursprünglich nichts mit Militärpolizei zu tun, sondern bezeichnete zunächst die ab 1631 zuerst in Hessen-Kassel, später auch in anderen Territorien aufgestellte Jägertruppe (so auch in Preußen und in Kurhannover). Diese meist aus Forstleuten und Jägern rekrutierten Verbände Leichter Infanterie operierten in der Regel selbständig und außerhalb der zeitüblichen Linientaktik, häufig als Kundschafter, Plänkler, Scharfschützen oder Kuriere. Sie waren mit gezogenen Büchsen aus ihrem Privatbesitz ausgerüstet. Der früheste militärkundliche Beitrag zum Kleinen KriegAbhandlung über den kleinen Krieg (Kassel 1785) – stammt vom hessischen Feldjägerhauptmann Johann von Ewald und verarbeitet dessen Erfahrungen aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Eine der ersten Militärpolizeitruppen, die Royal Military Police wurde unter Wellington in der Britischen Armee für die Expedition 1807 in Portugal aufgestellt. In der Zeit nach den Napoleonischen Kriegen bis zum Ende des Dritten Reiches war die Bezeichnung „Feldgendarmerie“ im deutschsprachigen Raum für die Polizei im Militärdienst üblich, jedoch nach 1945 durch die Beteiligung der Feldgendarmerie am NS-Unrechtsregime so diskreditiert, dass man bei Aufstellung der Bundeswehr für die Militärpolizei den unbelasteten Begriff „Feldjäger“ wählte.

Altpreußische Armee[Bearbeiten]

Militärpolizeiliche Befugnisse wurden im altpreußischen Heer im Bereich der Strafverfolgung von den Regimentsprofosen, im Bereich der allgemeinen Sicherheit von den Husaren[1] wahrgenommen. So wurden Nachts zur Sicherung von Feldlagern vor feindlichen Überfällen, aber vor allem um Fahnenflucht von Soldaten zu verhindern, Patrouillen eingesetzt. Das in der preußischen Armee 1740 aufgestellte Reitende Feldjägerkorps hatte keine spezifischen Polizeiaufgaben, wurde jedoch im Kurier- und Meldedienst eingesetzt und nahm damit Teile der Aufgaben der heutigen Feldjägertruppe war.

Neupreußische Armee[Bearbeiten]

Nach französischem Vorbild bildete sich in den deutschen Staaten nach 1815 erst zögerlich eine von der Kampftruppe abgesonderte Truppe für Polizeiaufgaben: in Preußen die Landgendarmerie. Sie war – wie in Bayern die Gendarmerie und in Württemberg das Landjägerkorps – Teil der Armee und 1914 entsprechend der Anzahl der preußischen Provinzen in zwölf Brigaden mit je einem Oberst oder älterem Oberstleutnant als Brigadier an der Spitze gegliedert. Der Chef der Landgendarmerie war ein General der Infanterie.[2] Aus dieser Landgendarmerie wurde bei Mobilmachung aus Offizieren und Wachtmeistern die Feldgendarmerie gebildet, ergänzt durch weitere wenige kommandierte Offiziere und eine erhebliche Anzahl Unteroffiziere und Mannschaften berittener Einheiten. Bedeutung erlangte die Truppe erstmals in den Kriegen 1866 und 1870/71. Ihr Auftrag war der Ordnungsdienst in der Etappe, der Verkehrsdienst und auch sicherheitspolizeiliche Funktionen wie die Spionageabwehr.

Bei Kriegsbeginn 1914 gab es in Deutschland rund 33 Einheiten der Feldgendarmerie, die im Verlauf des Krieges auf über 100 erweitert wurden. Erkennungsmerkmal waren der Ringkragen und teilweise auch nur eine Armbinde.

Weimarer Republik[Bearbeiten]

In der Reichswehr gab es keine Einheiten mit polizeiähnlichen Aufgaben.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im Zweiten Weltkrieg und besonders zum Ende des Krieges hin fielen den deutschen Feldgendarmen der Wehrmacht und der Waffen-SS Zehntausende „Fahnenflüchtiger“ in die Hände und wurden entsprechend Hitlers Parole „Der Soldat kann sterben, der Deserteur muss sterben“ exekutiert. Im Volksmund wurden die Feldgendarmen in Anspielung auf die zur Uniform gehörende metallene Plakette mit der Aufschrift Feldgendarmerie oder Feldjägerkommando, die an einer Kette um den Hals getragen wurde, als Kettenhunde bezeichnet. Darüber hinaus wurde die Feldgendarmerie durch den Heldenklau berüchtigt, da sie selbst die Flüchtlingstrecks aus dem Osten noch nach potenziell waffenfähigen Männern absuchte. Die Rolle der Feldgendarmerie zählt bisher zu den am schlechtesten aufgearbeiteten Kapiteln der NS-Gewaltherrschaft. Letzteres gilt zum Beispiel auch für die Verquickungen von Feldgendarmerie, Geheimer Feldpolizei, Heeres- bzw. Wehrmacht-Streifendiensten und Feldjäger-Kommandos.

Metallene Plakette mit der Aufschrift Feldgendarmerie
Simferopol, Januar 1942. Verhaftete Männer in Begleitung eines deutschen Feldgendarmen und deutscher Soldaten. Die Feldgendarmerie Abteilung 683 war im Dezember 1941 an der Ermordung von 14.000 Juden in Simferopol beteiligt[3]

Organisatorisch gesehen waren die traditionellen Feldgendarmerien von Wehrmacht und Waffen-SS in der Regel Großverbänden oder örtlichen Befehlshabern angegliedert. Anders verhielt es sich mit den Feldjäger-Kommandos. Diese wurden auf einen Führerbefehl vom Dezember 1943 hin als Reaktion auf zunehmend hinter der Front zu Tage tretende Disziplinlosigkeiten, Verwahrlosung und Zersetzungserscheinungen aufgestellt. Die Feldjäger-Kommandos waren eine unmittelbar dem Oberkommando der Wehrmacht unterstellte Ordnungstruppe. Daraus ergab sich auch die äußerst seltene Unterordnung der Waffen-SS unter die Disziplinargewalt eines zur Wehrmacht gehörenden Truppenteils. Die Befehlshaber der Feldjäger-Kommandos hatten Stellung und Befugnisse eines Armeeoberbefehlshabers einschließlich der Disziplinarstrafgewalt. In späteren Befehlen wurden den Führern der Feldjäger-Kommandos und -einheiten weitreichende Befugnisse zugestanden, die von praktisch uneingeschränkten Postenenthebungen und dem Auflösen von Etappenorganisationen bis zum Requirieren anderer Ordnungstruppen reichte. Lediglich in die militärtaktische Führung hatten sie kein Eingriffsrecht. Wie oben angesprochen wurden bald Kontrollen im rückwärtigen Gebiet, die Versprengtensuche, die Einrichtung von Auffang- und Sammellinien sowie die Fahndung nach Fahnenflüchtigen und unerlaubt von der Truppe abwesenden Soldaten zum Einsatzschwerpunkt.

Nach dem Krieg wurden die Ordnungstruppen der Wehrmacht vom Nürnberger Militärtribunal vom Vorwurf, eine verbrecherische Organisation gewesen zu sein, im Wesentlichen ausgenommen.

Die Feldgendarmerie wurde nach dem Krieg in der amerikanischen Besatzungszone als Ergänzung der eigenen Militärpolizei herangezogen und blieb unter Waffen. Erst 1948/1949 wurde die Feldgendarmerie entwaffnet.

Die Feldjägertruppe der Bundeswehr[Bearbeiten]

Die Bundeswehr übernahm für ihre militärische Ordnungstruppe schließlich die Bezeichnung „Feldjäger“ im traditionsreichen preußischen Sinne. Nach der Unterzeichnung des Aufstellungsbefehls Nr. 1 für die Bundeswehr am 6. Oktober 1955 durch General Heusinger wurde im ehemaligen Luftwaffenlazarett in Andernach unter anderem eine Militärpolizei-Lehrkompanie aufgestellt. Am 30. Januar 1956 wurde der Begriff „Militärpolizei“ durch den damaligen Staatssekretär Rust durch „Feldjäger“ ersetzt. Die Namensänderung wurde mit der Absicht durchgeführt, die Zahl der Sicherheitsorgane mit Polizeigewalt (insbesondere derjenigen, die unter Kontrolle des Bundes stehen) bewusst klein zu halten und die Truppe von den zivilen Polizeikräften abzugrenzen. Die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus mit ihren ausufernden und mitunter konkurrierenden Sicherheits- und Polizeidiensten in Verbindung mit verfassungsmäßigen Bedenken waren hierfür entscheidend.

Die Feldjägertruppe nimmt als Führungstruppe militärpolizeiliche Aufgaben wahr, ist jedoch keine Polizei im eigentlichen Sinn, wie etwa die Bundespolizei oder die Polizeien der Länder. Feldjäger besitzen im Frieden keine Weisungsbefugnis gegenüber Nicht-Bundeswehrangehörigen, es sei denn, diese halten sich in einem militärischen (Sicherheits-)Bereich auf oder es ist zur Aufgabenerfüllung zwingend notwendig (z. B. Einrichtung eines militärischen Sicherheitsbereichs). Damit liegen die Befugnisse der Feldjäger weit hinter denen ausländischer Militärpolizeien.

Seit 2002 ist die Feldjägertruppe Teil der Streitkräftebasis. Geführt wird die Feldjägertruppe vom Kommando Feldjäger der Bundeswehr mit Sitz in Hannover.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Vorschrift H.Dv. 275, Feldgendarmerie-Vorschrift. 1940.
  • Karlheinz Böckle: Feldgendarmen, Feldjäger, Militärpolizisten. Ihre Geschichte bis heute. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-613-01143-3.
  • Peter Schütz: Die Vorläufer der Bundeswehr-Feldjäger – Ein Beitrag zur preußisch-deutschen Wehrrechtsgeschichte. Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11631-3.
  • Helmut Rettinghaus: Die Deutsche Militärpolizei. Band 1: Erbe 1740 bis 1952. Verlag Helmut Rettinghaus, Langen 2009, ISBN 978-3-00-025560-1;
  • Helmut Rettinghaus: Die Deutsche Militärpolizei. Band 2: Auftrag von 1952 bis heute. Verlag Helmut Rettinghaus, Langen 2009, ISBN 978-3-00-026373-6.
  • Peter Lutz Kalmbach: Polizeiliche Ermittlungsorgane der Wehrmachtjustiz. In: Kriminalistik. Unabhängige Zeitschrift für kriminalistische Wissenschaft und Praxis. 2/2013, 67. Jahrgang, S. 118–122.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Feldjäger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. die Husaren bestanden nahezu gänzlich aus Freiwilligen, die Versuchung der Desertation war hier eher gering, sie waren aus diesem Grunde für Kontrollaufgaben prädestiniert
  2. Rangliste nach dem Stande vom 6. Oktober 1913, Redaktion Kriegsministerium, Berlin 1913
  3. Boris von Haken: Spalier am Mördergraben. In: Die Zeit, Hamburg, Nr. 52, 17. Dezember 2009, S. 60