Henri Temianka

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Henri Temianka (* 19. November 1906 in Greenock, Schottland; † 7. November 1992 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Geiger und Orchesterleiter. Er gründete das „Paganini“ Streichquartetts und das Kalifornische Kammer-Symphonieorchester.

Leben[Bearbeiten]

Henri Temianka, Sohn polnisch-jüdischer Einwanderer, wurde in Schottland geboren, wuchs aber in Liverpool auf. („Ich war vor den Beatles in Liverpool“ scherzte er später). Als er 5 Jahre alt war, zogen die Eltern nach Holland, wo sein Vater im Diamanten-Geschäft tätig wurde. Bereits mit 9 Jahren war er Schüler von Carel Blitz (1915–1923)[1] in Holland, Willy Hess (1923–1924) in Berlin, Jules Boucherit (1924–1926)[2] in Paris. Er verdiente seinen Lebensunterhalt bei Orchestern im Zirkus und als Geiger in Restaurants. In Amerika studierte er am Curtis Institute of Music in Philadelphia bei Carl Flesch, sowie Orchesterleitung bei Artur Rodzinski und graduierte dort 1930. Bereits vor seiner Graduierung debütierte er 1928 in New York. Danach startete er eine Tournee, die ihn durch Europa, Russland und die USA führte.

1935 nahm er am Wieniawski Wettbewerb in Warschau teil, wo er den dritten Platz hinter David Oistrach und der Gewinnerin Ginette Neveu, belegte, die später bei einem Flugzeugunglück verstarb.[3]

1936 gründete er in London das „Temianka Kammerorchester“. 1937–1938 wurde er Konzertmeister des Scottish Orchestra in Glasgow unter George Szell. Temianka war 1939 wieder in Amerika und von 1940–1941 Konzertmeister des Pittsburgh Symphony Orchestra unter Fritz Reiner. Er unternahm jedoch große Anstrengungen, um seine Karriere als Solist auszubauen.

Dann unterbrach der Zweite Weltkrieg seine musikalische Laufbahn. Während des Krieges arbeitete er für das Office of War Information, da er vier Sprachen fließend beherrschte. Bei Kriegsausbruch lebten seine Eltern in Antwerpen und mussten als Juden um ihr Leben fürchten. Glücklicherweise erhielt er für sie durch einen Mitarbeiter im US-Außenministerium Visa für die USA. Nach ihrer Flucht durch Frankreich wurden sie in Bilbao von General Francos Geheimpolizei gefangen genommen. Durch seine früheren Beziehungen nach Bilbao,gelang es einflussreichen Freunden, seine Eltern frei zu bekommen und auf ein Schiff mit Ziel USA unterzubringen.

1945 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Nach dem Krieg nahm er seine Konzert-Tourneen wieder auf und spielte in über 30 Ländern.

1946 spielte Temianka mit dem Pianisten Leonard Shure auf Einladung von Elizabeth Sprague Coolidge im Auditorium der Library of Congress alle 10 Beethoven Sonaten für Violine und Piano. Diese Aufnahmen vom Januar und Februar 1946 wurden in mühevoller Arbeit von Jacob Harnoy jetzt auf eine CD übertragen.[4]

Paganini Quartett[Bearbeiten]

Niccolo Paganini hatte im frühen 19. Jahrhundert einige Stradivari-Instrumente zusammengetragen. Die Instrumente gingen nach Paganinis Tod durch mehrere Hände bis es Emil Herrmann, einem bekannten Händler und Restaurateur von Musikinstrumenten in New York gelang, sie nach fast einem Jahrhundert wieder zu vereinen. Die reiche Witwe und Musikliebhaberin Anna E. Clarke (1878–1963), die in Santa Barbara lebte, kaufte die Instrumente 1946 von Herrmann für $155,000 und Termianka gründete daraufhin das „Paganini String Quartett“.

Jedes Instrument hatte einen Namen nach seinem Vorbesitzer:

  • 1st Violin: “Comte Cozio di Salabue” (1727)
  • 2nd Violin: “Desaint” (1680, Stradivari im frühen Amati-Stil)
  • Viola: “Mendelsohn” (1731, eine der weniger als 12 überlebenden Strads)- dieser Name war als Scherz gemeint
  • Cello: “Ladenburg” (1736)

Das Gründungs-Quartett bestand neben Temianka aus: Gustav Rosseels (2. Violine) Robert Courte (Bratsche) und Robert Maas (Cello). Die nachfolgenden Besetzungen waren Charles Libove, Stefan Krayk und Harris Goldman, (2. Geige); Charles Foidart, David Schwartz und Albert Gillis, (Bratsche); Adolphe Frezin und Lucien Laporte (Cello).

Nach der Auflösung des „Paganini“ Quartetts spielte Temianka eine Geige von Michelangelo Bergonzi aus dem Jahr 1759. Für seine Schallplatten-Aufnahmen der Sonaten von Händel spielte er auf einer Andrea Guarneri aus dem Jahr 1687.

Das Quartett war nach dem Zweiten Weltkrieg sehr bekannt und auch das “Hausquartett” von RCA Victor. Das Quartett war 20 Jahre lang sehr erfolgreich. Als sich das Quartett 1966 auflöste, gingen die Instrumente in den Bestand der Corcoran Art Gallery in Washington D.C. über, die bereits einen Clarke Anbau mit allen Kunstwerken der Familie besaßen. Mr. William Henry Clarke hatte testamentarisch verfügt, dass seine Sammlung nicht aufgeteilt werden darf (deshalb hatte sie das Metropolitan Museum abgelehnt) und das galt dann auch für die Paganini Instrumente. Nach 1966 wurden sie kurzzeitig vom „National Symphony Quartet“ und dem „Iowa Quartet“ gespielt. Von 1969 bis 1992 waren sie an das „Cleveland Quartet“, ausgeliehen, die in 26 Jahren über 2.500 Auftritte auf vier Kontinenten hatten. Die Corcoran Art Gallery verkaufte die Instrumente 1992 für $15 million an die Nippon Music Foundation,[5] und sie sind zurzeit an das “Tokyo String Quartet“ ausgeliehen.[6]

Beverly Hills Concerts für Youth[Bearbeiten]

Auf Vorschlag einiger Persönlichkeiten vor Ort gründete er 1958 die Beverly Hills Konzerte für die Jugend. Sie fanden in der Royce Hall der UCLA statt. Hier machte er Jugendliche mit den Werken von Sergej Prokofieffs „Peter und der Wolf“ und „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns bekannt. Mitwirkende als Erzähler waren Berühmtheiten wie Ray Bradbury, Victor Borge, Hans Conreid, Peter Ustinov und Sam Jaffe.[7] Auch für behinderte Kinder gab der Konzerte. In Benjamin Brittens Kinderoper ‘’Noye’s Fludde’’ (Noahs Sintflut op. 59. Einakter. Libretto: nach dem Chester Miracle Play ) bezog er Kinder aus dem Publikum mit ein.

California Chamber Symphony (CCS)[Bearbeiten]

1960 gründete Temianka das Kalifornische Kammer-Symphonie-Orchester, das über 100 Konzerte über die folgenden 23 Jahre in der Royce Hall gab. Er gab als einer der Ersten Einführungen in die Werke vor den Konzerten unter „Let’s Talk Music“ (lasst uns über Musik sprechen.) Darunter waren Erstaufführungen von den Komponisten Aaron Copland, Dmitri Shostakovich, Darius Milhaud, Alberto Ginastera, Gian-Carlo Menotti und Malcolm Arnold. Er führte auch das Abonnenten-System für die Konzerte ein.[8]

Als Solisten traten in seinem Orchester u. a. David Oistrach, Jean-Pierre Rampal und Benny Goodman auf.[9] Temianka leitete die Aufführungen über 25 Jahre lang.

1982 kamen noch die „Baroque Virtuosi“ hinzu.

Temianka unterrichtete an der University of California (UCSB) in Santa Barbara (1960–1964) und an der California State University(UCLA) in Long Beach (1964–1976). Außerdem gab er Meisterkurse an verschiedenen Universitäten.

Er starb an einem Krebsleiden am 7. November 1992 in seinem Haus in Los Angeles.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carel Blitz.
  2. Photo Boucherit
  3. 1st International Henryk Wieniawski Violin Competition Warsaw, 3–16 March 1935
  4. Leonard Shure, und Henri Temianka recorded Beethoven's 10 sonatas for violin and piano in 1946 Now available on CD. – The New York Times, Published: January 6, 2012.
  5. Stradivari des Paganini Quartetts – The Nippon Foundation
  6. „The four Stradivari instruments“ by John Montgomery in: GUILD NOTES 2009 (PDF; 884 kB) Published by the Raleigh Chamber Music Guild
  7. Beverly Hills Youth Congress 1958 – Photos in der USC Library
  8. Sunday Morning Music At Taper. Los Angeles Times, August 30, 1986.
  9. Center for the Art of Performance at UCLA